Gestern auf der Straße

Das Atelier-Kind trifft einen Schulkameraden und beide (!), auch der andere Junge, beschließen die Gelegenheit zu nutzen um Sammelbilder zu tauschen. Das ist vermutlich noch genau wie früher: Man schleppt die Doppel immer mit rum, in der Hoffnung jemanden zu finden, der irgendwas hat, damit man sein Panini-Album voll bekommt. Ich habe das nie geschafft, auf meiner Schule war so etwas unter aller… Sie wissen schon. Arzt-, Anwalts-, Architekten- und Apothekerkinder machen so was nicht. Und deshalb erstrecht. Heimlich. Einer der Christians hatte so viele Möglichkeiten gefunden an Alf-Kleber zu kommen – die Möglichenkeiten waren eine und die hieß Opa, der fand, dass man das als Arztsohn wohl machte und dass das doch eine gute Fernsehsendung sei und alle Kinder, also auch der Chrissi… Ich weiß das noch weil so ziemlich jeder von uns dann versucht hat seine Großeltern ins Boot zu holen -, dass er sogar ein volles Album zusammenbekam.

[Ich meine mich zu erinnern, dass ich bei Alfred J. Kwak gut dabei war, meine Möglichkeiten hießen da Tante und dergl-Patin (die hatte mir erst die Ministeck-Kästen zur Sendung geschenkt, was die dergl natürlich, wie sollte es anders sein, naturgemäß nicht kann, aber – oh Wunder! – innerhalb von zwei Nachmittagen komplett und der Abbildung gemäß zusammen hatte), aber voll war es nicht.]

Jedenfalls: Das Atelier-Kind und der Junge tauschen. Ganz ohne Kommunikationsprobleme. Jeder zeigt was er wegtauschen kann und dann wird ausgesucht. Ein Bild für ein Bild. Keine Probleme.

Mutter von – anderem – Kind: „Finden Sie das richtig, dass der nicht spricht?“

Mit-Künstler: „Wir sind froh, dass der ruhig ist, der quasselt wie ein Wasserfall. So schnell kann sie gar nicht gucken.“

Mutter von Kind: „Sie?“ (zeigt auf mich.)

Mit-Künstler: „Ja, natürlich. Die ist den ganzen Tag wenn ich da bin am hin und her übersetzen.“

Mutter von Kind: „Aber dann wäre es doch einfacher wenn er spricht.“

Mit-Künstler: „Ich hab’s gerade gesagt, der quasselt wie ein Wasserfall. Wenn ich das alles übersetzen müsste, wäre ich der erste Berufsunfähigkeitsrentner wegen Dauer-Sehnenscheidenentzündung, weil der immer labert.“

Mutter von Kind: „Ich meine richtiges Sprechen.“

Mit-Künstler: „Ich auch.“

Mutter von Kind: „Äh..ich meine…“

Mit-Künstler: „Und ich meine: Seien Sie doch froh, sonst stehen wir morgen noch hier, weil er sämtliche Fußball-Ergebnisse der letzten Tage… uns interessiert das nicht, Ihr Sohn ist ein dankbarer Abnehmer. Ich höre da gerade was von Götze.“

[Das kann ich nicht dolmetschen weil mich Fußball nicht interessiert und ich folglich auch die Gebärdennamen der Spieler nicht kenne. Da viele Leute Fußball mögen und die Spieler öffentliche Personen sind werden sie welche haben.]

Mutter von Kind: „Äh…“

Wir sind so desinteressiert an Fußball, dass uns auch nicht interessiert, dass das Atelier-Kind jetzt Besitzer eines Philipp Lahm-Sammelbildes sein soll. Obwohl der auch Philipp heißt, wie der Mit-Künstler, und uns das, laut Atelier-Kind, doch wenigstens zur Kenntnisnahme nicht egal sein sollte.

Heute ist Freitag. Wer will meine Portion Dosenravioli?

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