Erinnerungsarbeit die Dritte

bewusst fragmentarisch-unfertig

Ich werde aufhören müssen von mir als Mensch mit merkwürdiger Sammlung zu reden. Das ist sachlich falsch. Der Handschuhschenker – danke! – hat schließlich viel, seiner Aussage nach mehr Organisation als finanzielle Mittel, darin investiert, dass ich neuerdings noch eine merkwürdige Sammlung habe.

Anders kann man dieses Konvolut nicht mehr bezeichnen, denn es kam schon wieder Post, diesmal als Lohn für die gestrickten Socken. Dazu die Ankündigung, dass der Verkäufer noch das ein oder andere hätte, wenn die an meinem Geburtstag noch da sind, dann kämen die auch.

Das ist toll, wirklich. Denn ich verrate Ihnen etwas: Zwischen denen, die bis jetzt da sind befinden sich nicht nur so Schätze wie das mit der Post, ich kann auch bis jetzt nur bei einem Titel mit Sicherheit sagen, dass ich ihn selber hatte. Das bedeutet nicht nur, dass es Unmengen mehr gegeben haben muss als ich hatte, das heißt auch, ich kann noch etwas lernen.

Es kann natürlich sein, dass ich den ein oder anderen Titel doch gehabt habe und ihn vergessen oder verdrängt habe. Ich weiß vieles nicht mehr. Dass ich diesen einen Titel hatte weiß ich deshalb so genau, weil ich etwas daraus, eine Martinslaterne, einmal für meinen Bruder nachbasteln wollte. Weil basteln unnütz ist und Dreck macht und die Leute da überdies nicht ihr Niveau ist Mikesch nämlich nicht zum Laternenbasteln im Kindergarten gegangen und der spätere Diddl-Maus-Junge sollte das einzige Kind sein, das mit einem gekauften Lampion am Zug teilnehmen sollte. [Eigentlich sollte er gar nicht mit, das ist nämlich Arbeit, aber dann reden ja die Leute…] Alle anderen Kinder hatten gebastelte Laternen. Bloß er nicht. Weil Madame sich zu fein war. Ist ja nicht ihr Problem, wenn die anderen Kinder ihn hänseln und meiden. Heulen braucht er nicht, dann gibt’s eine aufs Maul, dann hat er einen Grund zum Heulen. Das war nicht in den 60er Jahren beim Handschuhschenker, sondern 1990 bei meinem vier Jahre alten Bruder.

Weil mir das leid tat, ich kannte das ja unter anderem wegen der Allüren meiner Eltern fertig gemacht zu werden, hatte ich mir überlegt, dass ich ihm die Laterne aus dem Heft bastele, die denen der anderen Kinder am ähnlichsten war. Dann hätte er zwar eine andere, aber nicht so einen blöden, langweiligen, lieblosen, massenproduzierten Lampion. Der Plan ist natürlich gescheitert. Weil basteln… Sie wissen schon. Außerdem machen Mädchen so was nicht!

[Kerstin in meiner damaligen Kochklasse hat den ganzen Tag (sic!) zu Hause Scherenschnitte und Fensterbilder gebastelt und war auch ein Mädchen (sic!) und zwar ein richtiges (sic!), so mit Röcken und Zopfspangen und rosa und mintgrün und Schühchen an den Quadratlatschen. Sie hatte mit zehn Jahren Schuhgröße 39. Kerstin durfte mich übrigens nie zu Hause besuchen, denn ihre Eltern standen gesellschaftlich höher und das konnten meine Eltern nicht ertragen. Ich war ein paar Mal bei ihr zu Hause, ihre Eltern hatten weit weniger Allüren. Da gab es sogar Aldi-Chips. Mann, wat/wos ’ne Assi-Familie… *haben Mikesch und der dergl-Vater sich wahrscheinlich gedacht*]

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