Recherchefrage

Dass ich als Kind weder Roll- noch Schlittschuh laufen lernte, weil ich das angeblich nicht könne und wie einiges, das ich angeblich nicht könne, aber doch kann habe ich mit der eigentlichen Protagonistin meiner „Susanne“ gemein. Der Charakter hat es dennoch gelernt. Heimlich durch den Mut der Schwester. Sie kann es zwar nicht freihändig und sie kann nicht rollen ohne das Gleichgewicht zu verlieren, aber sie kann auf den Dingern stehen und Schritte machen. Das ist der größte Triumpf ihrer Kindheit. So wie bei mir das Radfahren.

Diejenigen, die hier schon lange dabei sind erinnern sich vielleicht noch, dass ich einmal von der Niederlage erzählte, die es für meine Eltern bedeutet hat mir ein Fahrrad kaufen zu müssen, weil ich fahren lernte obwohl es angeblich völlig ausgeschlossen war, dass ich das jemals lernen würde, das kann die dergl eben nicht. Damit, dass ich es lernte haben sie absolut nichts zu tun, das ist der Verdienst der Mutter eines Sandkastenfreundes meines Bruders, aber die Lorbeeren, die wollten sie haben.

Ich kannte auch niemanden, der Rollschuhe hatte. Einige Mädchen auf meiner Schule machten Eislauf, an irgendeinem Tag kam immer ein Bus der die Prinzessinnen samt Schulzeug und großer Taschen zur Eishalle fuhr wenn der Unterricht aus war, aber ich weiß nicht wie das lief. Ich habe mich nie bemüht als Zuschauer mitzufahren, es hat mich genau so wenig interessiert wie die Hupfdohlen, die meinten, ich müsse sie beneiden. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass eine von denen Rollschuhe hatte. Ich meine Diskoroller, keine Inlineskates, die hatten später bei uns Jungen. Rollschuhe sind was für Proletenkinder, Rollschuhe können dreckig werden und wenn man hinfällt, dann kann man sich die Knie aufschlagen [geht das auf dem Eis eigentlich nicht? Ich dachte nur…]. Deshalb weiß ich gar nicht was man mit Rollschuhen als Kind außer anziehen und losfahren alles machen kann. Man muss wohl den Fuß spitz stellen, damit die Stopper vorne zum Anhalten aufkommen, mehr weiß ich nicht. Ich weiß noch nicht mal ob das losfahren oder loslaufen heißt. Und ich weiß auch nicht was in den achtziger Jahren für Kinder jetzt aber wirklich die coole Farbe für Diskoroller in Größe 32 war.

Kann da jemand von Ihnen Angaben zu machen, trotz dem ich vorwarne, das könnte in den Text finden?

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18 Gedanken zu “Recherchefrage

    1. Mir persönlich war das auch nicht so wichtig (Hauptsache mein Mädchenrad war ein Mädchenrad, und nicht so ein Klapprad oder so was – und nicht rosa, weil ich rosa nicht mochte.) Hier für den Charakter ist es eben wichtig, weil sie es damit einmal zeigen kann. Kann ich WOHL. – zwar vielleicht nicht wie andere, aber sie kann es eben nicht gar nicht, das ist ein unglaublicher Aufwerter fürs Ego, ich weiß es noch mein Fahrrad… Konnte ich halt nicht im Straßenverkehr, aber auf Landstraße und in Parks wo wenig los war, war ich toll, von wegen, die kann nicht. – und wenn die Schwester dann auch noch richtig hübsche hatte, dann ist das eben doppelt toll.

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        1. Der Charakter und ihre Schwester haben dann leider auch die passende Mutter dazu, die Rollschuhe sind nämlich weg als das rauskommt. Das ist nicht nur in der Realität eine gängige Erfahrung – ich spreche zu Recherchezwecken gerade mit diversen Leuten -, sondern auch dramaturgisch wichtig. So eine ganz simple Szene kann die ganze Figur zerstören. Der Stachel Ich darf nichts können kann ja bis ins Erwachsenenleben stecken bleiben.

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          1. Der Stachel „Ich darf nichts können“ (danke) ist verheerend. Danke, das ist ein Ansatz bei jemandem, um den ich mir Sorgen mache. Und der ist älter als ich, da sollte sich die Frage nach dem Erwachsenenleben nicht stellen.

