Randnotizen

oder: Warum ich keine Etüden mehr lese (beziehungsweise nur noch bestimmter Leute)

Manchmal sitze ich vor dem Bildschirm und denke in Philipps Worten Ich fasse es nicht!, ich begreife das nicht und wenn mich in dem Moment etwas aggressiv macht [weil ich zu sehr darauf anspringe], dann das.

Obwohl es gar nichts mit mir zu tun hat. Die Leute kennen mich nicht, meist auch nicht die Fädenrisse.

[In den Momenten denke ich, dass sie das zum Glück nicht tun. Das ist hier kein Car Crash.]

Ich kann das auch nicht abschütteln indem ich mir sage, dass die meisten dieser Schreibenden im Gegensatz zu mir nicht geübt sind. Weder als Schreibende noch im Umgang mit psychisch behinderten, extrem anstrengenden Menschen.

Früher traten manchmal junge Menschen mit Bitte um Korrekturlesen ihrer Fiktionsversuche an mich heran. Wenn ich kann, helfe ich gerne. Um das damals zu können und dabei gerecht zu sein, musste ich auch anderes junger oder unerfahrener Schreibender lesen. Unter anderem Fanfiction.

Es gibt in dem Bereich, wie in jedem, gute Stücke und schlechte Stücke. Aber auch eine ganz miese Sache, die glücklicherweise aber auch von älteren (meist) Schreibern auf entsprechenden Plattformen immer wieder angesprochen und kritisiert wird: Viele (insbesondere) Schreiberinnen zwischen 14 und 30, also in einer relativ großen Alters- und Zeitspanne, in der Lebenserfahrung gesammelt werden kann, verherrlichen häusliche und sexuelle Gewalt.

Das, was mir derzeit immer wieder mal unterkommt erinnert mich an dieses Phänomen. Vielleicht bin ich wirklich zu literarisch geprägt und habe als Bibliothekarin und Schreibende zu viel gesehen, und gewiss auch die Sümpfe, um die Assoziation nicht zu haben.

Ich freue mich, besonders angeregt durch die Etüden, dass sich viele trauen zu experimentieren, die sonst nie geschrieben haben oder wollten, aber nicht den Mut hatten.

Aller Anfang ist holprig und Anfängerfehler würden mir nie so negativ auffallen wie das, was jetzt kommt. Offenbar sind ein beliebtes Thema – und das kann ich nachvollziehen, ich mache es ja auch oft nicht anders und ich habe diesen Komplex auch ganz bestimmt nicht gepachtet -, dysfunktionale Beziehungen, entweder zwischen zwei Partnern oder Familienmitgliedern.

Darüber kann man reden, darüber muss man reden.

Das Thema hat auch unendliche Facetten.

Was ich aber nicht verstehe und das hat wie gesagt mit mir zu tun:

Diese Texte enden oft damit, dass der Haustyrann oder das Monsterchen umgebracht wird oder werden soll.

Okay, das ist der einfache Weg.

Aber mal ganz ehrlich, von erwachsenen Menschen über 20, oft über 40, meist noch älter, ist zu erwarten, dass sie wissen, dass bei so ziemlich jeder Thematik vom Leser Rückschlüsse auf den Autor gezogen werden könnten.

Nicht nur vom kundigen Lesenden. Sie können auch eigentlich nicht über wie auch immer geartete nicht heterosexuelle Protagonisten schreiben, ohne dass man Sie für lesbisch/schwul/bi/trans/sonst was hält. Oder so.

Mich stört auch eher die Leichtfertigkeit, als dass ich Schlüsse ziehe.

