Eine Schwesterngeschichte

Christiane macht wohlverdient Etüden-Pause und ich erzähle Ihnen die Geschichte von Lea und ihrer Schwester Maura.

 

Ich glaube, der größte Schock meines Lebens ist der Kuss zwischen Sarah und meiner Schwester gewesen. Damals in Mauras altem Zimmer als die beiden die Möbel zusammenräumten. Bis dahin hatte ich Sarah für eine Dolmetscherin gehalten, jemanden, der einfach helfen wollte. Die Tür war beinahe zu, aber ich sah die beiden durch den Spalt in einer Ecke an der Wand stehen und meine Schwester hatte ihre Hand in Sarahs Nacken und die ihre Arme um Mauras Hüfte, ganz in der Ecke stand noch der Tisch auf dem die Bananenpflanze gestanden hatte. Die war schon in Mauras Auto.

Seitdem kann ich die beiden nicht mehr ansehen. Ich hatte eine kindische Wut, vielleicht auch da schon Neid und verstand das Gefühl selbst nicht. Es ist nicht dasselbe wie wenn ich die beiden heute zusammen sehe und zur gleichen Zeit ist es genau das, nur dass ich es heute benennen kann. Ich habe Angst, dass Sarah sie mir wegnimmt. Damals, als ich glaubte, Sarah sei eine Dolmetscherin war sie da, damit ich Maura haben konnte. Darauf hatte ich ohne es zu denken vertraut. Ich hatte die Sprache nicht gelernt und Maura war immer in Gehörloseninternaten gewesen und Sarah war die, die uns zueinander brachte. So hatte ich mir das vorgestellt, weil meine Mutter nur wenig gebärdete.

Heute weiß ich natürlich, dass Sarah mir meine Schwester längst weggenommen hat und ich weiß auch von Maura, dass sie mich nicht als ihre Schwester sieht, weil wir zu weit auseinander sind, ich könnte altersmäßig ihr Kind sein. Aber es tut trotzdem weh. Ich hätte gern eine Familie gehabt. Dass ich keine habe, habe ich früher natürlich nicht gedacht.

 

Das Wort für meinen Gebärdennamen ist Regen. Es ist das Wort, das ich in Mauras Sprache sage nachdem ich meinen Namen buchstabiert habe. Manche Gebärdennamen ändern sich irgendwann, meiner ist derselbe wie in der Kindheit. Maura sagt, weil ich als Kind die Geschichte vom Sterntaler mochte, sie das mit der von Frau Holle verwechselt hat und ich als Vierjährige Schnee und Regen nicht unterscheiden konnte. Ich kann mich tatsächlich erinnern, dass sie irgendwann während der Ferien zu Hause war und wir mein Märchenbuch durchsahen. Aber manchmal denke ich, dass ich Regen heiße, weil meine Mutter mir nie gesagt hat, dass sie durch meine Geburt vom Regen in die Traufe gekommen ist.

 

Sarah trocknet Wassergläser ab. Ich bin nicht gerne mit ihr alleine und schon gar nicht in Mauras Küche. Ich muss mir sagen, dass die Küche Maura und Sarah gehört, wahrscheinlich sogar nur Sarah, weil Maura nicht viel verdient. Und ich muss mir sagen, dass ich freiwillig hier bin. Ich komme immer hierher wenn ich es zu Hause nicht aushalte. Ich hätte damit rechnen müssen, dass nur Sarah zu Hause ist. Beim Putzen ist man gegen Abend weg.

Ich weiß noch nicht mal warum Sarah mir alleine so unheimlich ist. Sie ist nett, sie hat mir nie etwas getan und es war Sarah, die mir damals die Couch angeboten hat, wenn es gar nicht anders ginge und mir außerdem ihre Handynummer gegeben hat. „Manche Dinge muss man besprechen“, hatte sie gesagt und das Wort besprechen eigenartig betont. Mir fiel damals nicht auf, dass Maura nie „sprechen“ sagen würde. Meine Mutter sagt das Wort oft.

