Selbsterfüllende Prophezeiung

Wie ich erfahre hat Mikesch ihre Maßnahme zum 15.09. nicht antreten müssen. Ich dachte, sie wäre dabei und würde jetzt Kastanien mit den Senioren sammeln. Sie hat mich noch gefragt wie man Männchen bastelt. Brauchte sie nicht, weil sie kurzfristig in etwas anderes gesteckt wurde. Das beginnt am 04.10.

Und wäre Mikesch nicht Mikesch könnte man sie dazu fast beglückwünschen. Bei dem ganzen Schrott, den die Agentur sich zwecks Statistikbereinigung ausdenkt sind äußerst selten sinnvolle Maßnahmen dabei. Noch weniger welche, die auf Vorberufen aufbauen. Und noch weniger welche davon, die an Menschen vergeben werden, die mehrere Jahre aus dem Vorberuf raus sind. Im Gegenteil werden die meisten Menschen, die länger als ein paar Jahre aus ihrem gelernten Beruf raus sind in den Computern der Agentur als Ungelernte geführt.

Es gibt Menschen, die haben einen Beruf, waren darin gut, würden gern wieder darin arbeiten und sind trotzdem jahrelang arbeitslos. Zu alt, zu teuer, zu Eltern, zu was auch immer. Die sind mitunter sehr engagiert und motiviert und würden Freudenschreie ausstoßen ob dem, das Mikesch jetzt machen soll, wenn der Vorberuf stimmte. Oft sind sie so zermürbt von Arbeitslosigkeit oder Billigjobs und so fokussiert auf Arbeit als Teil ihres subjektiv empfundenen Selbstwerts, dass ihnen der ausbeuterische Charakter, den das Ganze in der letztendlichen Praxis hat erstmal egal ist.

Es gibt Menschen, die dachten, sie müssten niemals arbeiten und könnten vom Geld, dass der Mensch mit dem eine Ehe geschlossen wurde leben bis ans Ende ihrer Tage. Diese Menschen sind missmutig wenn das nicht funktioniert und sie, weil Agentur oder Amt nicht extra für sie alle Wege ändern, in manchmal schon höherem Alter in mitunter niedrige Ausbildungen gesteckt werden.

Mikesch ging das so in den Nullerjahren, als sie zu einer Pflegeausbildung verdonnert wurde. Das hat sie möglicherweise noch mit verschuldet weil sie groß rumgeprahlt hat, sie hätte Ahnung von häuslicher Pflege und von damals noch vorhandenen Freundinnen falsche Bescheinigungen einholte über die Pflege derer „Eltern“. [Eine Frau bezeichnete den Vater ihres geschiedenen Mannes als den eigenen Vater als das rauskam, wollte Mikesch natürlich von den Konsequenzen nichts wissen.]

De facto hat sie nie in der Pflege gearbeitet, weil sie nicht übernommen wurde und das Zertifikat aus ihrer sechsmonatigen Pflegehelferausbildung nur einrichtungsgebunden gilt.

Und jetzt bietet die Agentur ihr, aufbauend darauf, dass sie ja Pflegekraft sei ab Oktober zwei Monate Demenzfortbildung an.

Das wäre schon für eine gesunde Person, die länger aus der Pflege raus ist und überdies weder die einjährige Ausbildung noch die dreijährige mit Examen hat hart. Diverse meiner Freunde und Ex-Kommilitonen kennen das und sind examiniert.

Aber wir reden von Mikesch. Und weil wir hier von Mikesch reden ist das Ganze nicht nur naiv, dumm oder undurchdacht es ist gefährlich und grob fahrlässig.

Die haben die Akten, die haben alles an Papieren. Die wissen um was für einen Menschen es sich handelt. Gewaltausbrüche, Diebstähle, Beleidigungen inklusive. Trotzdem geht die Statistik vor.

Die Person beim Amt, das für die Betreuungssachen zuständig ist findet heraus, dass irgendwelche Zettel fehlen und Mikesch dafür andere vorgelegt hat. Mehr weiß ich nicht.

Die Person beim Amt bekommt etwas gesagt wie, was solle man denn sonst mit der Frau machen?!

Nicht das!

