Kommt Mikesch an einen gedeckten Tisch…

Ich fühle mich geradezu zwanghaft genötigt – ich hoffe, Sie können die Ironie erkennen, ich bin nicht gut in sowas -, Ihnen zu sagen, dass ich Ziegenkäse und die Farbe gelb mag.

Ich muss das sagen. Mikesch war nämlich gestern woanders zum Essen eingeladen. Eine Einladung zum Essen ist schön, kann aber problematisch werden, wenn Ihr Gast Mikesch heißt.

Nicht nur mangels Benimm oder wenn Sie vergessen Ihren Medizinschrank im Bad mit einem Schloss zu sichern.

Sondern auch wenn Sie erstens das Essen selber kochen und zweitens zufällig etwas dabei ist, das Mikesch nicht mag. Das ist nicht schwer, sie mag Vieles nicht.

Laut dem Stiefvater gab es etwas Überbackenes, das ihm sehr gut geschmeckt hat, aber von Mikesch nur feindselig angestarrt wurde. Minutenlang, ohne Kommentar.

Als sich die Gastgeber trauten nachzufragen, soll sie gemeint haben, das isst sie nicht wegen dem Käse.

Es heißt, der Stiefvater hätte sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie ja auch Pizza äße und die sei ebenfalls mit Käse überbacken.

Nein, das isst sie nicht, sie mag keinen Käse! Wahrscheinlich gefolgt von diversen Bäh und Ieh-Lauten wie sie es immer macht.

Die Gastgeber sollen gesagt haben, es sei Ziegenkäse und schmecke anders.

Daraufhin habe Mikesch verkündet, dann erstrecht nicht, es läge in der Familie, so eine Schweinerei äße keiner bei uns, sogar ich nicht.

Das ist ein typisches Süchtigen-Verhalten. Andere vorschieben, auch wenn man lügt.

Und in diesem Fall besonders schwierig, da mein Stiefvater den Gastgeber-Mann erst vor Kurzem gebeten hat von irgendwoher ein Stück Ziegenkäse für mich mitzubringen, ich hätte in Bälde Geburtstag und möge das so gern. Dem ist auch so. Nächsten Monat.

Entsprechend reagierte der Gastgeber. Der „Dumme“ in der Situation war nicht Mikesch, sondern mein Stiefvater, der vermeintlich gelogen hatte.

Der wies daraufhin, dass ich sehr wohl Ziegenkäse mag und Mikesch möge mal überlegen allein weswegen ich mitunter den Aldi in ihrer Stadt frequentiere, da gibt es eine Sorte, die meiner nicht hat. Nun geht Mikesch natürlich nicht nach Aldi. Und weiß das folglich nicht.

Der Ziegenkäse, den ich bekommen soll hat eine gelbe Packung.

Mikeschs nächste Chance für einen Nebenkriegsschauplatz, um von sich selber abzulenken: Ich möge kein gelb.

Gelb war schon im Kindergarten am Milchpäckchen meine Farbe. Wir mussten alle eine Farbe auswählen, so wurden die Päckchen dann angemalt, damit jeder wusste was seins ist. Meine Atelier-Jacke ist gelb. Ein uraltes, runtergewracktes Fleece, von dem ich nicht bringe es auszurangieren. Mein Lieblingsschal ist gelb. Mein zweitliebster Pullover. Meine Couriertasche.

Das weiß sie.

Am Ende ging Mikesch zu Hause nach McDonalds, weil es da richtiges Essen gibt, dem Stiefvater ist das alles peinlich und ich bekomme Nachricht, weil er nicht weiß wie er sich den Leuten gegenüber jetzt verhalten soll, weil Mikesch doch so normal wirkt.

Das ist so normal und alltäglich, dass ich erstmal zurück zum Kochen gegangen bin. Ich war mitten im Essenmachen. Wir haben heute Gnocchi mit einer Sauce aus Spinat, Sahne, Ziegenkäse, Knoblauch und Tomaten.

