Unsortiertes zur Literatur

Es hat auch Vorteile nicht mehr Bibliothekarin sein zu müssen: Ich muss mich nirgendwo zur Buchmesse äußern und diesbezüglich auch nicht up to date sein. Der besondere Vorteil nicht mehr SCHULbibliothekarin sein zu müssen: Ich muss nicht mehr dafür verantwortlich sein Jugendlichen zu erklären warum es da zu Ausschreitungen gekommen ist oder warum bestimmte Strömungen und Personen da überhaupt Raum bekommen haben. Und schon gar nicht eine Woche lang oder weil die Bibliothekarin an der englischsprachigen Schule zufällig deutsche Staatsangehörigkeit hat und deshalb wissen müsste was in Frankfurt los war.

Etwas anderes, das dieser Vorberuf mit sich bringt ist, dass ich mit sämtlichen Leuten über Margaret Atwood diskutieren muss. Sie hat den Friedenspreis bekommen und The Handmaid’s Tale ist vor Kurzem neu verfilmt worden und kann als Serie irgendwo gestreamt werden. Ich schrieb im Januar über das Buch.

Die Frage ist ob der Bezug zu heute und dem Westen verstanden wird oder ob der Hype das Denken verschleiert.

Diskutieren kann man diese Frage kaum, da man leider sehr bald in einen Strudel gerät, in dem die eine Hälfte sich nach dem alten Frauenbild sehnt und die andere Hälfte sofort alle Männer pauschal abstempelt. Beides hat nichts mit einer Diskussion des Buches zu tun und somit ist eine Diskussion unmöglich. Weshalb es mich nervt in Diskussionen hineingezwängt zu werden.

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Ich habe gut lernen dürfen, dass meine eigenen Regeln für die Kleckse gut sind – nichts filtern und nichts editieren. Genau der, den ich beim Abtippen der Jubiläums-Kleckse zunächst rausnehmen wollte, weil er mir schwach erschien war für Lesende der stärkste.

Ich hatte als Kind ebenfalls diverse Mondkalb-Erlebnisse – gern auch in der Variante „Hast du überhaupt einen Lebensberechtigungsschein?“ -, vielleicht merkt man das und deshalb.

Außerdem fiel – hinten rum – auf, dass die indirekte Zweisprachlichkeit der Weißen Elefanten Anklang findet. So etwas habe ich ja, da intensiver und teilbiographisch (leicht verfremdet), schon mal genutzt, vielleicht kommt der Anklang auch durch eine noch mal authentischere Authentik.

Vielleicht sollte ich dieses System ausbauen. Für was für Geschichten taugt das?

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Für was für Geschichten taugt das?

Genau das ist eine Frage, die ich mir momentan häufiger stelle. Ich glaube, das ist auch ein Zeichen, dass die Fädenrisse im Umbruch sind. Viele Blogs ändern sich mit der Zeit, das ist ganz normal. Ich lese zum Beispiel bei Leuten, die mit politischen Inhalten angefangen haben und mittlerweile Prosa machen, weil es sich in ihrem Leben so ergeben hat oder mit Texten über Kunst und Literatur begannen und dann selber literarisch, mit eigenen Texten wurden. Das heißt nicht, dass es ein Weg ist, den ich mir für das Ding hier vorstellen kann, aber es macht seine eigenen Wege. Momentan gibt es kaum etwas zu dokumentieren, weil die Situation so fragil ist. Ich habe immer gesagt, ich kotze hier nicht ab, ich vergesse mich nicht. [Den letzten Satzteil können Sie meinetwegen zweimal lesen.]

Zwei Kommentare aus den letzten Tagen:

Du stößt etwas an. Du sagst etwas aus.
In allen deinen Blogs kommt es mir so vor: Ich steige staunend, berührt, fasziniert, manchmal auf- und abgeschreckt in deinen Welten herum. Ich lese. Ich verstehe (hoffentlich). Manchmal ist es schwer auszuhalten, manchmal rege ich mich auch auf (meist nicht in den Kommentaren).
Unter dem Strich bin ich froh, dich entdeckt zu haben.
Liebe Grüße
Christiane

Von Christiane zu 666

 

Deine Etüden sind immer – ich finde kein passendes Wort, aber wenn ich es gefunden habe, wird es kein negatives sein. Sie sind auf jeden Fall anders….

