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Ich könnte jetzt sagen, dass ich – mal wieder – nicht alles verstehen muss. Das wäre gelogen. Ich muss es zwar nicht verstehen, aber ich kann es verstehen. Ich weiß es nur nicht. Ich weiß nicht wie genau der Handschuhschenker es geschafft hat hier zum beliebtesten Nebenprotagonisten neben dem Atelier-Kind – das wahrscheinlich deshalb beliebt ist weil es ein Kind ist – zu werden. Aber ich kann verstehen, dass Sie diesen Menschen mögen. Ich bemühe mich nur nicht ihn besonders gut dastehen zu lassen. Der ist einfach so. Und so wie er ist, kommt er hier rein.

Vor fünfzehn-zwanzig Jahren war die Welt noch anders, da hätte sicher die ein oder andere Person, vornehmend weiblich und auf Männer orientiert, auch offline etwas gesagt wie Ich verstehe gar nicht warum der nicht verheiratet ist. So war das damals noch. Jetzt würden dieselben Leute sich zunächst an den vermeintlichen Minuspunkten (etwas älter, etwas korpulenter, mittellos und „nur“ Ex-Bauarbeiter, muss also strohblöd und grob sein) aufhalten. So ist das heute. Und in der Aufzählung ist das „Wichtigste“ noch nicht drin. Das könnte im Jetzt-Zustand ebenfalls ein Minuspunkt sein, denn natürlich niemand will einen Säufer, aber noch weniger Leute kommen mit einem trockenen Alkoholiker klar.

Aber darum geht es gar nicht. Es geht darum, dass wir uns hier offenbar einig sind was Herrn Handschuhschenker angeht.

Der hat offenbar bei Gerda mitgelesen als es um die Bastelbücher meiner Kindheit ging. Er lässt mir Post schicken. Da lag noch was in Dresden bei einem Versandhändler. Für das Wochenende ist auch noch ein Paket angekündigt.

Ausrede: „Kinners, du musst doch beschäftigt werden.“

Zugabe: „Außerdem habe ich noch nie Kinderbasteln gemacht.“

Das ist ein Argument. Muss man genauso wie Schleife binden mal gemacht haben und das Beherrschen dieser Kulturform könnte gewisse Vorteile mit sich bringen wenn der Großneffe etwas größer ist. Die Oma, die immer noch Gift und Galle speit weil im Enkelnamen kein S vorkommt, wird wohl kaum mit ihm – dem Kind, nicht dem Handschuhschenker – basteln. Das ist die Generation Mikesch, die sind nachtragend.

Jedenfalls habe ich jetzt fünf neue (gebrauchte) alte Bastelbücher wie ich sie als Kind hatte und Nummer sechs, sieben und acht sind unterwegs. Freut mich sehr.

Wäre ich eines dieser heutzutage scheinbar normalen, alles irgendwie außer Proportion sehenden, dauernmedieneinflusskonditionierten Exemplare meiner Gattung, dann müsste ich diesen Menschen doch jetzt vor lauter Dankbarkeit ehelichen wollen, oder?

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8 Gedanken zu “Post

    1. Ich würde ja behaupten – aber ich halte mich hier ja mit Urteilen zurück -, dass es relativ schwer ist, diesen Menschen nicht liebzuhaben.

      Das mit dem Heiraten scheint eine mir unverständliche Modeerscheinung bei Frauen meiner Generation und jünger zu sein. Inflationär, so bald eine/r irgendwas tolles/bewundernswertes/interessantes gemacht hat: „Ich will ihn/sie/es heiraten.“ Muss ich nicht verstehen. Die passenden Ehen dazu gibt es auch, man liest hier immer wieder, dass Leute heiraten, die sich ein paa Monate kennen. So als ob das einfach nur ein Happening wäre. Muss ich nicht verstehen. Aber das ist dieses medienkonditionierte, es muss immer ein Kick her, ohne geht es nicht. Ach, ich ohne TV und Smartphone lebende bin ein Anachronismus…

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  1. Da du aber nicht so ein Exemplar bist, musst du nicht. Vielleicht könntest du, wenn du wolltest. Verdammte Konjunktive 😉
    Freunde fürs Leben reicht, das ist schon schwer genug. Oder wie Gerda sagt, liebhaben langt …
    Ich kann Happenings im Allgemeinen nicht ausstehen.