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            1. Ich verstehe, den letzten Teil deines letzten Satzes nicht ganz, daher ist meine Antwort jetzt vielleicht unpassend. So was wird in der Kindheit vermittelt und gerade früher war das ja so, dass keine Widerworte, bei Gelegenheit Fußabtreter etc. von Kindern verlangt wurden. Und wer nie zu irgendwas ermutigt wird und immer nur vermittelt bekommt, man kann es sowieso nicht rechtmachen (und dann haben die Eltern einen deshalb weniger lieb und man ist das selber Schuld), dann wächst sich das nicht raus, das muss man unterdrücken um psychisch überleben zu können und gerade bei der älteren Generation – sage ich jetzt mal so – bleibt das dann für immer und sitzt so tief, dass es gar nicht mehr erkannt wird. Ein Beispiel, ob da irgendwas von für deine Situation passt weiß ich nicht, hier im Blog ist der Handschuhschenker. Auch wenn es bei ihm oder in seiner Familie keine Alkoholproblematik gäbe, dieses hier mehrmals erwähnte „Der kriegt die Klappe nicht auf“, weil ein Junge eben aus Sicht der Eltern eloquent und offensiv sein musste, das hält sich bis heute. Dieses „Du kriegst die Klappe nur zum Reinkippen auf“, das ich hier mit seiner Genehmigung immer wieder abwandele, ist laut ihm ein Originalsatz seiner Eltern als er etwa 14/15 war, genau wie das mit der Tafel. Der wurde zutiefst gedemütigt als er vor der Klasse Tafel wischen musste in der Grundschule, weil er sich nicht beteiligte. Und dass sich dann der Witz mit seinem Namen daraus entwickelte, hätte auch einem schüchternen Kind ohne Suchtfamilienhintergrund das Gefühl vermittelt Ich bin Scheiße. Das ist absichtlich großgeschrieben.

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                1. Über Kinder, deren Eltern ihren eigenen Film fahren/fuhren findest du hier ja genug. Kennst du den Ur-Post über meinen Bruder? Okay, der ist jetzt im Herbst 30, also viel jünger als dein Mensch, aber diese Masche, die meine Eltern bei ihm fuhren, das gab es in allen Generationen und nicht nur in besseren Familien. Und da steht ja gut drin, was es mit meinem Bruder gemacht hat (der würde diverse seiner Handlungen oder Einstellungen im Leben nicht darauf zurückführen), vielleicht ist da auch noch was hilfreiches drin.

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    1. Wahrscheinlich auch mit diesem dann als Quasi-Übermensch hingestellt werden, wenn man sie dann doch kann, nur vielleicht anders, aber mit besserem Ergebnis. War bei mir zum Beispiel beim Stricken so. Ich kann kein Nadelspiel halten, aber mit Rahmen schlagen meine Resultate jede nadelgestrickte Diabetikersocke.

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  1. Rot waren meine Rollschuhe. und es waren so regenbogen-artige Streifen an der Seite. (bei Adidas-Schuhen sind ja auch die drei Streifen seitlich am Schuh). Bin mir nicht sicher, ob es drei oder vier Streifen waren.

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    1. Fein. Stelle ich mir vor wie etwas, das ich heute bei ebay gesehen habe. (Ich will nichts kaufen – was soll ich damit? -, ich wollte schauen ob es eventuell alte zum Anschauen gibt, da war was in rot mit Streifen dabei.)

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        1. Bei uns auf der Privatklitsche galt fast alles als proletisch was für andere Kinder normal war: BMX-Räder, Atlas-Fahrrad-Helme (diese die aussahen wie von Schaumstoff außen, gab es in neonpink und neongelb), Mein kleines Pony-Pferdchen, M.A.S.K. Fahrzeuge, Transformers… Ich hatte eine Mitschülerin, die Katrin hieß und eine „Katrin Kleeblatt“-Puppe von Regina Regenbogen hatte und nicht abgeben wollte weil die ihr von ihrer toten Oma geschenkt wurde, da haben sich die Eltern für geschämt. Weil kein Luxus-Spielzeug oder so. Als die Inliner kamen hatte bei uns kein Junge welche für unter 300 DM. Das war ätzend.

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