Gefechte, nach wie vor

Der Handschuhschenker braucht Hilfe. Ich sei doch Fachfrau für den Zustand danach, wenn ein beklopptes Weib einen die ganze Nacht auf Trapp gehalten hat. Er sei so mit den Nerven runter, er hat schon drei Marmeladenbrote intus. Außerdem würde er gern ausrasten.

Die Handschuhschenker-Schwester und Großneffen-Oma spielt immer noch Krieg. Nachdem sie sämtliche Verwandten, die sich im Internet befinden – also bei sozialen Netzwerken mitmachen – gegeneinander aufgehetzt hat, ist es jetzt wieder das Telefon.

Der Großneffe, das Schwester-Enkelkind, kann nichts für seinen Namen oder dafür wie die Eltern ihn erklärt haben!

Der Handschuhschenker kann nichts für die Endsilbe!

Die anderen Großeltern können nichts dafür, dass sie zufällig etwas mit L und U am Anfang heißen!

Irgendwer anders in der Familie muss die Eltern nicht dazu bringen das Kind umzubenennen!

Es ist ein Nervenkrieg um gelbe Zitronen und rote Erdbeeren, grünes Gras und schwarze Kohle. In aller Offenheit subtil und sinnlos. In solchen Familien aber nicht unnormal.

Gerade weil man das weiß, ist es so schwierig.

Advertisements

19 Gedanken zu “Gefechte, nach wie vor

    1. Danke für den Hinweis! Das ist wenn man jeden Artikel, in dem das Thema vorkommt, einzeln liest oder den Strang generell nicht kennt tatsächlich schwer zu durchschauen (mir fällt das nicht so auf) und wird vielleicht durch diese Bezeichnungen noch mal schwurbeliger. Ich weiß gar nicht ob du bei der ersten „Großneffen“-Erwähnung schon mitgelesen hast.

      Ganz ohne irgendwelche Artikel-Bezugnahmen: Der Handschuhschenker hat (unter anderen) einen Neffen, den er seinen „kleinen Neffen“ nennt (ist aber schon 30/31) und der ist im Juni Vater geworden. Der Handschuhschenker wurde also Großonkel eines Jungen. Die Mutter vom Neffen (eine Schwester vom Handschuhschenker) stört sich an dem Namen des Babys, weil sie Sabine heißt und in dem Jungennamen vom Baby kein S drin vorkommt. Deshalb macht sie, laut Handschuhschenker, alle möglichen Leute, die irgendwie mit der erweiterten Familie (andere Geschwister, Neffen, Nichten, Cousins, Cousinen, Schwiegerleute) verrückt, so dass sich jetzt jeder streitet.

      Ist nicht meine Familie, der Handschuhschenker und ich sind ja nicht verwandt, ist aber so „typisch“, dass es in meiner auch passieren könnte. (Beispiel: Als mein Bruder 1986 geboren wurde und wir nur einen Mädchennamen hatten, weil alle Zeichen auf Mädchen standen, bin ich von meinem Vater gefragt worden wie das Baby heißen soll. Damit ersparte ich meinem Bruder, dass er auf einen russischen Namen, den mein Vater irgendwo aufgeschnappt hatte angemeldet wurde, weil das das einzige war, das ihm einfiel. Meine Mutter hat mir den Namen – sehr häufig in der Generation – bis heute nicht vergeben und sie würde ein ähnliches Fass aufmachen wenn mein Bruder ein Kind hätte und ihr der Name nicht gefallen würde.)

      Gefällt 3 Personen

        1. Wenn etwas nicht verstanden wird – das gilt immer und für alle – bitte einfach fragen. Ich denke da nicht immer wieder dran, weil die Personen hier so etabliert sind. Auch wenn mal ein „Name“ nicht verstanden wird – fragen. Die meisten Leute heißen hier drin nach ihrem ersten Auftauchen, aber das steht ja nicht groß über der Eingangstür.

          Gefällt 1 Person

  1. Ich verstehe nicht, warum man um einen Namen so einen Affenaufstand machen muss. Den Job, einem Kind einen Namen zu verpassen, haben die Eltern. Punkt und toitoitoi und erst mal muss er ihnen gefallen. Den direkten Eltern. Das Gemecker vom Rest der näheren oder weiteren Familie ist doch „nur“ gekränkte Eitelkeit. Wie kommen die auf die Idee, dass sie ein RECHT hätten zu bestimmen, wie der Zwerg heißt? Ich akzeptiere gerade noch „Pumuckl“-Einwände: „Du, in 20 Jahren ist das bestimmt nicht mehr irrsinnig witzig.“ Aber in die Richtung scheint der umstrittene Name bei dir ja nicht gegangen zu sein.
    Wer keinen Stress hat, macht sich welchen.
    Dir dennoch einen guten Wochenanfang, ich hoffe, du konntest irgendwie helfen.
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 2 Personen