Von Mrs. Postman zu Gottgeschenke VI

Das sagt etwas über mein Können aus und auch darüber wohin die Reise gehen könnte, wenn es vorerst weiterhin wenig Dokumentation geben sollte.

Ich weiß, dass kommt was gut ist. Ich habe kurz vor dem Jubiläum ein paar alte Kleckse gelesen und mit Abstand kann ich den einen oder anderen, den ich zur Entstehungszeit als Mist empfunden habe heute als kleine Perle sehen.

Ich habe auch gelernt, dass ich nichts planen kann, sonst wäre mein Konzept hinter den Abweichungen aufgegangen und selbst Aspekte, die ich da hinein holen wollte zeig(t)en sich nicht wenn sie nicht woll(t)en. Das ist der Flusslauf.

Ich hatte zum Beispiel vor das Fetischisten-Etikett zu thematisieren, das einige nichtbehinderte Menschen, die mit behinderten Menschen Sex haben aufgedrückt bekommen, was nicht nur nervt sondern auch sachlich falsch ist – es gibt in dem Bereich Fetischismus, das ist auch nichts schlimmes, aber es ist nicht jede/r Fetischist/In und nicht alles Fetischismus –, alles wozu es mit dem Thema gereicht hat war ein Tintenklecks, aber der ist gut und die Botschaft kommt vielleicht gerade da durch, dass er ist was er ist an.

Meinem in den letzten Kleinigkeiten erwähnten Stückchen ging es auch so. Ich dachte an eine richtige Geschichte für einen Aufruf beim Unverlinkbaren und hatte mitten drin wegen der Disqualifizierung abgebrochen, weil ich plötzlich nicht mehr weiter wusste. Eines abends in einer ruhigen Viertelstunde war es da, so wie es jetzt ist. Um einiges komprimierter, aber dafür stärker, kräftiger. Thematisch passt sie zu den Abweichungen, aber ich überlege mich mit denen vorerst nicht weiter zu befassen. Stattdessen könnte ich „Portraits“ sammeln, so etwas wie eben jenes Stückchen (kennen Sie noch nicht) oder die Trabanten, wo ich glaube, dass trotz aller Schnelligkeit und Etüden-Anfertigung der Protagonist gut portraitiert ist, vielleicht gilt das auch für die Weißen Elefanten.

Ich könnte diese Portraits – sofern sie wie das Ihnen unbekannte Stück eben nicht für andere Projekte entstehen – sammeln und irgendwann gebündelt als Portfolio zeigen oder hier irgendeine Form von Serie machen, je nachdem wie sich das ganze entwickelt.

 

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666

oder: Ein Jahr Tintenkleckse

Vor einem Jahr habe ich die Tintenkleckse begonnen. Damals hatte ich keine Ahnung wie lange ich das machen würde oder ob das, was ich da mache irgendeine Form von Anklang findet. Es ging darum, das, was mir morgens automatisch kommt nicht zu verschwenden, weil einiges davon ziemlich gut ist. Sicher liegt es auch an den Etüden, dass das Projekt noch immer läuft, allein dafür meinen Dank an den Erfinder und Christiane, dass die sie übernommen hat sowie allen Wortspendern.

Drei Jubiläums-Tintenkleckse mit Worten von Alice Wunder, Fellmonster, Christiane, Emil und Gerda, die meinem Aufruf gefolgt sind. Danke, das nenne ich tolle Leser!

 

Nach Häufigkeit, jeweils mit dem ersten Satz verlinkt, weil es dort drüben keine Titel gibt, die zehn meist geklickten Tintenkleckse:

 

1. Bei den Damen, die mit ihren Möpsen auf der Allee hausieren gehen…

2. Was ist schon ‘ne Liebe, wenn du dran krepierst?!

3. Du hast geguckt, ich hab’s genau gesehen! dachte Gregor.
4. Far out, weit weg, ganz weit von diesen Menschen, die den Unterschied zwischen einer Buddelkiste und einer Kiste Buddeln nicht kannten.

