Gottgeschenke VI

Von den Autos wusste ich. Kein Mädchen hätte sich damals so gut ausgekannt, alle Frauen, die ich damals mit Auto und Führerscheinen kannte wussten gerade mal ihr eigenes Modell und ein paar bekannte Marken. Keine wäre wie Theo mitten in der Stadt urplötzlich stehen geblieben und prüfend um wildfremde Autos, deren Kennzeichen ich nicht zuordnen konnte herumgegangen.

„In Zweibrücken, aha, ich dachte, die gibt es schon gar nicht mehr…“ murmelte er.

„Was ist denn das?“

„Die erste Mantageneration.“

„Ich schenk dir einen zu Weihnachten.“

„Deine Güte ist grenzenlos, Silvia“, er grinste und um sein rechtes Auge tanzten die Krähenfüße, „lass dir aber sagen, die sind verdammt teuer.“

„Du nimmst mich nicht ernst, Theodor.“

„Ich heiße nicht Theodor.“

Installment Sechs für die Gottgeschenke (einzubauende Worte hier). Ich bin mir nicht sicher: entweder die Geschichte nimmt ab jetzt Fahrt auf oder sie fährt gegen die Wand. Mal schauen, was die nächsten Worte hergeben.

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666

oder: Ein Jahr Tintenkleckse

Vor einem Jahr habe ich die Tintenkleckse begonnen. Damals hatte ich keine Ahnung wie lange ich das machen würde oder ob das, was ich da mache irgendeine Form von Anklang findet. Es ging darum, das, was mir morgens automatisch kommt nicht zu verschwenden, weil einiges davon ziemlich gut ist. Sicher liegt es auch an den Etüden, dass das Projekt noch immer läuft, allein dafür meinen Dank an den Erfinder und Christiane, dass die sie übernommen hat sowie allen Wortspendern.

Drei Jubiläums-Tintenkleckse mit Worten von Alice Wunder, Fellmonster, Christiane, Emil und Gerda, die meinem Aufruf gefolgt sind. Danke, das nenne ich tolle Leser!

 

Nach Häufigkeit, jeweils mit dem ersten Satz verlinkt, weil es dort drüben keine Titel gibt, die zehn meist geklickten Tintenkleckse:

 

1. Bei den Damen, die mit ihren Möpsen auf der Allee hausieren gehen…

2. Was ist schon ‘ne Liebe, wenn du dran krepierst?!

3. Du hast geguckt, ich hab’s genau gesehen! dachte Gregor.
4. Far out, weit weg, ganz weit von diesen Menschen, die den Unterschied zwischen einer Buddelkiste und einer Kiste Buddeln nicht kannten.

5. Sach ma, hatten die hier alle den Arsch auf?!

6. Das Geräusch ist der Klang unseres Lieblingsliedes, ganz sicher, aber es braucht das Geräusch, dass wir hier sind.

7. Die im Café hat mit schöner Frequenz immer denselben Blick.

8. Zeit, die eigentlich keine sein kann, weil kein Stück in ihr passiert ist, schließt die Menschen verharrend in sich ein nachdem ein Stück passiert ist.

9. Hinter dem Spiegel im Bad klemmt eine Ansichtskarte aus der Kiste, die Anke aus dem Haus ihres verstorbenen Vaters bekommen hat.

10. Ich wusste gar nicht warum ich ihn hasste, denn eigentlich war das ziemlich beeindruckend.

 

Mir fällt auf, dass Texte mit einem bestimmten Thema besonders erfolgreich sind. Das stört mich nicht. Ich frage mich, was das über das Thema und meine Fähigkeit es zu transportieren, vielleicht sogar über die Lesenden aussagt. Hier die Trabanten, Eine Schwesterngeschichte oder Eine Kindheit im Sommer fanden auch viel Zuspruch und die Gottgeschenke können ebenfalls von Menschen nachvollzogen werden, die noch nie mit Menschen wie Theo zu tun hatten. Ist in Ordnung, das ist etwas Gutes.

