„Alles Ding in die Boote, Schuhe und Kaffeemaschinen zuerst!“

Auf dem Weg zu Mikesch bin ich gestürzt.

Wenn ich gestürzt bin mache ich nach dem Aufstehen zwei Dinge:

1. Ich versuche herauszufinden ob ich verletzt bin. Es ist praktisch unmöglich mir zu begegnen, ohne dass ich irgendetwas aufschrappt oder blau habe.

2. Ich überprüfe meine Kleidung. Das ist in meinen Lebensumständen noch
wichtiger als nach Verletzungen zu suchen, tue ich aber dennoch erst als zweites. Auf irgendein blutendes Körperteil kommt Desinfektion und Pflaster oder Verband und die Angelegenheit ist durch. Eine zerrissene Hose, Jacke oder ein kaputter Schuh stellt mich vor ernsthafte existentielle [nein, das ist nicht überspitzt gemeint und es ist auch nicht lustig] Probleme.

Unabhängig davon ob mir jemand aufhilft oder so wie heute einfach weiter geht.

Meinen blutenden Finger versorge ich noch unterwegs, halte mich auch immer in der Nähe von Mülleinern oder Büschen weil ich beim Sturz mit dem Kopf nach vorne geschleudert wurde und mir entsprechend schlecht wird. Es gab aus Gründen von Saus und Brause (nicht) kein Frühstück, aber wer weiß vielleicht kommt das von vorgestern raus.

Meine Hose wirkt zwar ganz, also wenigstens nicht durchlöchert, aber ich gehe trotzdem bei Mikesch zunächst ins Bad. Schadensbegrenzung. Zum Glück ist nicht Sommer, sonst würde mich ein Verhör erwarten, wie ich denn mit diesen Beinen gedenke die Beinbehaarung loszuwerden, das ginge doch nicht auf so kaputter Haut.

[Dass man es eben deshalb dann vielleicht mal gar nicht macht, kann Madame nicht verstehen.]

Was kaputt aussieht sind meine Schuhe. Ohne Loch, aber vorne gut abgeschrappt. Mit schwarzer Schuhcreme eventuell noch so zu kaschieren, dass sie bis nächsten Monat – oder selten getragen noch länger – durchhalten, also mache ich mir da auch keine Sorgen.

Mikesch allerdings schon. Sie interessiert nicht der offensichtlich blutende Finger, dass ich kalkweiß bin oder der Geruch von der Desinfektion, sie interessiert, dass die Schuhe „scheiße aussehen“ und was ich damit gemacht hätte.

Auf erteilte Auskunft hin erfahre ich, ich müsste mir neue kaufen, die könne man nicht mehr anziehen, aber ich müsse ja immer rumlaufen wie [ich wiederhole das nicht.] Ach so, habe ich die neue Kapselkaffeemaschine schon gesehen?

Erst dann: „Ey, du blutest aus der Nase.“

Ich habe Nasenbluten, zwei Wunden am Finger, mindestens blaue Flecken an eh kaputten Beinen und eventuell so was ähnliches wie ein leichtes Schleudertrauma [es hat Gründe warum Menschen mit Schäden der Halswirbelsäule beispielsweise nicht Achterbahn fahren dürfen], aber Madame möchte Bewunderung für ihre neue Kaffeemaschine…

 

[Ich frage mich ob das so kurz vor Ende der five days, die mit heute nur noch drei sind, passieren musste, damit ich zu Hause bleibe, vom Computer weg und fokussieren kann, so dass ich wenn schon nicht Montag, dann wenigstens zeitnah mit einer Erstversion fertig werde.]

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6 Gedanken zu “„Alles Ding in die Boote, Schuhe und Kaffeemaschinen zuerst!“

    1. Da gibt es nichts zu entschuldigen. Ich kann die Frage verstehen und du bist auch nicht der erste, der das fragt.

      Ich bin mir relativ sicher, dass ich zurück(!)schlagen würde oder treten oder was mir bewegungsmäßig gerade möglich ist, wenn sie mir gegenüber handgreiflich werden würde (Notwehr,Selbstschutz), aber von mir aus: nicht! Vielleicht bin ich zu abgebrüht oder zu pädagogisch geschult um solche Gedanken nicht zu haben, aber ich habe das nicht mal als Geistesblitz. Mein Geistesblitz sieht eher so aus Gell, Mikesch, Mondrakate ohne Rückflug?! Auf das „gell“ kann sie nicht, ist ihr zu sehr München. Und rein beruflich darf ich mir das schon eigentlich nicht erlauben. Du musst ja bedenken, ich bin in dem Moment nicht die Tochter. Sie sieht mich so, ich mich aber aber nicht. Und DAS ist vielleicht mein Riesenvorteil. Ich kenne Angehörige, die aggressiv werden, ich verstehe das auch gut, ich bin auch innerlich nicht immer die Gleichmut in Person und vergreife mich sich auch mal im Ton, bin auch bloß ein Mensch, aber du kannst dir nicht erlauben so einem Menschen gegenüber persönlich zu werden. Wenn der/die dann freidreht, Rückfall oder sonst was hat, das wird dir angekreidet. Wir haben als pflegende Angehörige eine Scheißverantwortung und die wird uns auch von Kliniken und Co. zugeschustert. Der Job, den ich als Einzelperson für Mikesch mache und die ist verglichen mit anderen Fällen, die mir bekannt sind nur mittelgradig braucht eigentlich mindestens fünf jeweils speziell für einen Bereich qualifizierte Menschen. Aber Fachkräfte kosten und es ist also leichter Angehörige zwangszuverpflichten…. Ich habe mich darüber zugenüge aufgeregt.

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    1. Es ist okay. Denke ich. Knie, zumindest das nicht ICP-betroffene, vom anderen merke ich das nicht, kann ich nicht schmerzfrei belasten und bin entsprechend etwas ungedehnt steif. Das ist oft so wenn man gerade da ein Hämatom hat, kennt glaube ich fast jeder, der im Erwachsenenalter schon mal drauf geknallt ist. Ich habe relativ starke Oberkieferschmerzen, aber noch so, dass ich weiß da ist „nichts“ und ein bisschen Phantom-Blutgeschmack im Mund, und eine recht steife Hals- und Brustwirbelsäule, eigentlich müsste ich damit flach liegen, aber dann kann ich nicht schlucken, also sitze ich mehr oder weniger eigenfixiert, das ist aushaltbar.

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    1. Danke, die Entlastung in Form eines hoffentlich ruhigen Restwochenendes nehme ich gerne. Montag sind die Ferien und der Urlaub der Atelier-Kind-Eltern um, dann ist hier wieder Aktion im Atelier, da brauche ich vorher etwas Ruhe.

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