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9 Gedanken zu “Kommt Mikesch an einen gedeckten Tisch…

  1. Wir haben dieselbe Lieblingsfarbe!

    Und sag mal Bescheid, wenn dein Geburtstag ist, dann weiß ich auch schon, was ich dir schenke.

    Schenk dergl einen Ziegenkäse und du ernährst sie für einen Tag, schenk dergl eine Ziege und du ernährst sie für ihr ganzes Leben. (nordbulgarische Bauernweisheit)

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    1. In genau einem Monat. Aber wo soll ich mit der Ziege hin hier unterm Dach?!

      (Wünsch mir Glück, dass es morgen mit Kaspersky reibungslos geht.)

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  2. Ich weiß zwar nicht wer Mikesch ist / hat aber glaube ich voll einen an der Klatsche & ist mir voll unsympathisch.
    Solche Psychospiele würde ich gar nicht mitmachen.

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    1. Mikesch ist hier die Hauptprotagonistin, als pflegende Angehörige darf ich nicht sagen, dass sie „einen an der Klatsche“ hat (sonst bräuchte sie auch keine Betreuung/Pflege), aber salopp gesagt ist es so. Zum Einlesen vielleicht, da ist das relativ kurz erklärt:

      So eine Art „Wer ist wer“

      Der erklärt eigentlich alles, allerdings mit Stand September 2015, in der Zeit hat sich viel getan, siehe Mikesch-Mädchen-Kategorie.

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    1. Mikesch und Essen ist eine Katastrophe…

      Die hat früher nie selber gekocht, man hatte es ja und als man es dann nicht mehr hatte hat sie ihre Allüren nicht aufgegeben, das heißt andere müssen für sie machen… Das erste, was sie damals sagte als ich in die Wohnung, in der ich wohne zog war „Hier ist gut, da vorne ist eine Pommesbude.“ Da muss man sich nicht wundern warum mein Bruder, der Koch(!) werden wollte sich heute vorwiegend von Currywurst ernährt… (Der wohnt bei ihr, weil er bevor er 25 wurde länger arbeitslos war und Arbeitslose unter 25 müssen per Gesetz bei den Eltern wohnen, später hat er dann den Absprung verpasst.)

      Wenn sie mal hier ist, will sie immer Tee trinken, weil sie nicht mag wie ich meinen Kaffee koche (ich mache das ganz altmodisch mit Filter und heißem Wasserübergruß). Ich lasse sie dann immer auswählen, weil ich weiß, sie nimmt keinen Kräutertee, mag halt nicht jeder. Egal, was sie sich selber aussucht: Einmal antrinken – stehenlassen. Ist alles bäh und ich hab nur Ekelessen.

      Was ist Topinamburgratin? Das kenne ich nicht.

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      1. Toponambur ist eine Knolle, ähnlich der Kartoffel. Schmeckt leicht nussig, ist schwer zu schälen und absolut Bio. Ich schreibe übers Handy, weil ich grad nicht an den PC kann! Ich suche einen Link – oder du suchst selber mal im Net.

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        1. Ich schau mal. Ist aber wahrscheinlich etwas, dass in unserer Umgebung nicht zu bekommen oder für uns unerschwinglich ist. Schwer zu schälen wäre allerdings eine herrliche Aufgabe für das Atelier-Kind und den Mit-Künstler. Ohne freie Hände können die sich nicht nerven.

          Edit: Ich habe gerade auf Wikipedia geschaut, da steht, das sei beliebt bei Diabetikern. Muss ich mal den Handschuhschenker fragen, ob er das kennt. Dann können wir uns das vielleicht vormerken und ich bringe irgendwann mal etwas davon aus dem Bio-Laden in der Mikesch-Stadt mit wenn was besonderes ansteht. Wenn es nussig ist, könnte es ja vielleicht in Richtung Maronen gehen. Früher habe ich Maronen geliebt, seit meinem Küchenbrand vor einigen Jahren habe ich aber keinen Herd mehr um sie im Ofen zu machen, nur noch Kochplatten.

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