Aus den Statistiken für die Tintenkleckse geht außerdem hervor, dass einige Besuche von Twitter kamen. Wer ist dafür verantwortlich? Es ist toll, ich freue mich, ich bin lediglich verwundert, weil ich selbst Twitter nicht nutze und die Kleckse verglichen mit den Fädenrissen unbekannt sind und auf zirka ein Fünftel der Leser kommen. Ich möchte der Person Danke sagen.

Meine ursprüngliche Jubiläumsfeier-Idee war Ihnen von Anfang Oktober bis heute auf den Klecksen eine Fortsetzungsgeschichte zu erzählen, das hat mangels Zeit und Thema nicht geklappt (zu der Zeit gab es die davon unabhängigen Gottgeschenke  noch nicht). Vielleicht versuche ich das im Dezember nochmal in einer Art Adventskalender, falls ich die Zeit finde. Ideen oder Themenvorschläge willkommen.

 

Mir fällt auf, dass sich auch die Fädenrisse verändern. Natürlich, es hat wie ich sagte mit dem Stress zu tun und auch mit der momentanen Situation. Es passieren Dinge, die hier einfach nicht hingehören und Sachen wie der xte Anfall Billigscheiß bekommt keine eigenen Artikel mehr, sondern landet in den Kleinigkeiten, weil Ablauf und Mechanismus dieser Masche [das heißt auch als Fachwort so] immer dieselben sind und damit austauschbar, egal ob es jetzt um K.s Jacke, meinen Regenmantel, die Decke, die ich geschenkt bekommen habe oder – „Boah, gib das! Ich will das haben!“ – eine Tafel Schokolade geht. Und es ist wie ich sagte so, dass wenn ich unter Stress stehe ich produktiver bin. Den Kleinkram haben Sie hier dann so wie im September. Was ich meine ist, ich merke, der Fokus verschiebt sich. Es wird ein suchtthematisches Blog bleiben, ich nutze das Thema ja auch fiktional, aber wenn ich mir die Zeit ab August so ansehe, habe ich das Gefühl, es dreht sich mehr in die Richtung, die es ursprünglich haben sollte, es geht in Richtung meines anderen Arbeitsbereiches. Es wird wohl nie ein literarisches Blog an sich werden und ein Künstlerblog wie mal geplant kann es aus Gründen [Spar…äh… Sie wissen schon] nicht mehr werden, aber es lehnt sich in die Richtung darüber, vielleicht fällt das nicht nur mir auf. Trotzdem als ich das zum ersten Mal bewusst gedacht habe, war es seltsam.

 

Es ist zufällig Beitrag 666. (Die, die hier schon länger mitlesen erinnern sich vielleicht).

 

 

Kleinigkeiten

Ich warne Sie, man könnte das eine Sonderedition für diejenigen, die mich als zu sachlich empfinden nennen. Ich kann auch anders.

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Zuerst: Happy Birthday, M.!

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Das mit dem geschlossenen Kommentaren für Artikel älter als eine Woche: Es tut mir leid um die vertane Diskussionsmöglichkeit, aber es hält den Spam fern. Damit kein Missverständnis entsteht, ich mag Kommentare. Auf den Tintenklecksen ist deshalb nicht kommentierbar (außer im Gästebuch), weil ich nicht wüsste wie diese Stücke kommentierbar sein sollten. Auch wenn mehrmals Bedauern darüber ausgedrückt wurde.
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Ich habe hier eine Leserin, die auch Mikesch heißt. Es braucht mir niemand panische Mails schicken, das ist nicht unsere Mikesch. Das Puppenspiel hat mehr als einen Fan auf der Welt und es ist nur logisch, dass bei der Erstausstrahlung auch andere Kinder fasziniert vor dem Fernseher saßen und die Erinnerung bis heute schön ist. Ich mag den Ziegenbock.