Vielleicht liegt es daran, dass ich weiß, dass Sarah selber ein Kind hat. Pauline kommt samstags alle zwei Wochen, sie wollte bei ihrem Vater bleiben und für den Vater und Sarah war das okay. Ich kann nur „der Vater“ denken, aber Sarah hat mir gesagt, dass er Dennis heißt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ein Mann ist. Wenn ich das tue muss ich immer an eine Szene mit Olaf denken. Ganz am Anfang hatte er einmal über Sarah gesagt „Die sieht aus wie John Deacon mit langen Haaren.“ Sarah hatte sich geschämt und Maura gefragt wer das sei und dann hatte unser Vater eine Schallplatte geholt und auf einen der Männer auf dem Cover gezeigt. Maura hatte gekichert und gesagt „Ja, stimmt“ und dann Sarah, das sei ihr nie aufgefallen, obwohl sie die Band möge. Dann hatten sie alle gelacht und ich die Situation nicht verstanden. So etwas passierte oft, sie redeten von Dingen für die ich zu jung war. Nicht noch zu jung, sondern zu jung weil sie vorbei waren. Olaf setzte Maura an dem Abend vor die Stereoanlage, gab ihr Kopfhörer und wollte wissen ob sie etwas wahrnehmen konnte, dann spielte Sarah das Lied auf seiner Gitarre und Maura saß mit dem Kinn auf ihrer Schulter halb neben ihr und fühlte die Vibrationen mit. Sie wollte wissen worum es in dem Lied ging und Sarah meinte ums Sterben. Olaf sagte, auf Deutsch würde man sagen „ins Gras beißen“, aber so etwas versteht Maura nicht. In dem Moment, in dem er das sagte hatte ich das Gefühl, die Sommersprossen auf meinem Arm hatten die Farbe von Sarahs Haaren.

 

Sarah wirft einen Zettel in den Müll, den Maura geschrieben hat. Ich weiß nicht wann oder über was und es ist ganz normales verdrecktes Altpapier, aber ich stelle mir vor, dass Sarah sich ohne es zu zeigen über die Rechtschreibfehler aufregt. Als Maura ein Kind war hat man an Gehörlosenschulen nicht vernünftig schreiben gelernt. Zu mir hatte meine Mutter gesagt, ich solle nach Gehör schreiben. Fragen beantwortete sie nicht. In gewisser Weise mache ich das heute noch. Ich schreibe nie „Qualifikation“, weil die Leute nur „Qualle“ sagen und im Englischunterricht schrieb ich früher „qualm“ statt „calm“. Als meine Mutter deshalb beim Elternsprechtag gefragt wurde sagte sie dem Lehrer nur, ich hätte halt eine gehörlose Schwester, die könne das auch nicht richtig. Mehr nicht. Ich schämte mich und wusste nicht warum für Maura. Es war immer Maura. Die Entschuldigung für alles um das sich meine Mutter nicht kümmern wollte. Als Kind habe ich das nicht verstanden, da war nur ein komisches Gefühl, wenn ich mich selber fragte Wieso Maura? Die ist doch gar nicht da.

 

Irgendetwas im Raum ist anders. Ich denke zuerst, es kommt vom Kühlschrank, denn der ist ziemlich laut, aber es ist der Ventilator. Der Kühlschrank surrt noch, aber die Lüftung ist weg. Sarah steht am Fenster und raucht.

Maura ist doch gar nicht da, hallt es in meinem Kopf. Machen ohne Maura eigentlich alle was sie wollen? „Deine Freundin hat Asthma“, sage ich.

Sarah zieht und bläst den Rauch aus. „Was meinst du warum ich am Fenster stehe?“

„Trotzdem.“ Meine Stimme klingt anders.

„Moment noch.“ Sie raucht zu Ende. Ich kann eine grade Reihe ausgedrückter Kippen auf der äußeren Fensterbank sehen. Wie Kreidestriche. Sie schließt das Fenster und stellt es kipp.

„Lea, was ist? Was war? Andrea ist unmöglich, aber dir kann keiner helfen, wenn du nichts sagst.“

„Es gibt hier kein Wir.“

„Maura und ich.“ Sie setzt sich. Mir fallen zum ersten Mal die Tabakkrümel auf dem Tisch auf.

Die Anspannung ist kaum ertragbar. Ich habe das Gefühl je mehr ich zu atmen versuche, je mehr schwillt alles in mir an. Das habe ich nur hier, nie irgendwo anders. Es gibt keine Worte.

„Lea, ich kenne das wenn man Eltern hat, die irgendwie nicht richtig sind.“

Im Kopf sehe ich die Schachtel im Badezimmer. Es müsste die Pille sein, aber es sind Antidepressiva. Ich hoffe, die gehören wenigstens ihr. Dann sehe ich den Umschlag, der im Flur gelegen hat. Abs. Pauline Waaßen, An Sarah Waaßen-Maler. Maura gebärdet den Nachnamen mit den Worten für Wasser und Maler. Wassermaler, wie diese bunten Seifenstifte für Kinder. Frau Wassermaler war mal Frau Maler und hat dann Herrn Waaßen geheiratet.

