Blogparade Angehörigenpflege

Ich habe oft das Gefühl, dass ich die Frau gar nicht kenne. Sie ist eine Fremde, weil sie schon längst niemand mehr ist in den man sich einfach hineinversetzen kann. Einfach als solches war das nie, denn sie lebte schon immer in gewissen Verdrehungen, aber es gab Zeiten als die noch nicht krankhaft waren. Verstanden habe ich sie oft trotzdem nicht und mitunter lag das an mir.

Die, die ich meine ist das Mädchen mit dem Lutscher am Zechentor und die Tochter von dem Mann auf dem Foto im Schrebergarten. Da sitzt er in einem Haus und putzt gerade frisch geerntetes Gemüse. Er war Selbstversorger und er hat diesen Garten geliebt, vielleicht war ihm das noch irgendwie vertraut aus seiner eigenen Kindheit außerhalb von Deutschland, er ist auch später darin gestorben. Entlassen aus dem Krankenhaus, trotz Ankündigung. Die Klage der Angehörigen verlief meines Wissens nach im Sande.

Ich erinnere mich, damals als er noch gelebt hat habe ich sie besucht und sie fummelte dauernd mit ihrem Handy. Packte dieses, wusch jenes, machte dies, machte das. Nebenbei erzählte sie, sie müsse diese Sachen in das Krankenhaus, in dem er jetzt sei bringen, und die anderen wären für ihre Mutter, die bekäme das mit dem Waschen nicht mehr hin und die Wohnung stünde vor Dreck, es käme auch keiner um der die Kompressionsstrümpfe anzuziehen und bei Marcumar [ein Mittel zur Blutverdünnung] könne ja schon was passieren, wenn die an die Brotschneidemaschine ging. In zwei Stunden müsse sie schon wieder los…

Ich war ausnehmend sauer, denn ich war 450 Kilometer oder mehr gefahren weil sie mich sehen wollte und nun tat sie so als ob ich nicht da wäre, stellte keine einzige Frage und sprach über Zeug, das mich nicht interessierte.

Sie nervte mich. Den ganzen Mist über ihren Vater hatte sie mir schon x Mal geschrieben und andere mir, dass sie auch mit denen kein anderes Thema mehr hätte.

Ich weiß nicht mehr ob es in dem Gespräch war, dass ich ihr sagte, sie müsse sich auch mal abgrenzen. Sie hätte noch weitere Geschwister und die könnten auch mal was tun. Sie könne nicht acht bis zehn Stunden jeden Tag arbeiten gehen und gleichzeitig noch quer durch die Stadt die Alten an zwei unterschiedlichen Orten, sie zu Hause und ihn im Krankenhaus, versorgen. Sie müsse mal stopp machen, sie hätte noch andere Verpflichtungen, wenn sie schon von Verpflichtung quatschte.

Sie hat es damals oft gesagt, also sehr wahrscheinlich auch in jenem Gespräch Wenn ich es nicht mache, macht es keiner.

Zu dem Zeitpunkt war nicht abzusehen, dass sie keine zehn Jahre später selbst eine Form von Pflege, wenn auch als psychisch kranker Mensch andere als ihre Eltern benötigen würde. Eine Menge von dem, das sie damals insbesondere über ihren Vater erzählte habe ich heute mit ihr.


Ich rufe hiermit zu einer Blogparade zum Thema Angehörigenpflege auf. Egal ob Sie pflegende/r Angehörige/r sind (oder waren), selber auf Pflege durch Angehörige angewiesen sind oder jemanden im Freundes-, Bekannten- oder Kollegenkreis haben, wichtig ist nur dass Sie in Ihrem Beitrag etwas beschreiben, dass Sie erleben oder erlebt haben (also keine Fiktion). Ob Sie hin und her mit Pflegekassen, MDKs oder Kassengeschacher um Hilfsmittel kennen, erlebte Heimgeschichten haben, Reaktionen anderer Leute oder aus Pflegekraftperspektive über Angehörige etwas zu erzählen haben. Viele irgendwie betroffene Blogger haben darüber schon irgendwie geschrieben oder schreiben weiterhin oder sogar schwerpunktmäßig darüber, eingeladen sind auch die, die das nicht tun. Trauen Sie sich.

Schreiben Sie einen Artikel und den Link dazu hier in die Kommentare, am Ende des Paradenzeitraumes (manchmal auch zwischendurch) werde ich die Links in einer Liste unter diesem Artikel sammeln. Zeitrahmen für die Paradenteilnahme ist der 01. Mai bis einschließlich 01. Juni 2017. Bitte auch weiter sagen.

Kurz nach Start kam schon der erste Beitrag.

weena erzählt: Wenn Pflege gleich Liebe ist

Petra Ulbrich ezählt: ohne Überschrift was sie und ihr Mann sich anders gedacht hatten und womit sie jetzt allein zurechtkommt

Petra Ulbrich erzählt: Stimmt

Fellmonsterchen erzählt: Blogparade Angehörigenpflege

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4 Gedanken zu “Blogparade Angehörigenpflege

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