Hätte

Noch was für die Etüden, die ich sofern sie entstehen wie die Tintenkleckse, also irgendwann wenn für andere Leute noch „nachts“ ist, auch bei den Tintenklecksen einsortiere. Diese hier könnte dorthin, kann es aber nicht, weil die Thematik so schön hier reinpasst. Die Folgen von divide et impera und weshalb und wie so etwas entstehen kann, hatten wir hier gelegentlich, unter anderem bei der Sache mit dem Vornamen von Handschuhschenkers Großneffen und der Handschuhschenker-Schwester. So eine Kleinigkeit, das einfache Nichtmögen eines Vornamens, kann dazuführen, dass sich eine gesamte Familie zerfleischt. Der Ludwig heißende Junge ist über ein Jahr auf der Welt und es ist immer noch nicht Ruhe, weil in dem Name kein S vorkommt.

Vielleicht passierte in der Familie in der Etüde eine ähnliche Lappalie, vielleicht auch etwas Größeres.

 

Einmal habe ich sie noch gesehen, aber ich habe es ihr nicht mehr sagen können. Sie stand an einem Taxistand und aß einen Apfel, ich habe nicht hingehen können oder rufen und ich glaube auch nicht, dass sie mich gesehen hat, aber ich bin nicht sicher, dass das gut war. Weil ich es ihr hätte sagen können. Vielleicht sogar befreit oder zumindest triumphierend nach Hause gehen, weil ich nicht nur wusste, dass Carmen uns anlog, sondern auch weil ich zumindest mir selbst bewiesen hätte, dass Carmen mich nicht so kontrollieren konnte wie sie es wollte und ich, weil sie meine Mutter und krank war, es mit mir machen ließ.

Hätte ich mit Sanja gesprochen. Meiner Schwester gesagt, dass ich die Wahrheit weiß, dass Carmen lügt und auch warum sie Alexandra – wir nannten sie nur in der Familie Sanja -, verleumdet.

Hätte ich.

Ich habe nicht einmal dumme Ausreden gehabt wie, dass es zu spät dazu war – man sah schon die Mondsichel -, ich habe es einfach nicht gemacht.

Dummheit.

Es wäre die entscheidende Zäsur gewesen.

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5 Gedanken zu “Hätte

  1. Ja, klingt bitter. Das gibt es so oft, dass man etwas nicht tut, obwohl man weiß, dass es vielleicht besser gewesen wäre. Hätte, hätte … Ach.
    Sehr feine Etüde.
    Liebe Grüße
    Christiane

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    1. Manchmal bin ich selber erstaunt: In den paar Sätzen, in ein paar Minuten zusammengeschrieben, steckt so viel so offensichtlich von diesem Abhängigkeits-Manipulations-Ding und es ist gut und bei den größeren Texten, über die ich nachdenken kann und so weiter und sofort brauche ich immer ewig und habe dann das Gefühl, die Kurve nicht zu bekommen. Bei so Sachen wie auf den Abweichungen, aber auch bei der „Susanne“, da sitze ich dann und überlege wie blöd (ich weiß, dass das an meinen Ansprüchen liegt) wie ich das und das da rein bekomme. Beziehungsweise momentan mache ich das noch im Liegen, ich muss noch Kopf stützen, habe gestern aber zum Glück – das könnte mir sogar eine größere OP ersparen – nochmal einen Schub Medikamente, unter anderem Antibiotika-Verlängerung bekommen. (Nicht ohne Gesinge.)

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      1. Ich kenn das, dass man hinterher erstaunt ist, was alles zwischen den Zeilen drinsteckt. Und auch, dass man zu viel unterbringen will. Ist immer ein Balanceakt.
        Gute Besserung nach wie vor!
        Liebe Grüße
        Christiane

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