Der Diddl-Maus-Junge hat Geburtstag

Ich warne Sie, das ist kein schönes Lied. Sagt viel über eine Familie aus, wenn ein 12/13-jähriger das tothört, oder? Damals war das aktuell und wenn ich mich nicht irre sogar in den Charts. Meine Mutter hat ihn zusammengeschrien wenn er mitgesungen hat.

 

 

Der Musikgeschmack eines Menschen hat nichts mit ihm oder seinem Innenleben zu tun!
David mag eine Band, die 3. Generation heißt und ein Lied über häusliche Gewalt und eines über sexuelle Gewalt gemacht hat. Wenn er für sich die Zeile singt, in der es darum geht eine Erklärung dafür zu wollen warum der Vater prügelt dreht Gudula durch. Schließlich wurde sie nicht geschlagen.
Nadja mag von Wolfsheim „Upstairs“, „A Broken Whisper“ und „For You I’m Bleeding“. Von Depeche Mode “Barrel Of A Gun”.

Aus den Herkömmlichen

 

[Die Namen in den Herkömmlichen sind natürlich nicht unsere Namen.]

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Kleinigkeiten

Der nächste Sperber kam aus Mainz – Danke! Zwar in keinem guten Zustand, das Vinyl ist zerkratzt und die Hülle abgegriffen, aber ohne hätte ich dieses Album gar nicht und es ist sehr wertvoll, dass die Besorgerin um an die LP zu kommen ihre persönliche Komfortzone verlassen hat. Und natürlich lässt der Zustand auch die Wunschvorstellung offen und zu, dass das Ding mal jemand rauf und runter gespielt hat, Tag ein, Tag aus.
Bestandsaufnahme: Drei Alben, eine Single. Es fehlen noch die restlichen Singles.

 

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Ich finde mittlerweile nicht mehr so viel Spaß am Ankerherz-Blog wie vor einigen Monaten und es scheint mir auch mehr der Aspekt in den Vordergrund gerückt zu sein Promo zu machen – was man einem Kleinverlag nicht verübeln kann -, aber gelegentlich schaue ich noch hin.
Dominik Bloh schreibt in seiner Kolumne über das Leben auf der Straße:

Ich beobachte Frauen, die in schnellem Tempo aus der Bahn laufen, im Zickzack, sie schauen sich immer wieder um und wechseln die Straßenseite. Es sieht aus, als würden sie nach Hause fliehen.
Wie es den Frauen geht, die kein Zuhause haben, dazu gibt es kaum Informationen. Klar ist: Für sie bedeutet ein Leben auf der Straße, auch jederzeit sexuell angreifbar zu sein. Viele Frauen leben in einer Scheinobdachlosigkeit. Sie fürchten sich so vor der Straße, halten Beziehungen aus oder gehen eine Zwangsbeziehung ein, um ein Dach über den Kopf zu behalten.

Darüber muss man mal nachdenken. Vor einer sehr langen Zeit, ziemlich zu Anfang, also zu Zeiten als das Ding hier noch keinen richtigen „Ton“ hatte, habe ich in einem Artikel zwei Absätze über Nadine geschrieben, eine der Frauen in der Nothilfestelle, in der ich während meiner Oberstufenzeit Praktikantin war. Wenn ich das oben lese muss ich an Nadine denken, sie war so eine.

