(K)eine Situation

Das Atelier-Kind und mit ihm zumindest zeitweise wir alle ist die ganze Woche schon schlecht drauf, weil die Dolmetscher-Situation in Schule gerade katastrophal ist. Dass die Hauptdolmetscherin krank ist, dafür kann niemand. Menschen werden krank, ganz einfach. Da ist das Atelier-Kind zwar sauer, denn er mag seine Dani, weil sie „voll cool“ ist, aber Dani ist jetzt eben nicht da. Die Vertretung kann nicht jedes Fach dolmetschen und arbeitet schon entgegen der Arbeitsgesetze um so viel zu retten wie es eben geht. Das verdient Anerkennung. Es genügt nicht einfach in eine andere Sprache zu übersetzen, Sie müssen den Stoff vermitteln und das heißt, Sie müssen sich mit dem auskennen was Sie da machen, denn die ersten Rückfragen gehen an Sie.

Die Person, die in den anderen Fächern, über einen Zeitraum von regulär vielleicht 90 Minuten pro Tag, einspringen soll ist, ich sage es diplomatisch, überfordert. Eine Studentin, die es zwar gut meint, aber dadurch eigentlich alles noch schlimmer macht. Sie leidet darunter, dass sie etwas mit Sozial- – fragen Sie mich nicht was – studieren muss, weil sie für alles mit Wirtschaft nicht geeignet war. Sozial machen heute nur Loser. Das sagt sie nicht, aber man merkt, dass sie das meint. Damit sie das Gefühl hat, etwas Sinnvolles zu machen hat sie beim Assistenzdienst angeheuert und weil sie beim Vorklienten ein paar wenige Gebärden gesehen hat – Gebärdensprachen werden nicht nur von Hörgeschädigten benutzt – hat sie sich Kenntnisse eben dessen in die Mappe geschrieben, weshalb der Assistenzdienst, weil wirklich niemand anderer da ist auf sie zurückgreifen muss.

In der Praxis heißt das: Sie macht etwas mit den Händen, das das Atelier-Kind nicht versteht und wenn er ihr etwas sagt und die Lehrer wissen wollen was kommt so was wie „Ja, du, weiß ich nicht. Wie ist der denn sonst so?“ Ab und zu bekommt das Atelier-Kind auch Zettel geschrieben. Mit Smileys und in einer Sprache, die ein Drittklässler nicht versteht. Unter Kommilitonen kann man zweifellos so reden, aber nicht mit einem Kind für dessen Mitkommen im Unterricht man die Verantwortung trägt.

Das wiederum heißt: Die Lehrer versuchen sich damit zu behelfen dem Atelier-Kind Kopien in die Hand zu drücken und ihn nach Hause zu schicken. Die Frau mit der er immer Hausaufgaben macht und übt kann ihm das bestimmt beibringen.

Na toll. Besonders wenn ich das nicht vorher weiß und er dann erstmal eine Stunde vor verschlossener Tür steht weil ich nicht da bin. Großen Dank an meine Nachbarin, die ihn trotz Verständnisproblemen letztens nicht im strömenden Regen hat stehen lassen, weil ich in Anbetracht der Klärung meiner bald folgenden Nach-OP nicht anzutreffen war. Da saß er dann bei dieser Frau, die auch kein ausgeprägtes Zeitkontingent hat und mich überdies nicht sonderlich gut kennt und hat mit dem Hund gespielt und heißen Tee getrunken, weil er zu dem Zeitpunkt schon klatschnass war.

Ich will nicht darüber nachdenken wie sich solche Zustände zementieren werden mit dem Spar…äh… Teilhabegesetz. Wenn dann noch mehr auf die Kosten gedrückt wird.

Die Atelier-Kind-Eltern machen mit privater Organisation was sie können, können aber nicht dafür, dass sie arbeiten müssen. Beide. Da wäre auch lieber einer zu Hause und nähme sich der Jungen an, anstatt das Atelier-Kind zu mir und den Bruder zu jemand anderem geben zu müssen und dankbar zu sein, dass sie uns dafür nicht bezahlen müssen, für so etwas gibt es nämlich kein Geld. Wenn ihnen das nicht passt, müssen sie ihre Kinder ins Internat tun. Wäre eh billiger für die Ämter.