„Pauline, du nicht.“

Sarah sieht mich an. „Was meinst du?“

„Pauline kennt das, du nicht.“

„Meine Eltern waren auch nicht normal, du weißt das, Lea.“

„Bei dir ist keiner abgehauen.“

„Das bin ich auch nicht.“

„Und warum bist du dann geschieden?“

„Es ging nicht mehr anders, wir haben uns nur noch wehgetan.“

„Und wieso bist du danach zu einer Frau gegangen?“

„Ich weiß worauf du hinaus willst, Lea, du suchst eine Konstante.“

Ich verstehe nicht was sie mir sagen will und ich weiß nicht was ich sagen will, nur dass das Gespräch in eine völlig falsche Richtung geht.

Ich gehe an den Kühlschrank und nehme Zitronenlimonade. Das, was beim Eingießen daneben geht sieht aus wie ein einzelner Regentropfen. In dem Moment habe ich regelrechten Hass.

 

Ich bekam den Film nur beiläufig mit und ich wusste auch gar nicht warum ich ihn sehen wollte, nur dass ich nicht mit Maura und Sarah sitzen wollte. Einfach dasitzen, Kerzen und Kakao und da draußen der Regen. Ich war zu ungeduldig, so etwas ist für mich verschwendete Zeit. Also sah ich auf den Fernseher. Die beiden störten mich nicht. Der Vorteil an Mauras Sprache ist, dass sie keinen Ton hat. Aber irgendwann sah ich zur Seite, weil mein Trinkglas leer war. Meiner Schwester lag in Sarahs Arm, die Stirn in ihrer Halsbeuge und Sarah spielte mit ihren Haaren. Ich wusste damals nicht, dass es eine Szene wie der Kuss für mich war, auch wenn die Gefühle sich ähnelten. Wie ein Tritt in den Magen. Ich war älter jetzt, aber das konnte nicht sein.

 

Maura isst einen Apfel und lässt nur den Stiel über. Sie sieht müde aus und ist müde genug um den Phönix auf ihrem Arm nicht zu verdecken. Ein gehörloser Künstler hat ihn entworfen und ein schwerhöriger gestochen. Das war lange her, damals wohnte sie noch zeitweise bei uns obwohl sie erwachsen war. Meine Mutter regte sich auf, sie hätte das Geld doch besser in Hörgeräte investieren können, aber sie wolle ja nur nicht. Ich war noch in der Grundschule und hatte ungeplant früher aus. Ich weiß noch, dass ich in der Tür stand, meine Mutter von hinten sah und dachte Wenn hier einer nicht will, dann du! Hängst den ganzen Tag mit deinem Fettarsch im Liegestuhl auf dem Balkon und andere Mütter unternehmen bei Hitzefrei was mit ihren Kindern! Kim aus meiner Klasse hatte mich gefragt ob ich mit zum Schwimmen wollte, aber ich wusste, ich bräuchte zu Hause gar nicht erst fragen. Meiner Mutter würde irgendein Grund dagegen einfallen, entweder hatte sie die Schwimmsachen verlegt oder man dürfte neuerdings nur mit Badelatschen oder mit Seepferdchen in das Freibad. Deshalb dachte ich mir Gründe aus, weshalb ich nicht könnte und war innerlich wütend. Es war kurz nachdem ich keine Schwimmflügel mehr brauchte. Das war ein Grund zum Feiern, aber meine Mutter regte sich auf, dass meine Schwester nicht einsah für Hörgerate zu bezahlen, die ihr sowieso nichts nützen.

 

Maura steht so, dass der Phönix verdeckt ist. Ich achte nicht auf das was sie zu Sarah oder Sarah zu ihr sagt. Ich sehe nur die Wut in meinem Bauch. Die ist so rot-orange wie der Phönix.

Ich denke daran, dass ich als Kind immer geweint habe wenn zur Winterverabschiedung bei uns im Dorf der Papierschneemann ins Feuer geworfen wurde. Mir tat dieses Papierstück leid. Mauras Phönix erinnert mich an das Feuer.

