„Auftragsarbeit“

Boris, der mich schon einmal etwas gefragt hat und den ich Ihnen immer noch nicht verlinken soll, weil Sie da immer noch vor verschlossener Tür stehen würden, weil er passwortgeschützt bloggt, hat an diverse seiner des Schreibens mächtigen Leser Schreibaufgaben verteilt.

Er hat in seinem Blog ein Projekt, das sogenannte „Kundengespräch-Projekt“ und das ist Teil eines größeren Fiktionsprojektes in seinem Blog und spielt in dem Milieu, in dem seine Mikesch vorzeiten ihr Geld gemacht hat. Da gibt es mehr als klischeehaft heruntergekommen und Straßenstrich. Da gibt es ganz patente, saubere, normale, nette Leute und nicht jeder von denen macht es um eine Sucht zu finanzieren.

Um diese patenten, sauberen, normalen, netten Leute geht es in Boris‘ Projekt. Dienstleistende wie Kunden. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass das auch nicht alles klischeehafte Idioten sind und ein bisschen Recherche bringt das auch zutage.

Boris hat also seine des (literarischen) Schreibens mächtigen Leser gebeten, ob sie ihm nicht Szenen oder Dialoge erfinden könnten. Dazu gab es per Losverfahren Stichworte, die in dem Text vorkommen mussten.

Meine waren die noch junge Ulrike, Brille, post mortem und als Schlusssatz “Ja, ich.“ Bei einem habe ich gepfuscht, da ich weder Fan von Krimis noch CSI oder wo sonst noch Leichen drin vorkommen bin und mich entsprechend nicht auskenne. Walburga wohnt in Norwegen neben einem Typ namens Morten, dass der Kunde hier so heißt muss reichen. Dass es da um die die noch junge Ulrike gehen soll hat damit zu tun, dass es in Boris‘ Projekt zwei Ulrikes gibt und eine ist nicht mehr so jung wie die hier gemeinte.

Manchmal wenn er vor dem Aufstehen auf der Bettkante saß blieb ich liegen und zählte die Muttermale bei der Wirbelsäule. Dann hob er die Arme vor und rieb sich die Nasenwurzel zwischen den Augen. Ich sah das ja nicht, aber mir gefiel sein Gesicht nicht mehr sobald er die Brille abnahm. Das hatte ich ihm auch gesagt.

Er hatte gelacht. Ein bisschen verschämt, aber es kam von innen. „Meine Frau findet mit Brille nicht schön.“

Ich weiß nicht ob mir seinen Ring je genauer angesehen hatte. Es spielte für mich keine Rolle. Ich hatte auch gelacht.

Wir lachten viel und oft.

Einmal erzählte er mir vorher warum Frauen, die Ulrike hießen seiner Meinung nach alle rote Haare hatten. Eine Familie aus dem Allgäu hatte in seinem Heimatort Urlaub gemacht und die Puppe der Tochter hatte Ulrike geheißen.

„Rote Wollhaare, zwei Zöpfe und rosa angezogen. So wie du.“

„Wer nennt denn seine Puppe Ulrike?“

„Das ist lange her“, meinte Morten.

„Der Name war schon alt als ich geboren wurde. Es gibt viele Ulrikes, aber alle älter als ich.“

Er hatte gegrinst. Hinter den Brillengläsern sah ich die Krähenfüße. Er sah damit nicht alt aus.

„Und keine, die ich kenne hat rotes Haar. Blond, dunkelhaarig, grau, alles da. Rot nicht.“

„Nur du.“ In dem Moment hatte er die Hand unauffällig auf der Tischplatte hinter den Obstkorb bewegt.

„Ja, ich.“

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