Ich habe viele Namen vergessen oder erinnere mich an Namen zu denen ich keine Gesichter mehr sehen kann, aber manchmal denke ich noch an Judith und Nadine. Mit Judith, die alkoholkrank war, verbindet mich eine besondere Erfahrung, an Nadine muss ich manchmal denken, wenn ich mich selber dem Fertigsein nähere.
Nadine war so alt wie ich und der ungeliebte Zwilling. Sie hatte mit elf oder zwölf mit Heroin begonnen. Als ich sie kennenlernte war sie ein Alt-Junkie. An dem Punkt war sie körperlich so fertig vom Stoff, dass ich nicht glaube, dass sie noch lange gelebt hat. Ich weiß noch, dass es schwierig war dieses Mädchen als Mensch wahrzunehmen. Das tat weh, weil ich besonders bei ihr gemerkt habe, dass sie eben nicht „nur“ ein User war. Weil trotzallem auffiel, dass sie noch ein Mädchen war. Ich erinnere mich, dass sie irgendwann das kleine Radio im Essraum aufdrehte weil ihr Lieblingslied gespielt wurde. Das hatte ich auch schon mal getan. Alle anderen Mitarbeiterinnen auch. Bei den anderen Klientinnen mit Suchterkrankung konnten wir uns oft sagen, dass wir uns nie ähnlich verhalten würden.
Ich kann sie noch sehen wie sie auf der Treppe vor der Einrichtung sitzt und nicht aufstehen will, weil sie keine Bleibe für die Nacht hat. Die Notschlafstellen kosteten 6,50 DM. In dem Moment hatte sie alles, was ich meine. Erschöpfung, Hoffnungslosigkeit, Wissen es gibt keine Ruhe. Nur ein winziges Fenster, dann geht alles von vorne los. Im Film hätte man bei ihrem Anblick gedacht Die hört jetzt auf, stellt sich morgen der Polizei und geht in den Entzug.

Aus Stand-by ist ein zermürbender Zustand.

Weil ich an Nadine denken muss gibt es heute auch das Lied, das sie damals im Radio lauter stellte, weil es ihr Lieblingssong war. Ich muss das nicht mögen – tue ich nicht -, aber es gibt definitiv Schlechteres und ich finde auch, dass dass sie dieses Lied so mochte zeigt, dass sie kein schlechter Mensch war, sie hatte einfach keine Chance, aber viele Sehnsüchte.

 

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Ich habe nie direkt zu ihr verlinkt, weil ich sie nicht kenne und nicht wusste ob sie Verlinkungen mag. Jetzt habe ich gesehen andere machen es auch, also versuche ich es auf gut Glück. Sollte die Verlinkung nicht gewollt sein, kurz Bescheid geben, dann nehme ich den Link schnellstmöglich raus.

Dame von Welt über Heimat. Vieles in dem Artikel kommt mir sehr bekannt von mir vor.

 

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Ich lese gerade Unorthodox auf Deutsch. Es kann daran liegen, dass ich mit den meisten Übersetzungen aus dem Amerikanischen ins Deutsche was Biographisches betrifft nicht so gut zurecht komme, weil oft – wenn auch unabsichtlich – etwas Essentielles zerstört wird, aber wenn ich davon ausgehe, dass viele, die die deutsche Fassung lesen das Original (dessen Prolog fehlt, der aber meines Erachtens nach wichtig wäre) nicht auch gelesen haben oder lesen werden tut es mir leid, aber in meinem Bibliothekarinnen-Kopf gehen Schubladen auf: Moderne Erfahrungen-Literatur in Richtung von dem womit Bastei-Lübbe früher verdient hat und Blogger mit großer Öffentlichkeit, dem man die Chance geboten hat. Es ist kein schlechtes Buch, aber der Hype um Frau Feldman ist letztlich eine Art Personenkult. In Deutschland sicher auch angetrieben von dem Thema Ausstieg aus fundamentalistischer Sekte.

Das zeigt mal wieder eine Eigenheit von mir: Die meisten Autoren, die mir empfohlen werden sind nicht nur durchs Berliner Hipster-Dorf getriebene Säue, sondern auch solche, die ohne, dass man sie medial ausschlachtet – im guten wie im negativen Sinne – eventuell untergehen würden. Mit Herrndorf – der vielleicht gar nicht so glücklich damit war oder gewesen wäre wegen seiner Erkrankung besondere Aufmerksamkeit angedichtet zu bekommen – kam ich auch nicht klar.

