Störfaktor im Atelier

Jemand, ein Fiesling, ein Miesmensch will an mein Schätzchen. Das älteste Stück meiner merkwürdigen Sammlung. Meinen süßen, kleinen Wollnsieallehabenhatteichauchwohastdudenher.

Gerettet.

Und weil ich ihn gerettet habe steht er genau da wo er steht und bewegt sich nicht vorwärts. Auch nicht rückwärts. Oder seitwärts. Nicht nach links oder rechts. Oder nach oben oder unten.

Erstrecht nicht auf irgendjemandes Schulter.

Auch nicht zum Nurmalguckenwieesaussieht.

Er bleibt genau da stehen wo er steht.

Und es werden verdammt noch eins die Finger von dem Etikett gelassen!

Da wird nichts abgeknibbelt!

Soll Fiesling-Miesmensch selber retten gehen, wenn er knibbeln will.

Mein Etikett!
Mein Ranzen!
Mein Schätzchen, weil zwar klein, aber alt.
Mein Synonym für hellblau.

Ich mag keine Menschen, die ungebeten an Sachen gehen. Ob nun meine oder andererleuts [Ich kenne da so jemanden, die… Dann wird man pingelig.] Ganz generell mag ich keine unangemeldeten Besucher. Ich mag überhaupt keinen Besuch im Atelier.

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Abgebrochener Ausschnitt aus einer realen Trivialität um Baby Ludwig

Dem Handschuhschenker wird mitgeteilt, dass Baby Ludwig schreit weil ihm zu warm ist. Salma sagt immer Baby davor, wenn sie den Großneffen meint. Warum weiß ich nicht. Sie kennt meines Wissens nach keinen anderen Ludwig.

Hunger hat der Kleine nicht und vor Kurzem wurde er erst gewickelt, aber ihm ist zu warm, auch wenn der Wagen im Schatten steht.

„Und was soll ich dagegen machen?“

Salma sagt irgendwas auf Arabisch zu ihrem Sohn. Der verschwindet. Dann: „Darf ich an Kinderwagen?“

Es ist gut, dass sie fragt. Diverse deutsche Mütter oder Großmütter oder einfach Frauen haben schon ungebeten in den Wagen gegriffen, weil der Schnuller neben dem ruhigen oder gar schlafenden Baby lag.

Handschuhschenker erlaubt.

Salma zieht dem Großneffen das dünne, aber langärmelige Jäckchen aus und die Decke weg. „Baby Ludwig“, sagt sie.

Philipp erinnert das an Baby Hübner. Ich musste das nachschlagen. Hat auch komponiert, so wie Bettuchen zum Beispiel.

Der Sohn kommt mit einem nassen Waschlappen zurück. Den drückt sie dem Handschuhschenker in die Hand.

„…Fuß waschen! Und dann Arm und Hand und immer Lappen kalt, dann schwitzt nicht. Wenn schwitzt, unzufrieden, dann schreit er.“

„Kinners…“ Handschuhschenker beginnt das Baby abzuwaschen. Baby wird ruhiger.

Philipp: „Hättest du selber drauf kommen können, ne? Schön, dass auch andere Männer für zu doof gehalten werden. Ist mir auch schon passiert.“  Und das ganz ohne Neffe oder irgendwas in der Richtung.

 


 

Strenggenommen ist das hier Leserwunsch-Erfüllung und genaugenommen ist es in diesem Fall schade, dass Boris privat bloggt, denn täte er das nicht, dann könnten Sie sehen wo die Wünsche alle her sind. Boris bat irgendwann mal darum, dass ich mal eine möglichst triviale Sache erzähle, basteln war ihm nicht trivial genug, und über’s Füßewaschen bei Babys rede ich sonst nicht. Kristin hat sich schon länger gewünscht, dass ich mal wieder etwas von Salma schreibe. Und Andreas wollte doch bitte einen möglichst komplizierten Titel zu einem möglichst unkomplizierten Artikel.

Von Nervtötern

Glauben Sie an die Wirkung von Petitionen? Ich nicht. Das ist wie mit den Wahlen, wenn die etwas…, dann… verboten.

In untragbaren Situationen klammert man sich an Strohhalme. So naiv es auch scheint. Das ist menschlich.

Wir haben geredet. Wir haben verhandelt und dabei waren sicher einige zu kompromissbereit. Es haben sich Leute festgekettet. Es haben Leute Parteibüros besetzt. Es haben Leute, inklusive dergl, der Violinistin aus der Künstlergruppe [die ist nämlich auch betroffen] und den Atelier-Kind-Eltern, demonstriert.

All diesen Leuten wurde gesagt, dass sie nerven.

