Kleine Trivialität

oder Das Kochbuch

(damit wir hier auch mal was Schönes haben, kommen Ihre beiden Lieblingsprotagonisten drin vor)

Für eine Münze dem Atelier-Kind schon vor einer Weile ein Kochbuch gekauft. Antiquarische Neuware, insoweit man bei einem 32 Jahre altem unbenutztem Buch von neu sprechen kann.

Ich hatte das Buch selbst und ich weiß noch, dass Mikesch es mir in dem Laden gekauft hat, in dem ich damals die Bastelbücher gekauft habe. Natürlich nur zum gucken, gerade die Hamburger durfte ich ausprobieren, denn wir lassen ja kochen. Aber an dem Tag, an dem ich das Buch bekommen habe war die Mutter von einem Mädchen aus meiner Schule dabei und man muss ja beweisen, dass man da ein Mädchen erzieht….

Das Interessante ist, dass jeder in etwa meinem Alter, dem ich das Buch zeige oder davon erzähle sich erinnert es auch gehabt zu haben.

Des Mit-Künstlers Exemplar hat den „Alten Seebären“ darin nicht überlebt. Die näheren Umstände des Buchtodes durch ein Kinderpartygetränk ohne stattfindende Kinderparty haben mit der Mit-Künstler-Mutter zu tun. Wenn man weiß was an Tagen, an denen Kinder eigentlich Party machen sollten ganz normal ist, dann will man den Rest nicht so genau wissen. Das Buch war hinüber, mehr zählt nicht.

Was Philipp aus dem Buch lebhaft im Gedächtnis geblieben ist – und es wurde sofort die Erinnerung durch hastiges Blättern überprüft – ist das Rezept für den Nudelsalat. Ohne Mayonnaise, aber mit Ananas. Urgh, bruah und pfui. Nicht die Ananas an sich, sondern mit Nudeln.

Das erzählt er ausgerechnet dem Handschuhschenker, einem Menschen mit ausgesprochenem Faible für Ananas und zeitweisem Hauptnahrungsmittel Toast Hawaii. [Und, das wollen wir lobend erwähnt haben, nicht geringem Stolz darauf selbst stockbesoffen, unterzuckert und verpennt die Küche bei der Zubereitung nie lichterloh in Flammen aufgehen lassen zu haben.]

Der findet, dass Ananas in den Nudelsalat reingehört. Er kenne das gar nicht anders. Was wir Erbsen-und-Möhren-und-Dosenchampignon-Generation denn haben. Ohne Ananas ist das für ihn kein richtiger Salat.

„Du isst aber auch alles mit Ananas.“

„Ja, sicher.“

„Ich kippe in den nächsten dann mal Gummibärchen.“

„Aber nur die weißen.“

Das Atelier-Kind ist allerdings eher verwundert, dass es damals schon „Sandwiches“ gab. Wir haben uns doch so penetrant bemüht ihm beizubringen, dass das früher „Butterbrot“ hieß.

[Außerdem versteht er eins nicht: Das Buch war ein Jahr eher auf der Welt als mein Bruder, das Buch ist an sehr vielen Stellen blau und der Bär oben drauf sieht auch aus wie ein Koch und keine Köchin. Warum habe ich dann erzählt, dass mein Bruder nicht Koch werden durfte, weil meine Eltern fanden, dass es ein Frauenberuf ist? Haben die keine Bücher gelesen? (Nein, haben sie nicht.)]

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2 Gedanken zu “Kleine Trivialität

  1. Eine ehemalige Mitbewohnerin von mir stand drauf Nudeln (Penne) in der Pfanne mit Zucker anzubraten. Mit Nudeln lässt sich Einiges machen. Wenn du zu diesen süßen Pfannennudeln die weißen (schon klar, Ananas) Gummibärchen schmeißt, harmoniert das vielleicht 😉
    Generell finde ich Ananas in warmem Essen aber…ähm…igitt.

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    1. Dass der Nudelsalat kalt ist wird es nicht besser machen… Ich bin halt Gurkenwasser in der Sauce gewöhnt.

      Nudeln mit Zucker oder Apfelmus oder von mir aus auch in Milch mit Karamellsauce als Süßspeise zum Dessert ist meines Erachtens vertretbar, als Hauptspeise für mich eher nicht.

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