Status

Heute ist der Tag, an dem ich eine Schultüte füllen sollte. Aber ich weiß nicht mit was und ich will auch überhaupt nichts.

Ich bin nicht fertig geworden und es ist okay, aber ich weiß nicht ob ich wirklich unterbrechen soll und eine Zeitlang etwas anderes machen oder ob es mir besser wäre dran zu bleiben. Ein paar Tage Pause, denn ich bin ausgebrannt, und dann weiter im Text.

Es wäre gut gegen das Ausgebranntsein etwas anderes zu machen. Dann könnte ich später erfrischt zurückgehen. Aber allein schon die Erstformgebung eines ernsthaften Textes – also keine Fingerübungen wie die Tintenkleckse, Momentstücke wie das Stadtpoem oder die Etüden oder auch Nebennotizen zu einem Sachtext wie die, aus denen sich Die Herkömmlichen zusammensetzen – dauert bei mir ewig. Ich forme dann nicht aus Ideen und Geistesblitzen, ich muss wissen was, über wen ich machen will. Das braucht Zeit sich zu entwickeln. Wenn ich aber etwas machen will dann gebe ich sie mir nicht. Dann habe ich sie auch nicht. So eine Entwicklung kann Wochen, Monate oder auch mehrere Jahre dauern. Weil das natürlich ungünstig ist, wenn man machen will um den Kopf frei zu bekommen habe ich mitunter den Versuch gemacht, zu Alternativ- oder Ur-Versionen zurückzugehen, aber die sind für mich handwerklich gut gemachte Affenkästen. Käfige. Es ist schade, weil es gute Stücke erwischt, aber das geht einfach nicht. Oder ich habe noch keine Methode dafür.

Was könnte ich also überhaupt machen? Eigentlich gar nichts, mir fehlt die Zündung. Ich hatte mal vor mit so was wie Materie und Form in Serie zu gehen, das hat auch bis heute noch nicht funktioniert.

„Alles Ding in die Boote, Schuhe und Kaffeemaschinen zuerst!“

Auf dem Weg zu Mikesch bin ich gestürzt.

Wenn ich gestürzt bin mache ich nach dem Aufstehen zwei Dinge:

1. Ich versuche herauszufinden ob ich verletzt bin. Es ist praktisch unmöglich mir zu begegnen, ohne dass ich irgendetwas aufschrappt oder blau habe.

2. Ich überprüfe meine Kleidung. Das ist in meinen Lebensumständen noch
wichtiger als nach Verletzungen zu suchen, tue ich aber dennoch erst als zweites. Auf irgendein blutendes Körperteil kommt Desinfektion und Pflaster oder Verband und die Angelegenheit ist durch. Eine zerrissene Hose, Jacke oder ein kaputter Schuh stellt mich vor ernsthafte existentielle [nein, das ist nicht überspitzt gemeint und es ist auch nicht lustig] Probleme.

Unabhängig davon ob mir jemand aufhilft oder so wie heute einfach weiter geht.

Meinen blutenden Finger versorge ich noch unterwegs, halte mich auch immer in der Nähe von Mülleinern oder Büschen weil ich beim Sturz mit dem Kopf nach vorne geschleudert wurde und mir entsprechend schlecht wird. Es gab aus Gründen von Saus und Brause (nicht) kein Frühstück, aber wer weiß vielleicht kommt das von vorgestern raus.

Meine Hose wirkt zwar ganz, also wenigstens nicht durchlöchert, aber ich gehe trotzdem bei Mikesch zunächst ins Bad. Schadensbegrenzung. Zum Glück ist nicht Sommer, sonst würde mich ein Verhör erwarten, wie ich denn mit diesen Beinen gedenke die Beinbehaarung loszuwerden, das ginge doch nicht auf so kaputter Haut.

[Dass man es eben deshalb dann vielleicht mal gar nicht macht, kann Madame nicht verstehen.]

Was kaputt aussieht sind meine Schuhe. Ohne Loch, aber vorne gut abgeschrappt. Mit schwarzer Schuhcreme eventuell noch so zu kaschieren, dass sie bis nächsten Monat – oder selten getragen noch länger – durchhalten, also mache ich mir da auch keine Sorgen.

Mikesch allerdings schon. Sie interessiert nicht der offensichtlich blutende Finger, dass ich kalkweiß bin oder der Geruch von der Desinfektion, sie interessiert, dass die Schuhe „scheiße aussehen“ und was ich damit gemacht hätte.

