Das Mosaik aus Eierschalen

Es musste eine Zeit gegeben haben im Leben zwischen den Jahren der Murmeln und dem Anhäufen von Habseligkeiten, aber wenn Christa danach fragte, erinnerte sich keiner dran.

„Ich war in der Verschickung, Christel, und wir hatten IMMER Hunger“, mehr sagte die Mutter nicht dazu.

Den Vater traute Christa sich nicht zu fragen, man sah die Familie komisch an, aber er war doch viel zu jung um zu den Mördern zu gehören, außerdem wäre er dann nicht mehr frei und die in Nürnberg, die waren doch jetzt alle verurteilt und damit musste gut sein.

Vielleicht guckten die Leute, weil die Familie des Vaters geflohen war, geflogen, wie er immer sagte, geflogen wie ein Zaunkönig. Christa hatte keine Ahnung was das war, wahrscheinlich ein Vogel, aber sie wollte es nicht wissen. Wieso so etwas fragen wenn das Wichtige ungesagt blieb? Nur aus dem, was gesagt wird kann man sich ein Mosaik fügen, alles andere gilt nicht.

Christa hatte ein Eierschalenmosaik an der Wand in ihrem Zimmer.

 

Für die Etüden, das kennen Sie ja. Das mit der Verschickung von Christas Mutter stammt aus der Biographie meiner Mutter und ich kam drauf, weil dieser Artikel zu denen gehört, die wer auch immer letztens in meine Statistik befördert hat. Damals waren Mikesch und ich bei Sabine Franek, die unter dem Titel Als die Soldaten Schäfer waren über ihre Kriegserlebnisse als Kind ausstellte. Auch der Rest kann so oder ähnlich in sehr vielen Familien, egal in welchem Teil von Deutschland passiert sein.

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2 Gedanken zu “Das Mosaik aus Eierschalen

    1. Danke. So off topic finde ich es gar nicht, jeder, der hier regelmäßig liest, weiß, dass wir jeden verdammten Tag eine Menge Kraft für den Platz von O. aufwenden, und dass der durch das Spargesetz auf der Klippe steht. Dass du das verlinkst zeigt nur, dass jemand Anteil nimmt und das ist gut.

      Hoffentlich kommt der Junge im Bericht nicht nach Dortmund. Ich kenne die Zustände in den Gehörlosenschulen da. (Muss ich, wenn das Atelier-Kind nach der Grundschule seinen Platz verlieren sollte, wäre da die näheste Gehörlosenrealschule. Schlimmer wäre allerdings die Hauptschule in Essen. Da wäre Dortmund doch vorzuziehen, wobei ich schätze, wenn die Kinder da nicht klarklommen – die kennen halt keine Gehörlosenschule und können sich entsprechend „nicht einpassen“ -, landen die flugs in Essen, im Lernbehindertenzweig. Und da feierte man sich vor einigen Jahren, als ich persönlich Kontakt hin hatte, damit, dass die Schüler ja keinen Abschluss kriegen und alle in der WfbM landen, votwiegend gefeiert wurde das Franz-Sales-Haus, letztes Jahr als Medikamentenversuchsanstalt in den Medien. „Mein“ Kind kriegen die nicht kampflos und wenn ich selber nachts lernen muss um ihn oben zu halten.)

      Edit: Ich sehe gerade, der Junge im Artikel ist schon in Dortmund.

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