Nein, ich schreibe kein Buch über meine psychisch und suchtkranke Mutter.

 

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Noch so ein Übersetzungsproblemfall und illustriert vielleicht eher was ich meine, falls das Buch bekannt ist: In Fun Home von Alison Bechdel gibt es in der Originalfassung zwei Worte für die „Weiblichkeit“ ihres (schwulen) Vaters: Sissy und Pansy, das eine ließe sich auch zum Kontext passend mit Weichei übersetzen, das andere in dem Kontext mit Tucke oder, wenn es sein muss, Tunte, steht in der deutschen Fassung aber beides als Mädchen. Nicht als Geschlechtszuweisung, sondern als abwertende Bezeichnung für einen schwachen Junge/Mann. Wenn jemand das Buch liest und sich vorher nie damit beschäftigt hat, dass Bechdel lesbisch ist und jahrzehntelang Lesbencomics macht und sich auch nie mit solchen Identitäten beschäftigt hat, dann kann diese Übersetzung nicht nur zu Missverständnissen führen, sondern auch dazu, dass der Kontext überhaupt nicht verstanden wird. Es ist zwar in dem Buch klar, dass Bechdel lesbisch ist, aber es liest nicht jeder automatisch als Buch einer lesbischen Autorin.

 

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Leckeres vongestern und wenn Sie auch „eher nicht“ finden, hier hat er etwas zur Gewissensberuhigung, ist zwar schon etwas veraltet, aber was soll es. Immerhin mit süßem Hase dabei. [Es sei denn, ich bin nicht die einzige, der das Viech egal ist.]

Ich hoffe, dass bald der neue Fotoroman kommt. Hoffentlich der mit den Satanisten. Den habe ich im Original gelesen, wäre ich damals schon Schwarzkutte gewesen, hätten sie mich an meiner Schule gekreuzigt, weil sie das alles für bare Münze genommen hätten.

 

 

Gottgeschenke V

Manuels Kopf auf meinen Knien erzählt plötzlich, dass er mal eine Frau Monat kannte.

Ich weiß nicht was er meint oder wie er darauf kommt, in meinem Kopf ist so viel Theo, dass ich nicht mitbekommen habe, dass er die ganze Zeit über gesprochen hat und mein Mann ins Zimmer gekommen ist.

Der kennt einen Herrn Monat, einen Handwerker aus Polen.

Ich begreife das Gespräch trotzdem nicht, nicht einmal das Wort, es scheint mir nur seltsam verbunden mit Theo, mir und dem Hund, eher noch mit John Deere zu sein, denn darüber hat Theo damals den Rest des Weges beim Gehen gesprochen. Es war ein Schlurfen mit den Händen in den Hosentaschen und dem Blick auf dem Boden, so wie schüchterne junge Männer vielleicht gehen, aber ich sah damals nicht die Scham, sondern Wut über die Ungerechtigkeit der Absage.

Ich hatte ihm doch nicht in die Augen gesehen. Vielleicht hätte ich dann gemerkt, dass er sich ertappt, geoutet fühlte.

Ich roch auch nichts.

Ich fragte Theo auch nicht was genau er bei John Deere wollte, hätte ich das, wenn ich gewusst hätte was für ein Name in seinem Ausweis stand? Den musste er schließlich in die Bewerbung schreiben – Frau Dorothee… – und ein Mädchen in dem Alter, das sich in dem Ausmaß für Traktoren und Landwirtschaftsfahrzeuge interessierte galt als mindestens fragwürdig.

Installment Nr. 5 für die Gottgeschenke (alles bisherigen Teile hinter dem Link), mit diesen einzubauenden Worten.

