Kleinigkeiten

Der örtliche Bücherschrank ist merkwürdig in so weit, dass fast nur Schund drin ist (Konsalik, Simmel, Utta Danella und Co.), alles, was ich hinein tue aber nach ein paar Stunden weg ist. Auch die von den Löscharbeiten vom Küchenbrand vor einigen Jahren geplagten Murakamis. Ich mag den Autor, aber da ich weiß, dass ich die Bücher nie wieder lese, habe ich sie aussortiert. So überstrapaziert waren sie nicht, haben aber eben die Löscharbeiten überlebt und das hat man gesehen. Ausgerechnet die beiden Bände, denen man es nicht ansieht passen nicht mehr rein. Ich habe auch lange überlegt ob ich die weggeben soll. Fans wissen vielleicht um welche es sich handelt, wenn ich sage die damals ungefähr 50€ Anschaffungskosten in Hardcover haben mich irgendwie davon abgehalten. Obwohl die Bücher mich so enttäuscht haben. [Wem habe ich damals alles in den Ohren gelegen, dass ich die unbedingt haben wollte und wie habe ich mich über den Thalia-Gutschein vom Stiefvater gefreut mit dem ein Großteil der 32€ für das erste Buch bezahlt war… Und dann das!] In meinem Umkreis mag sie auch keiner, ich übe jetzt also auf Platz in dem Bücherschrank warten. Und Wetten machen: Eine Stunde, dann sind sie weg.

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Apropos Schund: Leserin Fellmonster erfüllt ihrer und meiner Leserin Myriade angeregt von einer Diskussion hier einen Lesewunsch.

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Nicht Schund macht inspiriert vom ihr unbekannten Atelier-Kind-Bruder Deifelinchen in einer Etüde. Erinnert mich auch an die Szene im Buch Wer ist hier die Mutter? von Alison Bechdel, in der sie mit ihrer Freundin in die Messe geht und ihre, nicht-christliche, Freundin den Beichtstuhl für die Garderobe hält.

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Auch nicht Schund sondern sehr gut eine traurige Realität zeigend ist die Etüde von Jaelle Katz diese Woche. Es gibt viele solche Mütter, nicht nur Alleinerziehende, Frauen in Sucht-, Gewalt- oder sonstwie dysfunktionalen Beziehungen oder ungeplant schwanger gewordene, sondern Frauen, die merken, dass sie einfach nicht oder nicht mehr können. Es ist schwer das neben ihrem Verhalten zu sehen. Aber diese Frauen zu sehen, und dass sie leiden ist auch ein Argument gegen den Rückbau der Ressourcen und für den Abbau von Hemmschwellen im System Kinder- und Jugendhilfe und ein Argument für beispielsweise die Erhaltung der Babyklappen.

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Ich sollte üben mir angebotene Amazon-Gutscheine nicht mehr kategorisch abzulehnen, nur weil ich selbst nicht dort kaufe. Eine Recherche ergibt, da gibt es feines Vinyl bei Marktverkäufern. Wenn mir jemand eine Sache schenkt, weiß ich auch nicht ob sie nicht zufällig dort gekauft wurde und für irgendetwas könnte ein uraltes Konto dort noch nützlich sein.

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Es gibt Haring-Moleskines. Selbst in meinen schwärzesten Schwarzkutten-Zeiten war ich Fan von Keith Haring. Sein Werk macht mich froh und laut seinen Journals war er ein sympathischer Mensch. Leider, leider kann ich mir diese Moleskines genau so wenig leisten wie das ganze feine Vinyl oder den Paperblanks-Tagore, nicht zu vergessen den Paperblanks-Proust und den Paperblanks-Stoker. Wink mit dem Zaunpfahl an die Truppe beim Unverlinkbaren, damit sie sich gegebenenfalls die Frage nach Geburtstagswünschen sparen können. Legt zusammen oder was weiß ich. Von mir aus auch mit blöden Witzen wegen dem Stoker und meiner Viertelherkunft.

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Lebkuchen!

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Letztens bin ich gefragt worden warum ich mich für das Schicksal von Gaetan Dugas interessiere.

Der Mann ist posthum aufgrund eines Lesefehlers (nicht 0 sondern O, also nicht Zero sondern Outside of California) als verantwortungsloser, übergeschnappter, willentlich mit einem damals noch fast immer den Tod bedeutenden Virus rumschmeißender Psychopath dargestellt worden und wurde erst letztes Jahr rehabilitiert. Hat dabei mal jemand an den Spießrutenlauf für die Familie gedacht? Das, dreißig Jahre lang, von überall auf der Welt ist härter als als Kind beschimpft, beleidigt und gemieden zu werden wegen der eigenwilligen Verkehrsregelinterpretation meines Vaters, aber das Bruchstück an Ächtung, das mein Bruder und ich kennen gelernt haben reicht für mich aus um Mitgefühl mit den Verwandten und Freunden, die Dugas überlebt haben zu haben. Fragen Sie Ihre Suchmaschine, er wollte durch seine Angaben helfen mehr Informationen über die damals noch kaum bekannte Krankheit und ihren Verlauf zur Verfügung zu stellen und nicht willentlich Leute infizieren.

