Mikesch im Supermarkt

Mikesch ist mies drauf, kann nur bedingt etwas dafür, der Rest ist krankheitsbedingte Reaktion auf eine Situation, in die sie sich selber manövriert hat, und muss trotzdem mit mir einkaufen gehen, weil sie es gestern nicht geschafft hat. Aus Gründen der krankheitsbedingten Reaktion. Wir haben alle schon mal vor Wut uns ungerecht behandelt zu fühlen gekocht und wir waren alle schon mal so gelähmt davon, dass wir den Rest des Tages in die Tonne treten konnten, oder?! So ungefähr war das gestern bei ihr, nur eben in der Mikesch-Version.

Mikesch muss also einkaufen und ich muss mit. Komme ihr von der Schnelligkeit kaum hinterher, kann auch nicht überblicken was sie alles in den Wagen legt und ob das mit der Liste vom Stiefvater übereinstimmt und dann stehen wir in der Schlange hinter einem älteren Herrn, dessen Wagen genau so voll ist wie der von Mikesch. Es ist Osterwochenende und viele Leute bekommen Besuch, kein Wunder also, dass die Leute so viele Sachen im Wagen haben. Mit Mikesch, die plötzlich mit ihrem Smartphone zugange ist muss man so reden.

Als wir warten stellt sich hinter uns eine ältere Frau an, die nichts außer einer Packung Toilettenpapier hat.

Ich frage sie ob sie damit vorgehen will. Als wir in den Laden gekommen sind habe ich dieselbe Frau draußen einen Kofferraum bepacken sehen. Sie wird das eine Teil vergessen haben.

Das sagt sie dann auch und bedankt sich sehr freundlich, dass sie vor darf.

Auch der Mann mit den vielen Sachen vor uns lässt sie vor.

Mikesch ist noch immer beschäftigt, und nicht damit mir beim Auflegen zu helfen, als sich der nächste – wir sind noch die letzten in der Schlange – anstellt: Ein junger Mann in Arbeitskleidung mit genau einer Flasche Saft und genau zwei Brötchen.

Auch ihn lasse ich vor und auch er bedankt sich sehr freundlich.

Auch der Mann mit den vielen Sachen tut es uns gleich. Draußen pocht eine große Baustelle und den Klamotten nach gehört der junge Mann da hin und will rasch sein Frühstück kaufen.

Mikesch: „Du lässt alle vor.“

Ich: „Die Frau hatte nur das Papier vergessen, du hast doch gesehen, dass sie auf dem Parkplatz eingeräumt hat als wir angekommen sind.“

Mikesch: „Aber der Türke.“

Ich: „Der Bauarbeiter. Hatte drei Teile. Du hast einen ganzen Wagen voll und kannst mal mithelfen.“

Als wir mit Bezahlen dran sind legt hinter uns jemand mit ebenfalls vollem Wagen auf. Ein Mitarbeiter vom Supermarkt steht neben seiner kassierenden Kollegin und bittet sehr höflich – lauter wirklich freundliche Leute heute – darum, ob er sich mit seiner einen Cola-Dose „vordrängeln“ darf.

„Ja, klar.“

Mikesch sucht sowieso noch ihr Portmonee.

„Immer lässt du alle vor…“

Sie wollen nicht wissen wie lange Madame gebraucht hat um zu bezahlen, weil sie ihre Karte nicht vorher rausgesucht hat. Dann wollte sie unbedingt noch zum Getränkeautomat.

Als wir endlich einpacken rempelt sie einen ausgebüchsten Gehanfänger an. Ich sagte ihr, sie soll aufpassen, dass sie das Kind nicht umrennt.

Sie knurrt, ist überfordert. Sowieso versteht sie nicht warum die Leute gerade heute so viel einkaufen müssen.

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