Gedanken zum Tag

Zwei Artikel auf den kobinet-nachrichten:

Bundestag gedenkt der Nazi-Opfer

Lebenshilfe NRW fordert Opfern einen Namen zu geben

 

Die Künstler unter Ihnen fragen Ihre Suchmaschine vielleicht als Beispiele nach der Malerin Elfriede Lohse-Wächtler und nach Gerhard Richters Tante Marianne Schönfelder. Das Bild von der 14 Jahre alten Tante mit ihren Neffen als Baby ist weltbekannt geworden, die Geschichte dahinter nicht unbedingt.

***

Mir ist vor Kurzem jemand begegnet, der aus Protest gegen das in Kraft getretene Spar…äh… Teilhabegesetz und die Nachteile, die er persönlich dadurch hat von sich sagt, er will nun AfD wählen.

Kann man sich wenn man das liest erstmal nicht vorstellen, oder? Man denkt doch, gerade einem von diesem Gesetz in seiner Freiheit beschnittenem Menschen müssen die zutiefst zuwider sein, der muss doch wissen was die mit ihm machen würden, wenn sie könnten. Deren Ausfälle gegen Behinderte – unter anderem den Lehrer Pablo Pineda aus Spanien (Stefan Rose vom Blog Fliegende Bretter hat 2014 über diesen speziellen Ausfall berichtet) -, sind doch bekannt, man weiß doch was die von der UN-Konvention und Inklusion und Menschenrechten überhaupt halten.

Vielleicht denkt man auch, dass dieser Mensch uns anderen alle in den Rücken fällt, dass er nach all denen tritt, die in irgendeiner Form bei den Protesten gegen das Spargesetz dabei waren – damit sind auch die noch nicht Betroffenen gemeint, die sich mit den Betroffenen solidarisiert haben -, oder denen, die sich seit Jahren oder Jahrzehnten in der Behindertenbewegung dafür stark machen, dass endlich anerkannt wird, dass gleiche Rechte keine Sonderrechte sind.

[Steht im Grundgesetz – „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“ -, hält sich aber kaum einer dran. Viel eher ist es oft so, dass wir nicht „niemand“ und damit erstrecht nicht „jemand“ sondern „Kostenfaktor“ sind. Ein Kostenfaktor ist eine mitunter abstrakte Sache, Menschen sind konkret existente Lebewesen.]

Ich kann verstehen was „man“ denkt. Es gleicht automatisch jeder etwas Neues mit etwas bereits Bekanntem ab und als Außenstehende hätte ich mir wohl auch solche Gedanken gemacht. Auch meinem Assistenten stand über das ganze Gesicht etwas zwischen Wie kann er? und Was hat der Typ eingeworfen um so eine Scheiße zu labern? geschrieben.

Ich kann und muss die Beweggründe dieses Menschen nicht verstehen und erstrecht nicht gutheißen. Ich muss diesen Menschen auch nicht mögen oder für ihn eine Ausnahme machen, nur weil wir qua Geburt zur gleichen Minderheit gehören. Ich will mit niemanden, der dieser Partei aus irgendwelchen Gründen gedenkt seine Stimme zu geben mehr als unbedingt nötig zu tun haben. Hallo und Tschüss und Soll ich die Tür auflassen? – Prinzipien über Personen und es kann kein Rollstuhl etwas für die Ansichten seines Nutzers – und das war es dann an Kommunikation zwischen uns. So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Punkt.

Ich erzähle Ihnen das, weil es ein gutes Beispiel dafür ist, dass die unfreiwillige Zugehörigkeit zu einer Minderheit, wenn auch einer, die tägliche Diskriminierung in verschiedenen Arten erlebt nicht qua Genetik oder Sozialisation davor schützt, solche Entscheidungen zu treffen oder Entstellungen zu entwickeln. Es gibt Menschen, die glauben das mit der Genetik wirklich.

 

[Die Original-Version des Liedes haben Heaven 17 Anfang der Achtziger aufgenommen, dieses Cover ist von Ende der Neunziger. Wenn Sie es abspielen, ersetzen Sie im Kopf „Reagan“ mit „Trump“, „Höcke“, „Petry“, „Orban“, „Wilders“, „Le Pen“ oder wer Ihnen gerade einfällt.]

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2 Gedanken zu “Gedanken zum Tag

  1. Ich empfinde es als Seiltanz, einerseits geht es mir wie dir, ich will mit rechtsgerichteten Menschen und ihrem Gedankengut nichts zu tun haben, lehne jegliche Form von Rassismus und Faschismus, Ausgrenzung ab, andererseits denke ich oft, dass dieses: Du nicht, auch nicht weiterbringt, und ob man sich nicht doch einem Dialog stellen sollte- ja, ich weiss mit vielen ist erst gar nicht reden, aber mit manchen eben schon und es wäre doch noch spannend wenn du deine Fragen an ihn/sie wirklich gestellt hättest, manchmal kann man mit solcherlei den Wind aus den Segeln nehmen-
    herzlichst
    Ulli

    Gefällt 1 Person

    1. Ich kann nur über diese Person sprechen. Was redest du mit einem, der genau weiß was er da machen will, das aber so begründet, dass er damit jenem, die das Spargesetz beschlossen haben „einen reinwürgen“ will? Da kommt man nicht weit. Das ist vielleicht wie bei denen, die in Großbritannien für den Brexit gestimmt haben „um es denen mal zu zeigen“, gedacht haben, es passiert sowieso nicht, weil genug andere dagegen sind und jetzt, wo der Brexit ansteht, nicht die Verantwortung für ihre Wahl übernehmen wollen. Das ist das Niveau von „XY hat mein Förmchen geklaut, deshalb mach ich ihm/ihr den Sandkuchen kaputt“.

      Jemand, der sich auf den Sandkuchen festgelegt hat, weil er meint wenn XY erst mal heult, wird XY schon die Finger von den Förmchen lassen, sonst gibt’s Dresche ist nicht erreichbar. Insbesondere wenn er genau weiß, dass es darum nicht geht.

      Das Gesetz würde ja auch nicht zurückgenommen werden wenn beispielsweise Herrn Schäuble dreimal am Tag die Rollstuhlreifen zerstochen würden, damit der mal sieht wie das ist in einer unbrauchbaren Kiste zu sitzen und nicht selber vom Fleck zu kommen. Das wäre genau so kindisches Denken. Dem persönlich sind die Betroffenen egal, denn er selbst wird nie betroffen sein, weil er genug Geld hat um sich alle Hilfen, die er benötigt zu finanzieren, der braucht sich also gar nicht in irgendeinen, der nun auf dem Trockenen sitzt, seit 10 Jahren keinen neuen Rollstuhl bekommt, weil die Karre ja fährt und man noch reinpasst oder weil der Assistent gestrichen wurde seinen Job verliert reinversetzen zu können. Wäre auch Zeitverschwendung für ihn. Merkel etc. ist persönlich auch egal, ob einer Protest wählt. Die machen ihren Job. Um jemanden persönlich zu treffen und/oder gegebenenfalls zum Umdenken zu animieren braucht es aber den Menschen, nicht die Funktion und das gibt es in der Politik nicht. Auch wenn die Medien was anderes versuchen.

      Gefällt 1 Person

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