In der Praxis sieht das so aus

Petra erklärt hier sehr schön wie das mit dem Persönlichen Budget so ist. Diese Leistung ist Menschen, die noch nicht davon betroffen sind sie zu brauchen – also auch Menschen mit Handicap, die keinen entsprechenden Bedarf haben – oft unbekannt und wenn sie den Begriff kennen, dann wird er oft missverstanden. Es ist kein Geld, das man einfach so bekommt, davor steht ein kompliziertes Antragsverfahren, das manchmal – meine Erfahrung – auch ziemlich lange dauert. Man kann damit nicht machen was man möchte – also nein, es ist keine Leistung damit man sich mal eben Klamotten oder schicke Speichenschützer [also so was hier, das gibt es wider Erwarten einiger Menschen nicht kostenfrei dazu], stylishe Hörgeräte oder etwas in der Richtung kaufen kann -, es ist zweckgebunden. Man muss die Ausgabe exakt nachweisen und wehe man verliert eine Quittung oder vergisst eine auszustellen. Wenn man das Geld nicht im vorgegebenem Zeitraum für die vorgegebene Leistung ausgibt oder – wie Petra, Carsten und Wiebke momentan – mangels Leister nicht ausgeben kann, dann besteht jederzeit die Möglichkeit, dass man das Geld verliert oder bei einem Verlängerungs- oder Neuantrag nicht bekommt, auch wenn es dringend nötig sein sollte.

Weil Petra bei sich und ich hier Ihnen das jetzt so schön erklärt haben, seien Sie doch so gut und verbreiten diesen Artikel von der Internetseite von Petras erwachsenen Kindern, für deren Assistenz das Budget genehmigt wurde. Verlinken, bei twitter und Co. teilen, wenn Sie fragen, dürfen Sie vielleicht auch rebloggen… Petra ist nicht mehr die jüngste, hat selbst Behinderungen und sie möchte nicht, dass ihre Kinder irgendwann ins Heim zwangseingewiesen werden müssen, weil sie total zusammenbricht. Wie der Alltag so läuft und wie schwierig sich die Suche gestaltet berichtet sie oft in ihrem Blog.

[Nur zum Vergleich: Mikesch ist gleich alt mit Petra und heult rum oder rastet aus wenn ihr jemand, sei es ein Amt oder eine Privatperson, sagt, es ist nicht zu viel verlangt, dass sie gelegentlich – ich brauche nicht jeden Tag ein neues Elektrogerät – mit mir zusammen einkaufen geht und die großen Sachen trägt, weil ich es nicht kann, da ich mit meiner einen gebrauchbaren Hand die Gehhilfe steuere. Die Atelier-Kind-Oma, auch etwa gleich alt, steht kurz vorm Nervenzusammenbruch mit Vogelzeigen und sich ungerecht behandelt fühlen wenn ihre Tochter, die Atelier-Kind-Mutter, ihr vorlegt, dass es für Probleme mit der Telekom keine Dolmetscherkostenerstattung gibt und sie bittet, es ist ja auch für die Kinder, dass sie mal zwanzig Minuten ihrer Zeit opfert um bei der Hotline anzurufen oder mit in den Laden zu kommen. Die Assistenz wie die beiden es in Ausnahmefällen (sic!) einmal machen sollen, wirklich nur dann, wenn es nicht anders geht, ist Kinkerlitzchen (sic!) verglichen mit dem, was Petra jeden Tag 24h (sic!) leistet.]

Und ja, das Budget ist wenig, da können aber die Betroffenen nichts für. Ich weiß, weil ich auch mal einen Antrag gestellt habe um einen Assistenten bezahlen zu können, wie scheiße man sich fühlt wenn man jemandem die sprichwörtlichen paar Euro fünfzig pro Stunde erklären muss.

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4 Gedanken zu “In der Praxis sieht das so aus

    1. Ob es was bringt weiß ich nicht, wäre zu wünschen. Wenn es wirklich wer teilt, auch das wäre zu wünschen, dann kommt’s vielleicht ja doch…

      Ich habe das nun extra so geschrieben, damit neben dem was das Budget ist – deine Erklärung ist wirklich toll, ich kann das nicht so einfach -, gleich gerade in eurem Fall auch mal die Dimension gesehen wird, was du da eigentlich den ganzen Tag um den Kopf hast und was das bedeutet, wenn man damit alleine ist. Auch Leute, die ohne Behinderungen und halb so alt sind wie du, kriegen das nicht mal eben unter einen Hut ohne selber kaputt zu gehen. Und im Vergleich dazu mal die beiden Madames da oben… Vielleicht wird es dann auch Fremden klar.

      Wie gesagt, hier: Ich würde euch wen schicken, aber es ist die Entfernung. Wie weit seid ihr weg von Frankenthal? Da kennen die Atelier-Kind-Eltern noch Leute (schwerhörig, aber mit Sprachberständnis und auch sonst keinen Problemen), vielleicht sucht da jemand gerade was und es könnte passen. Wenn das nicht auch wieder elend weg ist, dann sage ich denen, die sollten den Leuten den Link mal rummailen.

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        1. Dachte ich mir. Zwischen Worms und Ludwigshafen. Ich hatte eine Assistentin in HD, die zwischen zwei Klienten pendelte, morgens ich, nachmittags wer in Frankenthal. Aber das heißt natürlich keineswegs, dass es auch von Flein/Heilbronn zu erreichen wäre bzw. umgekehrt, weil das ja auch eine ganze Ecke ist wenn man z.B. von Heidelberg kommt.

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