Stunden gestern Nachmittag

Als ob in meiner Ohrmuschel eine tiefe Saite gezupft werden würde. Permanent. Das Ding darunter pulsiert im gleichen Rhythmus und ich weiß nicht mehr ob es Nerv, Muskel, Arterie, Vene oder sonst was ist, nur dass ich nicht stehen kann. Das Atelier-Kind versteht das natürlich nicht. Wie auch? Er hat den Horizont von dem was er ist, ein Kind, nicht den eines Mediziners und von außen sieht man sowieso nichts. Außer dass ich ihm noch nicht mal sagen kann, dass es mir nicht gut geht, weil der Puls meine Hände einspinnt. Das sieht aus wie Tremor und durch das Zittern merkt er vielleicht doch, dass mit mir gerade nicht gut zu sprechen ist, denn es könnte ja sein, dass ich nicht mal grade sehen kann. Das Phänomen kennt er. Das kommt vor seit der großen Kopf-OP vor Jahren. Für ihn also immer schon.

Dumm nur, dass der Mit-Künstler nicht da ist. Was machen wir denn, wenn der Puls nicht aufhört? Es gibt für Menschen wie ihn oder mich bis heute keine einheitliche Notruflösung. Den Alarm vom Paniksender auslösen und hoffen, dass hier jemand aus dem Haus schellt und sich über den Lärm beschwert? Oder soll er durchs Haus rennen, ob Frau X. ein Stockwerk tiefer da ist und die am Arm ziehen, damit sie weiß, dass etwas ist? Nebenan klingeln nützt nichts, Frau Y. ist beim Bridge in der Stadt. Unten die mit dem anderen Hund? Ob die versteht, was er will? Alle anderen sind entweder nicht da oder würden nicht helfen, das kennen wir.

Dieses Mal hilft, dass wir es aussitzen.

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7 Gedanken zu “Stunden gestern Nachmittag

    1. Die Idee ist prinzipiell super und bei anderen Leuten erste Wahl. Aber das Atelier-Kind ist gehörlos und ich kann auch nicht telefonieren. Eine einheitliche Notrufmöglichkeit für Hör- und/oder Sprachbehinderte gibt es nicht. Früher gab es das Notruffax, aber wer hat heute noch eins und bis die reagierten konnte das erfahrungsgemäß auch dauern, weil es nicht immer bei der richtigen Leitstelle ankam. Deshalb hätte er ja durch Haus gemusst, ob irgendeine Nachbarin für uns telefonieren kann.

      Dazu auch Ist zwar vom Gehörlosenbund und vom Schwerhörigenbund, gilt aber für alle anderen, die nicht telefonieren können eben so. Ich werde nicht unbedingt verstanden.

      [Die Polizei ist mit so etwas auch überfordert. Im Februar wurde mein Keller aufgebrochen. Das wurde von einer Nachbarin entdeckt, bei der sich auch bedient worden war. Ich habe die Polizisten damals gefragt, was ich denn an ihrer Stelle hätte machen sollen. Vorschlag: Panikalarm, dann wird schon irgendeiner runterkommen, der telefonieren kann… Fühlt man sich sehr fähig, sich selbst zu helfen…]

      Ist halt blöd wenn kein Assistent da ist. Der Assistent macht unter anderem meine „fernmündliche Korrespondenz“. Die werden aber blöderweise nur stundenweise zu festen Zeiten genehmigt. Das heißt wenn in der Zeit etwas ist, steht man da.

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        1. Das kann ich nachvollziehen, es ist eigentlich nie separat Thema und kommt am ehesten noch in den Diskussionen in den Kommentaren durch oder in den Artikeln, die vom Spar… handeln. Hier geht es nicht um mich als Person. Ich habe das wissentlich nur einmal angeschnitten, nämlich an dem Tag, an dem ich Geburtstag hätte haben sollen, es aber nicht habe, da ich zu früh war. Wenn du magst, es steht hier.

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