Einschläge

Es gibt Momente im Feuerwehrfrauentum über die ich im Rahmen der Dokumentation nicht rede. Ich rede mit Menschen darüber, die es verstehen, es ist also nicht so als würde ich es totschweigen.

Eine Kategorie dieser Momente sind die, in denen man da sitzt und – in meinem Fall, ich weiß es aber auch von anderen – denkt Oh, Mikesch, mach keinen Scheiß!

Es gibt Dinge, da kann ich sie mit allen Befugnissen und Möglichkeiten, die ich habe nicht rausholen.

Ich habe sie dank einem Tipp vom Handschuhschenker letztes Jahr als es ihr mies ging vor einer schlechten Psychiatrie bewahrt, so einer wo man die Leute vollgepumpt und fixiert in der Ecke parkt und das Behandlung nennt, aber ich werde nicht immer da sein.

Es können durchaus Situationen eintreten, in denen sich Ärzte nicht mehr um Rechtswege scheren und dann sind die ersten die gefragt werden der Stiefvater, der die Lage meistens eher schlecht als Recht überblickt weil er auswegs arbeitet, und wenn sie den nicht erreichen der Diddl-Maus-Junge, der schon aus Überforderung alles abnicken wird ohne zu wissen was er da macht und mit welchen Konsequenzen.

Und ich will nicht, dass das passiert: Angenommen sie geht wegen ihrem tatsächlich durch die Medikamente total kaputten Magen in ein Krankenhaus. Die sagen ihr, da geht das und das, sie sagt, dass sie die jeweilige Behandlung explizit nicht will, und die machen trotzdem, denn der Psycho ist ja freiwillig wegen Aua Magen gekommen. Mitgefangen mitgehangen, Pech gehabt. Außerdem hat der Sohn doch…

Der „Entwurf eines Gesetzes zur Änderung der materiellen Zulässigkeitsvoraussetzungen von ärztlichen Zwangsmaßnahmen und zur Stärkung der Selbstbestimmungsrechte von Betreuten“ will so etwas erlauben. (Der Link geht zu einem Interview der kobinet-nachrichten mit Martin Lindheimer vom Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener.)

Vor dreißig Jahren auf dem Land

Wir haben uns damals nicht überlegt, dass es eigentlich falsch war, und dass da etwas nicht stimmen konnte. Wir hörten Falco und aßen Mozartkugeln, manche von uns schrieben sogar Ansichtskarten aus dem Urlaub vom Millstätter See und später sahen wir alle diese Serie mit Roy Black und dem Schloss, aber den Jungen, der immer Paradeiser sagte, den mochten wir nicht.

Weil er Bernhard hieß und das ein altmodischer Name war.

Weil er keinen schönen Tornister hatte, keinen Scout oder Amigo, nur einen hässlichen, der noch nicht mal aussah als käme er aus Deutschland.

Weil Bernhard daher kam, wo fünfzehn oder zwanzig Jahre später angeblich irgendein Anton herkam.

Den es gar nicht in echt gab und außerdem war Bernhard ja ein Kind, so wie wir Kinder waren, und ging mit uns in eine Klasse.

Das mit den Worten, die er anders als wir sagte war eigentlich lustig, Kinkerlitzchen, und er war auch nicht klein und schwach, Bernhard war schon ein echter Schlawiner, aber wir mochten ihn einfach nicht.

Wir wollten hier keinen Fremden.

Und Christian und Harald, die hatten da so eine Idee, etwas mit dem Auto von Bernhards Vater und einem Farbeimer.

Aber es fühlte sich schlecht an als der Rektor eines Morgens in die Klasse kam und sagte, wir hätten es geschafft, dass die neuen Doktoren unser Dorf jetzt verlassen hatten, gestern Abend hätte seine schwangere Frau 29 Kilometer weit weg in das Spital gemusst um das Kind zu entbinden.


 

Für die Etüden.

Fiktiv, kann aber irgendwo so passiert sein.

 

Mikesch und der Wahlzettel

In dem großen Umschlag ist neben allen Unterlagen auch ein Wegweiser für die Briefwahl, sogar mit Bilderklärungen dabei, aber Mikesch sitzt da und versteht die Welt nicht mehr.

