Einkehr (letztens)

Das, was wir wollen ist nicht das, was wir bekommen und was wir bekommen nicht das, was wir bestellt haben. Kommt ja auch selten vor, ein Mann mit zwei „Frauen“ und die Blicke um uns herum sprechen Bände. Frauen, die nicht sind wie wir würden jetzt vielleicht die Köpfe zusammen stecken und sich beraten, welche normaler aussieht oder vielleicht auch aus welchem Grund genau der Mann so bestarrt wird, aber wir sind eben wir und das zweite ist offensichtlich. Es tut uns nur leid für Philipp.

Die Bedienung gibt vor nicht verstanden zu haben, obwohl er bestellt hat. Noch deutlicher kann man nicht sprechen. Als sie uns dann das Richtige bringt fällt ihm auf, dass es offenbar meine Haare – was hat die Arme für eine schöne Mähne? – und Annikas Schuhe – wie kann die mit den Beinen so einen Schuh anziehen? – sind.

Nichts Neues. Langweilig. Passiert öfter.

Nur, dass keiner von uns dreien öfters außer Haus isst.

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6 Gedanken zu “Einkehr (letztens)

        1. Glücklich ist es auch nicht. Aber ich bin nicht so naiv zu denken, dass das schon alles war. Es wird wieder salonfähig. Man wird mich auch ganz bestimmt irgendwann wieder aus Läden herauskomplimentieren (schon gehabt), weil ich die Optik störe.

          Beispiel: Hier in der Siedlung lebt ein Mann mit Rollstuhl, den ich nicht persönlich kenne. Sein Hund ist einmal an mir hoch gesprungen, da hat er sich entschuldigt, mehr haben wir aber nie miteinander gesprochen. Ich kann also wirklich sagen, ich kenne ihn nicht. Das ist jemand der sehr trainiert ist, der macht 100% Krafttraining bei den Armen, und auch sonst physisch überhaupt nicht „behindert“ wirkt. Wenn der ohne den Rollstuhl irgendwo säße, du merktest nichts. Als das mit der Sexualassistenz durch die Medien ging wurden ihm auf der Straße von Fremden Beleidigungen hinterhergekräht, die dachten, er wäre Klientel und bekäme nun was umsonst, wenn die Grünen damit durchkämen. Weiß ich von Philipp, weil der von ihm angesprochen wurde ob man seiner Frau (da siehst du, dass man sich wirklich nicht kennt), auch hinterher schreien würde, sie darf sich jetzt einen Stricher nehmen. Noch vor ein paar Jahren hätte sich keiner so ein Gekrähe auf offener Straße getraut.

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          1. Ich würde gern sagen, dass ich solche Sprüche nicht kenne, und es stimmt auch, ich kenne sie nicht aus meinem täglichen Umfeld. Ich habe aber schon längere Zeit in Maßnahmen (Arbeitsamt) verbringen dürfen, da waren derartige Sprücheklopfer die Regel, nicht die Ausnahme. Das ist schon ein paar Jahre her, und ich erinnere mich ausnehmend ungern daran – und ich möchte lieber nicht wissen, was die hinter meinem Rücken über mich gesagt haben, denn, sogar wenn ich es so neutral wie möglich ausdrücke, ich passte da nicht rein.

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            1. Eben. Und man muss ja bedenken, dadurch, dass unter anderem in den Medien noch viel Gröberes ohne Konsequenzen gesagt wird (siehe AfD & Co.), trauen sich dann auch andere. Vor 20 Jahren oder so wäre ein Höcke und eventuell sogar schon ein Sarrazin vor den Richter gekommen und ab von der Bühne, heute kriegen sie erst noch eine und dann traut sich Lieschen oder Hänschen Müller natürlich auch…

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