    1. Das Baby heißt Ludwig. Muss einem nicht gefallen, fällt aber sicher nicht unbedingt weiter auf, da nun wieder viele alte Namen vergeben werden und der Name hier auch dann und wann in Geburtsanzeigen steht. Also so dramatisch scheint das nicht zu sein als Name. Das Problem der Schwester ist: Es endet wie Hartwig, also der Vorname vom Handschuhschenker, und zu dem hatte ihr Sohn, der Vater vom Baby, immer eine enge Beziehung. (Ist zum Beispiel auch früher oft hin abgehauen wenn er nicht mehr konnte.) Das ist für Mütter in solchen Familien oft schon ein Störfaktor. Dazu sagt ihr Sohn, der Name Ludwig sei ideal, weil die Eltern der Mutter, mit denen klar gekommen wird, mit L und U anfangen und er selber Daniel heißt und seine Frau Denise (?), also der Name nicht nur schön ist für ihn sondern auch alle wichtigen Personen irgendwie drin. Tja, und Sabine ist halt keine wichtige Person, sonst wäre ja ein S im Namen…

      Dann steht der Name auch noch alleine und die Eltern haben den „Fehler“ gemacht zu sagen, dass sie relativ früh wussten, dass sie eigentlich egal für welchen Jungennamen sie sich als Rufnamen entscheiden original den Namen vom Handschuhschenker als stillen zweiten Namen dranhängen wollten. Das ist böse, weil es eben zeigt, der Onkel hat einen wichtigeren Platz im Leben als die Mutter. (Da hätte der Handschuhschenker aufgrund seiner Hänselerfahrung aber auch protestiert, heute ist das Wort mit dem eingemogelten Buchstaben ja nur noch sexuell konnotiert – Tafeln und Schuhe werden nur noch geputzt und nicht mehr ge…chst – und so ein Kind muss durch die Pubertät, bei Ludwig ist aufgrund der Gängigkeit und der Vorsilbe die Gefahr, dass es dahin geht nicht so groß.)

      Mikesch würde übrigens auch durchdrehen wenn ich eine Tochter hätte und die hieß in irgendeinem Namensteil wie die Mutter meines Vaters. An meiner „Nimm2“-Oma habe ich ziemlich gehangen.

      Doch, ich konnte helfen. Der braucht nicht viel, nur jemand bei dem er das lassen kann und wir waren zusammen Lebensmittel kaufen.

      Gefällt 1 Person

      1. Wieder mal danke für die ausführliche Auskunft, jetzt verstehe ich das Drama bisschen besser. Also doch aufs Ego getreten. Gut, das vorzuerzählen nach dem Motto, in dem Namen sind alle wichtigen Personen drin und sie guckt dann doof, weil sie sich nicht berücksichtigt fühlt … ist nicht wirklich glücklich, bleibt aber bei so jemandem wohl auf keinen Fall aus. 😦
        Bin froh, dass ich das nie hatte. Und auf was man bei der Auswahl eines Namens alles achtgeben muss!
        (Ludwig kann man cool abkürzen, finde ich, und wenn alles nicht hilft, gibt es englische und französische Varianten davon, die waren sogar Könige, jawoll, und wenn DAS nichts hilft, gibts Joe Louis, der war Boxer. Aber vermutlich zählt der dann wieder nicht, weil schwarz. Ist schon schwer.)

        Gefällt 1 Person

        1. Luis/Louis, was dasselbe in anderen Sprachen ist, ist seit Jahren sehr beliebt. Beim Atelier-Kind und dessen Bruder in Schule und Spielgruppe sind gleich mehrere pro Gruppe oder Klasse, also wundert es mich nicht, dass einige Leute auch wieder auf Ludwig kommen. War ja auch immer schon gängiger als Hartwig (zumindest Hartwig als Vorname betreffend) und kommt wohl, also Ludwig, heute als Babyname eher in den Kreisen vor, die früher Hartwig vergeben haben. Wir haben aus Spaß mal eine Suchmaschine befragt und bekamen lauter Dr. irgendwas Hartwig Sowieso angezeigt. Deshalb ist der Handschuhschenker jetzt „Dr. bau. phil. h.c.“

          Der Handschuhschenker heißt übrigens so, weil es in der Familie irgendeine unausgesprochene Regel gab Jungenamen mit „Ha“- beginnen zu lassen (Bruder heißt Harald, irgendein Cousin Hartmut) und denen nichts mehr einfiel. Das Skript hat sich bei Daniel, damals in den 80ern auch sehr modern der Name dann wiederholt, weil Sabine und Mann auch nichts mehr einfiel für den Nachzügler und jetzt knallen Daniel und Denise wieder irgendein ungeschriebenes Gesetz im Sabine-Kopf durch. Alle anderen Enkel, also die Kinder ihrer anderen Kinder, haben so Namen wie Ben, Jan, Marie etc.

          Gefällt 1 Person

            1. Hab ich gesehen. Bestimmt ein nettes Spielzeug, wenn man sich dafür interessiert. Würde ich allerdings nicht so viel drauf geben, denn was ist „abrutschen“ außer einer Vorverurteilung? Das Atelier-Kind (Name nach der Statistik heute knapp vor Platz 100) hat einen Schulfreund, der Friedrich heißt. Die Mutter sitzt den ganzen Tag an einer Discounter-Kasse. Ist der Name jetzt abgestürzt, weil er in einer Schicht vergeben wurde, von der diejenigen, die sonst Friedrich vergeben der Ansicht sind die Kinder hießen alle Kevin, Jaqueline und Co.? Die Kinder von einem Paketdienst-Kollegen von Philipp, also noch so en „Unter“-Beruf heißen Gerda, Hilda und Silke. Sind die Namen jetzt abgerutscht?!

              Mich stört das „Schicht“-Blabla sowieso.

              Gefällt 1 Person

              1. Ich bin nur immer fasziniert, wenn ich auf derart manifestierte Vorurteile treffe.
                (Ich hatte einen Kevin-Kollegen. Geboren zu einer Zeit, wo der Name noch völlig unbelastet war. Der hat uns alle so was von in die Tasche gesteckt … und ich schäme mich fast, dass ich es überhaupt erwähne. Und DAS finde ich schlimm, zeigt es mir doch wiederum, dass auch bei mir dieses „Ja, aber so heißt man doch nicht“ doch irgendwo Eingang gefunden hat.

                Gefällt 1 Person

                1. So was gräbt sich ein ob man will oder nicht. Gibt es auch anders, mit den Lieblingsnamen der Helikopter-Eltern zum Beispiel oder den Namen der Kinder, die standesgemäß damit sie funktionieren mit Ritalin zugepumpt werden (dummerweise heißen nicht wenige dieser armen Kinder Philipp). Man liest den Namen und denkt sich seinen Teil. Diverse mir bekannte Lukas‘, die ja angeblich – laut Vorurteil – so nette, ruhige, liebe Jungs sein sollen (die wird es auch geben) sind die reinsten Pestbeulen. Und so leid es mit tut Finn/Fynn ist fast immer ein verzogenes Anwalts-, Lehrer- oder Augenarztbalg. (Bitte überzeug mich einer vom Gegenteil.) Während die angeblich so schlimmen Noahs (der Name ist hier behaftet). die mir begegnet sind bis dato alles ruhige, sanftmütige, kreative Träumerles, also das Gegenteil von Proll-Kloppo waren.

                  Im Übrigen ist ja auch nicht jede Christiane eine Fixerbraut nur weil Frau Felscherinow so heißt. Die Assoziation haben zumindest in meiner Generation – wir sind ja nur bedingt jünger als das Buch – immer wieder Leute gehabt.

                  Gefällt 1 Person

                2. Christiane war, als die Dame geboren wurde, ein Modename, und das galt auch zu meiner Zeit noch (immerhin unter den ersten 30, wobei das KEINE offizielle Statistik ist, die gibt es nicht). Wir waren drei in der Oberstufe, wurden von Sabines und Susannes aber deutlich in den Schatten gestellt.
                  Ich kenne übrigens weder Finns noch Noahs noch pestbeulige Lukasse, sorry. Und die jüngeren Philipps, die ich kenne, decken das ganze Spektrum ab. 🙂

                  Gefällt mir

                3. Als wir in den 90ern Teenager waren gab es auf Viva oder Bravo-TV oder irgendsowas, weiß ich nicht mehr, die Moderatorin Kristiane Bakker, die auch bei MTV war und ich habe mich damals immer gewundert warum beurteilen die alle den Namen nach Frau F. und nicht nach der, aber scheinbar war Frau F. immer noch cooler.

                  Wir hatten massig Daniela, Katrin. Mein Name war ja eigentlich kein Frauenname, das heißt ich stand sowieso auf fragwürdigem Posten, aber den Rufname, der sich dann rausbildete, hat auch keiner mit ’ner NDW-Sängerin assoziiert. Auch deshalb fand ich diese dauernde Frau F.-Assoziation komisch.

                  Gefällt 1 Person

Hinterlasse einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s