5. Sach ma, hatten die hier alle den Arsch auf?!

6. Das Geräusch ist der Klang unseres Lieblingsliedes, ganz sicher, aber es braucht das Geräusch, dass wir hier sind.

7. Die im Café hat mit schöner Frequenz immer denselben Blick.

8. Zeit, die eigentlich keine sein kann, weil kein Stück in ihr passiert ist, schließt die Menschen verharrend in sich ein nachdem ein Stück passiert ist.

9. Hinter dem Spiegel im Bad klemmt eine Ansichtskarte aus der Kiste, die Anke aus dem Haus ihres verstorbenen Vaters bekommen hat.

10. Ich wusste gar nicht warum ich ihn hasste, denn eigentlich war das ziemlich beeindruckend.

 

Mir fällt auf, dass Texte mit einem bestimmten Thema besonders erfolgreich sind. Das stört mich nicht. Ich frage mich, was das über das Thema und meine Fähigkeit es zu transportieren, vielleicht sogar über die Lesenden aussagt. Hier die Trabanten, Eine Schwesterngeschichte oder Eine Kindheit im Sommer fanden auch viel Zuspruch und die Gottgeschenke können ebenfalls von Menschen nachvollzogen werden, die noch nie mit Menschen wie Theo zu tun hatten. Ist in Ordnung, das ist etwas Gutes.

Aus den Statistiken für die Tintenkleckse geht außerdem hervor, dass einige Besuche von Twitter kamen. Wer ist dafür verantwortlich? Es ist toll, ich freue mich, ich bin lediglich verwundert, weil ich selbst Twitter nicht nutze und die Kleckse verglichen mit den Fädenrissen unbekannt sind und auf zirka ein Fünftel der Leser kommen. Ich möchte der Person Danke sagen.

Meine ursprüngliche Jubiläumsfeier-Idee war Ihnen von Anfang Oktober bis heute auf den Klecksen eine Fortsetzungsgeschichte zu erzählen, das hat mangels Zeit und Thema nicht geklappt (zu der Zeit gab es die davon unabhängigen Gottgeschenke  noch nicht). Vielleicht versuche ich das im Dezember nochmal in einer Art Adventskalender, falls ich die Zeit finde. Ideen oder Themenvorschläge willkommen.

 

Mir fällt auf, dass sich auch die Fädenrisse verändern. Natürlich, es hat wie ich sagte mit dem Stress zu tun und auch mit der momentanen Situation. Es passieren Dinge, die hier einfach nicht hingehören und Sachen wie der xte Anfall Billigscheiß bekommt keine eigenen Artikel mehr, sondern landet in den Kleinigkeiten, weil Ablauf und Mechanismus dieser Masche [das heißt auch als Fachwort so] immer dieselben sind und damit austauschbar, egal ob es jetzt um K.s Jacke, meinen Regenmantel, die Decke, die ich geschenkt bekommen habe oder – „Boah, gib das! Ich will das haben!“ – eine Tafel Schokolade geht. Und es ist wie ich sagte so, dass wenn ich unter Stress stehe ich produktiver bin. Den Kleinkram haben Sie hier dann so wie im September. Was ich meine ist, ich merke, der Fokus verschiebt sich. Es wird ein suchtthematisches Blog bleiben, ich nutze das Thema ja auch fiktional, aber wenn ich mir die Zeit ab August so ansehe, habe ich das Gefühl, es dreht sich mehr in die Richtung, die es ursprünglich haben sollte, es geht in Richtung meines anderen Arbeitsbereiches. Es wird wohl nie ein literarisches Blog an sich werden und ein Künstlerblog wie mal geplant kann es aus Gründen [Spar…äh… Sie wissen schon] nicht mehr werden, aber es lehnt sich in die Richtung darüber, vielleicht fällt das nicht nur mir auf. Trotzdem als ich das zum ersten Mal bewusst gedacht habe, war es seltsam.

 

Es ist zufällig Beitrag 666. (Die, die hier schon länger mitlesen erinnern sich vielleicht).

 

 

Kleinigkeiten

Ich warne Sie, man könnte das eine Sonderedition für diejenigen, die mich als zu sachlich empfinden nennen. Ich kann auch anders.