Zu Hause vor der Glotze oder bei Ebay kann sie keinem etwas tun, in einem Heim oder einer Tagesgruppe oder Wohngemeinschaft gefährdet sie wehrlose Menschen, weil sie sich übermächtig vorkommen wird. Nicht obwohl sondern weil diese Menschen ihr ausgeliefert sind.

[Abgesehen davon kann das bei ihr sonst was auslösen, denn ihr Vater zeigte kurz vor seinem Suizid leichte Demenzsymptome. Wer weiß was das triggert.]

Ja, aber, da ist doch keine gerichtlich festgelegte… [Stiefvater hat gepennt.]

Ich bin krankgeschrieben, immer noch matt und entzündungszerfressen, es obliegt jetzt allein der Amtsfrau dafür zu sorgen, dass Mikesch diese Maßnahme auf überhaupt keinen Fall antritt.

 

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10 Gedanken zu “Selbsterfüllende Prophezeiung

  1. Du meine Güte…

    Ich habe ja auch schon diverse Kreise der Fortbildungshölle der Agentur durchwandert, habe gelbe Bilder gemalt, an Specksteinen gefeilt und vollkommen bescheuerte Stuhlkreisgespräche geführt – und mich währenddessen dauernd gefragt, wann ich in meinem Leben falsch abgebogen bin, um das zu verdienen.

    Bei dieser Entscheidung der Agentur fehlen mir angesichts des geschilderten Hintergrunds aber mal einfach die Worte! 😦

    Dir weiterhin gute Besserung!

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    1. Danke!

      Ich weiß nicht wie es bei dir ist, aber ich gehörte trotz Abitur und abgeschlossener Berufsausbildung immer zu denen, die in ausschließlich für Behinderte geeignete Maßnahmen gesteckt wurden wenn ich arbeitslos war. Ich habe auch Bilder gemalt, Sätze bilden müssen, zeigen müssen wo auf irgendeinem Bild irgendein Ding ist, blöde Stuhlkreise mitmachen etc. Jedes einzelne (sic!) davon wäre besser für Mikesch als das. Wenn etwas passiert, egal ob ihr oder den Klienten oder anderen Maßnahmeteilnehmern, wollen die es nicht gewesen sein.

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      1. Nun, mir hat man damals nach dem Abitur in der Berufsberatung der Agentur erst mal von einem Studium abgeraten. Auch meine Eltern. Man zweifelte an, dass ich das physisch stemmen könne… Eine unbegründete Fehleinschätzung, wie sich Jahre später zeigte!

        Stattdessen quatschte mich der Berufsberater in einen Beruf, der mit seiner Zahlenlastigkeit nun wirklich nicht meinen Neigungen entspricht und zu dem ich bis heute keinen wirklichen Bezug habe…

        Die Fortbildungen waren bei mir eigentlich alle nicht speziell auf Behinderte ausgelegt. Allerdings war die letzte eine „Maßnahme für Menschen mit psychischen Einschränkungen“. (O-Ton) Ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt nicht, dass ich solche Einschränkungen habe… Physische, ja klar, ganz eindeutig, aber psychisch war bis dahin eigentlich alles in Ordnung. Aber da ist es dann doch toll, wenn es Menschen bei der Agentur gibt, die mich besser kennen als ich mich selbst und die beurteilen können, was ich habe und was ich nicht habe… Die Ausrichtung dieser Fortbildung hat man mir übrigens in einem Vorgespräch verschwiegen!

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        1. Das kenne ich auch. Mir hatte man irgendwann vorgeschlagen, wie wäre es mit BBW… Meine Privatschule wurde auch gern mit Sonderschule gleichgesetzt. Komisch, dass ich die ganzen zehn Jahre, die einzige mit „gesondertem Förderbedarf“ dort war.

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  2. Jetzt verstehe ich deinen Satz von gestern. Ach du Scheiße.
    Entschuldigung, (ich habe zwar auch meine Erfahrung mit den Ämtern,) außer Unzitierbarem fällt mir weiter nichts dazu ein.

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    1. Wie schon an fraggle99 – sie macht ein Bücherrezensionsblog, wenn du magst geh mal bei ihr schauen – geschrieben, ich hab auch so meine Erfahrungen. Philipp und der Handschuhschenker (einer der Zwangsberenteten „BestAger“, der würde sich um eine Chance noch mal zu arbeiten reißen, aber bei dem wurde natürlich genau auf die medizinischen Gutachten geschaut…) kenne das Lied auch.