Mir fällt auf, dass das ist weil Sarah gerade von einem Feuer redet. „…mitten im Sommer, Höhenfeuer nennen die das in der Schweiz. Ich habe das damals auf die Hormone geschoben, ich war schon schwanger, aber es machte mich traurig. Ich hatte das Gefühl, da oben, richtig hoch in den Bergen, brennt mein Leben. Dennis hat gesagt, da fängt etwas an, aber das konnte ich nicht annehmen.“

Ich weiß nicht, warum ich das alles verstehe, obwohl ich nicht gut gebärden kann. Vielleicht weil ich das Gefühl habe, sie spricht eigentlich von mir und dem Winterabschied. Mein Schneemann war Maura und ich wollte den Winter nicht verabschieden, weil es dann keinen Rückzugsgrund mehr geben konnte, keinen Grund für ein Zuhause, wenn alle anderen draußen waren. Maura hatte mir irgendwann erzählt, ihr hatte das Schneemann-Ritual Angst gemacht und sie konnte nicht verstehen warum die anderen Kinder sich dabei so freuten.

In dem Moment schlägt ein Hagelball gegen die Scheibe. Maura zuckt zusammen. Mir tut leid, dass sie das Trommeln des Regens nicht mitbekommt.

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Kleinigkeiten

Ich merke, dass ich ruhiger werde nun wo es morgens schon etwas länger dunkel ist. Auch das Regenwetter gefällt mir ausnehmend gut. Aber ich möchte bitte gerne endlich Lebkuchen.

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Ich habe gelegentlich das Bedürfnis wieder Englisch zu schreiben. Them lot schlagen folgendes vor: Irgendeinen Mist hinkritzeln und den Mist im Anschluss bei irgendeiner dieser Story-Plattformen unter einem Pseudonym, das gar nichts mit mir oder meiner Persönlichkeit zu tun hat hochladen. Schauen ob ich da als Teenager durchgehe. Ich verstehe, dass sie mir sagen wollen, dass das ein Weg sein könnte um mit meiner Jugendzeit, an die ich nur sehr wenig Erinnerungen habe, in Kontakt zu kommen.

Aber ich glaube: Nicht.

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Ich habe übrigens tatsächlich 1999 auf einer amerikanischen Plattform auf Englisch erstveröffentlicht und dann später in gedruckten Anthologien.

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Im Laufe der Woche bei einem Arzt gewesen. Damit das klar ist, ich bin nicht „du“ und ich bin niemandes „Mädchen“.

[Nichtbehinderte Frauen würden das nun ganz locker und logisch als Sexismus deklarieren, wenn ich das tue, sehen Teile der exakt selben Gruppe die Diskriminierung nicht.]

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Zwei Frauen, das die mir gelegentlich wenn ich in der Innenstadt zu tun habe entgegenkommtem, kamen mir entgegen.* Ich vermute, dass es sich um ein lesbisches Paar oder um eine Frau und einen Mann mit Transgeschichte handelt. Statt einem kurzen erkennenden Nicken wie mit einer bestimmten Buchhändlerin wird von denen systematisch weggeschaut.

[Menschen, die nicht selbst einer Minderheit angehören können sich oft nicht vorstellen, dass auch Angehörige von Minderheiten Vorurteile und Berührungsängste gegenüber anderen Minderheiten haben, denn die sind doch selber…, aber so läuft das nicht. Vielleicht kommt es irgendwann mal dazu, dass sich etwas für die Abweichungen gibt über eine Lesbe mit Behinderung, die innerhalb eines irgendwie nicht-heterosexuellen Kontextes von nicht-heterosexuellen Menschen geschnitten, gemieden, ge… wird. Vielleicht ist das was für Adelheid.]

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In dieser Woche erstmals etwas in einem öffentlichen Bücherschrank gefunden. Normalerweise tue ich nur etwas rein und ein paar Stunden später ist es bereits weg, weil es heraussticht. Der örtliche Bücherschrank besteht vorwiegend aus Konsalik, Simmel, Utta Danella und so Grauszeug. Ich habe einen Kishon gefunden. Auch nicht mein Ding, aber ich dachte, ich versuche ob es mir noch etwas gibt. Als ich noch sehr junge Bibliothekarin war habe ich des Öfteren Kishon gelesen, wenn es nichts zu tun gab. Das andere, das räumlich erreichbar gewesen wäre, wäre damals die Abteilung mit der „Erfahrungen“-Edition von Bastei Lübbe gewesen. Nein Danke. Kishon war wenigstens lustig. Ich erinnere mich heute noch an die Geschichte mit dem Lötkolben. Sie war leider nicht in dem Buch, das ich dem Handschuhschenker weitergegeben habe.

