It’s A Kind Of Magic

Dass mein Operateur ein kundiger Mensch ist, der, wenn er schon die ganze Zeit redet substantielles Zeug quatscht, wissen Sie vielleicht noch wenn Sie länger hier lesen. Aber jetzt singt er auch noch. Und Sie glauben nicht was.

Ausgerechnet Queen.

Ich weiß ja, dass die viele Fans haben und unter anderen Umständen hätte ich das möglicherweise einfach nur gut gefunden.

Oder wenigstens witzig.

Aber eigentlich ist es unheimlich.

Sie wissen, ich recherchiere so ziemlich alles mit dem ich länger zu tun habe. Also habe ich mich auch als Salmas Sohn, der Queen-Fan ist, uns zu seinem Geburtstag einlud und sagte, da würde er nur die Queen-CDs spielen, die vorab deutsche Freunde für ihn als Geschenk besorgt hatten über die Band informiert.

Ich wusste bis dahin, dass mein Vater mehrere Alben besessen hat. Er stand auch ziemlich auf das Barcelona-Album von Freddie Mercury und Montserrat Caballe. Damals gab es kein Internet zum raschen Besorgen, da musste man noch seine Familie verrückt machen und sämtliche Plattenläden der Stadt abgrasen bis man das Gewünschte hatte.

Ich weiß auch, dass die Frau vom Küchenficker in ihrem Auto genau eine Kassette hatte. Da waren Another One Bites The Dust, Bicycle Race und Who Wants To Live Forever drauf, den Rest bekomme ich nicht zusammen, aber die drei Titel weiß ich sicher.

Die neu gemischte Version von Living On My Own von Mercury fanden wir als 13-jährige alle geil.

Ich habe mir mittlerweile das Original gegeben und finde das besser.

Mein Vater muss mehr gehabt haben als die wenigen Alben, an die ich mich explizit erinnere. Ich meine mich, nachdem ich das Cover gesehen habe nicht nur zu erinnern, dass er Mr. Badguy, die erste Mercury Solo-LP, gehabt hat und die um einiges offener und gespielter bei uns rumlag als zum Beispiel Bronski Beat. Ich bin im Besitz einer Fotografie von ungefähr 1988 von meinem Vater mit meinem Bruder (er kann nicht viel älter aber auch nicht viel jünger gewesen sein als zwei Jahre), auf der mein Vater, der sowieso einen Schnäuzer hatte, genau so eine Brille wie Mercury auf dem Cover trägt. Es wird ein ähnliches Modell gewesen sein, aber mein Vater wäre nicht mein Vater, wenn nicht die Möglichkeit bestehen würde, dass er irgendwie das exakte Modell herausgefunden und sich nachgekauft hätte. Haarfarbe stimmt nicht, aber so weiße Shirts waren damals in und wird er auch gehabt haben.

[Sie müssen bedenken, der ist nie erwachsen geworden und hat(te) das Rampensau-Gen und da war dann plötzlich ein Musiker, der das raus lassen konnte und trotzdem normal aussah. So Hüte wie Boy George, er war auch Culture Club-Fan, das durfte aber keiner wissen, zum Beispiel hätte er nie tragen können, damit wäre er „negativ“ aufgefallen.]

Nach ein bisschen Erfahrung mit dem Prozess der Herkömmlichen frage ich mich in wie weit sich über die Musik, die sie mochten, meinen Eltern annähern lässt.

[Mikesch zum Beispiel mochte heimlich Cyndi Lauper. Aber nicht Time After Time und True Colours, sondern Girls Just Want To Have Fun. Das sagt bei den Umständen, in denen sie lebte genau so viel aus, wie dass mein Vater so stark auf Smalltown Boy von Bronski Beat reagiert hat.]

Ich frage mich viel.

Und Herr Operateur schnippelt mit It’s A Kind Of Magic am Abszess herum.