      Bei so was frage ich mich immer (trotz aller Erfahrung) was für Leute die da hinsetzen. Klar, Anfang 20, frisch Bachelor, aber Ahnung von nichts und zwar zu blöd zum Akten lesen oder denken, aber schön von oben herab.

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      1. Dieses „schön von oben herab“ ist zum Teil einfach mangelnde Lebenserfahrung und zum anderen Teil schlicht Überforderung und damit verbundene Hilflosigkeit, die zum Korinthenkacken und zu Größenwahn und anderen Missliebigkeiten führt. Ich will den Ämtern nicht das Wort reden, wirklich nicht, aber es gibt auch Menschen auf der anderen Seite und nicht nur kleine Herrgötter.
        Scheißthema, ich sag es nochmals.

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        1. Es gibt da Menschen. Eindeutig. Ich hatte mehrmals Glück und ich bin den beiden da heute noch sehr dankbar für. Damals als ich offiziell ausgegliedert wurde und mir dann (Kooperation mehrerer Ämter, gesetzlich gedeckelt) die Mikesch-Pflege vor den Latz geknallt wurde, hat eine selbst dann noch versucht mir zu helfen, in dem sie versucht hat auf diese Diskrepanz zwischen einerseits kaputt geschrieben sein und andererseits aber das aufs Auge gedrückt bekommen hinzuweisen. Plus dass die vorher meinen Versuch Freiberufler zu werden extrem unterstützt hat. Ich hatte irgendwann kurz davor auch mal einen Typen, der sagte „Sie wollen, das sehe ich, aber Sie können nicht.“, was bei einigen auch schon viel wert ist.

          Ich würde mir für Mikesch jemanden wünschen, der sie eigentlich explizit aus dem Arbeitsleben raushält, ihr auch Bewerbungen erspart, weil gesehen wird, da geht nichts mehr. Selbst wenn die 30 Jahre jünger wäre, mit den Papieren und Diagnosen ist man am Arsch. In ALG II rutschen kann sie nicht, ist verheiratet und Stiefvater arbeitet, das heißt sie müsste zwar ihren Lebensstandard ändern, wäre aber ansonsten relativ „abgesichert“. Aber so jemanden gibt es da nicht. Erstrecht keinen der überlegt „Warum macht sie denn den ganzen Mist?“ Diese Impulsreaktionen entstehen ja aus Überforderung wenn sie in ungewohnter Weise reagieren muss und gerade andere Menschen kannst du eben nicht 100% vorher kalkulieren, das ist ja nicht wie ein bestimmtes Muster im Brotverkauf „Guten Tag. Was darfs sein?“ – „…“ – „Und außerdem?“ etc.

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  3. Ich kann es gar nicht glauben, was für Fehlentscheidungen dieses Amt trifft. Ich hatte damals nur ein Bewerbungstraining und einen Computerkurs, aber das war auch am Anfang des Hartz-Elends 2006-2008.

    Dir wünsche ich gute Besserung!!!

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    1. Danke!

      Ich denke, in den Jahren hat sich viel verändert. Aber vielleicht hattest du damals auch Glück aufgrund deiner Qualifikation. In den ersten Jahren wurde da wohl noch gelegentlich Rücksicht genommen wenn einer promoviert war. Dann kommt es sehr wahrscheinlich auch noch auf den Wohnort an. Ich habe im reichen Ba-Wü äußerst selten als ich noch da wohnte Eskapaden in dem Ausmaß gesehen wie sie hier vonstatten gehen. Laut dem VdK oder SoVP – ich weiß gerade nicht mehr welcher es war – soll der Großraum Ruhrgebiet-Düsseldorf-Köln in etwa so schlimm dran sein arbeitsmarkttechnisch wie einige Landstriche in Ostdeutschland. Duisburg soll eine Quote von 22% haben, die Stadt in der Mikesch wohnt von 18%, meine Kleinstadt bei D‘dorf von zirka 8%. Und wo die Zustände so drastisch sind, wird natürlich auch der Druck größer die Statistik zu bereinigen.

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