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Apropos Grauszeug [alle normalen Leser müssen jetzt stark sein]: Liebes Fellmonster, das mal Trump-Fanfiction analysieren will, kennst du die mit Twitterpöbler x Walmart? [Mein Spam-Ordner hatte gerade Ruhe…]

Nein, ich muss das nicht anlesen. Die hatte schon so ein eklig rosa Cover. Aber vielleicht war das Absicht von wer auch immer dafür verantwortlich zeichnet. Nichts gegen die Muppet Show, aber der Choleriker hat gewisse Ähnlichkeit mit diesem Toupet tragenden Schweinemann aus Schweine im Weltall. Auch vom Intellekt her.

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Ich hatte jemandem eine Bezugnahme auf das Thema Arbeitsjournal zugesagt, da mir Fragen gestellt wurden. Ich mache es, aber wohl nicht so bald wie ich dachte. Ich komme im Moment zu fast nichts. Bis Montag gar nicht. Aber ich vergesse es nicht.

 

*Das passiert wenn man nicht zwischenspeichert und den halben Satz nochmal, aber anders schreibt. Er fing ursprünglich mit Ein Frauenpaar, das… an.

The Invisible Man (Men, more likely)

„Wann sind Sie geboren?“ *schaut in Karteikarte* „1980.“

„Hmhm.“ [Oder so.]

„Haben Sie als Kind mal ‚Es war einmal das Leben‘ gesehen?“

Recht oft, aber das kann ich ihm nicht mehr mitteilen.

„Dann kann ich ja singen. Dann kennen Sie ja Männchen im Körper.“

Ich hätte gerne losgelacht, mir gefällt dieser Humor, aber das ging auch schon nicht mehr.

 

[Wem der Kontext fehlt.]

Mitte August ist Nachsorge und ich erfahre ob „groß geschnitten“ wird. So lange stehe ich ohne Medikamente da – „Das muss alles raus“ – und renne quasi-bewusst mit einer halb-offenen Wunde rum. Wieder keine feste Nahrung – technisch geht es, aber ich soll nicht – und ich soll „endlich mal zur Ruhe kommen.“ Auf die Frage wie denn, kam „Fahren Sie in Urlaub.“ Auf die Frage wovon, die (ernst gemeint) geniale Antwort (für einen Arzt): „Ach so, ja, das Gesetz. Sie sehen halt nicht so aus.“

Adelheid

Heute Vormittag war sie einfach da.

Ich weiß nur noch nicht was ich mit ihr machen soll. Allerdings klingt Adelheid vom Namen her auf jeden Fall schon mal altersmäßig näher an Jule und Swantje wäre also vermutlich ein Fall für die Abweichungen, in denen ich gern wieder eine erwachsene Protagonistin hätte. Wenn ich denn ihre Geschichte kennen würde.

Kommt vielleicht noch.

Retro

Und dann kommt man auf der Straße an einem Plakat vorbei, das eine 90er Party ankündigt, liest wer alles da auftreten soll, denkt, dass man nie verstanden hat was die Leute an dem und dem gefunden haben, und wie nötig Mittvierziger (mutmaßlich) das Geld haben müssen um heute auf irgendeiner Clubkiste noch als Boyband oder „90er Sternchen“ aufzutreten, weil man in den 90ern beliebt war.

[Eine meiner wenigen weiblichen Freundinnen der Jugendzeit bekam tatsächlich Ohnmachts- und Kreischanfälle wegen irgendeinem Typen bei Caught In The Act und Wutausbrüche wenn ich den Bandnamen, wie damals nicht unüblich, zu „Kotz In die Ecke“ umfunktioniert habe. Eine andere stand auf „Paaaddyyy!“ Kelly und ist deshalb mehrmals nach Köln abgehauen beziehungsweise hat mich um meine Naturlocken beneidet weil ich damit aussah – ihrer Ansicht nach – wie eine der Frauen. Unsere innerschulische Barbara – eine Klasse höher als wir – musste sich von ihr Barby nennen lassen.]

Kleinigkeiten

[Frollein Polly hat gesagt, sie findet das interessant.]