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Zuerst: Happy Birthday, M.!

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Das mit dem geschlossenen Kommentaren für Artikel älter als eine Woche: Es tut mir leid um die vertane Diskussionsmöglichkeit, aber es hält den Spam fern. Damit kein Missverständnis entsteht, ich mag Kommentare. Auf den Tintenklecksen ist deshalb nicht kommentierbar (außer im Gästebuch), weil ich nicht wüsste wie diese Stücke kommentierbar sein sollten. Auch wenn mehrmals Bedauern darüber ausgedrückt wurde.
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Ich habe hier eine Leserin, die auch Mikesch heißt. Es braucht mir niemand panische Mails schicken, das ist nicht unsere Mikesch. Das Puppenspiel hat mehr als einen Fan auf der Welt und es ist nur logisch, dass bei der Erstausstrahlung auch andere Kinder fasziniert vor dem Fernseher saßen und die Erinnerung bis heute schön ist. Ich mag den Ziegenbock.

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Wir haben endlich ein Hotel für meinen März-Besuch. Hoffentlich macht das Ding keinen Mist mit unserem Frühbucher-Rabatt. 30€ für ein Einzelzimmer pro Nacht sind super. Gleich am Hauptbahnhof sollte auch kein Problem ala unheimlich sein an einem Freitagabend um spätestens 21 Uhr. Im März könnte es dann auch schon wieder noch hell sein oder wenigstens nicht mehr stockdunkel. Mein Besuch ist so gut wie nachtblind, sehen im Dunkeln ist durch Lähmungserscheinungen für sie enorm anstrengend und sie wird auch nach drei Stunden Kurs ziemlich zerschlagen sein. Raten Sie übrigens was per Gesetz mal wieder als Ehrenamt gilt, wofür also keine Assistenzkosten von irgendeiner Stelle getragen werden. Sie bräuchte eigentlich auch jemanden.

Wessen Schuld wäre es dann wenn sie im Kurs nicht aktiv mitmachen könnte? Richtig, ihre eigene. Ach, das sollte von ihr aus gesehen gesellschaftliche Teilhabe und Inklusion sein und es ist für Menschen mit und ohne Behinderung zusammen, so dass man da auch mal Sozialkontakt hat? – Ja, Moment, wir haben da doch so ein… ja, hier, Teilhabegesetz! Aber da steht nichts über Kurse drin… teilhaben Sie also gefälligst auf Selbstkosten oder nur von zu Hause aus.

Sie merken es, ich werde bei dem Thema mittlerweile leicht sarkastisch. Ich könnte eine ganze Armee von Fliegern basteln wenn ich alle Ablehnungsbescheide wegen irgendetwas, das für Menschen ohne Assistenzbedarf selbstverständlich ist falten würde. Wenn ich die anderer Leute dazu nähme könnten wir eine Kunstperformance daraus machen uns alle gegenseitig zu bewerfen. Ernsthaft, das liest sich nur witzig, man könnte das mit einem ernsten Titel versehen und es würde klappen, nur versteht diese Art Kunst heute keiner mehr.

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Es ist seltsam: In Heidelberg konnte ich ohne Angst nach 22h am Karlstor – wurde dann in „Altstadt“ umbenannt – auf den Bus warten und da ist um die Uhrzeit so gut wie nichts mehr los, jetzt mache ich mir einen Kopf, ob in sechs Monaten in Düsseldorf jemand um 20h auf belebten Straßen noch gut „nach Hause“ kommt. Entweder ich werde alt oder es ist der Stress gerade und weil wir bis wir uns entschlossen haben, das zu versuchen – wir kannten die Rabatte nicht und die regulären Preise sind zu hoch für uns – immer wieder Nieten gezogen haben. Da keine von uns in der finanziellen und mobilen Situation ist zu verreisen kennen wir uns in dem Metier nicht aus. Auch die Onlinereservierung war für uns ein relatives Novum.

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Gute Menschen: Ich habe beim Sondermüllfahrzeug meine Stofftasche verloren und der zunächst nur mit Bildzeitung lesen beschäftigt wirkende zum Fahrzeug gehörende Mensch bringt sie mir hinterher.