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Wir haben endlich ein Hotel für meinen März-Besuch. Hoffentlich macht das Ding keinen Mist mit unserem Frühbucher-Rabatt. 30€ für ein Einzelzimmer pro Nacht sind super. Gleich am Hauptbahnhof sollte auch kein Problem ala unheimlich sein an einem Freitagabend um spätestens 21 Uhr. Im März könnte es dann auch schon wieder noch hell sein oder wenigstens nicht mehr stockdunkel. Mein Besuch ist so gut wie nachtblind, sehen im Dunkeln ist durch Lähmungserscheinungen für sie enorm anstrengend und sie wird auch nach drei Stunden Kurs ziemlich zerschlagen sein. Raten Sie übrigens was per Gesetz mal wieder als Ehrenamt gilt, wofür also keine Assistenzkosten von irgendeiner Stelle getragen werden. Sie bräuchte eigentlich auch jemanden.

Wessen Schuld wäre es dann wenn sie im Kurs nicht aktiv mitmachen könnte? Richtig, ihre eigene. Ach, das sollte von ihr aus gesehen gesellschaftliche Teilhabe und Inklusion sein und es ist für Menschen mit und ohne Behinderung zusammen, so dass man da auch mal Sozialkontakt hat? – Ja, Moment, wir haben da doch so ein… ja, hier, Teilhabegesetz! Aber da steht nichts über Kurse drin… teilhaben Sie also gefälligst auf Selbstkosten oder nur von zu Hause aus.

Sie merken es, ich werde bei dem Thema mittlerweile leicht sarkastisch. Ich könnte eine ganze Armee von Fliegern basteln wenn ich alle Ablehnungsbescheide wegen irgendetwas, das für Menschen ohne Assistenzbedarf selbstverständlich ist falten würde. Wenn ich die anderer Leute dazu nähme könnten wir eine Kunstperformance daraus machen uns alle gegenseitig zu bewerfen. Ernsthaft, das liest sich nur witzig, man könnte das mit einem ernsten Titel versehen und es würde klappen, nur versteht diese Art Kunst heute keiner mehr.

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Es ist seltsam: In Heidelberg konnte ich ohne Angst nach 22h am Karlstor – wurde dann in „Altstadt“ umbenannt – auf den Bus warten und da ist um die Uhrzeit so gut wie nichts mehr los, jetzt mache ich mir einen Kopf, ob in sechs Monaten in Düsseldorf jemand um 20h auf belebten Straßen noch gut „nach Hause“ kommt. Entweder ich werde alt oder es ist der Stress gerade und weil wir bis wir uns entschlossen haben, das zu versuchen – wir kannten die Rabatte nicht und die regulären Preise sind zu hoch für uns – immer wieder Nieten gezogen haben. Da keine von uns in der finanziellen und mobilen Situation ist zu verreisen kennen wir uns in dem Metier nicht aus. Auch die Onlinereservierung war für uns ein relatives Novum.

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Gute Menschen: Ich habe beim Sondermüllfahrzeug meine Stofftasche verloren und der zunächst nur mit Bildzeitung lesen beschäftigt wirkende zum Fahrzeug gehörende Mensch bringt sie mir hinterher.

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Ich habe die Beine voller schwarzer Hämatome und weiß nicht warum. Vielleicht bin ich des Nachts in den Schrank gefallen.

Was mich stört sind die davon unabhängigen Fußschmerzen morgens, wahrscheinlich Brennende Füße Syndrom. Aber natürlich bekomme ich kein Rezept für Antikonvulsiva… Das übliche also. Hier wäre interessant zu wissen, ob eine/r ohne sichtbare Behinderung von irgendwem ein Rezept bekommen hätte.

Kennt jemand ein gutes Vitamin B-Präparat unter zehn Euro?

Außerdem muss man hier schon deshalb gehen können um an Latschenkiefer-Fußbad zu kommen. Eine Apotheke führt das noch und die ist in einem anderen Stadtteil…

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Ich habe diese Woche eigentlich ein schönes Stückchen fabriziert, quasi ein Überbleibsel von dem, das ich dem Unverlinkbaren nicht einreichen durfte, aber ich weiß nicht ob ich es jetzt und wenn hier oder auf den Abweichungen haben will.

