Other People’s Words

AN ARTIST’S RELATION TO SILENCE:

An artist has to understand silence
An artist has to create a space for silence to enter his work
Silence is like an island in the middle of a turbulent ocean

Marina Abramovic An Artist’s Life Manifesto

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Gute Nacht

Im Dezember ist die nächste OP und der Operateur erzählt mir, ich müsse vorher endlich mal genügend Schlaf bekommen. Wenn ich nicht kann, soll ich etwas Entsprechendes nehmen.

Davon ausgehend, dass er weiß wovon er spricht sage ich, er soll es verschreiben.

Das nennt man heute aber nicht mehr Gesundheitswesen. Ich soll mir etwas rezeptfreies aus der Apotheke holen. Ohne einen Hinweis was.

Ich habe so etwas noch nie genommen, ich kenne auch niemanden, der je so etwas gekauft hat, schon gar nicht in einem ähnlichen Zustand wie ich. Ich will mich nicht versehentlich umbringen nur weil ich irgendeine recherchierte Marke verlange.

Pflanzenzeug bringt bei mir gar nichts, ich brauche Chemie. Und egal was es ist, wenn da steht man soll eine Ganze nehmen, nehme ich eine Halbe, weil ich keine Ahnung habe, wie die ICP auf das Zeug anspricht. Muskelrelaxanzen waren auch immer ein Abenteuer.

Der Handschuhschenker, Verfechter von Baldrian, hatte dazu den passenden Kommentar: „Na, gute Nacht.“

Wo wir gerade bei Medikamenten sind: Hat irgendjemand von Ihnen Erfahrung mit Lasea-Kapseln?

Schwere Zeiten

Heute beginnt die Zeit, die für viele Angehörigen von suchtkranken Menschen besonders schwer sein kann. Im letzten Jahr erzählte ich Ihnen warum das bei manchen Kindern von Alkoholkranken so sein kann, und das gibt es hunderttausendfach bei jeder Suchtform, auch den nicht stofflichen.

Der Mit-Künstler hat jetzt schon Panik, nicht nur wegen der zusätzlichen Arbeitsmasse im Paketdienst. Einige von Ihnen erinnern sich, seine Mutter wohnt in derselben Straße wie er und weil es keinen bezahlbaren Wohnraum gibt kann keiner von beiden umziehen.

Ich werde nicht mit Mikesch feiern (Feuerwehrabruf habe ich im Notfall natürlich trotzdem, wie immer, es sei denn natürlich sie braucht diejenige Feuerwehr, die richtige und nicht metaphorische Feuer löscht, dann nicht), aber ich kann diese Panik verstehen. Früher hatte ich das auch. Und wie Weihnachten mit Mikesch ablaufen kann, erzählte ich auch schon.

Im Atelier hängen deshalb jetzt die sechzehn persönlichen Rechte aus dem Buch Familienkrankheit Alkoholismus von Ursula Lambrou (um 1990 erstmals erschienen) aus. Vielleicht helfen sie auch dem ein oder anderen Menschen hier.

 

1. Ich habe die Wahl glücklich oder unglücklich zu sein. Leben heißt mehr als überleben.

2. Ich habe das Recht zu allem nein zu sagen, wenn ich mich nicht zu einer Sache bereit fühle oder unsicher bin.

3. Mein Leben sollte nicht von Furcht bestimmt werden.

4. Ich darf alle meine Gefühle wahrnehmen.

5. Ich bin sehr wahrscheinlich nicht schuldig auch wenn ich mich so fühle.

6. Ich habe das Recht Fehler zu machen.

7. Ich brauche nicht zu lächeln, wenn ich eigentlich weine.

8. Ich darf ein Gespräch, eine Begegnung beenden, wenn Menschen mich klein machen und verletzen.

9. Ich darf gesünder sein als die Menschen in meiner Umgebung.

10. Es ist in Ordnung wenn ich entspannt und fröhlich bin und Freude habe.

11. Ich habe das Recht mich zu verändern und zu wachsen.

12. Es ist wichtig für mich meine Grenzlinien abzustecken und auf mich zu achten.

13. Ich darf auf jemanden ärgerlich sein, den ich liebe.

14. Ich muss auf mich achten und zwar unabhängig von den jeweiligen Umständen.

15. Ich brauche nicht perfekt zu sein um perfekt glücklich zu sein.

16. Ich brauche nicht perfekt zu sein. Punkt. Niemand sonst ist es.

 


Wenn Sie etwas Positives, wirklich schönes für diese Zeit möchten, schauen Sie mal bei Emil vorbei, der wie jedes Jahr Herzblut in einen Adventskalender investiert. 

Zwangspoolen

Hier in diesem Artikel auf kobinet sind einige Aspekt gut erklärt. Der Schulplatz für das Atelier-Kind fällt unter den Punkt mit der persönlichen Assistenz und könnte „weggepoolt“ werden.

Ein anderes Kind aus dem Umkreis der Atelier-Kind-Familie, schwerhörig, seit sieben Jahren inklusiv beschult, kommt in seiner Gesamtschulklasse mit und hat dort auch Freundschaften mit noch nicht betroffenen Kindern, hat letzte Woche den „Marschbefehl“ bekommen. Ab dem nächsten Halbjahr werden die Kosten für den Assistenten gestrichen. Entweder das Mädchen hält aus und nimmt in Kauf nichts mehr zu verstehen und von daher nicht mehr mitzukommen (und deshalb früher oder später „geschasst zu werden“ wie ihre Eltern das nennen) oder sie wechselt auf die die zuständigen Ämter günstiger kommende „Förderschule“. Die Eltern wollen klagen, aber ein Monat ist nicht viel Zeit.