Und überhaupt: Warum ist die Krankheit mehrmals Fiktions-, zum Beispiel Etüden-Thema gewesen und wird es vielleicht nochmal?

Ich kenne Leute. Ganz einfach. Und nein, ich habe einen früheren Assistenten von mir nicht fallen gelassen so bald ich wusste was los war. Und ja, es ist sehr traurig, aber es gibt auch heute noch so genannte „Sonderschulen“ in denen den Schülern von den „Pädagogen“ erzählt wird, Menschen, die keine schwulen Männer sind könnten sich nicht anstecken.

Wenn Sie jetzt den Kopf schütteln oder die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, auch so etwas ist ein Grund warum wir den Schulplatz für das Atelier-Kind bis zum Letzten zähnefletschend verteidigen. So etwas ist nicht nur gezielte Fehlinformation, es ist grob fahrlässig.

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Ich lese gelegentlich bei Spontis von Robert Forst mit. Herr Forst Er möchte wie im unten stehenden Kommentar von ihm geschrieben mit seinem Vornamen genannt werden, also: Robert schreibt über die schwarze Szene. Vor Kurzem hat er einen Altenpfleger im Nachtdienst interviewt.

Mich hat das aus zwei Gründen interessiert: Zum einen werde ich gemessen an meinem Geburtsjahrgang nicht sehr alt. Im Gegenteil, ich sage manchmal, dass ich bereits ziemlich alt bin, denn aller Wahrscheinlichkeit ist bei mir krankheits- und behinderungsbedingt mit Mitte Vierzig Schluss. Zum anderen: Ich weiß von diversen Menschen, deren Assistenten auch aus der schwarzen Ecke kommen und die werden oft sehr geschätzt. Es ist nett mal einen Blick auf die andere Seite zu bekommen.

[Falls Herr Forst und seine Mitautoren der Link stört, kurz Bescheid geben über die Kommentarfunktion, dann nehme ich ihn raus. Kein Ding, würde sofort erledigt werden.]

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Wahlprüfsteine von AbilityWatch

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Aus den Suchbegriffen:

was heisst transgeration

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Es scheint, die Gottgeschenke gefallen. Heißt also, ich soll mich ermutigt sehen, das weiter zu spinnen, ja?

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Wenn sich ein Langzeitprojekt, an das man sich gewöhnt hatte langsam aber sicher um immer mehr Grade dreht und ganz anders wird…

 

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4 Gedanken zu “Kleinigkeiten

  1. Natürlich stört mich Dein Link nicht im Geringsten. Im Gegenteil, dafür sind doch solche Funktionen da. Und ehrlich gesagt ist das verlinken untereinander ein wenig in Vergessenheit geraten. Schön, dass Du mich daran erinnerst 😉 Aber bitte nenne mich doch Robert, Herr Forst nennt mich nur mein Chef. Ich gehe dann mal in Deinem Blog stöbern, vielleicht lerne ich Dich ein bisschen kennen.

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    1. Es gibt Leute, die das stört und da halte ich mir lieber die Option offen sofort die eventuelle Entfernung des Links anzubieten bevor es zur Bredoullie kommt. Menschen reagieren wegen allen möglichen Kleinkramen über, sei es ein vergessenes Zeichen oder auch weil denen das Thema des verlinkenden Blogs oder der verlinkenden Seite nicht zusagt. Alles schon gehabt. Hier ist es ja zum Beispiel nicht sehr „schwarz“ – ich glaube, es gibt drei oder vier Artikel dazu, wenn du magst, Bescheid geben, dann suche ich raus – dafür aber sehr viel darüber wie es ist einen psychisch kranken Menschen pflegen zu müssen und mitunter auch Sachen aus der Richtung Behindertenpolitik.

      Mich hat als ihr den Gothic Friday noch gemacht habt manchmal fasziniert wie andere in „normaleren Berufen“ den Spagat mit dem Aussehen und anderem schaffen, außerdem eure Pikes-Odyssen, obwohl das Schuhe sind, in die ich anatomisch gesehen nicht hineinkommen würde oder darin stehen könnte. Ich war/bin die Fraktion mit den Doc Martens, trotzdem interessant was man auf sich nehmen muss um an den Vorstellungen entsprechendes Schuhwerk zu kommen…

      Wegen deinem letzten Satz: Einfach fragen 😉

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  2. Kleine Anregung für Literaturliebhaber: die Kurzgeschichten von Raymond Carver. Habe ich in diesem Sommer entdeckt und war sehr beeindruckt. Ein neuer Leitstern für meine eigenen Stümpereien …

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    1. In Anbetracht dessen, dass du nicht der erste bist, der mir das vorschlägt und wir beide ja durchaus nicht selten d’accord gehen (Murakami, Kafka, Beckett, B. Vesper…) sollte ich vielleicht mal herausfinden was mein Gebrauchtbuchhändler zur Vorrätigkeit sagt, kommt dann auf die Liste für irgendwann mal zu besorgen. Danke.

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