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Ich habe die Beine voller schwarzer Hämatome und weiß nicht warum. Vielleicht bin ich des Nachts in den Schrank gefallen.

Was mich stört sind die davon unabhängigen Fußschmerzen morgens, wahrscheinlich Brennende Füße Syndrom. Aber natürlich bekomme ich kein Rezept für Antikonvulsiva… Das übliche also. Hier wäre interessant zu wissen, ob eine/r ohne sichtbare Behinderung von irgendwem ein Rezept bekommen hätte.

Kennt jemand ein gutes Vitamin B-Präparat unter zehn Euro?

Außerdem muss man hier schon deshalb gehen können um an Latschenkiefer-Fußbad zu kommen. Eine Apotheke führt das noch und die ist in einem anderen Stadtteil…

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Ich habe diese Woche eigentlich ein schönes Stückchen fabriziert, quasi ein Überbleibsel von dem, das ich dem Unverlinkbaren nicht einreichen durfte, aber ich weiß nicht ob ich es jetzt und wenn hier oder auf den Abweichungen haben will.

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Wir haben noch keine Ahnung was wir an meinem Geburtstag machen oder essen werden. Ich wollte erst nach Düsseldorf rein, schauen was die Vinylläden haben und ob der Remittenden-Händler meines Vertrauens etwas Interessantes hat beziehungsweise was die entsprechenden Läden für die DVD mit dem Beuys-Film von Veiel nehmen – wahrscheinlich nicht wenig, weil er dann frisch erhältlich ist -, aber da ich eine Woche vorher wenigen Mikesch etwa 50km fahren muss kann ich mir das nur so schenken, wie man es als Synonym für „Geht nicht“ versteht.

Auch von Interesse gewesen wäre vielleicht ein Ausflug nach Essen gewesen, aber das sind auch zig Kilometer mit entsprechenden Kosten, die wir nicht aufbringen können. Ich wollte schauen ob es bei der Namen und Steine-Strecke [ein Kunstprojekt von Tom Fecht] auch einen Stein für Klaus Nomi gibt. Seine Tante lebte in Essen und er hat auch dort gearbeitet, das bedeutet, er hat eine Verbindung zu der Stadt.

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Ich bin letztens mal wieder gebeten worden etwas gegenzulesen und Verbesserungsvorschläge zu machen. Ich kläre das grundsätzlich in privaten Mails mit den jeweiligen Personen und ich helfe auch fast allen gerne.

Aber ganz generell: Es ist total unrealistisch (sic!), dass ein 25 Jahre alter Mann, der vorher schon nicht viel von Regeln gehalten hat sich auf keine Weise wehrt und absolut keine Aggression zeigt wenn er nach einem Unfall, von dem eine Behinderung zurückbleibt von seinem Typen behandelt wird wie ein Kleinkind.

Kein Erwachsener lässt sich widerstandslos ein Geschirr – nicht das zum Essen – anlegen, damit irgendwer anders immer weiß wo er ist, kein Erwachsener lässt sich mehr als nötig in seiner Selbstständigkeit beschneiden nur um ein Plätzchen in die Hand gedrückt zu bekommen. Das ist altersgemäß 25 Monate, aber nicht 25 Jahre. Und es ist das Gegenteil von Liebe wenn die Angehörigen Rehabemühungen sabotieren. Das hat nichts mit Hilfe, Unterstützung oder Assistenz zu tun und ist auch nicht romantisch oder süß, das ist entwürdigend und entmündigend! Keine real(istisch)e Person lässt sich das bieten. Selbst Menschen mit hochgradiger geistiger Behinderung zeigen irgendein Protestverhalten und wenn sie sich bewusst erbrechen, einnässen oder –koten, weil sie keine andere Möglichkeit haben sich zu artikulieren – eine jede halbwegs intakte Psyche rebelliert. Man braucht keine Fachliteratur um das zu wissen.

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Was soll ich in Marburg? Da ist das Literaturarchiv, aber was habe ich damit zu tun?