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Wir haben noch keine Ahnung was wir an meinem Geburtstag machen oder essen werden. Ich wollte erst nach Düsseldorf rein, schauen was die Vinylläden haben und ob der Remittenden-Händler meines Vertrauens etwas Interessantes hat beziehungsweise was die entsprechenden Läden für die DVD mit dem Beuys-Film von Veiel nehmen – wahrscheinlich nicht wenig, weil er dann frisch erhältlich ist -, aber da ich eine Woche vorher wenigen Mikesch etwa 50km fahren muss kann ich mir das nur so schenken, wie man es als Synonym für „Geht nicht“ versteht.

Auch von Interesse gewesen wäre vielleicht ein Ausflug nach Essen gewesen, aber das sind auch zig Kilometer mit entsprechenden Kosten, die wir nicht aufbringen können. Ich wollte schauen ob es bei der Namen und Steine-Strecke [ein Kunstprojekt von Tom Fecht] auch einen Stein für Klaus Nomi gibt. Seine Tante lebte in Essen und er hat auch dort gearbeitet, das bedeutet, er hat eine Verbindung zu der Stadt.

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Ich bin letztens mal wieder gebeten worden etwas gegenzulesen und Verbesserungsvorschläge zu machen. Ich kläre das grundsätzlich in privaten Mails mit den jeweiligen Personen und ich helfe auch fast allen gerne.

Aber ganz generell: Es ist total unrealistisch (sic!), dass ein 25 Jahre alter Mann, der vorher schon nicht viel von Regeln gehalten hat sich auf keine Weise wehrt und absolut keine Aggression zeigt wenn er nach einem Unfall, von dem eine Behinderung zurückbleibt von seinem Typen behandelt wird wie ein Kleinkind.

Kein Erwachsener lässt sich widerstandslos ein Geschirr – nicht das zum Essen – anlegen, damit irgendwer anders immer weiß wo er ist, kein Erwachsener lässt sich mehr als nötig in seiner Selbstständigkeit beschneiden nur um ein Plätzchen in die Hand gedrückt zu bekommen. Das ist altersgemäß 25 Monate, aber nicht 25 Jahre. Und es ist das Gegenteil von Liebe wenn die Angehörigen Rehabemühungen sabotieren. Das hat nichts mit Hilfe, Unterstützung oder Assistenz zu tun und ist auch nicht romantisch oder süß, das ist entwürdigend und entmündigend! Keine real(istisch)e Person lässt sich das bieten. Selbst Menschen mit hochgradiger geistiger Behinderung zeigen irgendein Protestverhalten und wenn sie sich bewusst erbrechen, einnässen oder –koten, weil sie keine andere Möglichkeit haben sich zu artikulieren – eine jede halbwegs intakte Psyche rebelliert. Man braucht keine Fachliteratur um das zu wissen.

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Was soll ich in Marburg? Da ist das Literaturarchiv, aber was habe ich damit zu tun?

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Noch zwei hinzugefügte Hinweise auf Artikel aus den Kobinet Nachrichten:

Zur Situation in Psychiatrien: Psychatrie-Enquete Now

Zur „Vergangenheit“ diverser Instititionen: Aufarbeitung von Unrecht in Einrichtungen

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Und noch einen Zusatz: Friederike Kroitzsch vom Landlebenblog war oder ist noch in Verdun. Bilder anschauen und nachdenken! Krieg ist nicht toll, Krieg reinigt auch nichts – wie der in Verdun gefallene Franz Marc lange Zeit dachte -, brauchen wir nicht noch mal.

August Macke (sehr früh im ersten Weltkrieg gefallen) hat passend in einem seiner letzten Briefe nach Hause geschrieben, dass die Menschen, die [in Deutschland] im Siegestaumel leben, das Schreckliche des Krieges nicht kennen. [In indirekter Rede, weil ich nicht versehentlich ein Wort im Zitat verdrehen will.] Gilt auch für die, die heute in diesem Land „Hier!“ schreien. Wir sollten froh sein, dass wir zumeist keine direkte Ahnung haben wovon wir reden und man muss auch nicht wirklich alles am eigenen Leib erfahren haben. Das ist kein Happening.

Weiße Elefanten

Die Schwere lag jetzt über allem, der Wohnung, der Straße, der ganzen Stadt, in den Oberleitungen, den Schienen, den Abflüssen und den Wolken.