Auf erteilte Auskunft hin erfahre ich, ich müsste mir neue kaufen, die könne man nicht mehr anziehen, aber ich müsse ja immer rumlaufen wie [ich wiederhole das nicht.] Ach so, habe ich die neue Kapselkaffeemaschine schon gesehen?

Erst dann: „Ey, du blutest aus der Nase.“

Ich habe Nasenbluten, zwei Wunden am Finger, mindestens blaue Flecken an eh kaputten Beinen und eventuell so was ähnliches wie ein leichtes Schleudertrauma [es hat Gründe warum Menschen mit Schäden der Halswirbelsäule beispielsweise nicht Achterbahn fahren dürfen], aber Madame möchte Bewunderung für ihre neue Kaffeemaschine…

 

[Ich frage mich ob das so kurz vor Ende der five days, die mit heute nur noch drei sind, passieren musste, damit ich zu Hause bleibe, vom Computer weg und fokussieren kann, so dass ich wenn schon nicht Montag, dann wenigstens zeitnah mit einer Erstversion fertig werde.]

Von Dingen, die (nicht) verstanden werden

Sich entscheiden zu müssen in einer Woche entweder Hand-, Dusch-, Spuck-, Putz- und Geschirrtücher zu waschen oder die Bettwäsche.

#Dinge, die Mikesch nicht versteht, weil sie sich darüber keine Gedanken machen muss #Saus und Brause

Sich eine Woche lang ausschließlich von Brot mit Margarine zu ernähren, weil die Fahrtkosten für Mikesch-Angelegenheiten und andere notwendige Anschaffungen das Haushaltsgeld fressen.

#Dinge, die Mikesch nicht versteht, weil sie sich darüber keine Gedanken machen muss #Saus und Brause

Nicht mehr five weeks to go zu haben, sondern five days (jetzt nicht mehr) und zu wissen man wird nicht fertig.

#Dinge, die keiner versteht, der sich darüber keine Gedanken machen muss #Doch, liebe Festgemeinde, ich muss arbeiten und das, liebe Festgemeinde, ist anstrengend

Trotzdem schon das erste Fan-Girl mit Bitte um Fortsetzung zu haben. Aber bitte mit den kindlichen Protagonisten im Jugendalter und in love, damit auch die behinderten Mädchen aus den 90er Jahren mal ihren eigenen Foto-Liebes-Roman (wenn auch ohne Fotos) haben.

#Dinge, die keiner versteht, der sich darüber keine Gedanken machen muss #Hallo Annika! (Mach den Blog wieder auf!)

Keine Ahnung was in die Schultüte für Montag, es ging ja nur ums Dranbleiben als der Handschuhschenker die Idee hatte, rein soll.

#Dinge, die keiner versteht, der sich darüber keine Gedanken machen muss

Oster-Süßigkeiten von der 90-jährigen Nachbarin.

#Gute Menschen

Mit dem verständlicherweise stinksaurem Atelier-Kind-Vater eine Anzeige wegen Diskriminierung durch einen Arzt, der ihm jegliche Mitsprache an seiner Versorgung abgesprochen hat formulieren zu müssen und an die richtigen Stellen weiterzuleiten.

#Dinge, die keiner versteht, der sich darüber keine Gedanken machen muss #Wie war das mit Grundgesetz, da stehen doch ziemlich am Anfang…?!

Einer jungen (Mitte 20) pflegenden Angehörigen, deren Angehöriger vor kurzem eine Diagnose bekommen hat, klar machen zu müssen, dass Wahnepisoden bei vielen Diagnosen auftreten können, und dass das eben nicht grundsätzlich bedeutet, die Betroffenen halten sich plötzlich für Napoleon. Wahn kann auch völlig anders aussehen.

#Dinge, die keiner versteht, der sich darüber keine Gedanken machen muss #Erstaunlich welche Irrglauben sich halten #Lernt man das heute so im Leistungskurs Päd. oder Psych.? Zu meiner Oberstufenzeit hat man uns gesagt, dass das Quatsch ist. Ist allerdings auch schon fast 20 Jahre her.

Etüden-Nachlese-Musik

Schön akustisch. Achten Sie auf die Stimme. (Der Mann sagt von sich, er sei Autodidakt!)