„Auf dem Wahlzettel kreuzen?“

„Ja, Mikesch, wie in der Wahlkabine.“

„Und dann in den blauen hier rein?“

„Steht doch da.“

„Ja, aber ich weiß nicht was ich da ankreuzen soll.“

„Die Partei und die Politiker, die du wählen willst.“

„Machen doch eh was sie wollen.“

„Dann wähle eben nicht. Du kannst aussuchen ob du wählen willst und wen.“

„Ja, weiß ich. Du meinst mal wieder ich bin doof!“

„Nein.“

„Aber den, den ich wählen will, der ist hier gar nicht drauf. Ich kann gar nicht wählen.“

„Du kannst nur Leute wählen, die auf dem Zettel stehen.“

„Hat doch eh keinen Sinn.“

Wahlschein landet auf dem Boden.

Aber wetten…

…eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung ist drin, wenn in Ermangelung von Notruf-Möglichkeit jemand einfach nur danebensteht, weil dabei zu bleiben das einzige ist, das er/sie/es für den Verletzten tun kann?! Kein Notruf für Gehörlose. Bis der Relay-Service – so heißt das mit dem Vermittlerdienst – erreicht und informiert wurde und den Notruf abgesendet hat – der muss auch erstmal bei der richtigen Leitstelle angekommen sein – kann wer weiß was passiert sein.

Wenn man dem Atelier-Kind im Rahmen von Verkehrserziehung vermittelt Wenn du einen Unfall siehst, dann musst du 110 verständigen und sagen wo der Unfall ist und was passiert ist und wer du bist, dann fragt er logischerweise Und wie?

Ich warte ebenfalls seit Jahren auf eine Möglichkeit der Notruf-SMS. Was hätte ich letzten Freitag machen sollen wäre ich schwerer verletzt gewesen und nicht mehr hoch gekommen? Als meine Küche vor einigen Jahren brannte waren zufällig helfende Nachbarn im Haus, die wussten, dass ich nicht telefonieren kann. Das ist nicht immer so und es ist auch nicht jeder Nachbar hilfsbereit. [So etwas wird von den Behörden auf Sparkurs auch irgendwann als Argument genutzt werden um Leuten wie mir die Wohnungen zu nehmen.]

Idee für eine Blogparade

Leserin Fellmonsterchen, die die Kunde bezüglich der Petition auch bei sich verbreitet hat, hat mich gerade durch einen Kommentar im Strang unter ihrem Artikel auf eine Idee gebracht:

Blogparaden müssen nicht immer nur schöne Themen haben. Sie dürfen auch informieren und zum Nachdenken anregen. Wie wäre es wir machen eine zum Thema

Angehörigenpflege,

bei der Blogger natürlich Artikel beitragen können wie Petra, die Mutter von Carsten und Wiebke, oder ich das in unseren Blogs ohnehin tun, in der aber auch jemand über das Pflegestufen-Trara, MDK-Zoff und Co. mit Angehörigen im Seniorenalter berichten könnte, jemand anderes, egal welchen Alters, darüber beitragen wie er/sie/es selbst Pflegeleistungen in Anspruch nimmt, wieder jemand anderes von der/dem abgehetzten NachbarIn erzählen, der/die zwischen Job und Kindererziehung noch die alten Eltern versorgt, eine Pflegedienstkraft von ihrer Arbeit et cetera. Das Thema ist unendlich und unendlich wichtig.

Denken Sie, das kriegen wir hin? Auch wenn Sie nichts beitragen könnten oder wollten, Sie könnten es ja weitersagen. Irgendeinen irgendwie betroffenen lesenden Menschen haben wir alle und der mag vielleicht. Dann würde ich übers Wochenende einen Aufruf formulieren und Montag oder Dienstag ginge es los. Natürlich mit angemessenem Mitmach-Zeitrahmen, Menschen, die pflegen müssen oder gepflegt werden sind viel beschäftigte Leute.

Zwangseinweisungen stoppen!

Ich habe Ihnen im letzten Jahr auf den Fädenrissen von Anja erzählt. Anja ist Mitte 30 und hat Pech: Sie hat das, „was Jörg Immendorff hatte“, ist aber nicht Jörg Immendorff und hat deshalb auch nicht dessen Mittel und Möglichkeiten. Anja wurde nicht gefragt. Gefragt wurden – bei einem mündigen, erwachsenen Menschen (dass sie einen Uni-Abschluss hat sollte keine Rolle spielen, tut es aber für einige Menschen möglicherweise doch) -, die Eltern, die ihre Tochter nicht pflegen wollten.

