Laufsport und Interpretationen

Vor einer Weile ging es hier um ein Wort und damit um das Phänomen Ableismus. Ich ging heute ums Brot und hatte eine Begegnung, die zeigt, dass manche Menschen, die etwas, das als ableistisch nach der Definition des im Ur-Artikel verlinktem pdf verstanden werden kann äußern gar nicht merken was sie da machen. Deren oft falsches Behindertenbild – unter anderem als nicht leistungsfähige Geschädigte – ist oft so tief drin, dass sie gar nicht merken, dass das, was sie positiv meinen zwei Seiten hat.

Ich glaube dem Mann, der mir begegnet ist, dass er wirklich davon überzeugt war mir eine positive Rückmeldung zu geben, und dass ihm gar nicht klar war, dass ich in dem Moment nicht wusste wie ich reagieren soll, denn einerseits okay, es gibt auch andere Leute, die für ihr Aktivitätslevel bewundert werden, andererseits nervig. Es gibt Leute, unabhängig ob mit oder ohne Behinderung, denen so was einfach nicht liegt oder die vielleicht auch zu bequem wären, aber so etwas Besonderes mache ich wirklich nicht.

Von Anfang:

Ich gehe wegen dem Brot zum Supermarkt. Auf dem Parkplatz spricht mich ein Herr, mindestens so alt wie, aber vermutlich noch älter als Mikesch an:

„Ich sehe Sie jeden Tag. Ich weiß wie Sie früher gelaufen sind, muss man aushalten.“

Dass er mich so lange schon sieht ist möglich, weil ich seit ich in dieser Stadt wohne regelmäßig – vor der großen Kopf-OP zeitweise fünfmal die Woche – ein und dieselbe Strecke gehe. Kilometerlang. Gehen um des Gehens willen, seit ungefähr sieben Jahren. Vor der Kopf-OP in besserem Zustand und öfter, danach weniger, mittlerweile regelmäßig unregelmäßig. Wenn er die ganze Zeit schon da wohnt wo er mich sieht, ist es möglich, dass er die Jahre mitzählt und meint, ich mache das immer noch so häufig. Und natürlich fällt eine, die das mit einer Gehhilfe macht, immer wieder und bei jedem Wetter irgendwann auf. Den Menschen, der regelmäßig an Ihrem Haus oder Ihrem Arbeitsplätz vorbei läuft, walkt oder joggt haben Sie irgendwann auch im Kopf.

Was soll ich darauf sagen? Andere machen Trailrunning, Crosslauf oder irgendwas? Ich kann auch nicht sagen Muss man wollen., das verstehen solche Menschen genau so wenig.

Also sage ich „Man gewöhnt sich dran.“

„Ich bewundere das. Bei jedem Wetter, seit Jahren…“

Fragen Sie mal einen Laufsportler ohne Gehhilfe. Im Idealfall macht der das genau so. Außerdem versuche ich Regen zu meiden. Bei Schnee, Glätte und starkem Wind gehe ich ebenfalls nicht, eben so wenig im Hochsommer.

„Ja, ja, das ist Übung.“

„Ich bewundere das. Meine Schwester hatte drei Hüftoperationen…“

[So was kommt immer. Gerne auch Bandscheibenvorfälle. Mir sieht man nicht unbedingt an, dass ich so ziemlich jede Bandscheibe, die man lädiert oder raus haben kann raus habe, und dass man mir das nicht anmerkt hat damit zu tun, dass ich mich so viel bewege.]

„Für mich ist das was Normales.“

Er ist offenbar erstaunt, dass dieses Gehen für mich so selbstverständlich ist.

Es ist doch einfach nur eine Art von Sport. Nennen Sie es Schleichen oder Flachland-Wandern oder von mir aus auch device supported hiking [bedanken Sie sich bei them lot für diese Bezeichnung].

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