Wenn Sie als Noch-Nicht-Betroffene sich möglicherweise fragen was das soll, eine Schule sei doch eine Schule, dann denken Sie mal kurz darüber nach welche Berufe ein (sinnes)behinderter Mensch in Deutschland lernen kann. Das Mädchen würde mehr verlieren als nur ihr Umfeld und ihre Routine.

Einen Kita-Platz für den Atelier-Kind-Bruder gibt es nicht. Da ist nur die „Wahl“ zwischen entweder gar nicht oder in den für gehörlose Kinder woanders. Jetzt überlegen Sie mal was wäre wenn die Atelier-Kind-Eltern niemanden hätten, der den Kleinen privat nimmt, das gilt auch für den Fall, dass das Atelier-Kind nicht ins Atelier könnte. Dann müsste logischerweise einer von beiden aufhören zu arbeiten und das können sie nicht, denn dann schnappt die Falle mit dem Jugendamt zu. Das kennen nicht wenige Eltern mit Handicap. Wie nach einem Kampagnen-Spruch des SVoD: Wir sind nicht behindert, wir werden behindert.

Aus der Puppenküche

Es ist so interessant und spannend wie seltsam zu beobachten was aus dem, das einmal aus der „Susanne“ werden soll wird. Nicht nur die Rollschuhe, die in einer früheren Version eine Rolle spielen sollten sind auch in dieser Fassung irgendwie – also nicht so wichtig wie zunächst – drin und haben sich von allein reingerollt, es kommt auch darin vor: Ein Puppenherd.

Wie passend, dass eines der Bastelbücher sich mit der Materie beschäftigt. Zubereitung von essbaren Speisen auf elektrischen Puppenherden, kindertümlich betitelt Leckeres aus der Puppenküche. 1989 als das Buch erschienen ist gab es diese Herde noch. Ich hatte auch einen, den ich – Sie haben es erraten! – nicht benutzen durfte. Wir kochen nicht, wir lassen kochen.

Das hat nicht nur mich geärgert. Da kriegt man so ein tolles Geschenk komplett mit Töpfen und Kuchenform, Besteck und Porzellan zum Servieren – für uns nur vom Feinsten – und darf nichts damit machen. Meine Nimm2-Oma und meine Großtante waren sehr sauer. Ich weiß noch, dass Mikeschs beste Freundin versucht hat wenigstens eine Kartoffel zu erquatschen, um Auszuprobieren ob das Ding überhaupt geht. Natürlich hatte Mikesch keine Kartoffeln. Jedenfalls keine ungekochten.

Das alles hat nichts damit zu tun, dass ein Puppenherd in der „Susanne“ vorkommt. Das hat andere Gründe, zum Teil dramaturgisch. Es geht nicht darum, ob das Kind das einen hat ihn hat um darauf zu kochen. Das ist nur zufällig etwas das dieses Kind, ein Nebencharakter tut und es passte irgendwie, weil in der Recherche herauskam wie lange Puppenherde schon Tradition sind. Mädchen aus der Generation meiner Nimm2-Oma (Jahrgang 1923) und älter hatten so etwas schon. Der wurde einmal im Jahr zu Weihnachten ausgepackt, zum Hausfrauensein üben. So was kann der Punkt sein zwei weit auseinanderliegende Generationen ins Gespräch zu bringen. In der „Susanne“ erzählt eine Tante von ihrem Herd aus den 50er Jahren.

Falls jemand von den Leserinnen auch einen hatte oder Leser wie Leserinnen damit bekocht wurden noch mal eine Recherchefrage: Was gab es? Das was in dem Buch von 1989 steht war in den Jahrzehnten davor noch nicht unbedingt etabliert.

Currywurst-Encore mit Kaffee

Mikesch besteht immer noch auf ihren Irrglauben, der Diddl-Maus-Junge sei aufgrund seiner Tattoos aus dem Imbiss geworfen worden. Auch wenn sie weiß, dass das unlogisch ist, da unter einem langärmligen Sweatshirt Tattoos auf den Oberarmen nicht sichtbar sind. Davon ab sind ein Weißkopfadler und ein Koi nichts, das einen Rauswurf oder die Weigerung den Mensch zu bedienen rechtfertigen würde. Schon gar nicht nach dem man da Jahre lang hingeht. Dann hätte er in dem Sommer in dem der Koi frisch gestochen war vor die Tür gesetzt werden müssen. Am Besten noch mit der Begründung, dass das Vieh doof glotzt. Das wäre Mikesch in ihrer Projektion verständlich gewesen.

Aber sie hält sich eben daran fest. Es kann nicht sein, dass der Diddl-Maus-Junge rausfliegt und die Polizei geholt wird. Das geht nicht. Das ist nicht richtig, wie sie findet. Es ist sein Recht da einzukaufen und die Trulla zu beschimpfen, der war eben kaputt von der Arbeit, da kann das mal passieren… Sie selber hätte sich das natürlich nicht bieten lassen, mit ihr hat keiner so zu reden. Ist schon schlimm genug, dass ihr in der Maßnahme jemand gesagt hat, sie muss besser aufpassen wem sie welchen Kaffee hinstellt, wenn jemand seinen Kaffee mit Milch und Zucker bestellt, dann muss er das auch so bekommen und nicht schwarz weil die Alten ja solche Ansprüche stellen und dazu kein Recht haben.