 

Ich habe mich diese Woche nach zehn Jahren (sic!) an den Titel eines von mir seit Ewigkeiten gesuchten Fachbuches erinnert und der Gebrauchthändler meines Vertrauens hat sogar ein Exemplar für mit Versand unter zehn Euro. Hurra!

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Ich habe festgestellt, ich kann derzeit nicht mit Füller arbeiten. Auch nicht schlimm, ich habe noch drei oder vier von diesen wundervollen Schmierkulis aus der Aldi-Aktion im Winter. Sie schmieren wirklich, aber sie führen sich so wunderbar entspannt.

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Keith Harings Journals noch mal begonnen und es ist wirklich seltsam wie sehr mich, die nur ungern malt, doch malende Menschen beeinflusst haben.

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Zum Glück ist die Flut der FF-Verteidigerinnen, beziehungsweise der Verteidigerinnen irgendwelcher hanebüchener Sachverhalte darin – FF an sich ist ja nicht schlecht – genau so rasch verschwunden wie sie gekommen ist. Sie müssen sich das mal vorstellen, auch Kraftwerk werden zwangsverschwult und die kennt nun wirklich von den jüngeren Leuten sprichwörtlich kein Mensch mehr.

[Nein, ich habe diesen lustigen Text mit der Autobahn nicht im Suff erfunden und nein Das Modell ist nicht (im Original) von Rammstein. Ja, es gab mal einen Zug, der Trans Europa Express hieß und ja, es gibt eine Ananassymphonie, Beweise auf dem Videokanal!]

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Apropos Videokanal: Sie glauben gar nicht was für gequirlte Scheiße Ihnen angezeigt wird, wenn Sie dort Material zum HIV/AIDS aus früheren Zeiten recherchieren wollen. Es ist traurig.

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Das Atelier-Kind hat meinen Sandwichtoaster ausgegraben und in Beschlag genommen. Getoastetes Brot mit Käse und Salami ist nicht ungesünder als nicht getoastetes Brot mit Käse und Salami, der mag sowas.

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Ich habe eine Sorte Lakritz, die mir zwei Leserinneren empfohlen haben (danke!) aufgetan. Für mich IST „Türkisch Pfeffer“ Kinderlakritz, ich fand die einfach nur süß. Aber das ist total subjektiv. Andere Leute essen, im Gegensatz zu mir, ihre Pommes frites nicht mit Erdnussbutter.

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Würde Walburga noch in Berlin wohnen, hätte ich jetzt Zuwachs für meine Nomi-Sammlung.

[Selbst wenn man Mikesch den Sinn von so etwas begreiflich machen könnte, könnte sie mir nicht helfen, da Abgabe nur an Selbstabholer.]

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Hat jemand Erfahrung mit wattpad? Ich bin gebeten worden etwas dort gepostetes gegen zu lesen. Auf den ersten Blick macht das auf mich einen ähnlichen Eindruck wie bookrix, neobooks und Konsorten: Vorwiegend jugendliche Autoren und mutmaßlich entsprechende Qualität. [Was nicht bedeutet, das alles schlecht ist, ich meine das auf die Reife bezogen.]

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Nachtrag 23.07.2017: Die Wortgerinnselde hat grad a feins Dialektalstück. Geh’n Se man kieken (oder wie das auch immer dort heißen würde): Ein Tag wie jeder andere. [Ich hoffe, Verlinkung ist genehm. Wenn nicht, nehme ich es raus.]

Rote Flaschen-Gespräch

„Das ist ein Feuerlöscher.“

„Ja.“

„Warum hast du einen Feuerlöscher mit?“

„Weil ich ihn gerade gekauft habe und wir jetzt einen Termin haben, das heißt, ich kann ihn nicht nach Hause bringen, sonst kommen wir zu spät.“

„Brennt es bei dir zu Hause?“

„Wenn es jetzt bei mir zu Hause brennen würde, dann wäre ich nicht hier.“

„Warum kaufst du dir dann einen?“

Falls es mal wieder brennt, so wie meine Küche damals. Hätte ich da schon einen gehabt, wäre das vielleicht nicht so schlimm geworden.“

[Ich habe allerdings noch nie einen benutzt, deswegen hoffe ich einfach mal, dass ich das Ding im Notfall bedienen könnte und es wirklich löscht.]

Mikesch tut nachdenklich. „Feuerlöscher zum Feuerlöschen… Könnten wir auch gebrauchen…“

[Es kann sein, dass sie den Sinn von Feuerlöschern in Privathaushalten wirklich nicht versteht.]