A-haltiges

Salmas Familie wollte dem Handschuhschenker einen Geburtstagskuchen schenken. Kirschkuchen. Allerdings war Kirschkuchen aus, also kamen sie mit tiefgefrorener Schwarzwälder Kirschtorte und den besten Absichten in die Begegnungsstätte. Unwissend, dass in genau der Torte, also bei diesem Hersteller, Alkohol verwendet wird.

Für den Handschuhschenker also nicht essbar.

Großes Schämen und Entschuldigen, es hilft kein Hinweis, dass es gut gemeint war und der Gedanke zählt oder sie es nicht wissen konnten, weil der Hinweis alkoholhaltig irgendwo unten ganz klein und nicht mal fett gedruckt steht.

Gefreut hat der Handschuhschenker sich dennoch. Wenn man die Stücke groß schneidet, haben doch alle, die eins essen können ein Stück. Es macht doch nichts, dass er nicht mitessen kann. Wirklich, Kinners, es war lieb gemeint.

Salmas Mann sagt, dass sie sich trotzdem schämen, weil sie jetzt kein Geschenk haben.

Salma sagt, es stimmt und spricht ihn – den Handschuhschenker – namentlich an.

Wie sie das tut ist nicht transkribierbar. Ich saß auf dem Tisch, ich sitze immer auf dem Tisch, und habe überlegt, wie ich das zum Beispiel den Atelier-Kind-Eltern buchstabieren müsste, damit sie die Abweichung verstehen.

Und es ist merkwürdig, denn Ludwig, also den Großneffen-Namen, kann sie problemlos aussprechen und hatte auch nie Probleme damit, aber den Handschuhschenker-Namen bekommt sie nicht hin.

Das wundert auch den Handschuhschenker. Deswegen hat er einen Alternativ-Wunsch.

„Salma“, sagt er, „ich möcht was ganz anderes. Kannst du mir einen großen Gefallen mit tun und ihr auch.“

Salmas Mann: „Ja? Was denn?“

Handschuhschenker: „Bitte lernt doch richtig meinen Namen sagen. Ist nicht schwer. Das ist das gleiche wie bei dem Kleinen.“

Sie überlegt.

Wenn ich es richtig verstanden habe, hat das irgendwas mit dem A in der ersten Silbe zu tun, dass sie die Verbindung nicht herstellt. Ludwig hat sie nur so als deutschen Namen ohne vorherige Assoziation für sich mit einem anderen Wort kennengelernt. Die erste Handschuhschenker-Namenssilbe ist ein Adjektiv und das schon verwirrend für sie an sich. Dazu kommt in der Silbe das A und in der zweiten das –ig. Und das –eg im ähnlichen deutschen Wort Radweg, das sie vor dem Handschuhschenker kennenlernte, spricht sich auch nicht –ech.

 

[Daran sieht man gut unterschiedliche Wahrnehmungen. Ich hätte gedacht, dass gerade weil das Wort „hart“ im Alltag so oft vorkommt, müsste der Handschuhschenker-Name leichter sein.]

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