Namen

Wenn man so wie ich zeit seines Lebens keinerlei Identifikation mit dem Namen hat unter dem man beurkundet ist, dann ist es schwer ein Pseudonym zu finden. Auch nach der Schreibweisenangleichung bin ich nie das Gefühl losgeworden, dass die Person nichts mit mir zu tun hat, dass ich mit fremden Papieren rumlaufe. Die Kurzform, die gehört zu mir, aber das bin ich nicht amtlich und für jemanden wie mich, die immer möglichst Konsequenz braucht fühlt sich das mitunter an als sei etwas – nicht ich – gespalten. Ich kenne die doch gar nicht, die da im Pass steht, die gibt es doch gar nicht.

Weil gewisse Menschen aus meiner Familie noch leben und um einiges schädlicher sind als Mikesch kann ich einige Dinge, die meins und von mir sind nicht unter meinem Namen öffentlich machen. Hier bin ich dergl, das ist gut, offline bei Texten geht das nicht. Da kann ich auch nicht ausschließlich mit meinem Nachnamen arbeiten.

Ich brauche etwas mit Identifikation, etwas, von dem ich das Gefühl habe, dass es trotzdem noch ich ist. Der Mit-Künstler und die Violinistin – die selber ein Pseudonym benutzt – betonen, das gibt es beim Schreiben doch öfters, ist mir klar, und dass ich einfach etwas brauche, dass nirgendwie [dieses Wort ist eine Eigenheit der Violinistin] regional zuordnungsbar ist. Irgendwas alterslos neutrales. Das anonymisiert und identifiziert zugleich.

Das ist schwierig. Dazu müsste ich zunächst wissen welche Elemente brauche ich eigentlich zur Identifikation, so dass auch ein anderer Name noch meiner wäre?

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8 Gedanken zu “Namen

    1. Das ist richtig, aber dazu muss man erstmal einen haben mit dem man sich wirklich identifizieren kann und dann ist das Prozedere auch nicht so einfach. Es kostet Geld und soweit ich weiß wollen die hier wo ich lebe auch Bescheinigungen von der KSK oder ähnlichem und da kommst du nicht mal eben rein, wenn du nicht kommerziell bist.

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  1. „Welche Elemente brauche ich eigentlich zur Identifikation?“ Ich verstehe deine Frage nicht, glaube ich. Ist das nicht sehr subjektiv, womit man sich identifiziert?
    Ich kenne das Bedürfnis nach einem Pseudonym auch, von daher finde ich deine Fragestellung spannend. Aber wenn ich an meine Überlegungen dazu denke, bin ich absolut sicher, dass DU ziemlich andere haben wirst. Oder verstehe ich da was falsch?
    Liebe Grüße
    Christiane

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    1. Ich denke auch, dass wir da zwei verschiedene Interpretationen haben. Ich wurde ja ursprünglich auf einen Vornamen angemeldet, der in der gemeldeten Schreibweise nicht eindeutig für Frauen war. Als Männername, wenn auch selten, gab es den so. Es gibt Frauen, die so heißen und heute kannst du den auch als alleinstehenden Mädchennamen anmelden, aber früher musste da mindestens ein Zweitname dran. Habe ich nicht und ich habe keine Ahnung wie viel Geld mein Vater bezahlt hat um die Männerschreibweise durchzukriegen. Ich habe bis ich mir als Erwachsene eine Schreibweisenänderung hin zur gängigen weiblichen Form kaufen musste immer wieder Post an Herrn… oder sonstige Probleme mit Behörden bekommen. Schon daher habe ich sicher eine spezielle Herangehensweise.

      Wenn ich mich nach den Elementen frage, dann meine ich das so: Was brauche ich wirklich vo oder in einem Namen, dass ich sagen kann es ist meiner? Kann sehr ubjektiv sein, richtig. Und in meinem Fall kann ich ja rein theoretisch öffentlich nicht mal meinen Nachnamen führen. Mein Vater ist ein böser und dazu paranoider Mensch und diverse Facebook-Freunde meines Bruder hatten bereits „Besuch“ zu Hause. Ich möchte nicht dass das Atelier-Kind auf dem Schulweg übern Haufen gefahren wird, der Mit-Künstler in die Luft gejagt oder so was.