Diese Leute können nichts für meine Gefühle. Sollen sie auch nicht. Ich will damit auch keinem etwas Negatives. Auch wenn ich mich ungewollt frage Was machen diese Menschen in der Realität? Mikesch ist ein nerviges Riesenkleinkind, man nennt sie nicht umsonst den Terrorsquad, und sie war immer schon macht- und kontrollgeil und hat immer schon gerne die Schwächen anderer Menschen ausgenutzt, das hat nicht ausschließlich mit ihrer Krankheit zu tun. Es haben bestimmt schon einige im Umgang mit ihr gedacht Eines Tages…  und ich hätte auch manchmal gern eine Mondrakete, aber das ist ein Mensch, trotzdem. Auch wenn ich sie nicht verstehe und sie größtenteils empathielos gegenüber anderen ist, sie hat auch Gefühle, es gibt bestimmt auch irgendetwas wofür sie brennt [wenn es auch keiner weiß], da ist mehr als das Monsterchen oder der Terrorsquad. Und genauso so sehe ich das – da bin ich wie erwähnt wohl schon zu geschult nach 25 Jahren – mit literarischen Figuren.

Die Leichtfertigkeit zeigt eigentlich weniger die Pathologie oder Böshaftigkeit der getöteten oder zu tötenden Figur, sondern die geistige Krankheit des angeblich befreiten Charakters, von dem fast nie klargestellt wird, dass er eben selber alles außer befreit wird durch das Töten oder Tötenwollen.

Mich regt das auf, aber für meine Gefühle kann keiner. Ich will auch keinem zu nahe treten.

Aber ich will einen Vorsatz machen, für mich selber: Ich habe sonst alle verlinkten Etüden gelesen, schon weil ich dachte, dass sich jeder über Resonanz freut. Ab jetzt werde ich selektieren. Etüden, deren Autoren ich nicht folge, lese ich nicht mehr. Ich klicke also nicht mehr durch die Links.

Autoren, die ich in dem einen oder dem anderen Reader verfolge nutzen solche Versionen zwar vielleicht auch und regen mich genauso auf, aber dann habe ich die Anzahl der Aufreger für mich reduziert.

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13 Gedanken zu “Randnotizen

  1. So einfach in Bausch und Bogen das universale Hailsversprechen der millionenschweren Unterhaltungsindustrie aus Hollywood ablehnen, ist schon gewagt. Dabei wissen wir doch alle seit der Kindheit, wenn ein Problem sich nicht mit Waffengewalt lösen läßt, braucht man ein großere Waffe. Und wenn die auf Papier nicht richtig wirkt, sollte das schleunigst verfilm werden, um den Konsumenten nicht mit anstrengendem Lesen zu belästigen.

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  2. Hmmm, okay. Kann ich ein Stück weit nachvollziehen.

    Die angesprochene Altersgruppe verfehle ich nur mehr knapp 😅

    Ich glaube, viele junge Schreiber/Autoren sehen dies als Möglichkeit, sich einfach auszuprobieren, Figuren zu testen, sich heranzutasten. Gerade so etwas endgültiges wie ein Mord ist schwierig in der Thematik, alle Perspektiven zu durchdenken, den Personen Tiefe und Charakter zu geben, ist nicht einfach, gerade wenn man sich nicht mit ihnen identifizieren kann oder will.

    Allerdings mache ich mir nun tatsächlich Gedanken über meine Mord-Etüde, die ich bis gerade eben eigentlich für reflektiert hielt… Ohje 🙈

