Kleinigkeiten (Zeug von dieser Woche)

Nun ja. Es etabliert sich doch.

Mal ganz ehrlich: Interessiert Sie der Kleinkram überhaupt?

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Eine Sache, zu der „Der Kongress“ – wie die Teilnehmer das Treffen der pflegenden Angehörigen psychisch Kranker nennen [unseres zumindest, was andere machen weiß ich nicht] gut ist, ist neben dem generellen Austausch, dass er Dinge in die richtige Perspektive rückt. Ich war nie die, der es am schlechtesten durch die Zwangsverpflichtung geht, es gibt Leute, die sind trotz eigenem Handicap gezwungen in ihrem Haus ein Zimmer für den Angehörigen bereitzustellen. Wie jetzt erfahren geht das auch anders: Ein Zimmer in der Wohnung und das gerade die Schule abgeschlossen habende Kind soll qua Amtsanweisung Pflegekraft lernen, denn das spart gewissen Stellen Kosten.

Immer mehr scheinen ihre pflegebedürftigen Angehörigen direkt bei sich hocken zu haben.

Ich und Mikesch wohnen wenigstens in zwei verschiedenen Städten.

Mir kann also nicht die ganze Wohnung mit fliegenden Einhörnern dekoriert werden, weil das gerade in ist. [Thomas, der damit jetzt leben muss, ist dieser Hype genauso schleierhaft. Meine freundliche Leserschaft fühlt jetzt bitte mit diesem armen Menschen, der es bis dato erfolgreich geschafft hat keine Aggressionen gegen seinen psychisch kranken Angehörigen zu entwickeln, sondern den Unfug mit stoischer Miene jeden Tag wieder zusammenkehrt.]

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Allerdings gibt es auf dem Kongress leckeren Kuchen. Pflaume mit Zimt und Sahne.

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Die Sache mit dem Ebayismus. Keine Ahnung ob das irgendwo ein offizielles Wort ist, alle Betroffenen, die ich kenne nutzen es. Was ist es? Dieses Phänomen als behinderter Mensch ein Hilfsmittel zu benötigen und von Ärzten und/oder Kassen weder Verordnung noch Genehmigung zu bekommen, da es ja nun mittlerweile genügend freiverkäufliche Alternativen gäbe, zum Beispiel Rollator bei Aldi. Hier gurkt ein relativ junger MS-Patient auf einem Elektroscooter rum, aber nicht weil er das wollen würde – so ein Ding kann ja nützlich sein -, sondern weil seine Oma das Ding hat und er sich seit Monaten mit der Kasse um einen Rollstuhl kabbelt. Angeblich läuft er noch zu gut und hat zu wenige Schübe.

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Mieterhöhung bei gleichzeitiger Rückzahlung (die ich qua Gesetz abführen muss, behinderungsbedingte Ausgaben und so), gespannt ob das ohne Scherereien durchs Amt geht.

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Ein Fotograf hat mich gebeten an seinem Projekt teilzunehmen. Für Die da draußen fotografiert Thorsten Wohnungen und Habseligkeiten von Menschen, die direkt vom Spar… äh Teilhabegesetz betroffen sind und vorher zum Beispiel schon nicht sparen durften. Ich möchte selbst nicht fotografiert werden und ich kann keine Menschen in meiner Wohnung leiden, aber ich überlege ihn in meine Küche zu lassen. Jemand, der sparen darf hätte da nach dem Brand vor ein paar Jahren ordentlich renovieren können, ich hatte das Geld nicht. Es sieht nicht aus wie ein Schlachtfeld, aber es ist nicht die homogenste Küche der westlichen Welt. Die kaputten Möbel woanders tun es vielleicht auch.

[Fun fact: Von behördlicher Seite werde ich beispielsweise wegen einer neuen Matratze oder dem kaputten Sitzmöbel an Mikesch verwiesen, weil die verglichen mit mir Geld hat. Einige Sachbearbeiter legen die Gesetzestexte auch so aus, dass die mir eine komplette Wohnungsrenovierung zu finanzieren hätte.]

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Mikesch findet es unfair von K., dass die in der Therapie über Mikesch redet. Beziehungsweise, dass K. sich von dem Therapeuten dort einreden lassen hat, dass sie sich nicht alles von Mikesch gefallen lassen braucht. Gestern hat die K., die jetzt genau so doof wie die dergl wird, zur Mikesch gesagt „Mit dir kann man sich nicht unterhalten.“ und ist gegangen. Und dann hat die Doofe auch noch ihr Handy ausgemacht.

Dabei hat die Mikesch doch nur gesagt, die K. soll nicht immer auf dem Gewaltverbrechen rumreiten, es muss irgendwann mal gut sein…

Hat jetzt auch der Letzte verstanden, warum Terrorsquad-Mikesch Terrorsquad-Mikesch heißt, dass ich den Namen nicht erfunden habe (hier nachzulesen) und dass ich explizit keinen leichten Job habe?

Wir können auch gern die Aktion „Feuerwehrmensch For a Day“ starten, 24 Stunden als Psychiatriepflege-Soziotherapie-Ergotherapie-Betreuungs-Bewährungshilfemensch in einer Person, inklusive aller rechtlichen Risiken und finanziellen Auslagen. Mondrakete und andere Katapultgeschosse nicht erlaubt, gepennt wird nur falls Mikesch Sie lässt, Krankwerden ist nicht drin. Falls Sie zufällig männlich sind, dürfen Sie sich nicht gegen Übergriffe wehren. Habe ich was vergessen? Kann sein, das Thema ist komplex. Freiwillige vor!

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4 Gedanken zu “Kleinigkeiten (Zeug von dieser Woche)

    1. Ein Mensch, der es zugibt. Ich dachte schon, die „liken“ alle nur und sagen nichts weil sie Angst haben in eine Falle zu tappen und einen Tag mit Madame verbringen zu müssen 😉 (Natürlich nicht.)

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  1. Ich verstehe vieles hier sehr gut und es vergrößert manchmal meinen Zorn auf dieses System. Eigentlich hätte ich gerne jemanden, der gut schreiben kann und ein Buch über den Umgang der Ämter mit jungen Menschen schreibt(natürlich verfremdet!). Und die nicht abbaubare Aggression schafft mich manchmal, die auf Amtspersonen ebenso wie die auf die Betreuten/Hilfebedürftigen.
    So jedenfalls wird niemand froh, es kommt nur noch mehr Frustration in die Welt.

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    1. Schreiben (und gut) könnten das viele, aber wer sollte das verlegen? Die Verlagswelt ist kompliziert und das wird viele potentielle so ein Buch schreiben Könnende abschrecken, weil man als Unbekannter eigentlich nirgendwo reinkommt und mitunter noch monetär draufzahlen muss. Es ist irgendwo klar, dass ein kleiner Verlag keine allzu hohen Kosten stemmen kann, aber die Autoren selbst können es auch nicht und dann scheitert es. Dazu kommt, dass Verlage oft nur jene Autoren annehmen, die irgendwie als Publicitymagnet taugen und das ist dann auch wieder nur verramschen und dazu sind solche Anliegen wie der oft erbämliche Umgang der Ämter mit ihren „Kunden“ zu wichtige Themen.

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