Kommando Mikesch von Mikikowski

Manche Dinge ernten beim ersten Mal Augenzwinkern – wenn man denn halbwegs entspannt am Ort des Geschehens eintrifft -, sind beim zweiten Mal nicht mehr witzig, beim dritten Mal nervig und werden irgendwann von der Realität eingeholt. Unter anderem der Satz Sammel deinen Terrorsquad ein, wenn Mikesch irgendwo Mikesch ist.

Für gestern war sie mit jemandem zum Einkaufen im Ruhrgebiet verabredet. Sie ist öfters in der bestimmten Stadt, auch weil ihr Vater dort auf Zeche war. Manchmal fährt sie mit K. zusammen, die stammt gebürtig aus dem angrenzenden Gelsenkirchen. Gestern wollte sie irgendwen anderen treffen.

Das ist schön, das ist gut.

Dann sehe ich eine Nachrichtenseite. Und weil das zu meinem Job gehört, aber nicht nur deswegen, Pestbeule hin oder her, sie muss sich nicht abknallen, zerbomben oder sonst was lassen, schreibe ich ihr, dass sie nicht zu dem Einkaufszentrum kann, weil da alles dicht ist und wo im Internet sie unter anderem sie davon lesen kann.

Keine Antwort.

Könnte auch bedeuten, Info ist angekommen und sie ist gerade dabei umzudisponieren. Es heißt ja nicht, dass sie und ihr Kontakt gar nichts in der Stadt unternehmen können.

Halbe Stunde später: „Da ist Terroralam haben in Radio gesagt“ [Original Mikesch-Schreibung.]

Ich: „Was habe ich dir geschrieben?! Deswegen kannst du da nicht hin. Da ist alles abgesperrt. Müsst ihr euch woanders treffen.“

Mikesch: „Da fährt heute nichts hin Alles zu“

Damit könnte die Angelegenheit erledigt sein. Mikesch ist erwachsen.

Eine Stunde später SMS von K.: „Die Mikesch ist gerade nach Essen gefahren. Was mach ich jetzt?“

Ich: „Essen ist groß. Sie weiß, dass sie nicht zum Berliner Platz kann.“

K.: „Da wollte sie aber hin.“

Ich: „Sie weiß, dass das nicht geht. Sie muss sich was anderes ausdenken.“

Das liest sich so als ob damit alles erledigt wäre. In der Realität heißt das aber, es gehört zu meinen Aufgaben stundenlang Ticker und Nachrichten im Auge zu behalten und alles andere hintenan zu stellen.

Mikesch ist schaulustig. Da ist Polizei, da muss man doch mal gucken und vielleicht kommt man ja doch rein.

Es gab auch Zeiten, da hat sie gerne Menschen in Uniform provoziert.

Wenn das passiert kommt jedes Mal die Frage warum sie keiner zurückgehalten hat. Wir, voran ich, müssen so etwas erklären. Ich finde das entmündigend Mikesch gegenüber, so kann sie nicht üben Verantwortung für ihre Handlungen zu tragen, wenn wir alles und jedes zu 100% ausschließen sollen. Aber das System möchte natürlich Sicherheit.

Weil ich sowieso erschöpft war und auch noch den dämlichen Ticker im Auge behalten musste meldeten sich bei mir so eine Art Panikanfälle. Ich habe bei Überlastung manchmal in der Situation irrationale Ängste. In diesem Fall: Was ist wenn der Computer kaputt geht? Ich kann mir nicht mal eben einen neuen besorgen, weder von den Finanzen noch der Mobilität, ich habe keine Ahnung wie man seit es keine Datenträger mehr gibt Office-Programme auf die Dinger bekommt wenn man so ein fragiles Internet hat wie ich. Ich hänge oft tagelang auf HSPA oder sogar EDGE. Anders geht es aber mit meinen Möglichkeiten nicht.

Nach Stunden SMS von Mikesch: „hoffentlich kommt da nicht in echt ein Anschlag“

Hoffentlich nicht.

Und: „Ich fahr jez zurück wir warn in porscheplatz.“

Keine Ahnung ob da geöffnet war. Ich weiß, dass das um die Jahrtausendwende als ich mal da war noch so hieß, so weit ich weiß heute nicht mehr, aber Mikesch ist mit diesem Namen aufgewachsen.

Und jetzt möchte ich bitte eine Woche ohne polizeilich gesuchte Spinner und Terrorwarnungen.

Ja?

Vielen Dank.

Advertisements