Kontext

[Die Wortspenderin hat sich in einem Kommentar dazu bekannt eine Affinität zu dunkler Musik gehabt zu haben, da die Interpreten nicht irgendwer sind, sondern zu der Minderheit derer gehören, die von dem was sie künstlerisch machen leben können und entsprechend bekannt sind, wird zumindest sie die Herren wohl zuordnen können. Ebenso die anderen (teil- oder irgendwie) schwarzen Leser hier.]

 

 

Kohlenpott-Etüde

Als der Trash-Store noch am City Center war hatte es eine Reihe solcher Läden in der Stadt gegeben, überhaupt begegnete man auf der Straße noch der ein oder anderen Schwarzkutte, die dieses Prädikat verdiente.

Damals hatte Carina im Schaufenster des Ladens auf der Schützenbahn, unter Leuchten Kaiser, der mit der erdbeerroten Fassade, mal ein Schild gesehen, dass von dann bis dann wegen dem WGT geschlossen sein würde. Carina war nie mit nach Leipzig gefahren, aber es hieß, damals gab es da noch echte Typen und wenig Schaulaufen von Karnevalsjecken, die die Endprodukte ihrer Frühlingsgefühle vorführen und sich böse vorkommen wollten, weil sie an einem Leichenschmaus teilgenommen hatten.

Carina wusste, dass sie eigentlich ein Hypokrit war, denn sie hatte sich irgendwann der Kleiderordnung ihres Berufes unterworfen, aber sie fragte sich was daraus geworden war. Aus ihrer Lebenseinstellung und ihr selbst, nicht nur der Subkultur, der sie sich einmal zugehörig gefühlt hatte.

Damals als der Trash-Store noch am City Center war und sie ihre ersten Stahlkappen Docs dort gekauft hatte. Bevor der Laden gebrannt hatte. Sie hatte wie so viele andere Kondolenzen auf die Platten vor dem, was einmal die Fenster gewesen waren geschrieben.

Das war lange her.

Carina so wie sie damals war auch.

Stimmte es eigentlich, dass die Leute heute wie Teletubbies aussahen oder im Duschvorhangkleid zum Tanzen gingen?!

Zufällig stammen die Worte von der dieswöchigen Spenderin aus dem Ruhrgebiet und das hier ist eine Ruhrgebiets-Etüde. Die Orte gab es wirklich. Ich bin nicht Carina, aber ich habe mir ihre Gedanken gemacht und als ich Ende der 90er/Anfang der Nullerjahre einen Sommer lang im Ruhrgebiet war habe ich mir tatsächlich ein paar schwarze Stahlkappen Docs im Trash-Store in Essen gekauft. Damals befand er sich neben dem Gewerkschaftshaus in der Straße, die wenn man von der Schützenbahn kommt rechts direkt vor der Haltestelle Porscheplatz (heißt heute anders) abgeht und auf ein Stück der Viehofer Straße führt. Der Brand muss Anfang der Nullerjahre stattgefunden haben. Ich erfuhr davon von Freunden, die sich auf den Platten verewigt hatten und mir (damals noch Analog-)Fotos schickten. Die Etüden-Bezeichnung spielt auch auf die verkohlte Fassade an. Auch andere wichtige Stätten der Subkultur im Ruhrgebiet gibt es nicht mehr, damals war dort eine Art Schmelztiegel.

Damals in Schwabing

Damals in Schwabing… Dieser dauernde Totentag und Leichenschmaus. So hat Vera das empfunden und auch, dass ihr Name noch das modernste an ihr war obwohl Oma Veronika hieß und nicht müde wurde zu erwähnen, dass es in den sechziger Jahren mal eine Mörderin dieses Namens gegeben hatte und dieses Drogenkind vom Bahnhof Zoo, hieß die nicht auch mit zweitem Vornamen Vera?! Gleichzeitig schwatzte Oma Vroni umständlich von Frühlingsgefühlen. Das sollte schön sein, aber so wie Oma davon erzählte war es in Wirklichkeit grauenhaft und führte zu untreuen Männern, die eine Maß nach der anderen soffen und Abtreibungen bei Engelmachern oder Bankert-Bastarden. Oma konnte sich nicht entscheiden welches Wort dafür sie am liebsten mochte. Wohl immer das, das Klein-Vera am meisten Schreck einjagte. So sehr, dass sie dann immer mehr Brause zu trinken haben wollte. Die Oma dachte wegen dem Durst und mahnte an, davon müsste man so viel Pipi, aber für Vera war es ein Vorwand. Wenn Oma Vroni dachte, dass Vera aufs Klo musste konnte sie sich im Bad einschließen und in der alten Sitzwanne hinter dem Duschvorhang verstecken.

