Stadtpoem

Man könnte in die Wohnungen der armen Leute gehen und fotografieren. Bilder zeigen von den Putzlappen mit den Löchern und den schlecht getünchten Wänden oder den zersessenen Möbeln. Vielleicht auch vom Obstsalat oder der Cola in Flaschen, dabei müsste man dann allerdings betonen, dass das schon ein Luxus ist und die Wandfarbe unerschwinglich. Man könnte auch die Mietspiegel ausstellen und mit den Menschen reden, die fünfzig bis sechzig Euro oder noch mehr von ihrem ALG II-Satz zu zahlen, weil es keine Wohnungen gibt, die in den erlaubten Unterkunftskostenrahmen fallen. Oder mit jenen, die Mahngebühren zahlen müssen, weil die zuständigen Stellen eine Energiekostennachzahlung nicht fristgerecht überwiesen haben und denen in Folge für ein oder zwei Monate die Hälfte ihres ohnehin schon geringen Lebensunterhalts fehlt. Über die Strapazen, die es bedeutet immer wieder angemahnt zu werden, mit jedem Mal höheren Gebühren obwohl man die Zahlung damit so etwas eben nicht passiert durch das Amt regeln lässt und da wochenlang versucht den Fall zu regeln, um am Ende mit Verschleppung durch Urlaubszeit konfrontiert zu werden. Und damit gefälligst noch weniger Strom zu verbrauchen obwohl außer dem Kühlschrank kein einziges Elektrogerät dauerhaft in der Steckdose steckt, und das Licht nur im Notfall an ist.

Man könnte so viel, ohne dass sich etwas ändert. Denn das soll es sich nicht. Man könnte so viel, aber der Versuch ist es nicht wert.

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