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    1. Ich sähe aber den Sinn nicht jemanden zu ehelichen (oder das zu wollen), dessen Kind man sein könnte (obwohl das heutzutage und scheinbar besonders unter Trinkerkindern kein Hinderniss zu sein scheint, mir sind mehrere „Beziehungen“ bekannt, in denen Frauen +/- 5 Jahre mein Jahrgang Gegenstücke um die 60 haben und für die subjektiv ist das die große Liebe)…

      Happenings sind grauenhaft. Ich mache zum Beispiel auch keine Ausstellungseröffnungen oder derartiges mit. Da werde ich wahnsinnig.

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      1. Ich kannte ein Paar mit einem Altersunterschied von 25 Jahren. Sie ist 40. Da gab es, soweit ich weiß, keine Alkoholproblematik, aber Süchte, allerdings, wieder soweit ich weiß, keine stoffgebundenen. Interessant, dass du sagst, dass das häufiger vorkommt. Und ja, große Liebe auch hier. Allerdings nicht verheiratet.
        (Ich sähe den Sinn auch nicht. Ich will einen Mann auf Augenhöhe, keinen Vater.)

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        1. Dein letzter Satz kann für einige dieser Fälle ausschlaggebend sein, egal ob Suchtproblematik oder irgendwas anderes, da wird unbewusst ein Ersatzelternteil „gesucht“, das gibt Geborgenheit. (Es heißt ja auch, dass man sich bei anderen immer erstmal in die Eigenschaften/Wesenszüge verliebt, die man von den Eltern kennt, weil es vertraut ist. ) Ich hatte mal eine Assistentin, die war damals 34 (*1975) und ihr Typ 61 Jahre alt. Deren Vater war in der Kindheit gestorben und sie hat ganz offen gesagt, dass sie dadurch wahrscheinlich etwas kompensiert. Anderes Beispiel Frauen, deren Männer oder Frauen einige Jahre jünger sind rutschen oft auch wenn sie sich als Partnerin sehen intuitiv in die Mutterrolle. In beiden Fällen hat das was mit emotionaler (Un-)Reife zu tun.

          Bei Suchtthematiken fällt das möglicherweise extrem auf weil kein Kind, das so aufwächst emotional ein Kind sein kann und das wirkt sich natürlich aus. Wenn es Süchte gibt: Grob gesagt ist Sucht Sucht, die Kompulsionen sind immer ähnlich oder gleich.

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          1. Ich habe mich auf jeden Fall schon mal in einen Mann verliebt, der einen mir sehr wichtigen Wesenszug meines Vaters trug, das kann ich also bestätigen. (Ist mir natürlich damals nicht aufgefallen.)
            Ja, Muster. Das was du „Kompulsion“ nennst. War mir nicht klar, dass das übergreifend ist, aber macht Sinn. Danke.

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            1. Kompulsionen/Zwanghaftigkeit. Das braucht auch nicht unbedingt Sucht oder offene Psycherkrankung, das geht mit allem: Zum Beispiel jemand hat sehr dominante oder das Gegenteil weinerliche Eltern, gab es ja besonders bei den älteren noch, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Person sich eben auch so einen Partner findet, auch wenn das gar nicht gewollt ist.

              Ich hatte vor Mikeschs Tablettenfresserzeiten auch Dauernörglerinnen (mir ist damals nicht aufgefallen, warum ich die anzog und sie mich) und mich dann gefragt wie ich zu der „Ehre“ komme…

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