Auf Ex

Ein Discounter hat seine Milchmischgetränke mit Alkoholzusatz im Kühlregal auf Greifhöhe von kleinen Kindern stehen. Was kommt zuerst: Anzeige weil ein *hicks* Kind *reiher* beschickert von den Eltern aufgegriffen wird oder ein Einsehen bei den Eltern, dass unsere Methode „Du isst oder öffnest nichts bevor es nicht bezahlt ist, ist das klar?“ nicht nur keine seelische Grausamkeit gegenüber den Kindern ist, sondern durchaus auch eine Maßnahme „gegen die Gefährdung des Kindes“ sein kann? Ich schätze ersteres.

[Wir sind schon von anderen Leuten angegangen worden weil wir den Kindern beibringen zu warten. Das Kassenpersonal, das nicht die xte angegessene Backware, das zigste zerdrückte Ü-Ei oder das ehnte leere Getränkebehältnis scannen muss hat aber meistens einen dankbaren Blick für uns. Wir wiederholen unser „Nein, du wartest! So lange es nicht bezahlt ist, gehört es uns noch nicht.“ auch auf Deutsch, damit es nicht aussieht als ob die böse Frau und der böse Mann den armen Schätzelein einfach so das Essen oder Trinken wegnehmen.

Das Atelier-Kind mit seinen neun Jahren ist selbst von „Babys“, die den Backautomaten malträtieren, Schokoladen, Tüten oder Becher aufreißen genervt.]

Menschen wie der Handschuhschenker finden das auch nicht gerade prickelnd: „Kinners, ich wollt nur so’n kleines Bananenshake für Ludwig.“ Weil es ihm nicht gut ging hat er erst gemerkt was er da mit dem Großneffen teilen wollte um aus der Unterzuckerung rauszukommen als er durch die Kasse war. Konnten natürlich beide nicht trinken. [Die Packung sieht der eines hier noch stehenden Kaffeemischgetränkes ohne Alkohol sehr ähnlich, selbst wenn es einfach nur voll gewesen wäre, hätte man leicht daneben greifen können.]

Warum wäre es eigentlich weniger skandalös wenn ein Kind so ein Getränk versehentlich in die Finger bekommt und im Laden beginnt zu trinken – das wird durch die Platzierung zumindest im Kauf genommen –, als dass ein Diabetiker in einer Ecke eine Notversorgung macht?

Hat er nicht, aber wenn. Es ist immer noch besser jemand stellt sich an eine Wand und dreht sich mit dem Rücken zum Laden und spritzt rasch Not-Insulin, als dass jemand kollabiert.

Das Personal hat ihm ein Stück Traubenzucker gegeben. Die Kunden, besonders die mit Kindern, sollen gestarrt haben und weitergegangen sein. Warum fragt keiner mehr nach? Hätte man ihn liegen lassen, wenn er gestürzt wäre und daneben das schreiende Kleinkind bis das Personal aufmerksam wird? Was ist das für eine Mentalität, was lebt man da seinen Kindern vor, Erste Hilfe ist zwar gesetzlich Pflicht und unterlassene Hilfeleistung strafbar, aber wenn du gerade keinen Bock hast oder dir das Gesicht oder der Körperumfang der Person nicht gefällt, darfst du auch weiter gehen.?

[Ich bin gewohnt, dass mir fast nie jemand hilftwenn ich draußen stürze, aber ich kann auch nicht so leicht ins Koma fallen und wenn ich falle kündigt sich das nicht an und ich kann auch vorher nicht bekannt geben was weshalb passiert und getan werden muss.]

 

Ausriss, uneditiert

Ich habe ein Wort gefunden. Und ich glaube es passt auf das, was ich textlich mache, denn im klassischen Sinne als Schreibende sehe ich mich ja nicht. Das darf ich auch nicht, denn ich habe festgestellt, dass ich dann zu sehr versuche. Nur weil ich wieder kann. Und dabei das vergesse was ich wirklich gut kann. Ich bin keine für lange Texte oder Regeln, an die es sich zu halten gilt. Das merke ich schon daran, dass ich die Überarbeitung der „Susanne“ auf Eis gelegt habe, weil ich zwar weiß, das Stück wird zusammenschrumpfen und vielleicht auch nochmal ganz anders werden, aber ich habe derzeit keine Lust mich durch so einen Koloss – für meine Begriffe – zu wühlen und auch an den Abweichungen. Ich war zu voreilig als ich mir vorgenommen hatte eine Sammlung daraus zu machen, nur weil Materie und Form gut ist. Ich habe fast ein Jahr gebraucht bis ich dieses Jahr die Latüchtengeschichte in ähnlicher Qualität geschafft habe, das soll mir zeigen, dass ich solche geplanten, nach irgendwelchen Regeln gemachten Stücke vielleicht einmal im Jahr kann.