Es gibt viele Menschen wie Anja. Einige von ihnen schaffen es mit ihren Fällen in die Medien zu kommen. Einem Fall in Bayern hat dieses Vorgehen im letzten Jahr helfen können. Ob Dirk Bergen seine Wohnung nach wie vor halten darf weiß ich nicht. Es gibt auch Menschen wie Carsten und Wiebke, die erwachsenen Kinder von Leserin Petra, die in die Situationen kommen könnten, wenn ihre sehr für sie engagierte, selbst behinderte Mutter irgendwann nicht mehr kann oder verstirbt. Ich weiß von Menschen in meiner Situation, die keinen Philipp und keinen Handschuhschenker haben für die so ein Kreis nach einem Sturz wie meinem von Freitag beginnt. Raus kommen Sie da im Normalfall nicht mehr. (Hallo Marina!)

Ich glaube nicht an die Wirkung von Petitionen, aber man muss zeigen, dass man da ist und mit den Mitteln, die man hat – und viele haben kein anderes als Petitionen – klar machen, dass man sich nicht widerstandslos alles gefallen lässt. Wir sind auch Mitbürger und wir wollen nichts außer unsere Grundrechte.  Gleiche Rechte sind in den Augen vieler Menschen immer noch Sonderrechte.

AbilityWatch hat auf Change.org eine Petition gestartet, hier ein Auszug aus dem Text, der gut den Alltag vieler Menschen erklärt. Wenn Sie auf den Link darunter klicken können Sie den vollständigen Petitionstext lesen und die Petition unterschreiben, wenn Sie das Anliegen unterstützen möchten. Sagen Sie es auch gerne weiter.

 

Stellen Sie sich vor, Sie müssten Ihre Wohnung aufgeben und gegen Ihren Willen in ein Zimmer in einem Wohnheim ziehen. Sie könnten dort nicht mehr frei bestimmen, was sie wann essen möchten oder wann Sie duschen oder wann Sie abends ins Bett gehen möchten. Auch könnten Sie sich nicht aussuchen, wen Sie in Ihre Intimsphäre lassen, auf wen sie angewiesen sein werden und wem Sie vertrauen.
Unvorstellbar? Vielen Menschen mit Behinderung droht genau dieses Schicksal. In Deutschland, im Jahr 2017.

Aus dem Petitionstext von AbilityWatch gegen die Zwangseinweisungen behinderter Menschen in Heime

Anderer Leute Worte

Auf dem Blog Spontis von Robert Forst lese ich eigentlich eher gelegentlich und nur still mit. Robert und seine Mit-Autoren schreiben über die sogenannte schwarze Szene und Sie wissen ja, früher … habe ich Ihnen erst letztens unter der Etüde für das Projekt und Christiane und textstaub wieder erzählt. Aber auch in Humor ohne, aber mit schwarz. Und Musik aus der Richtung hatten wir hier auch ein paar Mal.

Heute habe ich auf Roberts Blog einen Artikel der Autorin Flederflausch gefunden und mir gedacht, vielleicht, wäre ich heute noch äußerlich schwarz – innen bin ich vielleicht noch zu gewissen Teilen so wie ich das mal definiert habe -, würde ich das so ähnlich sehen wie sie es sieht. Realistisch gesehen bin ich zu lange aus der Szene raus um das einschätzen zu können. Und zu dem was die Clubs angeht könnte ich eh nichts äußern, unabhängig davon auf welche Gruppe so etwas abzielt. Ob ich in eine „Location“ reinkomme liegt an deren Barrierefreiheit und als behinderter Schwarzkittel waren Sie damals schon nicht überall willkommen, was aber nicht an der Szene liegt. Das war überall so; außer vielleicht bei den Punks, bei denen viele von uns jungen Leuten mit Behinderung damals landeten und nicht im Mainstream wie unsere Eltern das gerne gesehen hätten. Wir wollten nicht von den nicht Betroffenen assimiliert werden, wir wollten kein „du musst so oder so sein“, wir wollten unsere eigene Identität finden. Wie die meisten, eigentlich alle, jungen Menschen, nur hat man uns das nicht im gleichen Maße zugestanden, weshalb wir uns manchmal etwas verspätet und dann nach außenhin radikal wirkend emanzipierten.

[Nein, Annika, auch daraus kann ich dir keine Geschichte machen. Das fällt zwar in die Zeit von dergl zieht (wäre gezogen) ins Schloss, aber das ist auch keine schöne Geschichte. Geschichten von großen Dummheiten sind nie schön.]

Falls interessiert was auf Spontis geschrieben wurde: Von der Entzauberung des Dunkeln – oder: Mimimimimimimi