Weil es in Familien wie unseren immer einen geben muss

Weil es in Familien wie unseren immer einen geben muss lädt der Handschuhschenker nicht nur einen Stapel Notizbücher aus der Wochenaktion vom Discounter bei mir ab, er möchte auch wissen wie man so einen Lappen füllt. Ob man da so wie bei der Inventur – ein Werkzeug aus dem Zwölf-Schritte-Programm – einfach drauf los…

Der eine, den es geben muss ist der eine, der redet. Der streikt, nicht mehr mitmacht, ausgestoßen und verlacht wird. Manchmal auch Schlimmeres. Und manchmal, vielleicht sogar häufiger als anders herum, gibt es den einen eben nicht, dann redet niemand, dann steigt keiner aus. Und oft ist mir begegnet, ist der eine, dieser eine redende Mensch, in der Fachterminologie primär das unsichtbare Kind, zieht man zum Beispiel das Modell der Überlebensmechanismen von Wegschneider-Cruise heran. Menschen wie ich oder der Handschuhschenker. Vielleicht deshalb weil wir, denen klar ist, dass wir am allerbesten gar nicht da sind, am ehesten wissen, egal was wir machen, es ist verkehrt und man will uns sowieso nicht, also können wir auch ausscheren. Ein primäres Maskottchen – hallo Mit-Künstler! – oder Sündenbock – hallo Diddl-Maus-Junge! – wird wohl weniger reden, ein reiner oder vorrangiger Macher, also das verantwortungsbewusste Kind würde vermutlich auch mit noch größeren Schwierigkeiten zu kämpfen haben.

Der Handschuhschenker redet seit Jahren viel. Viel, aber selektiv. Dabei nimmt er nicht unbedingt ein Blatt vor den Mund. Weil die Handschuhschenker-Schwester ihre Giftpfeile wegen dem Namen vom Großneffen, also ihres Enkels, nun auch in Richtung Handschuhschenker verschießt und zwar auf eine Art und Weise, die zwar oft in solchen Familien vorkommt, aber extrem seelenzerstörerisch ist, hat der Handschuhschenker etwas beschlossen. Er hat beschlossen, er kauft eine Kladde und darin notiert er nicht nur was gerade in der Familie abgeht, sondern auch warum. Und wenn der Großneffe irgendwann alt genug ist und vielleicht wissen will woher die Trümmer kommen oder warum der Kriegszustand anhält oder was immer dann Sache ist, dann bekommt der Großneffe diese beschriebene Kladde und hat zumindest Anhaltspunkte.

Das ist –zumindest in solchen Familien – eine schönere, da ehrlichere Art von Erinnerungsalbum als Sammelsurien Babies erster Zahn oder XY lernt laufen, XYs erstes Laufrad et cetera.

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4 Gedanken zu “Weil es in Familien wie unseren immer einen geben muss

    1. Die Welt ist in diesem Fall der Großneffe, der muss sein Leben lang so wie er heißt heißen und der hat irgendwann bedeutend mehr von eine handschriftlich überlieferten Familiengeschichte als von einem Blog. Und dass Handschuhschenker und Blog nicht klappen hatten wir hier mal. Wer solche Kriege gern online nachlesen will, der möglichwerweise in irgendeinem Alkoholiker-Forum fündig, die Kiriegserklärung kommt mit 1.000 lapidaren Gründen zustande. Hier halt der Name vom Baby, weil kein S drin vorkommt, dafür aber eine Referenz an den Handschuhschenker, der „nicht mal der Opa ist“. Bei so Schrapnellen, die irgendwie meinen ihre Kinder seien ihr Eigentum kommt das vor, auch wenn sie nicht selbst stofflich abhängig sind. Ich kannte mal einen ähnlichen Fall, da machte die Mutter ein Fass auf weil die Enkeltochter nicht den von ihr favorisierten Nachnamen bekam. Das Mädchen ist jetzt acht und die Eltern und Großeltern reden immer noch nicht wieder miteinander und die Oma streut immer noch Gerüchte.

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