Sipp- und Seilschaften

Ein Glossar gefällt mir nicht. Es passt einfach nicht. Ich glaube, in so etwas wie das Ding hier muss man rein geschmissen werden. Das ist kein Entertainment, keine schnelle Lektüre und draußen in der Realität warnt Sie auch niemand vor. Wer weiß, vielleicht hat Ihnen Mikesch schon Brot verkauft und Sie haben gar nicht gemerkt wie schlecht es dem Menschen, der Ihnen das Geld rausgibt geht. Vielleicht ist die nette Nachbarin mit dem Hund aus der Tierrettung, die immer so freundlich grüßt eine wie die Mit-Künstler-Mutter oder Ihr älterer Postmann einer wie der Handschuhschenker, vielleicht der Proll mit der tiefer gelegten Protzekarre und der ätzenden Bummbumm-Musik ein erwachsenes Kind wie der Diddl-Maus-Junge, der dauergenervte Kassierer oder Lieferant einer wie der Mit-Künstler oder die Frau, die beim Elternbasteln in der Kita jedes Mal plötzlich aufspringt und wegmuss eine wie dergl. Das steht nicht unbedingt in deren Gesicht.

Allerdings, hier lesen ja – das scheint eine Besonderheit der Fädenrisse unter den Blogs dieser Art zu sein – auch recht viele Nicht-Betroffene. Ein Mittelweg: Einmal die Besetzung erklärt, dann ist bei Gelegenheit ein Artikel dazu vorhanden auf den verwiesen werden kann.

dergl: Hat sich von ursprünglich geweigert die Fädenrisse als das Blog einer pflegenden Angehörigen zu bezeichnen. Es ist eines, das weiß ich und ich komme damit mittlerweile klar, aber ich mag die Erwartung hinter dem Stempel nicht. Hier wird nicht gejammert und gemotzt, ich sage Ihnen nicht wie Sie irgendwen hier finden sollen. Ich zeige und der Rest liegt bei Ihnen. Ursprünglich sollte das hier ein Künstlerblog werden.

Mikesch: dergl-Mutter und die allergrößte Wichtigkeit auf der ganzen Welt – ihrer Meinung nach -, auf jeden Fall aber die allergrößte Wichtigkeit in den Fädenrissen, denn es geht hier zumeist um sie. Ihr Name hier stammt von ihrer Lieblingsserie, sie schwärmt von der alten Schwarz-weiß-Fassung aus den sechziger Jahren.

Zu dieser Familie gehören auch: der Stiefvater als Mikesch-Ehemann und der Diddl-Maus-Junge, das ist der Mikesch-Sohn und jüngere dergl-Bruder. Er wohnt mit Mikesch in derselben Wohnung. Eigentlich wollte er der neue Tim Mälzer werden, das ging nicht, weil seine Eltern fanden, dass Männer das nicht tun. Außerdem ist da noch K., die Schwägerin von Mikesch. Sie wohnt ihr gegenüber, muss oft die Erstversorgung machen und kommt deshalb gelegentlich in der Dokumentation vor.

Im Atelier (und nicht nur da) gibt es noch:

Den Mit-Künstler, meinen Assistenten. Aus seiner Familie wird gelegentlich erwähnt die Mit-Künstler-Mutter/Philipp-Mama, die immer noch darauf verweist, dass sie einst Psychotherapeutin mit eigener Praxis und Kassensitz war. Das braucht sie für ihre Integrität. Heute praktiziert sie nicht mehr. Sie ist anders als Mikesch und hat eine andere Sucht, aber wie Mikesch ist sie auch durch ihre Krankheit kaputt.

Das Atelier-Kind: Memory-Virtuose, der jeden Nachmittag damit verbringt entweder den Mit-Künstler zu nerven oder sich auf seine Zukunft als neuer Kandinsky vorzubereiten.

Auguste und Enno: zwei Kolkraben, die morgens Grüße klopfen und Reste frühstücken kommen. Er kommt seit dem großen Pfingst-Unwetter vor einigen Jahren, wahrscheinlich hat mein Balkon ihn gerettet.

Ansonsten kennen Sie hier:

Salma: hat Mann, Schwager und zwei erwachsene Söhne, und sucht immer wieder Eigenheiten der örtlichen Lebensart und der deutschen Sprache. Manchmal befrage ich deshalb meine Leser.

Den Handschuhschenker, einen jener Menschen, die es geschafft haben ihre Sucht zum Stillstand zu bringen. Ein Sohn und Enkel von Alkoholikern, der das Erbe am eigenen Leib mitbekam. Sollte hier ursprünglich gar nicht vorkommen.

Advertisements

4 Gedanken zu “Sipp- und Seilschaften

    1. Ich habe da wirklich lange drüber nachgedacht. Denn es ist natürlich schade wenn dann jemand neu ist und zwar versteht worum es geht, aber trotzdem nicht durchsteigt. Aber man muss sich eben auch fragen was man da eigentlich macht und ob man mit seinem Blog vielleicht in einer speziellen Richtung steht. Das tun die Fädenrisse auf jeden Fall, ein Glossar als solches würde das Ding auch entwerten. Ein Großteil der Leute die hier lesen, sind in irgendeiner Weise betroffen und steigen sofort durch, andere, die öffentlich über ähnliches bloggen machen auch keine großen Vorreden, weil man Dinge auch zerreden kann. Ich mache hier nicht den Erklärbär. Ich antworte wenn ich gefragt werde und gefragt werden ist jederzeit okay. Ich sage das was ist und lass die Leute damit stehen, was jemand draus macht ist nicht meine Sache. Ein Glossar kann so eine Wahrnehmung und Auseinandersetzung sogar noch manipulieren.

      Es ist und bleibt natürlich gut auch mal die andere Seite, die der verwirrten, nicht selbst Betroffenen zu sehen.

      Gefällt 1 Person

    1. Das freut mich. Ich denke einfach anders geht es nicht, auch weil es eben schon mal im Raum stand und ich mich damit nicht anfreunden konnte. Der Artikel ist bald nicht mehr oben, dann sieht es hier wieder „normal“ aus und wenn noch mal einer gar nicht klarkommt und nicht alles was er wissen will fragen will, dann bekommt er ihn eben verlinkt und das war es dann von meiner Seite zu dem Thema Glossar oder nicht Glossar. (Nachdenken oder Fragen sind Kulturtechniken, die man fördern muss. 😉 )

      Gefällt mir

Hinterlasse einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s