Retrofressi ala Handschuhschenker

Ich kann immer noch nicht so genau sehen, dass das Tippen entspannt wäre, aber ich versuche es. Ich finde, es ist eine schöne Episode – die weil Sie nicht dabei gewesen sind natürlich für Sie nicht so schön wie sie war rüberkommt -, zwischen zwei Menschen, die zwei verschiedene Sprachen sprechen und obwohl der eine Mensch die andere Sprache nicht versteht keine Probleme gemacht hat. Wenn die mit dem Spar…äh… SIE WISSEN SCHON nicht gehörig zum Positiven hin etwas ändern wird es nicht allzu viele kleine Menschen mehr in diesem Land geben, die überhaupt die Chance haben so eine Episode mit einem großen Menschen zu erleben.

Der Kalender, der Stundenplan vom Atelier-Kind und das Atelier-Kind selbst sagen es ist Freitag. Wenn Sie hier schon länger lesen, kennen Sie unsere freitäglichen Essgewohnheiten. Hat das Atelier-Kind uns auf alle Ewigkeit abgetrotzt und es ist nicht zu ändern, wir dürfen nicht abweichen.

Weil ich aber weiß, dass ich Freitag aus logistischen Gründen in das Einkaufszentrum muss musste ich eine Vertretung organisieren. Der Handschuhschenker hat sich bereit erklärt und die Atelier-Kind-Eltern das akzeptiert. Sie verstehen diesen Menschen zwar nicht, aber der ist so nett und der jüngere Atelier-Kind-Bruder, ein Kleinkind, darf ihn immer als Klettergerüst benutzen und eigentlich geht der nicht zu Fremden. Nur zum Dicken.

[Hier sehen sie eine Eigenheit der Gebärdensprachen, diese Sprachen sind sehr direkt. Es ist völlig egal ob das nett ist oder ob sich der Name anders übertragen ließe, das erste was an diesem Menschen aufzufallen scheint ist seine Körperfülle. Also wird der Name sachlich mit „dick“ übersetzt. Ich hieß lange nach einem prägnanten Muttermal und über Walburga zum Beispiel wird nach der Frisur gesprochen.]

Weil der Kleine, der so heißt wie der Hund meiner Eltern in den 80er Jahren und den ich deshalb zu Anfang völlig legal „Hund“ gebärdete, zum Handschuhschenker geht, denn dem darf er wortwörtlich auf dem Kopf rumtanzen, herrscht da ein gewisses tiefes Vertrauen. Wir können also den Handschuhschenker ins Atelier und der das Atelier-Kind rein lassen während wir weg sind.

Und uns denken, dass die beiden sich über die Fischstäbchen aus dem Gefrierfach hermachen. Die Kartoffeln dazu waren schon aufgestellt.

Oder so. Irgendetwas, das auch sonst ist. Erst beim medialen Nachtisch wird es schwierig. Das Zeug ist alles nicht untertitelt und das Atelier-Kind ist ohnehin kein begeisterter Untertitel-Leser.

Nun kommen wir aber zurück und was sehen wir?

Die Herren, der kleine Mensch und der große Mensch, sitzen einträchtig und ganz entspannt und in sich ruhend, überhaupt nicht improvisiert vor Pumuckl!

Haben sie auf youtube gefunden und der Handschuhschenker plappert, ob er verstanden wird oder nicht ist egal, dass er zwar kein richtiges Kind mehr war als die ersten Schallplatten herauskamen, dass er die Serie aber auch als junger Erwachsener gerne gesehen hat, und dass das wahrscheinlich irgendwo da gedreht wurde wo dergl als Kind her’kemma is, und dass es noch eine Sendung mit LKWs gab, die er gerne gesehen hat und das Atelier-Kind hat einen Teller mit Bratkartoffeln im Schoß und eine Scheibe gebuttertes Brot mit einer Scheibe Ananas drauf in der Hand und sieht aus als fände es das alles ganz hochinteressant und könne dem auch irgendwie folgen.

Philipp sagt noch, an die Sendung erinnert er sich auch, das war mit Manfred Krug Auf Achse und der Philipp-Papa hätte nach der Wende immer gesagt, der Krug, der sei ein Vorzeige-Ossi, und der Handschuhschenker sagt Ja, stimmt, und ich weiß nicht worauf sich das bezieht und dann sehen wir die Blätter auf dem Boden. Ein paar aufgeschriebene Sätze, irgendwas mit Schmeckt doch gar nicht und Zeichnungen: ein LKW und ein entfernter Verwandter von Pumuckl. Irgendwo die vom Atelier-Kind aufgeschriebene Frage was Ananas ist. [Er kennt Obst und Gebärde, hatte aber das Wort noch nie geschrieben gesehen.]

Ich bezweifle sehr, dass es diese Art von Erfahrungen für die Kinder gibt, die aus Kostengründen auf „Förder“schulen gesteckt werden – die für Hörgeschädigte oft Internate sind – , und dass diese Kinder mit so einem Vertrauen in die Situation gehen können.


 

Zweimal aufgrund von Fehlern in Schreibung oder Verdopplungen durch Sehstörungen editiert.

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