Das Wort, das ich gefunden habe passt in gewisser Weise, wenn man es etwas (um)dreht auf das, was ich eigentlich kann und das was mir auch leicht fällt, diese kurzen, aber prägnanten Stücke.

Das Wort ist Ekphrasis. Es bedeutet eigentlich die Beschreibung anderer Kunstformen in Poesie oder Prosa, aber ich glaube, ich kann mir dieses Wort erlauben, weil ich nie in Sätzen oder Worten denke, sondern nur „Filmszenen transkribiere“. Außerdem gefällt es mir. Wenn ich sage Ich bin Ekphrasikerin, dann fühlt es sich nicht falsch an und es klingt auch irgendwie technisch, vielleicht sogar pathologisch an, ist also kein schönes Wort. Ich wollte kein schönes Wort für das, was ich tue.

Wenn ich mir überlege, dass ich ein Projekt wie Die Herkömmlichen* gemacht habe, das nicht nur eigentlich für Leinwände angedacht war, sondern auch (m)eine Familie beschreibt, die dermaßen extrem ist, dass man objektiv denkt Es muss ein Film sein – wenn ich die alle, mich inklusive, nicht kennen würde, ich täte das im ersten Moment -, also etwas künstliches – wir sind ein künstliches Gebilde in unserer Dysfunktionalität -, dann passt es auch da.

Ich weiß nicht ob es seltsam ist, dass mir ein Wort für dieses Tun erst dann kommt wenn ich es nur noch im virtuellen Rahmen nutzen kann. Ausstellen kann ich wegen dem Gesetz ja nicht mehr. Und vielleicht ist das komisch Wo bist du denn künstlerisch hingekommen? Du hast einen Haufen mehr oder weniger öffentlicher Blogs mit deinem Zeug und was nützt das?!, aber dann auch wieder nicht. Hätte ich Die Herkömmlichen nicht online gezogen, hätte ich sie gar nicht zeigen können und hätte nicht gelernt, dass ich das kann, was am Anfang meine Sorge war. Und was die literarischen Dinge angeht, seien es die Fingerübungen in den Tintenklecksen – morgens zwischen Halbschlaf und wach – oder auch die Abweichungen, auch da, ohne wüsste ich doch gar nicht, dass ich es kann und würde vielleicht auch meine Stärken nicht so klar sehen. Den Lerneffekt bringt keine ISBN (die ist sowieso überbewertet heutzutage und ebenso jedes Äquivalent bei Ebooks), das haben Sie nur bei einer zwar kleinen, aber treuen und manchmal sehr konstruktiven Zahl Lesenden. Das ist mehr wert.

 


*Die Herkömmlichen sind ein abgeschlossenes Projekt für das ein Passwort angefordert werden musste, da es sich um ein autobiographisches Projekt über einen Aspekt der Gewalt an meinem Bruder handelt. Ursprünglich sollte es etwa zehn Tafeln füllen, wuchs jedoch auf über fünfzig Teile an.

 

Riesigkeiten

Kommt ein Sperber* geflogen lalala la lalala…

Herzlichen und großen Dank nach Hamburg für die tolle Überraschung, irrsinnige – oder sollte ich sagen: bekloppte – Freude hier! Ich zwangsoute wie üblich niemanden.