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Noch zwei hinzugefügte Hinweise auf Artikel aus den Kobinet Nachrichten:

Zur Situation in Psychiatrien: Psychatrie-Enquete Now

Zur „Vergangenheit“ diverser Instititionen: Aufarbeitung von Unrecht in Einrichtungen

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Und noch einen Zusatz: Friederike Kroitzsch vom Landlebenblog war oder ist noch in Verdun. Bilder anschauen und nachdenken! Krieg ist nicht toll, Krieg reinigt auch nichts – wie der in Verdun gefallene Franz Marc lange Zeit dachte -, brauchen wir nicht noch mal.

August Macke (sehr früh im ersten Weltkrieg gefallen) hat passend in einem seiner letzten Briefe nach Hause geschrieben, dass die Menschen, die [in Deutschland] im Siegestaumel leben, das Schreckliche des Krieges nicht kennen. [In indirekter Rede, weil ich nicht versehentlich ein Wort im Zitat verdrehen will.] Gilt auch für die, die heute in diesem Land „Hier!“ schreien. Wir sollten froh sein, dass wir zumeist keine direkte Ahnung haben wovon wir reden und man muss auch nicht wirklich alles am eigenen Leib erfahren haben. Das ist kein Happening.

Bittersüß

[Jetzt hat die schon wieder so viel Musik… Aber nach dem Schocker von gestern – das war damals wirklich sein Lieblingslied und ich bilde mir ein, wenn eine Lehrkraft damals geschaut hätte, im Sportunterricht zum Beispiel, man hat das doch gesehen, außerdem war er verhaltensauffällig und die Attitüde meiner Eltern zu Hausaufgaben et cetera sehr untypisch für die soziale Schicht… Sie merken, ich kann den Kerl trotz Gorillatum, Arschlochverhalten und Hypermaskulinität leiden  – muss was Schönes.]

 

Ich glaube, dass ich dieses Stück so mag liegt daran, dass dieses Beziehungsende, über das Paul Banks singt eben nicht unbedingt das Ende einer Partnerbeziehung sein muss. So fühlt es sich auch an wenn man an den Punkt kommt und anfängt „seinen“ Suchtkranken gehen zu lassen, in soweit, dass man innerlich Abstand nimmt und beginnt für sich selbst zu sorgen oder sich wieder wahrzunehmen (das kann man im Suchtstrudel erstaunlich gut verlernen), während gleichzeitig die Person im Leben bleibt, so dass man sehr deutlich merkt, dass alle vermeindlichen Sicherheiten verloren sind. Verantwortung und Selbstständigkeit können einen unsagbar ängstigen.

Der Diddl-Maus-Junge hat Geburtstag

Ich warne Sie, das ist kein schönes Lied. Sagt viel über eine Familie aus, wenn ein 12/13-jähriger das tothört, oder? Damals war das aktuell und wenn ich mich nicht irre sogar in den Charts. Meine Mutter hat ihn zusammengeschrien wenn er mitgesungen hat.

 

 

Der Musikgeschmack eines Menschen hat nichts mit ihm oder seinem Innenleben zu tun!
David mag eine Band, die 3. Generation heißt und ein Lied über häusliche Gewalt und eines über sexuelle Gewalt gemacht hat. Wenn er für sich die Zeile singt, in der es darum geht eine Erklärung dafür zu wollen warum der Vater prügelt dreht Gudula durch. Schließlich wurde sie nicht geschlagen.
Nadja mag von Wolfsheim „Upstairs“, „A Broken Whisper“ und „For You I’m Bleeding“. Von Depeche Mode “Barrel Of A Gun”.

Aus den Herkömmlichen

 

[Die Namen in den Herkömmlichen sind natürlich nicht unsere Namen.]

Kleinigkeiten

Der nächste Sperber kam aus Mainz – Danke! Zwar in keinem guten Zustand, das Vinyl ist zerkratzt und die Hülle abgegriffen, aber ohne hätte ich dieses Album gar nicht und es ist sehr wertvoll, dass die Besorgerin um an die LP zu kommen ihre persönliche Komfortzone verlassen hat. Und natürlich lässt der Zustand auch die Wunschvorstellung offen und zu, dass das Ding mal jemand rauf und runter gespielt hat, Tag ein, Tag aus.
Bestandsaufnahme: Drei Alben, eine Single. Es fehlen noch die restlichen Singles.