Weil sie ihre unveräußerlichen Menschenrechte wahrgenommen haben wollen.

Na, worüber rede ich mal wieder?

Das Spar… äh… Teilhabegesetz, Sie haben es.

Ich kann Ihnen hier wieder vom Atelier-Kind, von unterbezahlten und teils unqualifizierten Assistenten oder dem Mädchen – hallo Iris und Iris-Eltern! -, das gerne auf die Atelier-Kind-Schule gehen würde, aber immer noch nicht darf erzählen. Ich kann Ihnen auch erzählen, dass ich Leute kenne, die in Rollstühlen von vor der Jahrtausendwende rumgurken, weil die Kassen sich weigern neue zu zahlen so lange die Leute noch reinpassen, uralte Bildschirmlesegeräte, die sich alle fünf Minuten aufhängen haben – hallo Katrin! – oder im x-ten Jahr auf der Warteliste für eine Reha stehen, weil sie aus behinderungsbedingten Gründen keine Einrichtung aufnimmt. Ich kann Ihnen auch erzählen, dass ich keine Touchscreens bedienen kann und keine Ahnung habe was ich mache wenn mein zwölf Jahre altes Handy mit WERT-Tastatur kaputt geht, oder dass Einhandtipper keine Einhandtastatur genehmigt bekommen mit der Begründung nur nach Apoplex-Reha, als ob das der einzige Grund wäre nur einhändig tippen zu können. Ich kann Ihnen von Menschen mit schlecht angepassten, scheuernden oder zu schweren Orthesen erzählen, die fähige und fitte Arbeitnehmer abgeben würden, wenn die Kasse vernünftige Sachen und keinen Billigscheiß bezahlen würde, und jetzt mangels passender Versorgung nicht mal alleine zum Einkaufen können. Und ich kann Ihnen von Menschen erzählen, die mit Mitte dreißig ins Altenheim müssen, weil sie „dasselbe wie Jörg Immendorff haben“, aber nicht Jörg Immendorff sind. Hallo Anja!

Dazu habe keine Lust.

Das nervt nämlich. Immer und immer wieder und immer noch mal. Und immer dasselbe. Für mich ist das eine Variante davon die Jahrmarkt-Attraktion machen zu müssen. Andere sehen das vielleicht anders. [Auch so ein Zahn, den man dem ein oder anderen Noch-nicht-Betroffenen ziehen muss: Wir haben uns nicht alle lieb, wir sind nicht alle uniform, wir ziehen nicht alle immer am selben Strang und wir mögen auch nicht alle die gleiche Wortwahl. Wir sind genauso unterschiedlich wie Noch-nicht-Betroffene auch.]

Ich muss auch nicht wirklich erwähnen, dass Petitionen in ihrer Bequemlichkeit nerven, oder? Ich meine, man klickt irgendwo hin oder schreibt offline seinen Namen drunter und hat innerhalb von ein paar Sekunden ein gutes Gewissen, weil man etwas getan hat oder sich für etwas eingesetzt hat. Oft ohne sich damit beschäftigt zu haben, für was man da gerade gezeichnet hat.

Deshalb sage ich Ihnen auch nicht, Sie sollen bei der hier erwähnten an den Bundestag mitzeichnen. Lesen Sie das, das sage ich auch nur denen von Ihnen, die das Thema so interessant finden, dass wir schon darüber gesprochen haben – jeder andere kann natürlich auch hin klicken -, denken Sie drüber nach und wenn Sie es richtig finden, dann zeichnen Sie die dort verlinkte Petition mit und/oder verbreiten die Kunde und nerven damit mit.

Update: Markus – hallo! -, der hier liest, aber nie etwas sagt, hat mich gebeten nachzusetzen, dass das Dilemma der Prothesen-Träger dasselbe ist wie der Orthesen-Träger. Die hatte ich da oben tatsächlich übersehen, trotz diverser mir bekannter. Walburga verweist fairerweise noch auf die Klientin, die sie zu ihrer Zeit als Pflegekraft in Berlin in einer Demenz-WG hatte: 42-jährige Multiple Sklerose-Patientin, geistig fit, aber aus Kostengründen abgeschoben und deshalb dort gelandet.  

Mikesch hat einen neuen Job

Mikesch hat einen neuen Job. 450€-Basis, branchenfremd an einer Kasse. [Wir vergessen jetzt mal, dass Mikesch Mikesch ist und eine besondere Eigenheit Arbeitsverhältnisse zu beenden hat.]

Der Job ist ihrer Meinung nach auch nicht schlecht. Auch wenn die da nur Billigscheiß verkaufen in dem Laden. Echt, die haben nicht mal Kapselkaffeemaschinen…

Was sie gar nicht gut findet ist:

Das blöde Amt, das nimmt ihr ihr Geld weg! Sie darf nur einen Teil behalten, der Rest wird angerechnet.