Ach so: Gehen Sie nicht in die Sonne, trinken Sie keine Milch, versuchen Sie viel zu liegen und sagen Sie dem Kind es soll nicht so viel quasseln und keinen Unsinn anstellen.

Wenigstens habe ich nun Medikamente, unter anderem Antibiotika.

Und dieses Aspirin-Zeug lassen Sie mal, Sie bluten sowieso genug.

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6 Gedanken zu “It’s A Kind Of Magic

    1. Danke! Das Abszess-Kamera-Guck-Gerät hatte übrigens in etwa den Durchmesser eines Trinkhalmes, ich sage Ihnen nicht wie der in HD und Farbe aussah. Wenn das zu ist und die Antibiotika anschlagen (600er Clinda, dreimal am Tag), schaut er was er am Knochengewebe schneiden kann oder muss, das hängt auch davon ab wie sich das Ödem rückbildet.

      Dass er singt ist ja nicht mal schlecht (so einen Zahnarzt hatte ich mal), es war halt nur dieser „Zufall“ (in „“ weil ich an Zufälle nicht glaube), dass er ausgerechnet das. Man könnte jetzt sagen, es war wenigstens nicht Another One Bites The Dust oder „Bar-zill-onaaaa“…

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  1. Die Autokassette sollte eine Zusammenstellung gewesen sein, die drei Stücke waren nicht auf einer Platte/CD. „Who wants to live forever“ ist viel „jünger“ als die beiden anderen. Okay, bei Liveaufnahmen wäre ich nicht sicher, die hab ich nicht so im Kopf.
    Freue mich darüber, dass es dir geht, wie es geht (also mit Antibiotika wenigstens und ohne Aspirin).
    Liebe Grüße
    Christiane

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    1. Das war ein selbstgemachtes Mixtape, das war im Hause Küchenficker üblich und ohne Sinn für Genre oder Chronologie, was gefiel kam drauf. Hier war es halt zufällig alles von einer Band. Ich erinnere mich an ein anderes Tape, das wir im Auto hatten und da kam Tears For Fears‘ „Shout“ gleich hinter „Thank You For The Music“ von ABBA, da sieht man wie wild die Mischungen sein konnten. „One Night in Bangkok“ von Murray Head vor Leo Sayers „When I Need You“ passt auch weder stlistisch noch zeitlich. Und Bronski Beat, Communards etc. wurde immer möglichst unauffällig zwischen was anderes gemischt. „Don’t Leave Me This Way“ passt weniger zu „The Final Countdown“ von Europe, finde ich.

      Mein größtes Problem heute morgen ist, ob ich den Liter Milch in meinem Kühlschrank nicht doch trinken kann. Daran sieht man, dass es mir den Umständen entsprechend ziemlich gut geht.

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        1. Nachschlagen war schon erledigt und ergab, Milch ist mit diesem Antibiotikum unproblematisch. Er hat zwar gesagt, ich soll es lassen und so habe ich das damals auch in der Umschulung gelernt, aber es gibt verschiedene Arten und bei diesem hier, also dem, das ich bekomme, soll dann laut Herstellerhomepage und ein paar anderen Seiten, die man kennt, wenn man mal in der Apotheke gearbeitet hat (ich mache hier keine Werbung) soll dann vielleicht die Wirkung leicht beeinträchtigt sein. Da ich aber mangels Frühstück die Morgentablette noch nicht genommen habe und die Abendeinnahme über 12 Stunden her ist, muss ich mich eigentlich nur überzeugen, die Morgeneinnahme auszulassen, dann kann auch keine eventuelle Wirksamkeitsminderung eintreten und mir gammelt die Milch nicht. Sonst müsste ich die heute in Pfannkuchen oder irgendwas gebackenes einarbeiten und so verkehrssicher hier noch durch die Landschaft zu rennen wo gerade alle Ampeln ausfallen fühle ich mich mit oder ohne das Zeug nicht. Einige autofahrende Menschen verlernen in der Situation die Verkehrregeln. Das brauche ich nicht.

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