 

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Ich finde mittlerweile nicht mehr so viel Spaß am Ankerherz-Blog wie vor einigen Monaten und es scheint mir auch mehr der Aspekt in den Vordergrund gerückt zu sein Promo zu machen – was man einem Kleinverlag nicht verübeln kann -, aber gelegentlich schaue ich noch hin.
Dominik Bloh schreibt in seiner Kolumne über das Leben auf der Straße:

Ich beobachte Frauen, die in schnellem Tempo aus der Bahn laufen, im Zickzack, sie schauen sich immer wieder um und wechseln die Straßenseite. Es sieht aus, als würden sie nach Hause fliehen.
Wie es den Frauen geht, die kein Zuhause haben, dazu gibt es kaum Informationen. Klar ist: Für sie bedeutet ein Leben auf der Straße, auch jederzeit sexuell angreifbar zu sein. Viele Frauen leben in einer Scheinobdachlosigkeit. Sie fürchten sich so vor der Straße, halten Beziehungen aus oder gehen eine Zwangsbeziehung ein, um ein Dach über den Kopf zu behalten.

Darüber muss man mal nachdenken. Vor einer sehr langen Zeit, ziemlich zu Anfang, also zu Zeiten als das Ding hier noch keinen richtigen „Ton“ hatte, habe ich in einem Artikel zwei Absätze über Nadine geschrieben, eine der Frauen in der Nothilfestelle, in der ich während meiner Oberstufenzeit Praktikantin war. Wenn ich das oben lese muss ich an Nadine denken, sie war so eine.

Ich habe viele Namen vergessen oder erinnere mich an Namen zu denen ich keine Gesichter mehr sehen kann, aber manchmal denke ich noch an Judith und Nadine. Mit Judith, die alkoholkrank war, verbindet mich eine besondere Erfahrung, an Nadine muss ich manchmal denken, wenn ich mich selber dem Fertigsein nähere.
Nadine war so alt wie ich und der ungeliebte Zwilling. Sie hatte mit elf oder zwölf mit Heroin begonnen. Als ich sie kennenlernte war sie ein Alt-Junkie. An dem Punkt war sie körperlich so fertig vom Stoff, dass ich nicht glaube, dass sie noch lange gelebt hat. Ich weiß noch, dass es schwierig war dieses Mädchen als Mensch wahrzunehmen. Das tat weh, weil ich besonders bei ihr gemerkt habe, dass sie eben nicht „nur“ ein User war. Weil trotzallem auffiel, dass sie noch ein Mädchen war. Ich erinnere mich, dass sie irgendwann das kleine Radio im Essraum aufdrehte weil ihr Lieblingslied gespielt wurde. Das hatte ich auch schon mal getan. Alle anderen Mitarbeiterinnen auch. Bei den anderen Klientinnen mit Suchterkrankung konnten wir uns oft sagen, dass wir uns nie ähnlich verhalten würden.
Ich kann sie noch sehen wie sie auf der Treppe vor der Einrichtung sitzt und nicht aufstehen will, weil sie keine Bleibe für die Nacht hat. Die Notschlafstellen kosteten 6,50 DM. In dem Moment hatte sie alles, was ich meine. Erschöpfung, Hoffnungslosigkeit, Wissen es gibt keine Ruhe. Nur ein winziges Fenster, dann geht alles von vorne los. Im Film hätte man bei ihrem Anblick gedacht Die hört jetzt auf, stellt sich morgen der Polizei und geht in den Entzug.

Aus Stand-by ist ein zermürbender Zustand.

Weil ich an Nadine denken muss gibt es heute auch das Lied, das sie damals im Radio lauter stellte, weil es ihr Lieblingssong war. Ich muss das nicht mögen – tue ich nicht -, aber es gibt definitiv Schlechteres und ich finde auch, dass dass sie dieses Lied so mochte zeigt, dass sie kein schlechter Mensch war, sie hatte einfach keine Chance, aber viele Sehnsüchte.

