Tschüss dann!*

Was bleibt von einem Menschen?

Ich erinnere mich an die Farbfotos meiner Kindheit, schon damals irgendwie verfärbt, meine Eltern und die beiden anderen als junge Leute in einer Achterbahn, beim Campen, im Zoo. Mein Vater und der Mann mit Motorrädern. Meine Mutter erzählend, sie seien alle vier beim Falco-Konzert gewesen.

Wir sind irgendwann mal Schlauchboot gefahren. Ich hatte Angst, denn ich war und bin Nichtschwimmer und habe dann irgendwie meinen Hut verloren. Der Mann holte ihn wieder. Da war ich schon in der Schule, meine ich.

Als ich ungefähr dreizehn war schenkten die beiden mir einen Übersetzungscomputer und einen Taschenrechner. Texas Instruments, gute Dinger. Den Taschenrechner habe ich noch. Ich war dabei, der Mann hat ihn in einer Filiale von Foto Porst gekauft.

Dann traf man sich zufällig in einer fremden Stadt Mitte der Nullerjahre. Ich aß Currywurst an einem Stand und er war mit seiner neuen Frau unterwegs. „Wusste ich doch, das ist die dergl.“ Die Frau hat noch „Wie?“ gefragt, weil der den Namen so sagte wie meine Eltern ihn gesagt haben. Die Frau, die nicht aus Deutschland kam, kannte den Namen nicht.

Noch einmal sah man sich damals, etwas später. Wir stritten, er fand meine Kleidung studentisch und meinen Dialekt zu ausgeprägt, ich weigerte mich in sein Auto zu steigen. Er wollte eine Prestigefahrt. Ich muss nicht nur weil die Gelegenheit da war einmal im Leben mit so einem Auto gefahren sein.

Dann einmal noch, aber wann? Ich weiß es nicht mehr. Es kam wohl mal eine Mail, er sei dann und dann in meiner Stadt im Urlaub gewesen. Ich habe nicht verstanden warum er das nicht vorher gesagt hatte. Ich hätte ihn nicht sehen wollen, aber ich kannte Leute, die Touristentouren machten, vielleicht hätte ich Plätze organisieren können.

Dann nie wieder.

Es ist in Ordnung, wir hatten nichts miteinander zu tun. Auf der Straße wären wir grußlos aneinander vorbei gegangen, wenn wir im selben Landesteil gelebt hätten.

Aber Mikesch ist traurig und muss weinen. Sie hat heute erfahren – und es mir gesagt -, dass der Küchenficker nicht mehr lebt. Schon länger nicht mehr.

 

*Hat er immer zum Abschied gesagt.

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2 Gedanken zu “Tschüss dann!*

    1. Ich kann sie auch verstehen, die kannten sich mit Unterbrechungen 41 Jahre. Das war ein Schulfreund meines Vaters und wenn ich mich nicht irre könnte der damals sogar Trauzeuge bei der Hochzeit gewesen sein. Hinterher hat man sich distanziert, wie das bei Trennungen halt so ist, man ist ja selten neutral, aber von früher hat sie bestimmt auch tolle Erinnerungen. Ich weiß, wir sind ein paar Mal mit denen in den Urlaub gefahren und da gab es manchmal Schoten, die fand ich als Kind überhaupt nicht toll oder sogar peinlich, aber die in ihrem damaligen Alter von heute ausgesehen bestimmt wahnsinnig witzig. Kann ich gut nachvollziehen, dass sie fertig ist. Das ist für sie ja auch mit einer Zeit in ihrer Erinnerung verbunden wo für sie noch alles gut war und jetzt ist halt da auh noch mal ein Stück Gemäuer weg..

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