Mehrere Leute versuchen ihr auf mehrere Arten zu erklären, dass das normal ist. Es ist ungerecht, aber es ist für alle Betroffenen gleich ungerecht.

Glaubt sie nicht.

Die machen das gegen sie persönlich! Die X. und der Y., die sie angeblich kennt dürfen ihr Geld behalten. Und wenn sie so faul wäre wie [Stiefvater-Sohn-Mutter], dann könnte sie das verstehen, die strengt sich ja nicht an und ist doof, aber Mikesch doch nicht. Wir hatten schließlich mal…

Das Amt soll nur warten. Die verklagt sie! Sie hat Rechtsschutz und dann wird das Amt schon sehen was es davon hat. Und das Gesetz auch, das kann das Gesetz mit ihr nicht machen!

Aber sie bewirbt sich schon weiter. Da wo die dergl wohnt, aber nicht da bei der, sondern da wo die Hochhäuser stehen, woanders, da hat sie sich hin beworben. Da hat sie bald ein Gespräch. Das wäre echt megagut, wenn das klappen würde, weil da, da ist ein Aldi und da kaufen normale Menschen zwar nicht, aber in der Stadt wo die dergl wohnt, da ist der Aldi anders als bei ihr, also merkt das keiner wenn sie doch da kauft. Die K. hat gesagt, es gibt bei Aldi jetzt Coca-Cola und Milka-Schokolade. Vielleicht hat das der Aldi von der dergl auch. Bei Mikesch in der Stadt merkt das dann keiner, dass sie bei Aldi war. Und sie hat im Fernsehen gesehen, dass der Aldi, den die dergl hat jetzt Coffee to go hat, für nur einen Euro. Da kann sie dann immer hingehen zum Kaffeetrinken. Ehrlich, wäre das gut, total…

[Falls der Personalmensch in dem Laden, in den sie sich beworben hat tatsächlich nicht auf diverse Papiere schaut oder eine unvollständige Bewerbungsmappe akzeptiert, hoffe ich, Mikesch nimmt nicht das Knacken von öffentlichen Kaffeeautomaten in ihr Repertoire auf. Dass die Plörre auch „Billigscheiß“ sein müsste, würde ihr in dem Moment egal sein.]

Die Zeiten sind nicht mehr die Zeiten

Zum Ferienende

Habe ich Ihnen eigentlich erzählt, dass das Atelier-Kind nichts mit der Beschreibung der Hydraulik einer Baukranes anfangen konnte? [Ich offenbar auch nicht wenn ich nicht mehr weiß ob das wirklich Hydraulik hieß.] Dabei war der Handschuhschenker so in seinem Element beim Erklären.

Früher fanden Jungs das spannend…

Die Zeiten sind nicht mehr die Zeiten.

 

Das graue Haar

Mikesch ist empört! Weil… also… das geht doch nicht… Die dergl, die ist noch nicht ganz sechsundreißig, erst im Herbst, und hat schon graue Haare. Echt! Schlimm ist das.

Und was noch viel schlimmer ist: Die will gar nichts dagegen machen! Die sagt, das ist eben so, und dass es nur ein Haar ist.

Aber da muss man doch färben! Muss man, machen alle Frauen. Graue Haare haben nur Männer.

Außerdem muss die sowieso zum Friseur. Die muss die Haare nämlich jetzt abschneiden. Wie sieht das denn aus wenn man lange Haare hat und aufm Kopf schon grau ist?! Überhaupt mit die langen Haare bei der immer. Sieht aus wie’n Kerl!

Wie, die Mikesch weiß ganz genau, dass die dergl keine kurzen Haare haben will und dass sie außerdem einen Kurzhaarschnitt gar nicht selber frisieren kann? Na, dann muss die dafür mal einen beantragen. Der kommt dann morgens und macht ihr die Haare, muss man nur zum Arzt gehen und sagen Ich brauche das, kriegen die Alten auch und die Behinderten kriegen immer alles, da macht die dergl bestimmt was falsch. Aber wenn sie schon so alt ist, dass sie graue Haare kriegt, dann kann sie sowieso ins Heim ziehen.

Gut, dass man selber nicht so aussieht, dabei ist man doppelt so alt. Polyirgendwas Coloration ist eine tolle Sache. Wie, man ist nicht doppelt so alt wie die dergl? Aber man ist doch doppelt so alt… jawohl, man war dreißig Jahre alt als der Diddl-Maus-Junge zur Welt kam und der wird jetzt dreißig und die dergl ist doch nur älter als der, sechs Jahre sind doch gar nicht so viel…