 

Eine andere schwierige Assistenz-Situation erlebt derzeit Familie Ulbrich aus der Nähe von Heilbronn. Petra Ulbrich betreibt das Blog Voller Worte und falls Sie das kennen, dann kennen Sie auch Carsten und Wiebke Ulbrich. Falls Sie es nicht kennen, klicken Sie hin. Carsten und Wiebke Ulbrich sind Rollstuhlnutzer, die auf Assistenz angewiesen sind und Petra, Carsten und Wiebke suchen händeringend nach jemandem, der sie bei Alltagsaktivitäten und in der Freizeit unterstützt, mit aufs Konzert oder ins Museum geht etc. Dafür wurde auch eine offizielle Stellenanzeige auf einer eigenen Webseite eingerichtet, auf der erklärt wird was und warum gebraucht wird. Wenn Sie aus der Gegend stammen und helfen können und wollen, oder jemanden kennen, der kann oder will, dann mögen Sie vielleicht mit Petra in Kontakt treten. Wenn Sie niemanden kennen, dann mögen Sie vielleicht die Kunde weitertragen, vielleicht kommt sie ja irgendwann bei der richtigen Person an.
Petra wurde außerdem für das Magazin der Rehacare interviewt.

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11 Gedanken zu “(K)eine Situation

  1. Vor allem, wenn man bedenkt, dass eigentlich genug Geld kursiert, es wäre dafür allerdings eine sozial ausgewogenere Politik nötig… Wenn man allein sieht, wie die großen Konzerne jedes Steuerloch ausnutzen, wie viele Millionen den Staaten da entgehen.

    Die Stellenanzeige teile ich mal bei Facebook, obwohl ich es schade finde, dass sie nicht zumindest grob die Gegend angeben. So sind Interessenten erst mal gezwungen anzurufen, obwohl man ansonsten vielleicht gleich erkennen könnte, dass es von der Entfernung her nicht passt. Ist aber ja nicht Deine Baustelle und wurde da auch schon direkt angesprochen.

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    1. Das ist wie du sagst nicht meine Baustelle, aber steht da nicht Flein in der Seitenleiste? Das ist in der Nähe von Heilbronn. Kann sein, dass Petra das nachgetragen hat. Die freuen sich wenn du teilst.

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      1. Ist mir nicht aufgefallen, bei dem Direktlink sehe ich keine Seitenleiste und in den Kommentaren kam die Antwort, dass der Ort erfragt werden kann. Sie werden ihre Gründe haben, ich habe es auf jeden Fall nun auf Facebook geteilt, auch wenn meine Reichweite da nicht allzu groß ist. Gehöre nicht zu den „Freundensammlern“, die über 100 Freunde haben.

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        1. Gehst du über den Reader? Dann sieht man es auch nicht. Ich denke sie haben Gründe und die Gründe sind individuell sicher auch wichtig. Ich würde das auch nicht anders machen. Ich sage ja auch immer nur bei Düsseldorf und nicht wo genau.

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          1. Ich bin aus Deinem Blog direkt auf den Link gegangen. Links und rechts waren noch Menüpunkte, durch die ich mich allerdings nicht komplett geklickt habe. Ich kann das auch verstehen, blogge ja selbst halb-anonym. Dachte auch mehr an eine ganz grobe Richtung, z. B. Bundesland, damit man weiß, dass man als Hamburger umziehen müsste, wenn z. B. Bayern der Ort wäre. Andererseits, wer wirklich Interesse hat, möge halt anrufen, vielleicht sortieren sich so einige schon von selbst aus.

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  2. Ich hatte die Stellenanzeige schon anderswo gesehen und mich auch gefragt, wo die beiden sind, wenigstens ungefähr. Danke für deine Angabe „bei Heilbronn“, jetzt weiß ich, dass es eventuell für eine Bekannte interessant sein könnte, nicht aber für mich.

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    1. Ich sage es fairerweise: Dass es bei Heilbronn ist weiß ich aus dem Rehacare-Interview. Ich habe dann in der Seitenleiste den Ort angegeben gesehen (da hat sie die 7 am Anfang vergessen). Wie gesagt, es wird Gründe geben warum Petra das so handhabt. Es wurde ja nun schon mehrmals angesprochen, dass eine Angabe hilfreich gewesen wäre („PLZ-Bereich 7“ wäre vielleicht ein Kompromiss gewesen, so sehe ich das häufiger in solchen Gesuchen, aber das muss jeder, der so etwas schaltet für sich selbst wissen.).

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    1. Wie gesagt, muss jeder für sich selbst entscheiden und wie du sagst, wer wirklich interessiert ist ruft an. Das ist gut um zu sehen, wer es ernst meint. Du hast jetzt halt als Nachteil die „Rennerei“ durch die Kommentarspalten wo du das erklären musst. Was aber eventuell noch weniger problematisch ist als das was aus einer zu genauen Lokalisierung hätte entstehen können (spontaner Besuch irgendwelcher Fremder etc.).

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