[*Klaus Sperber war sein bürgerlicher Name]

Klaus als Konditor:

Kleinigkeiten

Meine aussortierten Murakamis standen tatsächlich nach einer Stunde nicht mehr im Bücherschrank.

Als nächstes sind die Rankins dran, allerdings in Schüben, das sind 17 oder 18 Bände. Ich bin kein Krimi-Fan, aber die Rebus-Reihe wurde zu meinen Heidelberger Zeiten im englischen Laden verramscht (ich glaube, 2,90€ das Stück) und für den Weg zur Arbeit oder die Pause mit den komischen Kollegen waren sie gut. Ich bin noch ein bisschen nostalgisch weil ich sie mit „zu Hause“, Aerobars mit Minze und britischer Cherry-Cola verbinde, aber ich weiß auch, dass ich sie nie wieder lesen werde. Was wäre wohl karrieretechnisch aus Ian Rankin geworden wenn er John Rebus wie intendiert am Ende des ersten Bandes hätte sterben lassen?!

Angefangen habe ich die Reihe übrigens mittendrin, weil mir als Joy Division-Fan der Titel Dead Souls ins Auge sprang. Im Gegensatz zu Rankin bin ich der Meinung, dass man nicht bei der Addams Family zu Gast sein muss um das Lied zu spielen. It‘s music that you can dance to, stupid!

Außerdem ein super „Downer“: Sie glauben nicht wie oft ich bei einer bestimmten Person besonderer Form von Ausdauersport, auch bekannt als Leuten mitten in der Nacht den SMS-Speicher mit unwichtigem Scheiß zumüllen im Kopf hatte She keeps…

Und das mit dem Grabsteineklau würde sie auch hinbekommen. [Vor einigen Jahren wurde der Grabstein von Ian Curtis‘ Grab widerrechtlich entwendet. Wie gestört muss man sein um Grabsteine zu klauen?!] *Ich bin überhaupt nicht quasi-sarkastisch entnervt, unterstellen Sie mir nichts! Machen Sie lieber die Mondrakete ausfindig*

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Ja, tatsächlich: Im frühen November gekommen und geboren werden sollte ich im folgenden Spät-Januar.

Nein, tatsächlich nicht: Der Kunstfehler ist genau das und hätte auch im Januar passieren können. Pfusch hat nichts mit Frühgeburt zu tun.

Offenbar kann man beides überleben, sonst wäre ich Geist.

#Dumme Fragen

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Gestern stand ich in einem Buchladen vor den Notizbüchern und musste an Gerda, beziehungsweise etwas, dass sie mal gesagt hat denken, in irgendeinem Kommentar, ich weiß nicht mehr ob hier oder anderswo. Da schrieb sie, dass sie Linkshänderin ist und früher stolz war, etwas mit da Vinci gemeinsam zu haben und Spiegelschrift zu können.

Ich hatte eigentlich gehofft, den Paperblanks-Stoker in echt zu sehen (wenigstens mal in der Hand haben…), aber weder der noch der Tagore (den ich mir wünsche seit ich ihn das erste Mal in der Hand hatte) waren vorrätig. Stattdessen mehrere Modelle der Flexi-Serie und eines davon hat einen Einband mit Schrift und Zeichnung von da Vinci, so dass der Gedanke kam.

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Dinge, für die es gut wäre Twitter zu haben (weil man dann fragen könnte wer etwas weiß, an das man selber nicht gedacht hat), auch wenn ich mir deshalb ganz bestimmt kein Konto anlegen werde: Im März bekomme ich Besuch. Da die Person primär und bis abends 20h einen Kurs in Düsseldorf hat kann sie nicht bei mir absteigen, sonst wäre sie danach wegen schlechter Anschlüsse noch etwa zwei-drei Stunden unterwegs. Wir suchen für eine Nacht eine günstige Pension (am besten) mit Einzelzimmer und fragen uns ob es so etwas überhaupt gibt, weil es blöderweise Innenstadt ist und sie auch nicht allzu gut zu Fuß ist.

