Urlaub

Nun habe ich mich also ein paar Wochen mit leerem Wasser befasst und ging dann zurück zur „Susanne“, ohne dass aus dem Wasser etwas Endgültiges wurde. Das ist okay, es ist ein Teil des Prozesses und es hat Spaß gemacht. Ich habe jetzt wieder Kraft und Ideen mich mit Puppenherden – guten Appetit! – und Rollschuhen, auch wenn weder noch eine große Rolle spielen zu beschäftigen. Manchmal sind auch kleine Rollen, Nebensatzrollen, Requisitenrollen, wichtig. Und He-Man, von dem ich mich als Kind gefragt habe, warum er draußen so rumläuft wie der dergl-Vater zu Hause, hat zwar eine größere oder besser offensichtlichere „Rolle“, geht mir aber genauso wie früher auf die Nerven. Vielleicht weil ich die Handlung nie kapiert habe, denn ich hatte furchtbare Angst vor Skeletor.

[dergl war ein Mädchen, wenn auch nicht so wie meine Eltern das verstehen. Mädchen – ich durfte es nicht, ich wurde ausgelacht oder am Arm vorgezerrt – dürfen sich die Augen zuhalten wenn Skeletor im Fernsehen gezeigt wird oder aus dem Raum rennen, wenn die Figur in einer Spielzeugkiste liegt. Und Jungs sind keine (sic!) Memmen wenn sie Angst vor Salztangen und Milch haben oder davor, dass Glühwürmchen Glo-Worm – Wikipedia-Eintrag mit Bild – nachts ihr Bett abbrennt oder das Sams kommt und sie auffrisst. Nicht wenige Kinder in Suchtfamilien haben solche auf den ersten Blick irrationalen, völlig unverständlichen Ängste, auch vor positiv besetzten Figuren. Wir wussten das natürlich als Kinder nicht.]

Und ich merke – mal wieder – einen großen Entwicklungsschritt im Vergleich zu früher, zu vor dem Kollaps: Damals hätte ich mich geärgert, dass das eine „nichts geworden“ wäre. Früher konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich etwas vielleicht später noch mal gebrauchen und irgendwo einarbeiten könnte, oder dass es vielleicht einfach den Sinn hatte einem bestimmten Gefühl Raum zu geben und damit eine Blockade zu vermeiden und noch weniger konnte ich mir das vorstellen:

Vielleicht waren diese paar Wochen eine Form von Urlaub. Ein Ausruhen und Auftanken. Ich kann nicht reisen, ich habe die Mittel nicht. Und wäre ich gereist, dann, wie ich mich kenne, hätte ich die „Susanne“ in meinem Kopf mitgenommen und hätte nicht entspannt. So fühlt sich das nun aber an, nachdem ich das, was einmal die „Susanne“ werden wird wochenlang nicht im Kopf hatte. Den hatte ich trotzdem voll, mit dem Wasser, dem Spar…äh…, dem Atelier-Kind, Mikesch und meiner verschobenen OP – auch Operateure werden krank -, sowie meiner Handverletzung vom ersten Weihnachtstag, aber was den Komplex um die „Susanne“ angeht bin ich erfrischt.

Ein interessantes Phänomen.

 


 

Übrigens: Mein Tintenklecks von heute Morgen, trotz Schwillhand ganz schön.

 

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2 Gedanken zu “Urlaub

    1. Mit der Hand muss ich aufpassen was ich mache. Tippen und Atelier-Kind-Kommunikation geht, aber ich kann nicht heben.

      Das mit dem Nicht-Gelingen und das aushalten können war ein langer Prozess, früher ging das nicht. (Ich habe bei deiner Geschichte um Johannes und Ludwig übrigens mehrfach an ein von mir abgebrochenes Romanfragment denken müssen, das für mich technisch nach wie vor großartig ist und mich auch lange nicht losgelassen hat, in das ich aber nach 12 Jahren nicht mehr reinkäme, ich sehe das immer noch gern als eine Art Ur-Erlebnis oder Ur-Einfluss auf alles Spätere.)

      Das mit den Kinderängsten ist sehr interessant, vor allem was die positiven Figuren angeht vor denen Ängste entwickelt werden können, weil man dahinter erst mal tief nach dem Grund graben muss und den oft erstmal nicht versteht. Auch weil man als Kind nicht alles durchschauen kann.

      Dieses Glühwürmchen war ja eigentlich entwickelt wordem damit Kinder nachts keine Angst haben und das Sams frisst zwar alles, aber keine Menschen. So was ist schwer zu durchschauen als meine Panik vor Skeletor (der war ja explizit bösartig als Figur).

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