Anderer Leute Worte

Nichts kann ohne Einsamkeit entstehen. Ich habe mir eine Einsamkeit geschaffen, die niemand ahnt. Es ist schwer heute allein zu sein, weil es Uhren gibt. Haben Sie je einen Heiligen mit Uhr gesehen? Ich habe keinen finden können, selbst unter jenen Heiligen nicht, die als Schutzpatrone der Uhrmacher gelten.

Pablo Picasso

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5 Gedanken zu “Anderer Leute Worte

  1. Picasso hatte das Privileg sich seine Einsamkeit zu suchen und sie wieder aufzugeben, wenn ihm danach war – er hatte genug Menschen um sich. Und ich weiß auch gar nicht, ob er nicht nur das ‚alleinsein‘ meinte, die Stille im Atelier…

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    1. Es ist tatsächlich etwas schade. In dem Taschen-Verlag-Band von Ingo F. Walther über Picasso (da ist das Zitat her) stehen viele gute Zitate, aber immer nebenher, das bedeutet, es fehlt der eigentliche Kontext, so dass man nun hier zum Beispiel nicht genau weiß was er meinte, sondern selber interpretieren kann und muss. Aber das finde ich auch schön und manchmal hat ja ein Ztat auch für einen selbst eine andere, persönliche Bedeutung als es im eigentlichen Kontext gemeint war.

      (Es kommt bals noch eins von Ai Weiwei, das hat er auf Architektur bezogen geschrieben in einem Text zum Bauen. Für mich hat das aber eine ganz andere Bedeutung, ich habe von Architektur nämlich keine Ahnung.)

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  2. Mir kommt dies Zitat grad zupasse. Einsamkeit ist ein innerer Zustand, kein äußerer. Er bedeutet, mit mir konzentriert allein zu sein. Nichts ist störender als zu wissen, dass andere auf mich warten. Termine verweisen auf die Außenwelt, sie stören. (Ich hatte ein Atelier im Schulgebäude, wo ich auch unterrichtete. Wenn ich die Klingel hörte und hinunter musste zum Unterrichten, war es wie körperlicher Schmerz. Natürlich taugte mein Unterricht dann auch nichts).

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    1. Das ist auch eine Sichtweise. Man muss, finde ich, „einsam“ auh nicht per se negativ konnotieren, es geht auch „ein-sam“. Ein wir in Ich alleine. Das passt zum Beispiel für mich sehr gut, weil ich es bekanntlich hasse wenn Leute (z.B. unerbetene Atelier-Besucher, hatten wir ja letztens als Thema), meine räumlichen wie innerlichen Grenzen übertreten.

      Eventuell kann man das auch noch mentalitätsbezogen sehen. Picasso war Spanier und hat es daher sicher anders gesehen als wir Deutschen im ersten Moment, weil Einsamkeit dort kulturell etwas anderes bedeuten kann, vielleicht einfach nur eine Ruhephasen-artige Zeit. Von so etwas sind wir deutsch konditionierten ja oft etwas befremdend erstmal.

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      1. Das finde ich jetzt sehr interessant. „Ruhe-artige Phasen“ – ja, die sind hier im Süden kulturell eingebaut, vielleicht, weil man sie bei der üblichen Lebhaftigkeit und Zugewandtheit braucht und um sich zu rüsten für die nächste Phase der Zugewandtheit.
        In der deutschen Kultur ist so ein Wechsel zwischen lebhaftem Dabeisein und Rückzug (Siesta u.ä.) nicht vorgesehen, da muss jeder selbst regeln, wie er mit seinen Kräften haushält. Sonst gibt es eben die Uhr, die das regelt und sagt: jetzt hast du genug gearbeitet, jetzt hast du dies und jenes zu tun, und jetzt gehst du heim. „Heilige“ (nach Picasso) haben solche Außenkontrolle nicht nötig, bzw könnten sie nicht ertragen. Drum ziehen sie sich oft ganz zurück.

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