Epizentrum

(quasi-fragmentarisch, das ist schwer deutlich zu machen, wenn jemand nicht dabei ist)

Etwas in der Dynamik Diddl-Maus-Junge/Mikesch ändert sich, ist auf dem Sprung und hebt und hebt nicht ab. Ich weiß nicht ob das vielleicht auch zum Teil gut ist, denn es wird für ihn kein Sprung zum Guten sein, keiner nach vorne, einer nach hinten. Die reiben sich gegenseitig auf, merken nicht dass und auch nicht warum und alle wie wir sind warten beinahe sehnsüchtig auf den großen Knall, damit die Anspannung weg ist und mit den beiden wieder umzugehen ist.

Immerhin, eins scheint beim Diddl-Maus-Jungen zu passieren: Man kann es nicht sehen und er kann es nicht artikulieren, weil er so sehr verdrängt, dass es vielleicht zu tief vergraben ist als dass es er überhaupt merkt und wenn er es merkt, dann schluckt er es vielleicht gleich wieder runter, aber ich merke, dass es da ist und dass es das ist. Deshalb weiß ich auch, dass ihm merken oder nicht merken wie eine Frage um Leben und Tod vorkommen muss. Merken würde bedeuten, er verliert das, was er von Mikesch noch an Pseudo-Wertschätzung bekommt und das wäre kein Sprung ins Leere, sondern der freie Fall in den Abgrund.

Ich weiß wie der Fall sich anfühlen würde. Mit einem Unterschied: Ich war Anfang zwanzig, mir wurde meine Unreife und ich war auch da schon autarker – das mag mit der anderen Sozialisation zusammenhängen, da wir auf unterschiedlichen Schulformen waren lief einiges unterschiedlich – noch irgendwie nachgesehen, das ließ sich noch irgendwie erklären. Er ist Anfang dreißig und was seine Fähigkeiten zum selbstständigen Leben angeht halb so alt.

Nicht aber was angeht gegebenenfalls zu überlegen was man erreicht hat. Während er es als unabänderbaren Fakt hinnehmen wird – Suchtstruktur! -, dass er Mikeschs Lieferant ist, sie ihm noch immer in Arbeitsverhältnisse und Beziehungen rein pfuscht und er überdies bei ihr wohnt, kommt etwas anderes anscheinend durch:

Die Sache mit dem Koch.

Das hat er so tief vergraben, dass er es nicht nur nicht mal hobbymäßig macht, sondern auch so tief, dass ihm seine Ernährung nicht allzu wichtig ist. Gelegentlich blitzt die Trauer allerdings auf, wenn er sieht, dass andere Männer kochen. Sie äußert sich wie bei einem Kind: In Aggression.

Und die ist derzeit permanent.

Ich vermute, wenn er das Kochbuch vom Atelier-Kind – einem Junge!, der mit dem Mit-Künstler, einem Mann! meine Herdplatten managt – wüsste, dann könnte ich das Ding in Fetzen aufsammeln. Er empfände das als Provokation und könnte noch nicht mal sagen warum.

Wenn man fühlen lernt, beginnt das oft mit einer Explosion.


Wenn ich sage, es sitzt tief, dann meine ich, es sitzt tief. Und auch wenn es in Bezug auf das Koch-Thema zur Explosion käme, er müsste es zunächst abblocken um nicht kaputt zu gehen. Ein gut gemeinter Hinweis auf die Möglichkeit eines Youtube-Kanals oder darauf, dass Männer in ihren Blogs Kategorien wie @kitchen, Rezepte oder Männerküche haben – auch Orangeblau hat sich in der letzten Woche zum beruhigenden Effekt des Kochens geäußert -, hätte wohl den gegenteiligen Effekt, weil es in dieser Familie nur Ganz oder Gar nicht und von Null auf Hundert gibt.  

Diddl-Maus-Junge und das Koch-Thema gab es auch in diesem alten (2015) Artikel, vielleicht trägt der zum Verständnis bei.

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