Eda dachte an ein altes Lied mit weißen Tüchern und sah nur etwas wie Smog wenn sie in den Himmel schaute, fast einen Monat schon, seit Miriam beschlossen hatte den Jungen zu hassen. Mary-Miriam, die den umgekehrten Weg der Marias aus Edas Jugend gegangen war und sich Miriam nannte, weil Mary zu altmodisch-konservativ war (der Name Miriam mutete zwar religiös an, aber nicht in die Richtung aus der Miriam kam.)

Der Junge hieß John, Eda nannte ihn Johnny, und war Miriams Neffe. Johnny und Eda liebten einander wie Tante und Neffe, aber mehr noch liebte John Paul, einen Jungen aus der Gemeinde und seitdem warf Miriam Eda vor, dass sie vollständig Edith hieß, die Bedeutung der Aussprache in der Sprache der Namen von Mary und John sei jedenfalls fragwürdig nach hinten (damit meinte sie „hinterfragenswürdig“).

Paul war ein netter Junge und anders als bei John, still und eingeschüchtert durch seine Eltern und Mary-Miriam, die, anders als sie behauptete wohl innerlich doch nicht hatte „gehen können“, konnte Eda sich wenn sie unterwegs war oft vorstellen, dass er in anderer Kleidung einer der Jungen wäre, die lachend von der Schule heimgingen oder witzelnd auf dem Weg zum Sportplatz waren. Sogar der Junge, der auf einem Viererplatz den Kopf an die Scheibe gelehnt hatte, sein Smartphone hielt und mit dem anderen Arm seine Freundin umarmte war ein Paul – nur dass er Johnny halten würde -, Eda hatte die beiden so verborgen unter einem Baum in Miriams Garten gefunden und das Leuchten in den Augen nicht vergessen.

Sie hatte genickt und war gegangen, das war alles, was die beiden brauchten, Miriams Blick hatte sich verschleiert und gesenkt und ihre Stimme sich seitdem erhöht (das war etwas anderes als erhoben) wie die Klinge einer Schneidemaschine.

Auf der Straße trug der Wind eine leere Plastiktüte, einen Kosmetikeimerbeutel, vor ihren Füßen her und Eda dachte an die Fallschirmspringer-Spielfiguren aus ihrer Kindheit, die ihr Vater sie nicht hatte fliegen lassen, weil das einen Eintrag in die Akte geben würde, wenn es die falschen Leute sähen, seit den Astronauten konnte man keinem mehr trauen. Eda hatte zu der Zeit nicht verstehen können was an dem Wort falsch war, aber wenn sie es jetzt dachte, musste sie an ein Brot und die Schneidemaschine, deren Klinge durch weiße Tücher hindurch den Kopfknust vom Laib trennte denken.

Für die Etüden. Ich kannte eine Frau, geboren 1982 in Sachsen, über die als Kind eine Stasi-Akte angelegt wurde weil sie Astronaut statt Kosmonaut sagte. Das war bevor ich an einer Schule, deren Gebäude zwei Parzellen von der Kirche einer amerikanischen Religionsgemeinschaft entfernt war gearbeitet habe. Die hier Lesenden, die in der ehemaligen DDR aufgewachsen sind haben vielleicht eine Assoziation mit den weißen Tüchern. In Köln gab es vor Jahren einmal einen Laden mit Ostprodukten, das letzte Mal, dass ich da war hatte der Besitzer die original Battailon d’Amour-Single von Silly ausgestellt, der Text fängt an „Wie weiße Tücher…“ Ich kannte das vorher nicht, die Band muss im Osten beliebt gewesen sein.

Gedanken

„Wir fordern die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Das bedeutet die volle Rechts- und Handlungsfähigkeit in allen Bereichen. Das bedeutet: keine Freiheitsentziehung aufgrund einer Behinderung. Das bedeutet, dass es keine grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung geben darf. Und das bedeutet die Achtung der körperlichen und seelischen Unversehrtheit von Menschen mit Behinderungen ohne Wenn und Aber.“

Dr. Sigrid Arnade

Ich hatte länger überlegt ob ich über die Demonstrationen anlässlich des Weltkongresses der Psychiatrie schreiben, vielleicht sogar die Berliner unter Ihnen auf Ort und Uhrzeit aufmerksam machen soll, falls jemand mitgehen will.

