Damals in Schwabing

Damals in Schwabing… Dieser dauernde Totentag und Leichenschmaus. So hat Vera das empfunden und auch, dass ihr Name noch das modernste an ihr war obwohl Oma Veronika hieß und nicht müde wurde zu erwähnen, dass es in den sechziger Jahren mal eine Mörderin dieses Namens gegeben hatte und dieses Drogenkind vom Bahnhof Zoo, hieß die nicht auch mit zweitem Vornamen Vera?! Gleichzeitig schwatzte Oma Vroni umständlich von Frühlingsgefühlen. Das sollte schön sein, aber so wie Oma davon erzählte war es in Wirklichkeit grauenhaft und führte zu untreuen Männern, die eine Maß nach der anderen soffen und Abtreibungen bei Engelmachern oder Bankert-Bastarden. Oma konnte sich nicht entscheiden welches Wort dafür sie am liebsten mochte. Wohl immer das, das Klein-Vera am meisten Schreck einjagte. So sehr, dass sie dann immer mehr Brause zu trinken haben wollte. Die Oma dachte wegen dem Durst und mahnte an, davon müsste man so viel Pipi, aber für Vera war es ein Vorwand. Wenn Oma Vroni dachte, dass Vera aufs Klo musste konnte sie sich im Bad einschließen und in der alten Sitzwanne hinter dem Duschvorhang verstecken.

Etwas, das meine Münchner Oma nie gemacht hätte für die Kooperation zwischen Christiane und Textstaub.

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7 Gedanken zu “Damals in Schwabing

  1. Ja. Aber dann was über „dem Mädchen früh was über die Wahrheiten des Lebens erzählen“ vorbringen, wenn die Mutter empört fragt, was sie „dem Kind“ schon wieder erzählt. Ja ja.
    Liebe Grüße mit Ostern oder ohne
    Christiane

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    1. Das ist wahrscheinlich das weibliche Pendant zu „Griffel über der Decke lassen und keine Flatulenzen, sonst, Junge, fällt dir der Pimmel ab“. (Wurde einem Klassenkameraden von mir in den 90er Jahren noch erzählt. Sehr glaubwürdig vor allem, weil dessen Anwalts-Papi sich zu der Zeit durch sämtliche Betten gef… hat).

      Gefällt 2 Personen

    1. Danke! Ich vermute auf Dörfern wiird es das zumindest in sehr religiösen Gemeinden oder auch in Städten im Kontext von religiösen Gruppen noch immer so geben. Kann man aber auch als eine Variante von „Wenn du nicht fügsam bist, dann holt dich der schwarze Mann“ ansehen, das braucht keine Religion, nur Einschüchterung. Das war in meinem Umfeld gar nicht so selten. Ich erinnere mich auch an etwas innerhalb meiner Familie: Da durfte ich nicht zum Dachkasten (wie Dachboden nur eben lediglich zum Teil betretbar) hin und hineinsitzen (ich habe da gerne gesessen), da hat mein Großonkel immer gesagt, ich soll verschwinden, sonst wird mich einer fressen. Ich wusste, dass das nur er war, aber als Kind (ich war ungefähr 4), besonders als kleines, jagt dir das einen Schrecken ein.

      Vera im Text könnte ja durchaus schon 10/11 Jahre alt sein und die Oma, in ihrem Hass auf die weibliche, benachteiligte Rolle, die sie selber vielleicht noch hatte, möchte „vorsorgen“, dass das Mädel gar nicht ernst auf die Idee kommt irgendwas positives daran zu finden.

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