Days Run Wild

Die Amerikaner – wenn Sie neu hier sind, ich meine damit eine Gruppe US-Amerikanischer Künstler – reden von nichts anderem mehr: Rom brennt und wir spielen Geige (fiddling while Rome burns). Nicht einmal von der Blockade, die das macht.

Es ist schwer, finde ich. Ich weiß was sie sagen und ich weiß, dass wenn das ein oder andere so umgesetzt wird wie angekündigt – und es kann nicht alles nur großes Gehabe gewesen -, es mindestens einem von ihnen sehr viel schlechter gehen wird.

Aber ich weiß nicht: Bin ich entweder über-einfühlsam oder bin ich abgestumpft oder kann ich nur unterscheiden?! Denn was war denn mit den Griechen und den Menschen in den anderen hochverschuldeten, auf Geheiß Berlins kaputtgesparten Ländern? Dort haben auch Künstler weitergemacht und normale Leute nicht resigniert. Gegen die Verzweiflung. Gegen den Tod, auch den, der ihnen an die Küsten gespült wurde. Während Rom brannte. Was war nach dem Brexit? Da machten und machen auch Leute weiter, inklusive Künstler, die vielleicht Angst haben ins Bodenlose zu fallen. Und das ist nicht überheblich: Was machen wir, über deren Kopf das Schwert mit dem Spar… äh… Teilhabegesetz schwebt oder das mit der gesetzlichen Erlaubnis der Medikamententests an Menschen mit Demenz und geistigem Handicap?

Es ist moralisch falsch. Das, was in den USA passieren könnte, das was im Zuge des Wahlsiegs schon passiert ist, der Brexit, und was im Zuge des Votums passiert ist. Es ist moralisch falsch was mit Griechenland gemacht wurde. Es ist moralisch, insbesondere mit der deutschen Geschichte, falsch was mit den Medikamententests gemacht werden soll. Aber gerade deshalb muss man weiter machen. Zeigen, dass man noch da ist. Die Menschenrechte, darüber sollte Konsens gelten – ich weiß, tut es nicht – sind unveräußerbar, Kunst kann auch eine Waffe sein um das zu zeigen. Dass ein Zaun falsch ist – jemand macht sich große Sorgen um seine mexikanischen Freunde -, dass es falsch ist jemanden ohne Krankenversicherung zu lassen und so fort. Wenn es denn sein muss. [Lieber wäre mir, es müsste nicht. Ich mag keine Waffen.]


 

Days Run Wild ist eigentlich der Titel eines Liedes der Band Camouflage vom Album „Spice Crackers“ (damalige Besetzung Marcus Meyn und Heiko Maile), das den Verlust des geregelten Lebensgefüges zum Thema hat:

Days run wild
While I’m wondering
What’s going wrong
All things I’ve planned
Got right out of my hands
And leave me upside down
Lost my smile
And my friend Mr. “green-back” Washington
In God we trust
But it’s business or bust
And no God’s on your side
When days run wild

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