Them lot wollen’s wissen

Them lot have a couple of questions [sehr wahrscheinlich würde das of real nicht mitgesprochen werden], working hours and the like.

Very well. Ich habe keine. Keine hochoffiziellen.

Ich fange morgens um vier den Tag an, so gegen fünf erscheint mir vielleicht ein Tintenklecks und danach, falls denn Ruhe ist, mache ich meistens eine Stunde vor mich hin, bis um sechs Uhr ganz offiziell mein Feuerwehrterrorquadeinsammlerweltretterdienst anfängt. Heißt alle möglichen Kommunikationskanäle prüfen ob was war und wenn es mehr gab als nächtliches Generve wegen Kleinkram durch Mikesch, beginnt die erste Amtskorrespondenz. Mitunter brauche ich Anweisungen. Die Frage danach liest die Amtsfrau dann kurz vor acht und ich weiß so etwa gegen halb neun was zu machen ist und oft auch wie, ohne dass rechtlich irgendwer in die Bredouille kommt. Dann muss ich los. Meistens

Manchmal heißt früher Mikesch-Dienst auch, zumindest derzeit wo sie ohne Arbeit ist, Sozialtraining mit Madame. [„Nein, du isst das Automatenbrötchen nicht vor dem Bezahlen auf. – Ist mir egal, das sind kleine Kinder, du bist erwachsen und kannst warten bis du das bezahlt hast. – Gib Beispiel. Sonst machen das die größeren Kinder auch und machen es weil du es machst.“ Ich mag diese moralische Tour nicht, aber mitten im Supermarkt ist das manchmal die einzig wirksame Methode um sich verständlich zu machen.]

Oder K. oder die Mikesch-Tante beruhigen. Besonders gegen K., die sich nicht wehren kann, aber aufgrund der räumlichen Nähe oft die Erstdeeskalation machen muss, gibt es immer wieder sinnbildliche Tritte und gerne mitten rein in deren Trauma. Ich neige dazu zu empfinden, sie ist schwerer dran als ich. Sie kann sich zwar körperlich gegen Mikesch wehren, hat ihr aber psychisch nichts entgegen zu setzen. Und Mikesch spürt das und nutzt es aus. Das ist nur bedingt Teil ihrer Krankheit, sie war schon immer so, dass ihrer Ansicht nach kein anderer wirklich leidet, sie selbst aber so arm dran ist. An K.s Trauma gibt es nichts zu bagatellisieren. Es kann auch keiner behaupten, er hätte gekocht, nachdem er einem anderen Menschen die Bratpfanne über den Schädel gezogen hat. [Frei nach einem Spruch den ich mal an der Tür der Heidelberger Frauenberatungsstelle gesehen habe.]

Während all das ist läuft mein Kopf weiter. Das Stadtpoem entsteht in öffentlichen Verkehrsmitteln. In letzter Zeit etwas weniger, weil ich dieses Jahr so viel um den Kopf habe. Das merken Sie an den Beitragszahlen hier: Gerade wenn ich sehr gestresst bin, habe ich viel Output. Es gibt ja auch viel zu dokumentieren.

Wenn ich nicht raus muss, sondern nur die Büro-Variante vom Mikesch-Dienst habe, dann laufen morgens meist Blogs nebenher. So als Entspannung. Während ich etwas anderes mache. Paragraphen recherchieren, Gesetze lesen, im Mikesch-Dienst-Rahmen kommunizieren. [Nein, ich möchte nicht, dass sie irgendwann irgendwer fixiert und zwangsinkontinenzversorgt in vor Dreck stehenden Klamotten in ein Zimmer irgendeiner Klinik steckt und ihr dreimal täglich mit dem Fuß Fraß durch die Tür schiebt, weil das billiger ist als die Inklusion so eines Menschen. Sie ist schwierig, aber auch für solche Menschen gibt es Menschen- und Behindertenrechte und jeder, der nur entfernt mit der Materie zu tun hat, weiß was oft in Psychiatrien und sonstigen „Einrichtungen für psychisch Behinderte“ abgeht.]

In der Zeit kann ich also nicht regulär arbeiten. Manchmal tue ich es dennoch. Kann klappen weil ich weiß, wenn das Atelier-Kind kommt ist die Möglichkeit vorbei.

Nachmittags konnte ich sowieso nie schreiben. Außer der Routine halber. Installieren ja, aber das mache ich derzeit nicht.

Gelegentlich kommt noch mal eine Stunde gegen Abend, wenn das Kind weg ist, dass es gut läuft, das ist aber eine Frage der Tagesform. Ich bin zu dem Zeitpunkt oft schon körperlich runter gewrackt. Der junge Herr ist sehr wissbegierig und dolmetschen ist anstrengend. Es gibt Gründe warum nach offiziellen Arbeitsschutzgesetzen eigentlich immer zwei Dolmetscher da sein müssen und sich im Zehn-Minuten-Turnus abwechseln.

Übrigens bin ich Dunkelmensch. Wenn es morgens schon hell ist wenn ich ans Schreibzeug komme, ist mein Tag kaputt.

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4 Gedanken zu “Them lot wollen’s wissen

    1. Ich kann mir auf deinen Kommentar erst nachdem ich deinen Steine Im Weg-Artikel gelesen habe halbwegs einen Reim machen. Aber du als Beispiel hast doch auch auch nicht weniger, nur anderes um den Kopf.

      Ich warne übrigens vor, in den nächsten Tagen kommt hier etwas, keine Ahnung wie du damit klar kommst, also lies es gegebenfalls eher nicht. Falls so was für dich priblematisch sein sollte. Aus gegebenem Anlass habe ich das Bedürfnis mich als Nicht-Autistin über Nicht-Autisten aufzuregen, die meinen sie könnten euch Betroffenen Autismus erklären. Dass mich das aufregt hat zum einen damit zu tun, dass mir mehrmals – in letzter Zeit wieder öfter- Autismus unterstellt wird und zum anderen, dass mir auch immer mal wieder erklärt wird, ich müsse Spastiker sein, das ginge gar nicht anders bei ICP, wenn ich denn wirklich welche hätte. Ich kann also jeden Autisten, der sich über die selbsternannten Spezialisten, die wahrscheinlich noch nie mit einem Betroffenen gesprochen haben aufregt verstehen.

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