Das zweite Knäul

Als ich heute vor zwei Jahren hiermit begonnen habe, habe ich nicht geglaubt, dass ich das, was sich seit acht Monaten drüben in den Tintenklecksen mache jemals wieder können würde. Die Fädenrisse waren auch ein Versuch nach dem großen Kollaps Ende 2014/Anfang 2015 wieder schreiben zu lernen. Gewollt habe ich es nicht mehr.

Ich dachte auch nicht, dass ich den letzten Kollapstext je wieder vorholen und überarbeiten, geschweige denn herzeigen würde. Dass es so kam liegt an den Fädenrissen und Ihren Lesern und Kommentatoren. Vielen Dank dafür!

[Materie und Form, damals noch Abweichungen und später namenlos, entstand in der Erstversion nachts am 18. Januar 2015 und blieb lange Zeit unfertig liegen. Ich habe die original Handschriftversion, Bleistift auf kariertem Papier immer noch. Als ich sie im Sommer letzten Jahres wieder las und aufnahm hatte ich keine Ahnung, dass es werden würde was es geworden ist.]

Materie und Form war nicht nur das Katapult für alles was danach kam, seien es die Kleckse, also wirklich morgens noch nicht ganz im Tag dem Stift in der Hand zu behalten und einfach komplett uneditiert zu machen, oder die „Susanne“ in ihrer jetzigen Inkarnation – hätten Sie mir letztes Jahr im Mai gesagt, ich würde ab Oktober an etwas sitzen, dass sich als romanesk herausstellt, ich hätte Sie nicht ernstgenommen –, und wahrscheinlich sogar für die Art in der die Herkömmlichen sich machen. Die wurden zwar bewusst literarisch von mir begonnen, aber sie sollten eigentlich keine Literatur sein, sondern waren als Ausstellungsstück geplant. Ich wusste nicht, dass sie so ausufern und dass sich praktisch unsere ganze Familiengeschichte und nicht nur der Teil, der im ersten Blatt offenbar wird mit seinen Folgen entrollt. Aber es ist in Ordnung. Und erstaunlich, dass ich es so kann. Es entstand ursprünglich auf Notizzettel hingeschmierte Erinnerungsfetzen während der Arbeit an einem Sachtext für einen Reader über Gewalt in Familien mit behinderten Kindern. Wo es hinführt weiß ich nicht, es kommt rein was hoch kommt.

Als ich Materie und Form im letzten Sommer zunächst noch namenlos zeigte kam so gute und konstruktive Rückmeldung – danke Gerda und Alice, die auch versucht haben bei der Titelsuche zu helfen -, dass ich überlegte, ob und dass es möglich wäre so weiter zu gehen und eine Art Kurzprosasammlung zu machen. Das Thema hat unendliche Facetten, wird „nie“ diskutiert – selbst in Fachkreisen oft nur im Kontext mit schwer gehbehinderten und oft immer noch mit dem ausschließlichen Fokus auf Männer – und wenn es eine kann, dann ich, auch von der Form her.

Es ist wichtig textlich anzureißen und stehen zu lassen, dadurch entfaltet sich die Wirkung und es weckt – damals in der Diskussion gesehen – auch Interesse. Jules Reaktionen und Unsicherheiten sind nicht merkwürdig. Für eine körperbehinderte Frau, die so sozialisiert wurde ist sie völlig normal. Was sie von anderen unterscheidet ist, dass sie Mutter ist. Das worin sie aufwuchs heißt nicht umsonst im Insidersprech „Sonderwelten“. Die allermeisten meiner irgendwie behinderten Recherchekontakte wuchsen so auf. Das ist die Regel. Es wirkt nur anders, weil es kaum thematisiert wird und die bekannteren Protagonisten der Prostestbewegung meist zu dem winzig kleinen Prozentsatz gehören, die inklusiv beschult wurden. Das gibt natürlich ein verzerrtes Bild.

Damals in meinem Übermut über diese Idee, weil ich mir sicher war, ich könnte es, registrierte ich den passenden URL. Und dann geschah erstmal nichts. Lange nichts.

Ich kann mir keine Geschichten ausdenken. Charaktere müssen zu mir kommen und dann muss ich Filme sehen, die ich transkribieren kann. Aber es kam nicht. Vielleicht kam die jetzige Inkarnation der „Susanne“ dazwischen – auch da gibt es unter anderem eine behinderte Mutter, aber auch die nichtbehinderten Verwandten eines behinderten Mädchens -, vielleicht auch die heiße Phase der Proteste gegen das Spar..äh… Sie wissen schon.

Jetzt im Mai während der Offlinezeit kam die Latüchtengeschichte. Die eigentlich die Geschichte von Gerold ist, der wiederum nur der zweite Charakter in der Geschichte von Swantje ist. Swantje kannte ich bis die Geschichte kam noch nicht. Gerold und ich hatten etwas Gebalge weil ich ihn zwar kannte und mochte, aber keine Ahnung hatte wo er hingehörte.

Die Geschichte von Swantje, Gerold und Linda – das ist jemand, den ich eigentlich gar nicht wollte -, ist nicht so offensichtlich „anders“ als die von Jule und Moritz. Sie kann aber als in den Komplex passend verstanden werden, weil nichts über Swantje als solches gesagt wird.

Ich habe sie zusammen mit Materie und Form der Lesbarkeit halber ausgelagert auf den damals registrierten URL. Im Gegensatz zu den Klecksen kann dort auch kommentiert werden. Vielleicht enthalten Ihre Kommentare ein paar Anregungen für mich, so dass die nächste Geschichte in geringeren zeitlichem Abstand entsteht.

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Bei der Parade gab es insgesamt vier Beiträge. Sehr gut, danke an die Beitragenden. Ich denke nicht, dass bis übermorgen noch etwas dazu kommt. Deshalb dazu dann kein Extrabeitrag.

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Von gestern bei der Mützenfalterin. Ich musste an Mikesch denken. Ihr Vater erhängte sich in seinem Garten.

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