Anderer Leute Worte

Unser wahres Analphabetentum ist das Unvermögen, schöpferisch tätig zu sein.

Hundertwasser

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4 Gedanken zu “Anderer Leute Worte

  1. -m- wer ist wir? Und was macht unser Tun zu einer schöpferischen oder nichtschöpferischen Handlung?
    ich begreife mein Schreiben, meine Bilder als schöpferisch, wenn ich Menschen begleite auch … was Hundertwasser wohl meinte und in welchem Zusammenhang dieser Satz wohl steht …

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    1. Gute Gedanken. Da kann man sich auch wieder fragen wo Kreativität beginnt. Vom Wortsinn her ja beim Erschaffen, also ist zum Beispiel ein Koch ein Kreativer oder ein Maurer, ein Näher, ein Wissenschaftler…

      Das Zitat findet sich so ohne Zusammenhang auf der Rückklappe von „Hundertwasser für Kinder“ von Barbara Stieff. Deren Quelle sind dort angegeben die Hundertwasser-Archive, es mag also sein – das würde ich vermuten -, dass er das in einer seiner Reden gesagt hat. Er hat ja oft über seine Weltsicht und „Philosophie“ vorgetragen. Dabei war das Wir – so begreife ich es – immer „alle Menschen“. Er hatte ja die Ansicht, dass die Menschen im Einklang mit der Natur leben müssen, weil es anders nicht das Recht des Menschen ist und außerdem Unnatürliches den Menschen krank macht. Da gab es ja auch diese Sachen wie das Fensterrecht (dass jeder Mieter die Fassade um sein Fenster nach eigenem Gefallen dürfe) oder die Schönheitsbarrieren (also irgendwas, Dinge etc. das/die, die Menschen zum Innehalten bewegen soll, auf dass sie bewusster im Augenblick werden), meine Vermutung ist, dass dieses Zitat aus einem Kontext stammt, wo er eben diese Weltsicht erläutert. Darin war er wohl ähnlich wie Beuys mit seinem „Jeder Mensch ist ein Künstler“ (das ja auch nicht jeder verstanden hat, weil es sich auf das Erschaffen bezogen hat und sicher Kenntnis von Beuys‘ Weltbild erfordert hat um so wie es von ihm gemeint war verstanden zu werden.)

      Hundertwasser hat auch etwas Schönes übers Malen gesagt, vielleicht kommt man darüber dem Näher was er mit dem oben gesagten gemeint haben könnte:

      „Malen ist träumen. Wenn ich male, träume ich. Wenn der Traum zu Ende ist, erinnere ich mich nicht mehr daran, was ich geträumt habe. Das Bild aber bleibt. Es ist die Ernte des Traumes.“

      (Steht im selben Buch.)

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      1. Wow, ich bin begeistert, danke dergl! Stimmt, es reicht einfach nicht einen Satz zu lesen, der Kontext ist wichtig. Ich stimme Hundertwasser zu: die Freiheit des Gestaltens, die Natur als Mittelpunkt und nicht als Nebeneffekt zum Mountainbiken am Wochenende oder als Kulisse für Motorradausflüge …wir sind Teil des Ganzen, aber herrjeh, was treiben nur die Menschen?!
        „Malen ist träumen. Wenn ich male, träume ich. Wenn der Traum zu Ende ist, erinnere ich mich nicht mehr daran, was ich geträumt habe. Das Bild aber bleibt. Es ist die Ernte des Traumes.“ So geht es mir sehr oft mit meinen Collagen und Fotomontagen- ausserdem wissen sie manchmal etwas von mir, das ich erst Monate später begreife.
        Wer malt, wer schreibt, wer ist?
        herzliche Abendgrüsse
        Ulli

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  2. Er hat auch etwas Schönes darüber gesagt, dass gerade Linien krankhaft sind, weil sie in der Natur nicht vorkommen. Das hat mich schon manchmal bei Installationen etc. geerdet, wenn ich dachte, ich muss etwas so oder so und nicht anders hinbekommen.

    Und auch an so etwas triviales wie den Haushalt hat er gedacht: Bügeln ist seiner Meinung nach ebenfalls krankhaft, da es eben die Natur von Stoffen ist sich in Falten zu legen.

    Du schreibst: …ausserdem wissen sie manchmal etwas von mir, das ich erst Monate später begreife.

    Das kenne ich gut, liebe Ulli. Ich habe manchmal intuitive Einfälle, die ich im ersten Moment nicht verstehe. Wenn ich sie aber umsetze (viele habe ich leider verworfen), dann geht mir oft später, mit Abstand auf: Das soll(te) dir das und das sagen.

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