Sonderangebot

Eine zwingende Eigenschaft für jemanden, der einen so psychisch kranken Menschen wie Mikesch betreut ist: Sie müssen dem Mensch in den Kopf kommen, Sie müssen sich in ihn hinein versetzen können und nachvollziehen können warum dieser Mensch tut was er tut oder reagiert wie er reagiert. Der Schaden, den Sie ansonsten begrenzen müssen ist nicht gerade gering, weil jeder, der mir dieser Person irgendwie in Kontakt kommt von ihrem Verhalten beeinflusst wird.

Jeder. Auch Amts- oder Agenturmenschen.

Der Mensch, der für Mikesch bei der Agentur zuständig ist hat objektiv gesehen sehr gut auf Mikeschs Einstellung zur „Imklolotion“ und das Nicht-Vorhandensein von passenden Stellenangeboten reagiert. Subjektiv auch, aus der Sicht von jedem außer Mikesch.

Der Mensch schickt ihr nämlich ein Schreiben darüber, dass am sechsten Februar – schon allein die geringe Lücke zum Maßnahmenende ist positiv – ein Arbeitsvermittler eines externen Services mit ihr zusammen Bewerbungen schreibt und Stellen sucht.

Es gibt diese Agenturen für die man einen Vermittlungsgutschein benötigt oder benötigt hat – ich weiß nicht wie das heute ist – und über die lässt sich sicher streiten. Aber so etwas ist das, was für Mikesch geplant ist nicht.

Recherche ergibt, es ist tatsächlich so etwas wie der Integrationsfachdienst früher für arbeitsuchende Menschen mit Handicap war, nur hier eben für Senioren.

Einige Menschen in Mikeschs Alter würden sich um diese „Betreuung“ reißen. Jemand, der beim Formulieren hilft, vielleicht schafft, einen Arbeitgeber, der ursprünglich niemanden in dem Alter haben wollte zu überreden, wenigstens eine Chance zu vergeben, jemand, der vielleicht noch Ideen hat, auf die man gar nicht gekommen ist. Jemand, der vielleicht schafft einen Arbeitgeber zu überreden einen trotz Betreuung und Psychiatrieaufenthalt und Klauen wenigstens mal einzuladen um ein Gespräch zu führen. Ist doch klar, dass keiner Hurra schreit, wenn er die Papiere sieht. Auch eine Mikesch-Version mit 20 und super Ausbildungsabschlussnoten wäre da nicht die Wunschbewerberin schlechthin, nicht die, auf der der ganze Betrieb seit Jahren gewartet hat.

Es kann natürlich auch fachlich und/oder menschlich schlecht laufen. Muss es aber nicht.

Mikesch passt das nicht. Sie findet das doof, die Agentur soll sie in Ruhe lassen, die sollen mal was für sie tun!

Dreieinhalb Mal heute Nacht, die Halbe habe ich ungelesen weggedrückt.

Heute Morgen eine Mail von K., da das gleiche.

Dass andere ihr helfen heißt für Mikesch eben, dass man ihr etwas abnimmt, sie nichts aktiv tun muss, aber trotzdem die Lorbeeren erntet.

Übrigens ist heute sogar der Diddl-Maus-Junge doof und bescheuert. Laut K. soll der nämlich zu Mikesch gesagt haben Boah, ey, freu dich doch!

Und jetzt gehe ich die Stunde Schlaf nachholen, die ich zu Schlafzeiten mit Arbeit verbracht habe, weil ich den Dienst recherchiert habe.

Advertisements