Etwas, das meine Münchner Oma nie gemacht hätte für die Kooperation zwischen Christiane und Textstaub.

Ein neues Projekt

Den Worten, die Nadja schreibt in ihrer verlängerten Automatik mit Stift in der Hand mangelt es manchmal an Buchstaben oder es fehlt die Grammatik. Manchmal weiß Nadja nicht was die Worte bedeuten oder ob Worte nicht eigentlich Wörter sind, weil Nadja nicht weiß was in Wirklichkeit Sprache ist. Das, was während sie aufwuchs gesprochen wurde ist ein Mundwerk, aber zuruckverfolgen auf seine Ursachen lasst es sich nicht.

Aus meinem Stück Die Herkömmlichen

Die Herkömmlichen ist ein noch wachsendes Konzeptstück in Text, das sich eher zufällig als Begleiterscheinung zu einer anderen Arbeit entwickelt hat. Aufgrund der Umstände, in die mich ein gewisses Gesetz gebracht hat kann ich es nicht in eine Installation einbauen.

Die ersten Texte sind im Januar und Februar entstanden, im März kam keiner dazu. Der erste, bis jetzt längste, der wenn man es insgesamt als Text sehen will wohl die Exposition geben würde, entstand im Januar über mehrere Tage und behandelt etwas aus der Biographie meines Bruders, das ich vielleicht in einem Ausstellungskontext hätte zeigen können, bei dem ich als Text aber eine gewisse Hemmschwelle zu haben scheine.

Ich glaube, es ist kein Zufall, dass dieses Stück als erstes entstanden ist, das bis jetzt längste ist und die anderen anführt. Ich hätte es gern über mehrere Tafeln verteilt an eine Wand in einem weißen Raum gehangen.

Weil ich diese Stücke nicht ungenutzt lassen wollte und zudem für mich probieren wollte ob ich sie aussetzen kann habe ich sie abgetippt und auf einen URL gestellt, den ich ursprünglich für etwas, das ich für die Amerikaner machen wollte registriert hatte.

Nicht nur weil dieses Konzeptstück als Gesamtes sehr fragil ist und ich wissen will wer das liest habe ich es privat gestellt.

Der Ausschnitt oben gehört in die Perspektive der Familientochter, das war meine Rolle. Und vielleicht erkennen sie das auch, ich habe in den Fädenrissen über meine Probleme mit Sprache gesprochen.

Wenn jemand von denen, die hier schon länger lesen und kommentieren und wissen, was sie da erwartet mitgehen möchte, dann bitten Sie um Einlass. [Das können Sie wenn Sie auf den Link zum Projekt klicken, ich werde dann benachrichtigt und kann entscheiden ob ich Sie mitlesen lassen möchte.] Ich habe eine Liste im Kopf von Leuten, von denen ich glaube, dass sie wollen könnten, aber ich überlasse jedem die Entscheidung selbst. Lediglich zwei Personen, von denen eine etwas themenähnliches macht und die andere ungefähr Bescheid wissen könnte, weil ich das Projekt einmal grob erwähnt habe wurden von mir selbst benachrichtigt.

Weil es als temporärer virtueller Ausstellungsraum, wenn auch ohne Bilder nur mit Text, denn Sie wissen ich mag keine Grafiken – und das Lesegerät einer sehbehinderten Leserin kann die auch nicht dekodieren – , gedacht ist, gibt es dort nur auf einer separaten Seite eine Kommentarmöglichkeit. Dort kann zusammengekommen werden.

Update 16. April: Es ist schön, dass es bis jetzt Zulauf, im Sinne von Interessenten, gegeben hat, und dass ich von mindestens einer Person weiß, die über das erste, harte Stück hinaus gekommen ist. Ich habe gestern einige Texte von Anfang April abgetippt und zugefügt und das Projekt wird weiterhin wachsen, da ich mich in nächster Zeit noch einmal verstärkt um die Sache als deren Begleiterscheinung es sich entwickelt hat kümmern muss.