 

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Ich habe nie direkt zu ihr verlinkt, weil ich sie nicht kenne und nicht wusste ob sie Verlinkungen mag. Jetzt habe ich gesehen andere machen es auch, also versuche ich es auf gut Glück. Sollte die Verlinkung nicht gewollt sein, kurz Bescheid geben, dann nehme ich den Link schnellstmöglich raus.

Dame von Welt über Heimat. Vieles in dem Artikel kommt mir sehr bekannt von mir vor.

 

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Ich lese gerade Unorthodox auf Deutsch. Es kann daran liegen, dass ich mit den meisten Übersetzungen aus dem Amerikanischen ins Deutsche was Biographisches betrifft nicht so gut zurecht komme, weil oft – wenn auch unabsichtlich – etwas Essentielles zerstört wird, aber wenn ich davon ausgehe, dass viele, die die deutsche Fassung lesen das Original (dessen Prolog fehlt, der aber meines Erachtens nach wichtig wäre) nicht auch gelesen haben oder lesen werden tut es mir leid, aber in meinem Bibliothekarinnen-Kopf gehen Schubladen auf: Moderne Erfahrungen-Literatur in Richtung von dem womit Bastei-Lübbe früher verdient hat und Blogger mit großer Öffentlichkeit, dem man die Chance geboten hat. Es ist kein schlechtes Buch, aber der Hype um Frau Feldman ist letztlich eine Art Personenkult. In Deutschland sicher auch angetrieben von dem Thema Ausstieg aus fundamentalistischer Sekte.

Das zeigt mal wieder eine Eigenheit von mir: Die meisten Autoren, die mir empfohlen werden sind nicht nur durchs Berliner Hipster-Dorf getriebene Säue, sondern auch solche, die ohne, dass man sie medial ausschlachtet – im guten wie im negativen Sinne – eventuell untergehen würden. Mit Herrndorf – der vielleicht gar nicht so glücklich damit war oder gewesen wäre wegen seiner Erkrankung besondere Aufmerksamkeit angedichtet zu bekommen – kam ich auch nicht klar.

Nein, ich schreibe kein Buch über meine psychisch und suchtkranke Mutter.

 

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Noch so ein Übersetzungsproblemfall und illustriert vielleicht eher was ich meine, falls das Buch bekannt ist: In Fun Home von Alison Bechdel gibt es in der Originalfassung zwei Worte für die „Weiblichkeit“ ihres (schwulen) Vaters: Sissy und Pansy, das eine ließe sich auch zum Kontext passend mit Weichei übersetzen, das andere in dem Kontext mit Tucke oder, wenn es sein muss, Tunte, steht in der deutschen Fassung aber beides als Mädchen. Nicht als Geschlechtszuweisung, sondern als abwertende Bezeichnung für einen schwachen Junge/Mann. Wenn jemand das Buch liest und sich vorher nie damit beschäftigt hat, dass Bechdel lesbisch ist und jahrzehntelang Lesbencomics macht und sich auch nie mit solchen Identitäten beschäftigt hat, dann kann diese Übersetzung nicht nur zu Missverständnissen führen, sondern auch dazu, dass der Kontext überhaupt nicht verstanden wird. Es ist zwar in dem Buch klar, dass Bechdel lesbisch ist, aber es liest nicht jeder automatisch als Buch einer lesbischen Autorin.

 

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Leckeres vongestern und wenn Sie auch „eher nicht“ finden, hier hat er etwas zur Gewissensberuhigung, ist zwar schon etwas veraltet, aber was soll es. Immerhin mit süßem Hase dabei. [Es sei denn, ich bin nicht die einzige, der das Viech egal ist.]

Ich hoffe, dass bald der neue Fotoroman kommt. Hoffentlich der mit den Satanisten. Den habe ich im Original gelesen, wäre ich damals schon Schwarzkutte gewesen, hätten sie mich an meiner Schule gekreuzigt, weil sie das alles für bare Münze genommen hätten.

 

 

Riesigkeiten

Kommt ein Sperber* geflogen lalala la lalala…

Herzlichen und großen Dank nach Hamburg für die tolle Überraschung, irrsinnige – oder sollte ich sagen: bekloppte – Freude hier! Ich zwangsoute wie üblich niemanden.

[*Klaus Sperber war sein bürgerlicher Name]

Klaus als Konditor: