Erinnerungsarbeit die Zweite

Im Sommer 1988 oder 1989 ging Klein-dergl einmal schulranzenbepackt auf dem Weg nach Hause an dem Lädchen vorbei, in dem sie ihr Geld für die Bastelbücher verplemperte [O-Ton Mikesch]. Im Schaufenster lagen immer welche und immer überlegte Klein-dergl welches sie als nächstes kaufen würde. Alles Mögliche gab es.

Nur eins fehlte immer. Das mit der Post, von dem sie auf der Titelliste auf einem der Heftrücken gelesen hatte. Das hatte der Laden nie. Damit konnte man Briefe basteln und verzieren und Klein-dergl hatte obwohl sie noch in die Grundschulstufe ging schon eine Brieffreundin im Ausland, Janine aus der DDR. Das war zwar irgendwo in Deutschland, also nicht so richtig Ausland [O-Ton dergl-Vater], aber da war es nicht gut. Die durften da gar nichts und es gab auch nie etwas in den Läden und Obst schon mal gar nicht. Das durfte die Janine nur nicht erzählen, dann wären die Briefe nicht bei Klein-dergl in der Bundesrepublik, so hieß das Deutschland wo die dergl-Familie wohnte, angekommen, sagten die Eltern. Da muss man Janine aber doch erstrecht schöne Briefe schreiben. Dazu wäre das Buch mit der Post gut.

Aber das gab es nicht in dem Laden. Nie. Nie, nie, nie. Verdammt noch eins!

Einmal hatte Klein-dergl schon bei der Verkäuferin nachgefragt und die hatte geantwortet, dass man es beim Großlieferer bestellen konnte. Das müssten die Eltern aber erlauben, sonst ginge das nicht.

Weil Basteln Dreck macht und unnütz ist und diese Hefte verplempertes Geld erlaubten sie es natürlich nicht. Außerdem ist gekauftes Briefpapier besser als selbstgestaltetes, da sieht man viel besser wie gut der Westen ist [O-Ton dergl-Vater].

Können Sie sich denken um was es sich bei Bastelbuch Nummer acht handelt? [Der Handschuhschenker konnte das nicht wissen, es ist also keine „Rache“ für die Lou Reed-Platte an seinem Geburtstag.]

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2 Gedanken zu “Erinnerungsarbeit die Zweite

  1. das ist mal wieder sehr fein geschrieben. Was für ein Bastelheft das ist, kann ich leider nicht wissen, war zu dem Zeitpunkt schon zehn Jahre weg aus der BRD, wie das Land damals hieß.

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    1. Das war halt aus dieser Bastelbär-Reihe und dieser spezifische Titel hieß „…und ab geht die Post!“ Ich hatte ehrlich viele zu sämtlichen Themen, auch welche, die mich nicht so interessiert haben oder nicht umsetzbar waren (Holzbasteln etc., meine Eltern hätten mir NIE ein Stück Holz gegeben, das machen Mädchen nicht…), aber das, genau diesen Titel gab es nicht und gab es nicht. Ich habe mich so oft so geärgert deshalb. Sonst habe ich unter den bekommenen Heften noch was mit Puppenhäusern, Pappbasteln, Basteln für kranke Kinder (das hat er aus „gegebenem Anlass“ genommen) und eins für Ferienfahrten, zum unterwegs basteln. Dann noch die zwei Sammelbände. Mir wurde gedroht, dass ich im November zum Geburtstag mit dem Laternenheft beschenkt werden könnte, falls dann auffindbar.

      Ich bin sehr fasziniert, dass einige Sachen, die darin gezeigt werden heute nicht mehr nachbastelbar sind. Früher hat man locker 24 Streichholzschachteln für zum Beispiel das Puzzle zusammenbekommen. Ich wüsste gar nicht wo ich hier heute überhaupt noch Zündhölzer bekomme.

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