Die Antwort der Touristenauskunft kann man vergessen. 75€ aufwärts in einem Hostel für einen Kurs, der 25€ kostet ist nicht nur von ihr finanziell nicht stemmbar sondern auch unverhältnismäßig. Wir hatten explizit nach Pension gefragt.

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Ich bin momentan etwas verpeilt, was auch daran liegt, dass ich wegen Mikeschs neuem Hobby diesen Monat zwei Aufträge weniger habe, weil ich mangels Verfügbarkeit nicht schnell genug zusagen konnte. Außerdem wurde ich mal wieder ungefragt „umdisponiert“ was Assistenz angeht. Ist ja ganz nett mal eine andere Stadt zu sehen, aber es frisst neben Geld, das keiner erstattet, auch Zeit und Kraft. Deshalb nochmal: Haben jetzt alle, die ihn wollten den „Zettel“?

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Es gibt seltsame Tage: Ich frage mich nie was wäre wenn ich anders aussähe, ich kenne das nicht. Letztens ging ich aber an einer vorbei, die aussah wie man sich, wenn auch klischeeirt, eine maskuline Lesbe vorstellt und ich habe mich gefragt Wie würdest du dich fühlen wenn du so aussehen würdest? Tue ich nicht, werde ich auch nie und ich spiele da auch mitunter ganz gerne mit, dass ich physiognomisch so „nett“ aussehe und dann diese „derben“ Klamotten trage, ist so, näher ran geht für mich nicht. Und dann habe ich überlegt, wenn ich ganz früh angefangen hätte das durchziehen, vielleicht hätte das geklappt. Aber ich hätte nicht früher anfangen können. Nicht nur hatte man sich bei meinen Eltern nicht zu outen, man – mein Bruder auch – hatte auch bis zur Volljährigkeit niemanden mitzubringen oder es wurde sich dazwischen gedrängt und man lächerlich gemacht. Das ist meinem Bruder auch erwachsen noch passiert – es sind mehrere Partnerinnen wegen Mikesch gegangen -, und ich war mit 17 drei Tage Hohn und Spott ausgesetzt weil mich ein Klassenkamerad während der einzigen Sendung, die ich regelmäßig im Fernsehen sehen wollte wegen der Hausaufgaben für den nächsten Schultag anrief. Gleichzeitig wurde es bis heute nicht verwunden, dass weder mein Bruder noch ich mit 18 – wie mein Vater – geheiratet haben.

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Luxus der Woche: Ein Päckchen Butter (sic!) und eine Lage Schinken.

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Das Wort Interpol: Da und als Video da.

Für diejenigen unter Ihnen, die nicht bei den Etüden mitspielen, die bis Sonntag einzubauenden Worte sind von mir und eines davon lautet „Interpol“, was diverse Mitspieler als mindestens interessant empfunden haben.

Wenn Sie auch mitspielen möchten: Neueinsteiger sind immer willkommen. Es gibt keinen literarischen Anspruch und irgendeine Form von Rückmeldung bekommt jeder, es ist freie Themen- und Genrewahl so lange die drei vorgegeben Wörter in maximal zehn Sätzen untergebracht sind. Steht alles noch mal bei Christiane. Nur Mut!

Auf Red Skies Over Paradise und Weltall. Erde. Mensch… und ich. hatte man ebenfalls die Band-Assoziation, auf letztem sogar mit dem Titel, der den Ausschlag für die Spende gegeben hat.

Dass die anderen bisherigen Beiträge nicht hier verlinkt sind hat nichts damit zu tun, dass ich diese zwei vorziehen würde – alles, was ich bis jetzt gesehen habe war toll, schauen Sie auch in den Kommentarstrang bei Christiane nach denen, die nicht verbloggt wurden -, sondern damit, dass es die beiden sind, die unbeabsichtigt meine Assoziation mit dem Wort teilen.

