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oder: fünf Fakten zu literarischen Belangen, erbeten von Kristin, die aus Gründen zu der Gattung der Unverlinkbaren zählt

…was ich nicht leiden kann: Die Gleichsetzung mit Herrndorf. Herrndorf hat literarisch etwas völlig anderes gemacht als ich es mache, wir kommen aus zwei völlig unterschiedlichen Richtungen und haben unterschiedliche Zielrichtungen, wenn man das so sagen kann. Die Menschen, die diese Gleichsetzung machen wissen das. Sie leiten ihre Gleichsetzung von dem sehr hinkenden Vergleich der Arbeitsumstände von Wolfgang Herrndorf mit seinem Tumor mit meinen post Kopf-Operation her. Das sind Äpfel und Birnen. Der Mann hatte Krebs und wusste zu keinem Zeitpunkt wie lange er noch lebt. Ich weiß zwar, dass ich generell nicht alt werde, aber ich lebe nicht mit einem Tumor. Der Mann hatte sehr wahrscheinlich sehr starke Schmerzen mit Folgeerscheinungen und diese Folgeerscheinungen haben laut seinem Journal das Arbeiten oft unmöglich gemacht. Ich habe – Zustand nach der großen OP – ebenfalls zeitweise starke Kopfschmerzen mit Folgeerscheinungen, die das Arbeiten erschweren bis unmöglich machen, aber es ist nicht das gleiche (sondern zwei völlig unterschiedliche Sachen an zwei völlig unterschiedlichen Kopfbereichen aus zwei völlig unterschiedlichen Gründen und wahrscheinlich auch mit sehr unterschiedlichen Schmerzarten)!

Dass Herrndorf in gewisser Weise als arme Sau durch irgendwelche Dörfer gejagt wurde und wird dafür kann er nichts und vielleicht hat er das auch gar nicht gewollt. Ich wünsche das keinem Autor. Möglicherweise wäre „Tschick“ ohne dieses Gejagtwerden niemals so ein Hit geworden. Er war vor seiner Erkrankung nicht etabliert, dann machten sein Psychiatrieaufenthalt – so etwas zu vermarkten ist armselig – und seine Tumorerkrankung die Runde und WUMM! war er der heiße Scheiß, wie man das salopp sagt. Das ist wieder so was mit Ableismus nach der ISL-Definition Guck mal, was der Arme noch kann… Wenn er solche Reaktionen bekommen haben sollte gingen sie ihm vielleicht genau so auf den Keks wie den meisten anderen Menschen, die so etwas bekommen.

Abgesehen davon passt es wie oben gesagt literarisch nicht. Ich komme auch mit seinen Werken nicht klar. „Tschick“ ist vermutlich eine Generationenfrage. Ich glaubte zunächst es läge daran, dass ich keine unrealistischen Texte leiden kann, aber ich habe festgestellt, ich bin nicht der einzige Mensch, der/die/das in meinem Jahrgang und +/- ein paar Jahre mit diesem Buch nicht klarkommt. Der Typ in „Plüschgewitter“ ging mir zwar auf den Nerv, aber da habe ich wenigstens gemerkt, dass mir die Ironie für diese Parodie, wenn es denn eine gewesen sein sollte, abgeht.

…womit ich literarisch auch nie warm wurde: Der zeitweise hochgelobte Uwe Tellkamp. War für mich auch irgendwie aus dem Elfenbeinturm raus geschrieben und gewollt und nicht gekonnt. Dafür kann ich bekanntlich gut mit Elfriede Jelinek und Herta Müller über die man dasselbe sagt. Müllers „Herztier“ habe ich 37 Mal gelesen (bevor noch die Frage nach dem Lieblingsbuch kommt).

…was über meine eigenen Sachen gesagt wird oder wurde: Meine weiblichen Charaktere, zumindest die Protagonistinnen, galten lange Zeit als unglaubwürdiger als die männlichen. Ich habe lange gebraucht um zu erkennen warum das so war. Ich habe der Orientierung meiner Charaktere bis ich Ende 20 war nicht wirklich viel Beachtung geschenkt, auch weil Beziehungen selten vorkamen und -kommen. Es war egal. Das war ein Fehler, den ich gar nicht bemerkt hatte. Somit ist auch klar warum die Kerle früher kredibler waren. Ein paar äußerst glaubwürdige Weiber finden sich in den Tintenklecksen, ich weiß also, dass ich es heute anders kann.

…womit ich trotzdem Probleme habe: Genrefiktion. Es interessiert mich einfach nicht und/oder ich kann es nicht und/oder ich habe noch nicht das richtige gefunden. Vielleicht hängt mein Problem aber auch mit den obskuren Autorengestalten zusammen, die sich zum Teil an entsprechenden Orten tummeln.

…dass ich immer noch keine korrekte Bezeichnung für das was ich fiktional mache habe. Ich bin keine Schriftstellerin, ich bin keine Prosapoetin, ich mache so eine Art Montage, nur eben mit Absätzen, im Kopf bin ich also immer noch eher bei Konzeptstücken. Vielleicht wäre mir am ehesten noch mit „Literaturbloggerin“ gedient, aber die Tintenkleckse sind für mich Fingerübungen und keine eigenständige Literatur. Das hier in den den Fädenrissen sind Sachtexte, die ich nicht als Literatur sehen kann.

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