Lösefafentniph

Ein Mensch vom Medizinischem Dienst – nicht der Krankenkassen, ein anderer – hatte mich für heute zum Gespräch geladen, weil das Diddl-Maus-Baby quasi am der Hand vom Mami zum Test gekommen war. Ob er wegen möglicherweise eintretender Arbeitslosigkeit – Sie wissen schon, drei Monate vorher… – oder weil sein Gegieme wirklich ein Problem auf dem Gerüst darstellt weiß ich nicht. Das sind Schwächen, so was sagt man dergl nicht. Ist mir auch egal.

Was will der Mensch vom Medizinischen Dienst von mir? Ich hatte erwartet, dass Mikesch Mikesch war, aber so einfach ist das nicht. Der Mensch will etwas wissen.

Und zwar: Können die beiden richtig lesen und schreiben? Es haperte mit dem Textverständnis, mein Bruder hat für einen 30-jährigen eine eindeutig zu kindlich-krakelige Schrift und als Mikesch sich einmischen wollte hat sie keinen graden Satz hinbekommen.

Das letzte überrascht mich nicht. Auch Sie hatten hier ja schon Kostproben der Mikesch-Grammatik.

Trotzdem ist die Frage interessant. Denn: Mein Bruder war auch nicht in der Lage trotz vollumfänglich vorhandenem Gehör – wurde getestet – einen Text wie gehört wiederzugeben.

Bei ihm und Mikesch wird die Blödzeitung gelesen. „Normale“ Tagespresse scheint zumindest Mikesch nicht zu verstehen, denn sie kann nicht erklären was sie in einem Artikel gelesen hat.

Lesen ist nicht nur die Mechanik.

Mit Hörverständnis ist es dasselbe.

Erinnern Sie sich an den Fremdsprachenunterricht in der Schule oder später? Können Sie bei Musik die Texte raushören?

Ich hatte diese Fähigkeit schon recht früh und erntete dafür immer Bewunderung. Aber natürlich habe auch ich früher Dinge, die nicht aus meiner Muttersprache stammen falsch gehört.

Kann es, insbesondere wenn man so undeutlich spricht wie er – er muss manchmal vier- oder fünfmal wiederholen weil ich nicht weiß was er von mir will, da er stark nuschelt – auch mit der Muttersprache geben.

Bei uns zumal hatte man ja immer die Schnauze zu halten, das heißt, er hat womöglich keine durchschnittlichen Fähigkeiten ausbilden können und nach fast 31 Jahren fällt es auf.

Ich muss mal recherchieren was das mit Leseverständnis zu tun haben kann. Dasselbe wie bei der Atelier-Kind-Familie ist es ja nicht. Aber interessant. Auch für meine eigene Geschichte. Warum kann ich, die man versucht hat noch doofer als ihn zu halten es und er nicht?! Er ist ja nicht dumm, er hätte das Abitur genauso schaffen können, wenn man ihn gelassen hätte.

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4 Gedanken zu “Lösefafentniph

  1. Ich denke, das hat auch ganz viel mit Übung zu tun. Liest man gern und viel, fällt es einem irgendwann leichter, man wird schneller und entwickelt eine Art Routine und versteht auch komplexe Themen schneller.
    Lässt man sich nur berieseln (Fernsehen, aber jetzt nicht unbedingt anspruchsvolle Sachen) und ließt nur die Blödzeitung, muss man nicht viel denken und reflektieren, man bekommt ja alles vorgekaut. Da steht die Aussage des Artikels quasi schon in der Überschrift und das ganze ist derart simpel gestaltet, damit die Zielgruppe auch kapiert, dass kein großes Textverständnis nötig ist.
    Und wer nicht oft schreibt und es nach Möglichkeit vermeidet, der kann nicht gut formulieren und flüssig schreiben.
    Der beste Freund vom Freund ist Legastheniker und leider leider damals auf die Sonderschule geschickt worden. Der kann sich zwar verbal ganz gut ausdrücken, aber wenn er schreibt (Whats App) ist der Satzbau, von der Legasthenie und den daraus resultierenden Fehlern mal abgesehen, schon abenteuerlich. Über die Handschrift weiß ich nicht so viel, aber lesen ist jetzt auch nicht gerade sein Hobby… Dabei ist das ein kluges Kerlchen und ich finde es immer wieder schade, dass seine Eltern sich nicht mehr gekümmert und sich von den Lehrern haben bequatschen lassen.
    Liebe Grüße

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    1. Frollein Polly, Sie haben mit allem Recht. Und im Fall Diddl-Maus-Junge wurde sich nicht gekümmert, sollen mal schön andere machen, in der Grundschule dann panisch Legasthenie-Übungshefte gekauft und auf Druck der Schule kurz Logopädie in Anspruch genommen, auf der Gesamtschule ist er dann an den elterlichen Ansprüchen verreckt, was denen sicher auch ganz recht war weil sie dann mit dem Finger auf andere zeigen konnten. Hätte man ihn, wie von der Schule empfohlen, in der 5./6. Klasse in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig geholt, dann hätte man sich ja nicht nur kümmern, sondern vielleicht auch mal selber was nachschlagen müssen, das man nicht weiß, das Kind aber schon. Und so etwas wollten sie nicht nochmal. Der ist nicht blöd, der hatte die Prüfungen zum Übergang in den Zweig damals mit „sehr gut“ bestanden. Weil er einen ordentlichen Schuss „Wir sind ja wer, also gehört mir die Welt“ von der Einstellung meines Vaters abbekommen hat hätte man da ein feines BWL-Lackäffchen drausmachen können oder einen Bankkaufmann. Irgendwas in der Art, vielleicht auch einen Ökotrophologen (interessierte sich ja ursprünglich für Kochen) oder Ingenieur, aber kognitiv höher angesiedelt als Fassadenreiniger.

      Lesen wäre in seiner Kindheit als Parteinahme mit mir verstanden worden, das war also gefährlich.

      Ach so: Wenn Sie mögen, ich mache jetzt mal ganz unverhohlen „Werbung“, weil ich Ihren Kommentar so gut finde, erzählen Sie das, was Sie über den besten Freund vom Freund erzählt haben doch auch noch mal Frau Ernst (der es ähnlich ging/geht), für ihr Ebook. Ich finde, Ihr Kommentar zeigt in die richtige Richtung.

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      1. Das ehrt mich sehr, aber wissen Sie, zu der Geschichte gehören noch ein paar Details, die ich bewusst weg gelassen habe und ich glaube nicht, dass der Freund vom Freund möchte, dass ich darüber schreibe. Ich könnte also nicht viel mehr schreiben als das, was ich bereits geschrieben habe und das ist noch lange keine Kurzgeschichte. Und da der Freund vom Freund weiß, mit welchem Namen ich mich im Internet bewege, wäre es für ihn auch nachzuvollziehen. Ich überlege mal, ob mir noch etwas anderes einfällt, das ich schreiben könnte.

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        1. Schon klar, dass man bewusst weglässt. Aber Sie könnten ja auch was total fiktionales über irgendeinen Menschen, der Probleme mit dem Lesen und Schreiben hat unter einem ganz anderen Namen schreiben, wenn Sie denn wollen würden. Wenn Frau Ernst etwas von mir bekommt, dann ganz bestimmt nicht als dergl oder unter meinem Vornamen (den hier einige kennen) oder im Stil von den Sachen, die auf die Fiktionsblogs ausgelagert sind.

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