Sie kennen meine Einstellung dazu.

Ja, Pestbeule, Terrorsquad, Beschaffungsdelinquenz, gewalttätig, übergriffig und beleidigend – das alles ist Mikesch.

Nein, festbinden, mit Medikamenten zupumpen, zwangsernähren, wenn sie nicht essen will oder spuckt, einsperren, beleidigen, anschreien, ungebeten duzen [das heißt immer noch „Sie“ und „Frau von Mikikowski“!], in schmutzigen Sachen sitzen lassen, nachts keine Decke geben, persönliche Sachen wegnehmen  – das alles hilft dagegen überhaupt nicht.

Ist aber Alltag in der Psychiatrie.

Entwürdigend.

Nicht nur in der Klinik und in den zwei Wochen, in denen sie „weg war“.

Und es gibt immer mehr Diagnosen um einen da rein zu bringen, das geht uns alle an. Zumal da Geld hinter ist, das wollen viele nicht wahr haben, und wo Geld ist geht es um Profite.

Nicht anders als bei „Sonderschulen“, Werkstätten und Heimen.

An Team Walraff erinnern Sie sich?

Von Orthopäden, Chirurgen und anderen Ärzten, die unnötige Operationen durchführen weil das Geld gibt haben Sie gehört?

Die passieren meist an Menschen, die sich informieren können.

Jetzt denken Sie mal an Leute, egal ob physisch, psychisch oder geistig behindert, die sich nicht wehren können.

Woran erinnert Sie das?

Bittersüß

[Jetzt hat die schon wieder so viel Musik… Aber nach dem Schocker von gestern – das war damals wirklich sein Lieblingslied und ich bilde mir ein, wenn eine Lehrkraft damals geschaut hätte, im Sportunterricht zum Beispiel, man hat das doch gesehen, außerdem war er verhaltensauffällig und die Attitüde meiner Eltern zu Hausaufgaben et cetera sehr untypisch für die soziale Schicht… Sie merken, ich kann den Kerl trotz Gorillatum, Arschlochverhalten und Hypermaskulinität leiden  – muss was Schönes.]

 

Ich glaube, dass ich dieses Stück so mag liegt daran, dass dieses Beziehungsende, über das Paul Banks singt eben nicht unbedingt das Ende einer Partnerbeziehung sein muss. So fühlt es sich auch an wenn man an den Punkt kommt und anfängt „seinen“ Suchtkranken gehen zu lassen, in soweit, dass man innerlich Abstand nimmt und beginnt für sich selbst zu sorgen oder sich wieder wahrzunehmen (das kann man im Suchtstrudel erstaunlich gut verlernen), während gleichzeitig die Person im Leben bleibt, so dass man sehr deutlich merkt, dass alle vermeindlichen Sicherheiten verloren sind. Verantwortung und Selbstständigkeit können einen unsagbar ängstigen.

Der Diddl-Maus-Junge hat Geburtstag

Ich warne Sie, das ist kein schönes Lied. Sagt viel über eine Familie aus, wenn ein 12/13-jähriger das tothört, oder? Damals war das aktuell und wenn ich mich nicht irre sogar in den Charts. Meine Mutter hat ihn zusammengeschrien wenn er mitgesungen hat.

 

 

Der Musikgeschmack eines Menschen hat nichts mit ihm oder seinem Innenleben zu tun!
David mag eine Band, die 3. Generation heißt und ein Lied über häusliche Gewalt und eines über sexuelle Gewalt gemacht hat. Wenn er für sich die Zeile singt, in der es darum geht eine Erklärung dafür zu wollen warum der Vater prügelt dreht Gudula durch. Schließlich wurde sie nicht geschlagen.
Nadja mag von Wolfsheim „Upstairs“, „A Broken Whisper“ und „For You I’m Bleeding“. Von Depeche Mode “Barrel Of A Gun”.

Aus den Herkömmlichen

 

[Die Namen in den Herkömmlichen sind natürlich nicht unsere Namen.]