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    1. Man kann da reflektiert mit umgehen oder es einbauen, ich habe allerdings ein paar zuviele Etüden gelesen – nichts gegen die Autoren persönlich -, wo das in Richtung er/sie/es ist ein Arschloch/nervt/ich will das Erbe ging und der Murks kam. Das ist schnell geschrieben und macht vielleicht auch Spaß (wenn man Kinder/Partner/… gerade am liebsten zum Mond schießen will), sagt aber eben immer auch was aus und ich denke, selbst wenn man sich ausprobieren will und übers Teenageralter hinaus ist, muss man da schon in der Lage sein zu sehen was das aussagt über einen selber und gegebenenfalls andere Herangehensweisen probieren. Zumal der ein oder andere Etüdenverfasser auch nicht ungeschult ist und zum Schreiben mehr gehört als Worte auf Papier oder in Textdokument. Ich musste bei der ersten Etüde, die im Frauenhaus spielte auch damit rechnen, dass man in mich etwas reinprojiziert. Ich kann ja nicht verlangen oder erwarten, dass jeder Lesende die kompletten Fädenrisse kennt oder dieses Beispiel oben mit der Homosexualität. Ich muss damit rechnen, dass die Leute, die ein Intermezzo wie das von letzter Woche lesen sofort einen Zeiger im Kopf haben, wenn das also ein Geheimnis wäre, dürfte ich so etwas nicht schreiben. Genauso wenig wenn ich nicht wollen würde, dass sich jemand Gedanken macht warum da eine Gehörlose drin vorkommt und vielleicht Fragen stellt., Es weiß nicht jeder von den Kindern.Leicht zu reinigen von gestern wirft auch Fragen auf. Wer hier länger mitgeht weiß woher das kommt, aber wer hier neu ist wird sich vielleicht fragen was mich geritten hat um auf so was zu kommen. Damit muss ich rechnen, auch wenn es für mich schnell dahingeschrieben war. Verstehst du was ich meine?

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      1. Voll und ganz. Deshalb habe ich meine Etüde zu deinen Worten nicht auf meinem Blog veröffentlicht. Weil die Menschen zu schnell urteilen. Traurig, aber wahr. Eigentlich auch traurig, dass ich genau deshalb nicht zu der Geschichte stehe, wenn ich so darüber nachdenke… aber mein Blog ist noch jung und klein, da will ich mich ehrlich gesagt nicht gleich mit Hatern befassen müssen…

        Vielleicht später, wenn es sich etwas eingefahren hat, und ich Muße finde, es in einen separaten Blog auszulagern…

        Ehrlich gesagt wäre ich nun umso gespannter, was du von dem Text hieltest… tut mir leid 🙈

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        1. Meinst du den Text mit der Mord-Etüde? Vorschlag: Ich kann jetzt nichts, du weißt wie das ist wenn Kinder essen wollen, aber du steckt den Link in einen Kommentar und sobald ich ein paar Minuten mit Konzentration habe, schaue ich drüber. Wie wäre es?

          [Hater sind die Pest, ich habe hier zeitweise die Kommentare zu gehabt, weil es nicht anders ging und es gab eine Etüde, die hat meine Blacklist zweistellig um Posten erweitert.]

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          1. Ooooh, hungrige kleine unausstehliche Diven, nur durch sofortige Futtergabe zu besänftigen… jo, kenn ich, hab ich auch zwei von 😂😂😂

            Ich bin auf deine Rezension sehr gespannt, Danke für deine Zeit!

            https://deifelinchen.wordpress.com/2017/08/02/fotos-am-meer/

            Ich habe das ein oder andere von dir schon gelesen, bin aber tatsächlich öfter an (gefühlt?) fehlendem Hintergrundwissen hängengeblieben. Muss ich wohl weiter zurück und früher anfangen, in deine Etüden einzusteigen 😊

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            1. Nichts zu danken, ich hoffe der Kommentar ist angekommen. SO – wie du das gemacht hast – kann es gemacht werden, so gehört das.

              Ich weiß nicht ob dir im Fall meiner Etüden wirklich hilft früher einzusteigen, die hängen nicht zusammen, auch wenn sie oft um die selben Themenkomplexe kreisen, im Zweifelsfalle einfach fragen, ich rede prinzipiell mit fast jedem und du wärest nicht die Erste, keine Scheu. Gut, auf den Klecksen sind die Kommentare aus, aber da gibt es das Gästebuch zum reden und gegebenenfalls einfach hier irgendwo reinrufen und dazu sagen worauf du dich beziehst. Hatten wir hier auch schon dann und wann.

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                1. Nichts zu danken. Ich warne vorsorglich, hier ist hart. Ich zeichne nicht weich und es gibt Leute, die manchmal nicht zu Ende lesen können oder einzelne Artikel nur in Etappen schaffen.

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