Bei den Gottgeschenken geht es mit den nächsten Worten ab Sonntag weiter.

Wenn Sie das Thema Trans* auch ohne die Fortsetzungsgeschichte um Silvia und Theo interessiert, schauen Sie doch mal bei Martina vorbei.

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Das Atelier-Kind und Dolmetsch-Dani erfühlen diese Woche 90er Jahre Boybands. Leider eine Woche zu spät. (Hallo Nicole!)

Die Reaktionen darauf führen auf geradezu groteske Weise die Absurdität vor: Die, die am härtesten darauf beharren, der arme Junge könne ja keine Musik hören und hätte auch sonst nichts davon sind die Wir sind hier in Deutschland-Sabbler.

Habe ich eine Bildungslücke oder hieß der Typ, der mit mit dem Schiller vertont worden ist wirklich nicht Louis Beat Hoof Van und kam auch nich frisch von der Gallaudet University? Meines Wissens nach hieß er Ludwig von Beethooven, hat die Gallaudet nie von innen gesehen – war er überhaupt je in Washington und gab es die Gallaudet [eine Universität nur für Gehörlose] damals schon? – und es war in Deutschland, dass er unter anderem dadurch Musik mitbekam und schreiben konnte, dass er sie fühlen konnte.

Musiker wie Deaf Kat Night (die gehörlose, gebärdende Rapperin Katrin Wolke) oder Mischa Gohlke (an Taubheit grenzend schwerhörig, setzt sich sehr für Musikunterricht für Hörgeschädigte ein) machen sich das zunutze. In Deutschland ist „Musik“ auch ein Fach auf Hörgeschädigtenschulen, da geht es um Rhythmus, nicht um singen und Instrumente spielen.

Herbert Grönemeyer wusste auch schon vor etwa fünfdreißig Jahren wie das mit Musik und tauben Menschen ist.

Funfact zum Thema: Das gehörlos geborene Atelier-Kind wurde von seinen gehörlos geborenen Eltern nach einem Schlagzeuger benannt und sein ebenso gehörlos geborener Bruder hätte beinahe nach einem Bassisten geheißen. Sowohl das Schlagzeug als auch die Bassgitarre sind für Hörgeschädigte sehr interessante Instrumente, mit denen man viel Spaß haben kann.

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Not macht erfinderisch: Ein für den ursprünglichen Zweck nicht mehr zu gebrauchendes Kopfkissen scheint als Zugluftstopper für die Balkontür zu taugen, ebenso ein alter Bettbezug aufgerollt für die Fensterfront.

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Mikesch am Wochenende: Jetzt könne ich ja heiraten.

Erstens halte ich nichts von Ehe, zweitens gibt es keine Kandidatin und drittens, man redet sich den Mund fusslig: Wäre entsprechende Kandidatin nur den nichtbehinderten heterosexuellen Partnern assistenzbedürftiger Menschen gleichgestellt und die sind eben nicht anderen Ehepartnern gleichgestellt. Auch in einer Homoehe wäre der nichtbehinderte oder behinderte, aber nicht assistenzbedürftige Partner eines assistenzbedürftigen behinderten Menschen zum Beispiel Erspartes und Vermögen los. Nur mal so.

Ebenfalls am Wochenende: Mikesch und die Billigscheiße Episode Ichzähleimmernochnichtwieder oder: Wozu braucht man einen Regenmantel?

Antworten auf diese Frage bitte in die Kommentarspalte.

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Was Schönes berichtet von Friederike Kroitzsch aus dem Odenwald: Die Neuen.

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Gerade frisch aus den Suchbegriffen: ronan vnv nation bild-zeitung

Ich hoffe, dazu gibt es nirgendwo Ergebnisse. Falls doch, will ich es nicht wissen. Harris, so tief kannst du nicht gesunken sein. Falls doch, möchte ich meine Illusion behalten. Unabhängig von der Musik, sich mit Bild einzulassen ist menschlich verwerflich.