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      1. Okay, ich denke, ich verstehs. Du willst einen Namen für dich, mit dem du dich identifizieren kannst, keinen Namen als Maske (danke, Gerda). Aber geht das überhaupt? Jeder Name, den du dir zulegst, bildet zuerst einmal eine bestimmte Facette von dir ab, eine größere oder eine kleinere. Und so traumatisiert (darf ich das so bezeichnen) wie du durch dein Namensproblem bist, wirst du dir bestimmt eher einen konstruieren, als Zugang zu deinem Bauch finden und dir einen zuwachsen lassen. Mehr Kopf als Bauch also. Andererseits bist du Künstlerin, was für mehr Bauch als Kopf spricht (und um Himmels willen, bitte entschuldige die Vereinfachung). Ich würde auf den Bauch setzen, träumen, meditieren oder was auch immer es da für Techniken gibt. Hm. Spannend. Kannst du dir nicht „einfach“ zu deiner „Ina“ einen neuen Nachnamen suchen?

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        1. Du darfst das als Trauma bezeichnen, war hier auch irgendwann mal Thema und es ist traumatisch wenn dir eine Beamtin vorwirft du hättest deine Papier gefälscht, denn den Namen gibt es so überhaupt nicht. Da war ich 16 und entsprechend hilflos. Wie gesagt, es gibt Frauen die so heißen, aber früher brauchtest du eigentlich einen Zweitnamen und den habe ich nicht (hat mich als Kind schon geärgert, ich habe den Namen als Kind schon gehasst).

          Mehr Bauch als Kopf musste ich ganz arg lernen, wir Süchtigenkinder sind oft arg verkopft. Ich gelte auch immer noch als zu rational (zumindest für eine Frau), das macht mitunter Ptobleme.

          Anderer Nachname zur Ina als Option habe ich schon öfter drüber nachgedacht. Weil Ina unbewusst so ein schönes Wortspiel ala Beuys ist. Kennst du die Imis? Einer davon war sein Meisterschüler und der Lebensgefährte von Katharina Sieverding. Dieses Imi hatte bei den zwei Imis nichts mit den Vornamen zu tun, sondern stand für „Ich mit ihm“, weil beide Imis immer zusammen steckten. Aus Ina geht ganz prima Ich Nach Alledem, dass ich meine seltsame Familie überlebt habe, aus dem Skript ausstieg und irgendwann selbstständig wurde ist ja nicht so absehbar gewesen.

          https://de.wikipedia.org/wiki/Imi_Knoebel

          https://de.wikipedia.org/wiki/Imi_Giese

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  2. Ich habe meinen Geburts-Namen in der Jugend als etwas mir Fremdes und sogar Feindliches mit mir herumgetragen. Ich habe ihn dann immer mal wieder in den Sand geschrieben, mal vorwärts, mal rückwärts, und habe zugesehen, wie die Wellen ihn auslöschten. Das half mir irgendwie, mich mit ihm anzufreunden. Jetzt mag ich ihn, aber brauche ihn nicht mehr. Mein „angeheirateter“ Nachname ist mir ausreichend fremd, er ist wie eine Maske, damit kann ich in die Öffentlichkeit gehen. Er funktioniert fast wie ein Pseudonym.
    Mein Vorname macht mir größere Probleme, aus diversen Gründen. Gerne benutze ich nur das „g“. Ich zwinge mich aber, meistens mit dem Namen zu zeichnen, trotz des leichten inneren Widerwillens. Mein Spitzname (Sophie), wie mich Mitschüler nannten, gefällt mir weit besser, ich könnte ihn verwenden, aber das kommt mir vor wie eine Ausflucht. Ger-da (die Germanin, die mit der Lanze dasteht) – so hat man mich genannt, so sehe ich auch aus, also muss ichs tragen und es verwandeln für mich. Uff. Langsam habe ich es geschafft, glaube ich. Mir hilft auch, dass die Griechen gar nichts mit dem Namen verbinden. Meistens verballhornen sie ihn zu Greta und denken an Greta Garbo. LG von Gerda

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    1. Mit meinem Nachnamen komme ich klar. Das ist kein Problem, den müsste ich eher aus Schutzgründen (siehe das was in der Antwort an Christiane über meinen Vater steht) anonymisieren, meine Problematik ist der Vorname. (Siehe auch oben). Ich hieß in der Schule Emma, aber damit käme ich heute nun gar nicht mehr klar, schon weil das mittlerweile sehr „Kind“-besetzt ist. Mein ursprünglicher Rufname, die Kurzform auch, und die gehört auch zu mir, da bildete sich dann irgendwann die erwachsenere Ina raus, weil der erste Buchstabe immer gekugelt („falsch verstanden“) wurde. Aber per Pass bin ich das eben nicht, das fühlt sich dann oft an als müsste ich zwei Personen sein, was ich nicht kann

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